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Die weithin unbekannte Vergangenheit Israels – Teil 2

 Von Alan Schink

 


Wer palästinensischen Terroristen vorwirft, die israelische Bevölkerung zu “terrorisieren” und damit die Bombardements palästinensischer Städte durch israelische Streitkräfte zu verteidigen sucht, muss auf einem Auge blind sein. Denn was heute der Hamas vorgeworfen wird, nämlich ihre Ziele mittels terroristischer Aktivitäten erreichen zu wollen, war in den 40er Jahren für spätere israelische Politiker und Ministerpräsidenten charakteristisch und führte zur Gründung des souveränen Staates Israel. Nachdem im Teil I dieser Reihe die Ursprünge der zionistischen Bewegung skizziert wurden, folgen nun Ausschnitte aus der Hochzeit der Israelischen Untergrund- und Terrorbewegungen.

Bereits vor den arabischen Aufständen (1936-39) hatte sich ein Teil der Hagana-Mitglieder von der Organisation abgespalten und der “Irgun“ angeschlossen, einer radikal-zionistischen Terrorgruppe aus dem revisionistischen Spektrum. Die Irgun war mit der kooperativen Haltung der Hagana gegenüber den britischen Besatzern nicht zufrieden. Ihre Mitglieder lehnten die britische Politik konsequent ab und waren der Ansicht, dass die britischen Interessen nicht mit den jüdischen vereinbar waren und dass Polizei und Soldaten des Königreichs die Siedler nicht ausreichend und langfristig vor Übergriffen beschützen könnten. Im März 1938 schrieb der Irgun-Kommandant David Raziel, in der Untergrundzeitung“Durch das Schwert“:
 
„Die Aktionen der Hagana allein werden niemals zu einem wirklichen Sieg führen. Wenn es das Ziel des Krieges ist, den Willen des Feindes zu brechen – und das kann nicht erreicht werden, ohne seinen Geist zu zerstören -, können wir gewiss nicht zufrieden damit sein, uns lediglich zu verteidigen. […] Solch eine Methode der Verteidigung, die es dem Gegner erlaubt, nach Wunsch anzugreifen, sich zu reorganiseren und erneut anzugreifen […], und nicht darauf abzielt, dem Gegner die Möglichkeit zu nehmen, ein zweites Mal anzugreifen, wird “passive Verteidigung” genannt und endet im (eigenen) Niedergang und in der Zerstörung. […] Derjenige, der nicht geschlagen werden will, hat keine Wahl als anzugreifen. Die kämpfende Seite, die nicht im Sinn hat zu unterdrücken, sondern ihre Freiheit und ihren Stolz zu bewahren, auch sie hat nur einen möglichen Weg: Den Weg des Angriffs. Verteidigung im Sinne des Angriffs, mit dem Ziel, dem Gegner die Möglichkeit zum Angriff zu nehmen, wird “aktive Verteidigung” genannt.”(1)

Ziel ein souveräner jüdischer Staat
 
Hauptziel der Irgun (auch “Etzel” genannt), war die Vertreibung der britischen Besatzer und eine jüdische Mehrheit in Israel. Aus diesem Grunde verletzten Irgun-Mitglieder auch vorsätzlich die britischen Einwanderungsbestimmungen, indem sie jüdischen Flüchtlingen dabei behilflich waren, illegal nach Israel einzuwandern. Anders als die Hagana führte die Irgun nicht nur militärische Manöver durch, sondern vorrangig rein terroristische Operationen wie Bombenabschläge und Attentate auf Militärs, Politiker und Zivilisten. Das einzige Kriterium für eine Aktion war dabei, dass sie langfristig zu einem souveränen jüdischen Staat führt. Die Unbarmherzigkeit, mit der Irgun ihre politischen Ziele zu erreichen suchte, schreckte bereits nach einiger Zeit viele ihrer Mitglieder ab und veranlasste sie zum Austritt, brachte ihr aber im Gegenzug ebenso viele neue Anhänger, die ebenfalls der Meinung waren, dass nur die skrupellose Konsequenz, mit der Irgun operierte, letztendlich zu einem souveränen Staat Israel führen könne.

Der Anschlag auf das King David Hotel

Die mit Abstand verheerendste Tat, die von Irgun-Mitgliedern durchgeführt wurde, war der Sprengstoff-Anschlag auf das King David Hotel in Jerusalem am 22. Juli 1946. Der Anschlag war – laut Irgun-Mitgliedern – hauptsächlich gegen Mandatsabgeordnete und Generalstabsoffiziere der Briten gerichtet, von denen viele mit ihren Familien im King David Hotel einquartiert waren. 91 Menschen kamen bei der Explosion ums Leben, überwiegend allerdings Araber. Der Kommandant der Irgun war zu diesem Zeitpunkt Menachem Begin, ein polnischer Einwanderer, der später israelischer Ministerpräsident wurde und auf den zu dieser Zeit ein Kopfgeld von 2.000 Pfund ausgesetzt war.
 
Vieles am King David-Anschlag ist bis heute umstritten. Sicher ist, dass die britische Administration im Hotel ein Hauptquartier für ihre militärische Koordination unterhielt. Es kann also – wie die israelischen Täter im Nachhinein auch bekräftigten – davon ausgegangen werden, dass es das primäre Ziel der Terroristen war, die britisch-militärische Koordination und Kommunikation im Verwaltungsbereich zu destabiliseren und es nicht in erster Linie um viele Tote ging. Ziemlich sicher ist auch, dass die Zionisten telefonische Warnungen an einige Hotelinsassen herausgaben, um die Opferzahl unter den Zivilisten möglichst gering zu halten. In welcher Form und an wen genau diese Warn-Anrufe erfolgten, darüber gibt es von britischer und israelischer Seite zum Teil widersprüchliche Aussagen.
 
Bestätigt ist, dass der Auftrag an den Irgun-Führer Menachem Begin, einen Anschlag auf das King David Hotel auszuführen, direkt von der Hagana-Führung kam, genauer gesagt vom späteren israelischen Politiker und Knesset-Mitglied Moshe Sneh. Die Aktion wurde auch vom späteren israelischen Ministerpräsidenten David Ben-Gurion zunächst befürwortet. Als die Aktion schon in Planung und nicht mehr zu stoppen war, bereute Ben-Gurion seine Entscheidung und versuchte den Anschlag vergeblich zu verhindern.(2)
 
Clement Attlees Ziel: eine Marionettenregierung
 
Die enge Kooperation der Hagana mit den Terrorgruppen Irgun und “Lehi” (siehe unten) hatte vor allem mit der Wahl Clement Attlees zum britischen Premierminister im Juli 1945 zu tun. Attlee machte die Hoffnungen der Zionisten auf einen eigenen Staat zunichte, indem er seine Nahostpolitik drastisch änderte und die Versprechen, die den Zionisten von seinen Vorgängern gemacht wurden, unterschlug. Die britische Regierung wollte nun aus Palästina einen arabischen Staat mit einer Marionettenregierung und einer jüdischen Minderheit nach dem Muster des Irak und Ägyptens machen. Dies veranlasste die Führungen der drei Gruppen zu kooperieren und ein Abkommen zu einer vereinigten Widerstandsbewegung zu unterzeichnen.
 
Das Massaker von Deir Yasin
 
Am 9. April 1948, kurze Zeit vor der britischen Mandatsbeendigung, ermordeten Irgun- und Lehi-Mitglieder über 100 arabische Zivilisten eines Dorfes im nordwestlichen Jerusalem, unter ihnen überwiegend Frauen und Kinder. Die unter dem Namen “Massaker von Deir Yasin” bekannt gewordene Abschlachtung war eines der schwersten Verbrechen der beiden Terrorgruppen. Man geht heute davon aus, dass die Tat dazu diente, die arabische Bevölkerung in Schrecken zu versetzen um sie systematisch aus diesem Gebiet zu vertreiben, da die Zahl der Toten von den Verantwortlichen auch absichtlich überhöht angegeben wurde. Die Hagana distanzierte sich offiziell von dem Vergehen. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Irgun etwa zwischen 1.000 und 2.000 Mitgliedern.
 
Die bereits erwähnte “Lehi”, oder auch “Stern-Gruppe” – so genannt nach ihrem Gründer Avraham Stern – galt unter den Briten als die am meisten geächtete der zionistischen Terrorgruppen. Stern, der einige Jahre in Italien gelebt hatte, war ein Verehrer des Mussolini-Faschismus und zuvor Angehöriger der Irgun. Er hatte das Irgun-Netzwerk zunächst von Osteuropa aus unterstützt, verließ die Gruppe aber im Juni 1940, als die Irgun-Führung beschloss, ihren Untergrundkampf gegen die Briten im Zuge des Zweiten Welkrieges aufzugeben. Die von ihm gegründete Gruppe, die nach seinem Tod – er wurde von britischen Polizisten in seiner Wohnung gefasst und erschossen – von Jitzchak Schamir wiedergegründet und “Lehi” genannt wurde, hatte sogar Bemühungen unternommen mit Nazi-Deutschland zu kollaborieren. Allem Anschein nach wurden die Zionisten jedoch von der NS-Führung ignoriert.(3)
 
Terroraktionen der “Stern-Gruppe”
 
Anders als Irgun führte die Stern-Gruppe auch während des zweiten Weltkriegs Terroraktionen gegen die britischen Besatzer durch – innerhalb und außerhalb Palästinas. Der Großteil der Aktionen von Stern/Lehi beschränkte sich jedoch auf “kleinere” Mordattentate auf britische Gesandte und Soldaten, die darauf abzielten, die Moral der Besatzer nach und nach zu brechen und sie zum Abzug zu zwingen. In einem Memorandum des britischen Geheimdienstes MI5 von 1946 heißt es über die geplanten Auslandseinsätze der zionistischen Terroristen: „In den letzten Monaten wurde berichtet, dass sie [die Stern-Gruppe d.A.] ausgewählte Mitglieder ausbildete, um in einem Auslandseinsatz eine prominente britische Persönlichkeit zu ermorden; dabei wurde mehrmals in diesem Zusammenhang Bezug auf Mr. Bevin [brit. Außenminister d.A.] genommen.”(4)
 
Lehi-Mitglieder waren unter anderem verantwortlich für den Tod Lord Moynes, den damaligen britischen Nahost-Minister, der am 6. November 1944 in Kairo auf offener Straße erschossen wurde. Außerdem gehen ein Sprengstoffanschlag 1947 auf eine britische Polizeistation in Palästina (4 Tote und 140 Verletzte), sowie diverse Anschläge auf die Kairo-Haifa Eisenbahnverbindung, die auch vom britischen Militär genutzt wurde (über 60 Tote, 100 Verletzte), auf das Konto von Stern/Lehi.
 
Mord an Folker Bernadotte und André Serot
 
Traurige Berühmtheit erlangte diese Gruppe jedoch erst nach ihrer offiziellen Auflösung im Mai 1948, als ehemalige Mitglieder in einer Splittergruppe verdeckt weiter operierten und am 17. September 1948 den UN-Gesandten Folker Bernadotte sowie den UN-Miltärbeobachter André Serot in ihrem Auto aus einem Hinterhalt heraus erschossen. Bernadotte hatte sich zuvor stark für eine politische Versöhnung zwischen Israelis und Arabern eingesetzt und versucht, ein Friedensabkommen in die Wege zu leiten.
 
Wie bereits angedeutet, beschränkten sich die Terroraktivitäten von Irgun und Lehi nicht nur auf den nahen und mittleren Osten. Irgun beispielsweise war auch in Europa sehr aktiv und gründete dort verdeckte Zellen, die den illegalen Waffennachschub sichern und jüdischen Flüchtlingen bei der Einreise nach Palästina helfen sollten. Es gibt mittlerweile auch Hinweise darauf, dass Irgun-Splittergruppen noch im März 1952 ein Attentat auf Konrad Adenauer versuchten, um die Wiedergutmachungsverhandlungen mit Deutschland zu stoppen. Bei dem Mordanschlag mit einer Paketbombe wurde ein Münchener Polizist getötet.(5) In einem britischen Geheimdienst-Dossier von 1948 heißt es über die Auslandsaktivitäten der beiden Terrorgruppen: „Unser Vertreter in Jerusalem hat seitdem Informationen darüber bekommen, dass Irgun und die Stern-Gruppe beschlossen haben, fünf ‘Zellen’ nach London zu schicken, um nach dem Vorbild der IRA vorzugehen. Um ihre eigenen Worte zu benutzen, haben die Terroristen vor, ‘den Hund in seiner eigenen Hütte’ zu schlagen. Falls die achtzehn Stern-Mitglieder exekutiert werden, ist Irgun bereit, mit der Stern-Gruppe zu kooperieren.”(4)
 
Nicht Terroristen sondern “offensive Widerstandskämpfer”
 
Dieses Zitat macht das Selbstverständnis der beiden zionistischen Gruppen deutlich. Im Gegensatz zu den Briten und Arabern sahen sie sich nicht in erster Linie als Terroristen, sondern als Befreiungsarmee, als “offensive Widerstandskämpfer” (Vgl. Raziel), die sich nur terroristischer Mittel bedienten, um ihr Ziel zu erreichen. Die Ambivalenz in diesem Verständnis wird schnell ersichtlich, wenn man sich ansieht, dass die Führung der Lehi nicht einmal davor zurückschreckte mit Nazi-Deutschland zu kollaborieren. Auch nicht vergessen werden darf dabei, dass jede friedliche Einigung mit der arabischen Bevölkerung von Lehi und Irgun immer wieder sabotiert wurde. Es ging also nicht nur um die Befreiung von der britischen Unterdrückung – wie der Vergleich mit der IRA zunächst vermuten lässt und was ein moralisch vielleicht noch vertretbareres Motiv suggerieren könnte -, sondern immer auch um die Vertreibung der arabischen Nachbarn durch Mittel des Terrorismus und unter Ausschluss einer friedlichen Einigung.
 
Noch deutlicher wird das anhand einer Broschure der Irgun, die zeigt, wie radikal die Ansichten im Bezug auf die arabischen Palästinenser teilweise waren. In der Broschüre heißt es: „Wir müssen die Araber bekämpfen, um sie zu unterjochen und ihren Forderungen die Kraft zu nehmen. Wir müssen sie als politischen Faktor vom Schauplatz entfernen. Dieser Kampf gegen die Araber wird die Diaspora ermutigen und bestärken. Er wird die Aufmerksamkeit der Nationen der Welt auf uns richten, und sie werden gezwungen sein, das Volk zu ehren, das mit Waffen kämpft. Und ein Verbündeter wird sich finden, der die Armee des Volkes in ihrem Kampf unterstützen wird.”(6)
 
Ungeachtet solcher Zeilen sagte Jitzchak Schamir später ebenfalls, Lehi und Irgund seien keine Terrorgruppen gewesen, sondern (Widerstands-)Armeen. Er rechtfertigte die Anschläge Lehis unter anderem mit dem Argument, dass den amerikanischen Präsidenten Truman (der gegen Ende des zweiten Weltkrieges den Befehl zum Abwurf der Atombombe auf zwei japanische Städte genehmigte) auch niemand als “Terroristen” bezeichne.(7) Ebenso wie der Irgun-Führer Menachem Begin wurde Jitzchak Schamir später israelischer Ministerpräsident. (PK)
 
Quellennachweise:
 
(1) http://en.wikipedia.org/wiki/Irgun#End_of_restraint
(2) http://en.wikipedia.org/wiki/King_David_Hotel_bombing#Prelude
(3) http://en.wikipedia.org/wiki/Lehi_(group)#Contact_with_Nazi_authorities
(4) http://www.wsws.org/de/2003/jun2003/isra-j28.shtml
(5) http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~E7D3C7A84488B4C66AFBE321BD95611FB~ATpl~Ecommon~Scontent.html. Ausführlicher: Sietz, Henning: “Attentat auf Adenauer”. 2003
(6) http://www.wsws.org/de/2003/jul2003/isra-j01.shtml
(7) Bethell, Nicholas, „The Palestine Triangle: The Struggle between British, Jews, and the Arabs, 1935–48“. 1979, S. 278

Von Uri Avnery, 22.12.2007

VERGESST DIE Qassams! Vergesst die Granaten! Sie sind nichts im Vergleich zu dem, was Hamas in dieser Woche abgefeuert hat.

Der Chef der Hamasregierung im Gazastreifen, Ismail Haniyeh, hat mit einer israelischen Zeitung Kontakt aufgenommen und schlug einen Waffenstillstand vor: keine Qassams mehr, keine Granaten mehr, keine Selbstmordanschläge, keine israelischen Überfälle auf den Gazastreifen mehr, keine “gezielten Tötungen” von Führern. Ein vollständiger Waffenstillstand – nicht nur im Gazastreifen, sondern auch auf der Westbank.

Die militärische Führung explodierte vor Wut. Was denkt der nur, dieser Schuft? Dass er uns mit solch schmutzigen Tricks überlisten kann?

DIES IST NUN schon das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass ein Versuch unternommen wurde, unsere Kriegspläne zu vereiteln.

Vor zwei Wochen erklärte der amerikanische Geheimdienst in einem zuverlässigen Bericht, dass der Iran schon vor vier Jahren seine Versuche, eine Atombombe zu produzieren, eingestellt habe.

Statt einen Seufzer der Erleichterung auszustoßen, reagierte unsere Führung mit unverhüllter Wut. Seitdem haben sowohl alle Kommentatoren in Israel als auch unser großes Netzwerk gedungener Schreiber rund um die Welt versucht, dieses Dokument zu unterwandern: es sei verlogen, ohne Grundlage, durch eine versteckte, böswillige Agenda motiviert.

Wunderbarerweise überlebte der Bericht aber unbeschadet. Er hat nicht einmal eine Delle davongetragen.

Der Bericht hat anscheinend jede Möglichkeit eines amerikanischen und/oder israelischen Militärangriffes auf den Iran vom Tisch gefegt. Jetzt kommt die Friedensinitiative von Haniyeh und gefährdet die Strategie unserer militärischen Führung gegenüber dem Gazastreifen.

Noch einmal legt der Armeechor los. Generäle in und ohne Uniform, Militärkorrespondenten, politische Korrespondenten, Kommentatoren aller Sorten und Geschlechter, Politiker von links und rechts – alle greifen das Angebot von Haniyeh an.

Die Botschaft lautet: es darf unter keinen Umständen angenommen werden. Es sollte gar nicht in Erwägung gezogen werden. Im Gegenteil: das Angebot zeigt, dass die Hamas im Begriff ist, sich zu beugen, und deshalb muss der Krieg gegen sie nur intensiviert werden, die Blockade des Gazastreifens muss verstärkt werden, noch mehr Führer müssen getötet werden – warum nicht Haniyeh selbst umbringen? Worauf warten wir eigentlich noch?

Seit Beginn des Konfliktes ist hier ein Paradox am Werk: wenn die Palästinenser stark sind, darf man mit ihnen keinen Frieden machen. Wenn sie schwach sind, ist es nicht nötig, mit ihnen Frieden zu machen. So oder so – sie müssen gebrochen werden.

“Es gibt nichts, worüber zu reden wäre!”, erklärte Ehud Olmert sofort. Alles ist in Ordnung – das Blutvergießen kann also weitergehen.

UND ES geht weiter. Im Gazastreifen und drum herum wird ein kleiner grausamer Krieg geführt. Wie gewöhnlich behauptet jede Seite, dass sie nur auf die Gräueltaten der andern Seite reagiere.

Die israelische Seite behauptet, dass sie nur auf die Qassams und Granaten reagiert. Welch souveräner Staat kann es denn tolerieren, mit tödlichen Raketen von der andern Seite der Grenze bombardiert zu werden?

Es stimmt zwar, dass tausende von Raketen nur eine winzige Zahl an Menschen getötet hat. Mehr als das 100fache wurde bei Verkehrsunfällen in Israel getötet und verletzt. Aber die Qassams verbreiten Angst und Schrecken. Die Bewohner von Sderot und Umgebung verlangen Rache und wirksamen Schutz für ihre Häuser, was ein Vermögen kosten würde.

Wenn die Qassams unsere politischen und militärischen Führer wirklich stören würden, dann hätten sie das Angebot des Waffenstillstands sofort aufgegriffen. Aber die politische Führung kümmert sich um die Bevölkerung von Sderot nicht ernsthaft; sie gehört zur geographischen und politischen “Peripherie” – sie ist weit vom Landeszentrum entfernt. Sie trägt kein politisches und kein wirtschaftliches Gewicht. In den Augen der Führung ist ihr Leiden alles in allem erträglich. Die Qassams haben nämlich auch eine bedeutsame positive Seite: sie liefern einen idealen Vorwand für die Aktivitäten der Armee.

DAS ISRAELISCHE strategische Ziel im Gazastreifen ist nicht, den Qassams ein Ende zu bereiten. Es wäre nicht anders, wenn keine einzige Qassam nach Israel fiele.

Das wirkliche Ziel ist, die Palästinenser, d.h. die Hamas zu brechen.

Die Methode ist einfach, wenn nicht sogar primitiv: die Blockade auf dem Land, zur See und in der Luft noch mehr verstärken, bis die Situation im Gazastreifen vollkommen unerträglich wird.

Der totale Lieferungsstop von Vorräten, außer dem reinen Minimum des Nötigsten, um den Hungertod zu verhindern, hat das Leben auf eine unmenschliche Ebene reduziert. Es gibt faktisch keine Importe und keine Exporte; das wirtschaftliche Leben ist zum Stillstand gekommen, die Lebenskosten sind himmelhoch gestiegen. Die Brenn- und Treibstoffe wurden auf die Hälfte reduziert und sollen noch weiter verringert werden. Die Wasserversorgung kann nach Belieben abgeschnitten werden.

Die militärische Aktivität nimmt immer mehr zu. Die israelische Armee führt täglich Überfälle mit Panzern und gepanzerten Bulldozern durch, um an den Rändern der bewohnten Gebiete zu knabbern, um die palästinensischen Kämpfer zu einem Frontalangriff herauszufordern. Jeden Tag werden fünf bis zehn palästinensische Kämpfer getötet – zusammen mit einigen Zivilisten. Jeden Tag werden Bewohner abgeführt, um aus ihnen Informationen herauszupressen. Der erklärte Zweck ist die Zermürbung und vielleicht auch die Vorbereitung einer Wieder-Eroberung des Gazastreifens – auch wenn die Armeechefs dies um jedem Preis zu vermeiden wünschen.

Einer nach dem anderen der palästinensischen Führer und Kommandeure wird aus der Luft getötet. Jeder Punkt des Gazastreifens ist den israelischen Flugzeugen, Helikoptern und Drohnen ausgesetzt. Allerneueste Technologie macht es möglich, die “Kinder des Todes” , die zum Töten Gekennzeichneten, aufzuspüren, auch mit der Hilfe eines weiten im voraus aufgebauten Netzes von Informanten und Agenten, die teilweise zu ihren “Leistungen” genötigt werden, rundet das Bild ab.

Die Armeechefs hoffen, dass sie durch das Anziehen aller Schrauben die lokale Bevölkerung dahin bringen können, dass sie sich gegen die Hamas und die anderen kämpfenden Organisationen erheben wird. Die ganze palästinensische Opposition gegen die Besatzung werde zusammenbrechen. Das ganze palästinensische Volk werde die Hände heben und sich auf Gedeih und Verderb der Besatzung ergeben, die dann tun und lassen kann, was ihr beliebt: Land enteignen, die Siedlungen vergrößern, Mauern und Straßensperren bauen und die Westbank in eine Reihe halb autonomer Enklaven aufteilen.

In diesem israelischen Plan wird für die palästinensische Behörde ein Job reserviert: als Subunternehmer für die israelische Sicherheit zu sorgen – als Gegengabe für eine Menge Geld, das ihr ermöglichen soll, die Enklaven unter Kontrolle zu halten.

Am Ende dieser Phase des israelisch-palästinensischen Konfliktes soll das palästinensische Volk in Stücke geschnitten und hilflos der israelischen Expansion ausgesetzt sein. Der historische Zusammenstoß zwischen der unaufhaltsamen Kraft (dem zionistischen Unternehmen) und dem unbeweglichen Objekt (der palästinensischen Bevölkerung) wird mit dem Zusammenbruch der palästinensischen Opposition enden.

DAMIT DIES gelingt, muss ein raffiniertes diplomatisches Spiel durchgespielt werden. Unter keinen Umständen darf die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft verloren gehen. Im Gegenteil, die ganze Welt, von der USA und der EU angeführt, muss Israel unterstützen und seine Handlungen als gerechten Kampf gegen den palästinensischen Terrorismus verstehen, der ja angeblich ein integraler Teil des “internationalen Terrorismus” ist.

Die Annapolis-Konferenz und danach das Treffen in Paris waren wichtige Schritte in diese Richtung. Fast die ganze Welt, einschließlich der fast ganzen arabischen Welt, wurden so zu einem Teil des israelischen Planes – vielleicht unschuldig, vielleicht aber auch zynisch.

Das Geschehen nach Annapolis entwickelte sich wie erwartet: keine neuen Verhandlungen begannen, beide Seiten spielen nur mit dem Anschein. Schon einen Tag nach Annapolis verkündigte die Regierung große Bauprojekte jenseits der Grünen Linie. Als Condoleezza Rice etwas dagegen brummelte, wurde angekündigt, dass die Pläne erst noch mal zurückgestellt würden. Tatsächlich wird aber mit hoher Geschwindigkeit weitergebaut.

Wie halten Olmert und seine Kollegen doch die ganze Welt zum Narren! Benjamin Disraeli sagte einmal über einen gewissen britischen Politiker: “Der ehrenwerte Gentleman überraschte seine Gegner beim Baden im Meer und nahm ihnen ihre Kleidung weg.” Wir, die Pioniere der Zwei-Staatenlösung, können dies über unsere Regierung sagen. Sie hat unsere Flagge gestohlen und wickelt sich damit ein, um ihre Absichten zu verbergen.

Endlich besteht jetzt ein weltweiter Konsens, dass Frieden in unserer Region sich auf der Koexistenz des Staates Israel und des Staates Palästina gründen muss. Unsere Regierung schlüpfte da hinein und nützt diese Idee aus, um etwas völlig anderes auszuführen: die Herrschaft Israels über das ganze Land auszudehnen und die palästinensischen Bevölkerungszentren in eine Reihe von Bantustans zu verwandeln. Dies ist in der Tat eine Ein-Staat-Lösung (Groß-Israel) in der Verkleidung der Zwei-Staaten-Lösung.

KANN DIESER Plan gelingen?

Die Schlacht im Gazastreifen ist in vollem Gange. Trotz der großen militärischen Überlegenheit der israelischen Armee ist sie nicht mehr ganz einseitig. Selbst die israelischen Kommandeure weisen darauf hin, dass die Hamaskräfte stärker geworden sind. Sie trainieren hart, ihre Waffen sind effektiver geworden und sie zeigen eine Menge Mut und Entschiedenheit. Es scheint, dass die Tötung ihrer Kommandeure und Kämpfer in einem stetigen Aderlass ihre Kampfmoral nicht beeinträchtigt. Das ist einer der Gründe, warum die israelische Armee davon zurückschreckt, den Gazastreifen zurückzuerobern.

Innerhalb des Gazastreifens erfreuen sich beide Organisationen einer breiten öffentlichen Unterstützung: an der von der Fatah organisierten Demonstration zur Erinnerung an Yassir Arafat und an der Gegendemonstration der Hamas nahmen Hunderttausende teil. Aber es scheint, dass der größte Teil der palästinensischen Öffentlichkeit nationale Einheit will, um gemeinsam gegen die Besatzung zu kämpfen. Sie wollen keinen religiösen Druck, aber sie werden auch keine Führung dulden, die mit der Besatzung kollaboriert.

Die Regierung mag sich täuschen, wenn sie mit dem Gehorsam der Fatah rechnet. Im Wettbewerb mit der Hamas könnte die Fatah überraschen und wieder eine kämpfende Organisation werden. Der Geldstrom, der zur palästinensischen Behörde fließt, wird das nicht verhindern können. Zeev Jabotinsky war weiser als Tony Blair, als er vor 85 Jahren sagte, dass man ein ganzes Volk nicht kaufen könne.

Wenn die israelische Armee in den Gazastreifen einfällt, um ihn zurückzuerobern, wird die Bevölkerung hinter ihren Kämpfern stehen. Keiner weiß, wie sie sich verhalten wird, wenn die wirtschaftliche Misere noch schlimmer wird. Die Folgen mögen unerwartet sein. Aus Erfahrungen mit anderen Befreiungsbewegungen weiß man, dass Not und Elend eine Bevölkerung brechen, aber auch, dass sie gestärkt hervorgehen kann.

Um es einfach auszudrücken: das palästinensische Volk wird auf eine geradezu existentielle Probe gestellt – vielleicht die schwerste seit 1948. Zugleich ist es auch ein Test für die raffinierte Politik Ehud Olmerts, Ehud Baraks, Zipi Livnis und der Armeechefs.

So wird ein Waffenstillstand wohl nicht in Funktion treten. Olmert verwarf die Idee sofort. Dann wurde dies geleugnet, dann wurde die Leugnung geleugnet.

Die Bewohner von Sderot wären wahrscheinlich über eine Waffenpause froh gewesen – aber wer macht sich schon die Mühe, sie zu fragen?

“Obwohl Olmert die Einfrierung von Siedlungsaktivitäten erklärte, sehen wir, dass vor Ort der Siedlungsbau überall in der Westbank und in allen Arten von Siedlungen weitergeführt wird. So lang die Regierung diese Siedlungsaktivitäten nicht einstellt, werden (Friedens)Verhandlungen keinen Erfolg haben.“ – Peace Now

Friedensaktivisten dokumentierten in dieser Woche den fortgesetzten Bau zahlreicher Siedlungen. Sie dokumentierten auch die Zerstörung palästinensischer Häuser. Seit der Annapolis-Konferenz wurden insgesamt acht palästinensische Häuser durch israelische Behörden abgerissen. Gefilmt und fotografiert wurden Bauarbeiten in den Siedlungen Nof Zion, Har Homa, Modi’in Illit, Ma’ale Adumim, Karnei Shomron, Alfei Menashe und im Industriegebiet Barkan.

Dokumentiert wurden auch die Bauarbeiten entlang der Zugstrecke, die Siedlungen wie Givat Ze’ev mit dem besetzten Ostjerusalem führen wird. Die Strecke wird durch die palästinensischen Dörfer Shufat und Bei Hanina führen. Besondern die anhaltenden Bauarbeiten im Osten Jerusalems schaffen Fakten, die einen zukünftigen palästinensischen Staat mit Ostjerusalem als Hauptstadt unmöglich machen.

Das israelische Kabinett wies kürzlich die israelische Behörde für Antiquitäten an, Ausgrabungen am sog. Mugrabi-Weg, dem Ort eines gleichnamigen Viertels nahe der Klagemauer in Ostjerusalem, welches 1967 zerstört wurde, wieder aufzunehmen. Ein Team türkischer Experten, welches die Ausgrabungen prüfte, riet den israelischen Behörden die Ausgrabungen umgehend zu stoppen. In ihren Bericht spricht die Expertengruppe davon, dass Israel versuche Jerusalems Geschichte zu verfälschen, indem es die jüdischen Aspekte überbewerte. Die Ausgrabungen seien Teil „systematisch durchgeführter Anstrengungen, um das kulturelle Wirken, welches in Zusammenhang mit den Ayyubiden, Mamelucken oder Osmanen stehen, zu zerstören.“

Die 2003 veröffentlichte Road Map to Peace, zu der sich der israelische Premierminister Olmert und der palästinensische Präsident Abbas in Annapolis erneut bekannten, sieht die „Einfrierung aller Siedlungsaktivitäten, einschließlich ‚natürlichem Wachstums’ bereits existierender Siedlungen“ vor.

Am Samstag, dem 15. Dezember verwüsteten ca. 70 zionistische Siedler und Touristen palästinensische Geschäfte in der Altstadt von Hebron. Ladenbesitzer sprachen gegenüber ISM davon, dass die Gruppe von ca. 15 zionistischen Besatzungssoldaten geschützt wurde und auf ihrem Weg, gegen die Türen palästinensischer Geschäfte hämmerte, die Waren eines Juwelier- und Handarbeitsladen umher warfen und darauf herumtrampelten.

Einer der Ladeninhaber berichtete, dass er sich bei einem Soldaten beschwerte, ihn dieser aber nur angrinste.  Die Gruppe setzte sich überwiegend aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammen, von welchen viele bewaffnet waren.

Vorfälle wie dieser ereignen sich regelmäßig im zionistisch besetzten Teil Hebrons, in welchem tausende Palästinenser rechtlos unter der Willkür Hunderter zionistischer Siedlern und Soldaten leben müssen.

Zionisten werfen Fenster palästinensischer Häuser ein

So zerstörten etwas zur selben Zeit zionistische Siedler im Hebroner Stadtteil Tel Rumeida die Fenster eines palästinensischen Wohnhauses. Das Haus liegt nahe eines jüdischen Friedhofes und eines Grabes, welches regelmäßig von Siedler besucht wird.

Die Großmutter der Familie befand sich zum Zeitpunkt des Angriffes im Wohnzimmer, als Steine durch die Fenster brachen und neben ihr aufschlugen. Die Großmutter verschwand in ein sichereres Nachbarzimmer. Als sie später aus dem Fenster schaute, waren die Siedler bereits verschwunden, stattdessen aber eine Gruppe Soldaten sichtbar, die scheinbar tatenlos mit angesehen hatten was passiert war.

Dies ist bereits der dritte Vorfall in vier Wochen, bei dem Siedler die Fenster der Familie eingeschmissen haben. Zwölf Scheiben gingen dabei zu Bruch – eine hohe finanzielle Belastung für die Familie, da nur ein Familienmitglied Arbeit hat und sich ein anderer in einem israelischen Gefängnis befindet.

Zionisten zerstören palästinensische Wasserleitungen

Ein weiterer Vorfall ereignete sich  vergangene Woche, als Siedler die Wasserleitungen der Familie Al-Azza zerstörten. Die Familie war so gezwungen Wasser in Kanistern zu kaufen und diese über einen steilen und steinigen Weg zu schleppen, da die israelische Armee die Straße zu ihrem Haus für Palästinenser absperrte.

In diesem Jahr wurde die Familie schon mindestens 17 Mal Opfer solcher Zerstörungen.

Zerstörungen palästinensischen Eigentums sind Teil einer anhaltenden Kampagne der Einschüchterung und Gewalt, um die Palästinenser schließlich zum Verlassen ihrer Häuser zu zwingen.

Besatzungspolizei und Armee bleiben in der Regel tatenlos bei solchen Übergriffen. Hashem Al Azza berichtete von zahlreichen Anzeigen, die er gegen Siedler erstattete – bisher ohne Konsequenzen. Auch der jetzige Übergriff ereignete sich nur wenige Meter und in Sichtweite eines israelischen Armeestützpunktes, doch kein Soldat griff ein.

Am Dienstag, den 27. November drangen ca. 200 zionistische Besatzungssoldaten in die palästinensische Stadt Azzun ein, verwundeten drei Jugendliche, verschleppten zwei Männer und griffen ausländische Menschenrechtsbeobachter an.

Anwohner berichteten, dass über 200 Soldaten und israelische Spezialeinheiten gegen 14.45 Uhr die Altstadt des Ortes betraten und sich an verschiedenen Stellen der schmalen Gassen in Position brachten. Wohnhäuser wurden mit scharfer Munition und Schallgranaten beschossen.  Anwohner berichteten außerdem, dass erst einige Soldaten der israelischen Besatzungsarmee (IOF) in das Dorf eindrangen, woraufhin ihnen ca. 30 Minuten später mehrere Militärtransporter, Jeeps und zwei Minibusse mit Sondereinheiten folgten.

Bei den willkürliche Schießereien der Besatzungsarmee wurden drei Jugendliche verletzt. Ein 16-jähriger wurde in Schulter und Brust getroffen und befindet sich noch in kritischer Verfassung. Ein 13-jähriger Junge wurde in die Taille getroffen und einem 14-jährigen Jungen schossen zionistische Soldaten in einen Arm und die Wade. All wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht.

ISM-Menschenrechtsbeobachtern (HRWs) war es möglich in den Ort zu gelangen, wurden dann aber von Soldaten aufgehalten. Gegen 15.20 Uhr sah ein HRW, wie ca. 10 Soldaten zwei junge palästinensische Männer festhielten und mit vorgehaltener Waffe bedrohten. Die HRWs wurden wie schon zuvor davon abgehalten die Vorgänge zu filmen. Ein HRW wurde von einem zionistischen Soldaten dabei körperlich angegriffen. Anschließend warfen Soldaten eine Schallgranate in Richtung der HRWs und verließen den Ort.

Bei den beiden Verschleppten handelt es sich um die Brüder Mourad und Behah Suhail Rachid Oduan. Familienmitglieder berichteten den HRWs, dass zwischen 25 und 30 Soldaten ihre Wohnung stürmten, wahllos mit scharfer Munition in die Zimmer feuerten und die Einrichtung verwüsteten. Die 23-jährige Schwester von Mourad schlief zur Zeit des Überfalls in ihrem Zimmer, als Soldaten schießend den Raum betraten. Einschusslöcher befanden sich in Decken, Wänden und Möbeln. Ebenso gingen die Fensterscheiben der Wohnung zu Bruch.

Schwester und Mutter von Mourad berichteten, dass Soldaten sie schlugen und mit ihren Waffen bedrohten, während andere Soldaten nach den Brüdern suchten.

Mourad, 24 und sein jüngerer Bruder Behah, 20, schliefen in unterschiedlichen Zimmern, als israelische Soldaten, ihre Zimmer ebenfalls schießend betraten. Zwar beabsichtigten die Soldaten ursprünglich nur Mourad festzunehmen, doch waren sie anscheinend nicht sicher, wer von beiden Mourad sei, und nahmen so beide mit. Mourad und Behah wurden aus ihren Zimmern geschleift und vor den Augen ihrer Mutter und ihrer Schwester getreten und geschlagen. Anschließend wurden sie mit verbundenen Augen und Händen an einen unbekannten Ort gebracht.

Ca. eine Stunde später wurde Behah am Eingangstor von Azzun wieder freigelassen. Soldaten befragten und schlugen ihn während er sich für eine Stunde gefesselt auf der Rückbank eines Armeejeeps saß. Aufgeriebene Unterarme und eine geschwollene Lippe zeugen von der Misshandlung des 20-jährigen. Mourad befindet sich unterdessen immer noch in Gewalt der israelischen Armee.

Am Abend des 26. Novembers drangen israelische Spezialeinheiten, mit Unterstützung der zionistischen Besatzungsarmee in die palästinensische Stadt Zawata ein und verschleppten 14 Männer.

Gegen 18 Uhr stürmten Maskierte einer israelischen Spezialeinheit in ein Café und richteten ihre Gewehre auf die Gäste. Wenige Minuten später erreichten mehrere Jeeps der Besatzungsarmee den Ort, umzingelten das Café und hielten Palästinenser davon ab das Gebiet zu betreten. 14 männliche Gäste des Café wurden scheinbar willkürlich ausgewählt und verschleppt.

Fünf der Männer im Café konnten der Verschleppung entgehen, da der israelische Kommandierende sie für zu alt befand. Die anderen 14 wurden in ein Militär-Transporter verladen und in das Gefängnis Huwwara gebracht. Einer der Männer berichtete später, dass ihm für sechs Stunden wiederholt Schläge mit Gewehrkolben versetzt wurden. Augenzeugen berichteten, dass niemand der Verschleppten zuvor nach seinem Ausweis gefragt wurde. 12 der 14 Männer wurden mittlerweile wieder frei gelassen. Die zwei anderen, darunter ein palästinensischer Journalist, werden weiterhin festgehalten. Ihr Aufenthaltsort ist zurzeit unklar.

Während der Invasion, verwüsteten Soldaten die Einrichtung des Cafés und fesselten alle anwesenden Männer.  Der Ladenbesitzer wurde mit einem Gewehrkolben in die Weichteile und gegen die Schulter geschlagen. Mindestens ein Notarzt der Palestine Medical Relief Society wurde davon abgehalten den Ort zu betreten und sich um eventuell Verwundete zu kümmern. Zionistische Soldaten schossen mit gummiummantelten Stahlkugel auf ihn, als er versuchte das Café zu erreichen.

Zawata, eine Kleinstadt mit ca. 2000 Einwohnern, wurde schon öfters Opfer israelischer Invasionen. Soldaten dringen fast jede Nacht in den Ort ein. Die Bewohner leiden auch unter der Absperrung von hunderttausenden Quadratmeter ihrer Felder durch israelische Militärstraßen.

Das palästinensische Dorf und seine Bewohner wurden heute wieder Opfer einer Operation des zionistischen Besatzungsmilitärs. Zionistische Besatzungssoldaten verschleppten zwei palästinensische Jugendliche und drohten ausländischen Menschenrechtsbeobachtern mit Erschießung. In den letzten Wochen marschierte die Besatzungsarmee wiederholt in das Dorf ein, verhängte Ausgangsperren, führte Massenfestnahmen durch, stürmte Wohnhäuser und riegelte Straßen ab.

Gegen 16 Uhr, drangen zionistische Besatzungssoldaten in das Dorf ein, schossen mit scharfer Munition und warfen Schallgranaten. Ein Militärfahrzeug steuerte direkt auf eine Gruppe Fußballspielender Jugendlicher zu. Scheinbar zufällig wurde ein 15-jähriger Junge gegriffen ein umgehend per Jeep abtransportiert. Seine Familienglieder mussten den Vorgang hilflos mit ansehen, konnten den Jungen aber glücklicherweise 30 Minuten später wieder entgegen nehmen.

Die Soldaten setzten ihre willkürlichen Schießereien fort, offenbar ausschließlich mit dem Ziel die lokale Bevölkerung einzuschüchtern.

Internationale Menschenrechtsbeobachter (HRWs), die, auf Grund der anhaltenden israelischen Gewalt, täglich in dem Dorf präsent sind, gingen auf die Soldaten zu und fragten nach dem Grund ihrer Präsens. Wie schon einige Tage zuvor, verweigerten die Soldaten jegliche Auskunft und drohten stattdessen die beiden HRWs zu erschießen.

Ein zwölf-jähriger Junge, welcher zufällig mit seinem Vater an den Soldaten vorbei lief, wurde festgenommen und ohne Erklärung weggebracht. Einige Zeit später wurde auch er glücklicherweise wieder freigelassen.

Während eines erneuten Einmarsches der zionistischen Besatzungsarmee in das palästinensische Dorf Azzun, verschleppten Soldaten heute acht Männer. Mit mehreren Militärjeeps stürmten Soldaten gegen 2.30 Uhr das schlafende Dorf, schossen Schallgranaten und befahlen den Bewohnern ihre Häuser zu verlassen. Selbst eine Familie mit zwei Babys wurde gezwungen für ca. eine halbe Stunde im kalten Regen auszuharren. Soldaten plünderten währenddessen mehrere Wohnhäuser.

Die acht Verschleppten sind zwischen 17 und 25 Jahren alt und wurden aller Wahrscheinlichkeit nach willkürlich ausgewählt.

Die Familie eines der Männer berichtete, dass ca. 30 israelische Soldaten ihr Haus zwischen 2.30 Uhr und 3 Uhr betraten und trotz geöffneter Tür Schallgranaten in die Wohnung schossen. Die Soldaten verwüsteten das Haus und nahmen anschließend den ältesten Sohn der Familie, einen 25-jährigen Angehörigen der palästinensischen Autonomiebehörde, der sich zur Zeit im Urlaub befindet, gefangen.

Ein weiterer junger Mann, ebenfalls 25 Jahre alt, wurde aus seinem Haus verschleppt, während seine Familie für 15 Minuten draußen im Regen warten musste. Soldaten brachen die Tür seines Hauses auf und verlangten von den Eltern des Mannes, alle ihre Söhne der israelischen Armee zu übergeben. In seine Pyjamas wurde der einzige anwesende Sohn der Familie nach draußen geschleift. Bitten der Familie, ihm wenigsten warme Kleidung mitgeben zu dürfen, wurden ignoriert.

Anwohner berichteten, dass solche Vorfälle zu den üblichen Taktiken der israelischen Armee gehören. „Sie kommen immer im Winter und nach Mitternacht“, sagte ein Anwohner. „Sie durchsuchen die Häuser und nehmen die jungen Männer, im Alter von um die 20 Jahre, mit sich. Wenn die Familiensöhne nicht zu finden sind, zerstören sie alles – Lebensmittel, Kleidung, Möbel, einfach alles. Manchmal zerstören sie sogar die Hauswände.“

Der Vater einer der Verschleppten berichtete, dass seine Familie schon öfter Oper willkürlicher Verhaftungen wurde- Er, sein Vater und sein Großvater seien mehrmals grundlos in israelische Gefängnisse gebracht wurden. Einmal verschleppten israelische Soldaten sogar seinen 13-jährigen Sohn und ließen ihn erst nach einer Woche wieder frei.

Keine der Familien hat irgendwelche Informationen über den Aufenthaltsort ihrer Söhne. Für die Festnahmen wurden weder Gründe genannt, noch ist es den Familien bekannt ob ihre Söhne angeklagt werden oder in Administrativhaft (faktisch zeitlich unbegrenzte Haft ohne Anklage oder Gerichtsprozess). Sie vermuten, dass wenn überhaupt, es frühestens nach 12 Tagen einem Anwalt erlaubt sein wird, ihre Söhne zu besuchen

Gegen 1 Uhr Nachts begann die israelische Armee heute das Flüchtlingslager Fara’h, nahe Nablus, zu belagern. Menschenrechtsaktivisten (HRWs) wurden gerufen und erreichten den Ort gegen 8 Uhr Morgens. Die israelische Armee gab vor nach einem „gesuchten Mann“ zu fanden. Während des Einmarsches wurden ca. elf Menschen verschleppt, wobei unwahrscheinlich ist, dass der Gesuchte sich tatsächlich unter ihnen befand.Während sich die Armee immer noch im Lager befand, besuchten die HRWs ein Haus, welches zuvor besetzt wurde. Neben vier weiteren Häusern, wurden auch in diesem Türen aufgebrochen, Möbel zerstört und die Einrichtung verwüstet. Ein 6-jähriges Kind wurde offenbar mit einem Gewehrkolben ins Gesicht geschlagen. Das Kind wurde daraufhin in ein Krankenhaus gebracht.

Währendessen fuhr die Armee weiter mit Militärjeeps und Bulldozern durch das Lager. Dabei schossen sie sowohl auf unbewaffnete Passanten, als auch auf parkende Fahrzeuge. Fenster von Wohnhäusern und Fahrzeugen wurden zerschossen, als auch ein Stromgenerator im Wert von 15.000$, woraufhin der Strom im gesamten Lager ausfiel.

Mehrer Sanitäter eilten an den Ort, um sich um die Verletzten zu kümmern. Ein Mann wurde in den Fuß geschossen und ein 15-jähriges Kind in das Bein. Weitere Menschen wurden durch den Einsatz von gummiummantelten Stahlgeschossen verletzt. Allein die HRWs beobachteten drei Jugendliche mit Schussverwundungen an den Beinen, sowie einen weitern, welcher in den Kopf getroffen wurde. Bis jetzt ist nicht klar wie hoch die Gesamtzahl der Verletzten ist und wie viele Menschen sich auf Grund des massiven Einsatzes von Tränengas und Gummigeschossen noch im Krankenhaus befinden.

Nachdem die Armee sich zurückzog, sprachen HRWs mit betroffenen Familien. In einem Wohnhaus klaffte ein großes Loch in einer der Wände. Ein Beton-Tor brach zusammen nachdem ein israelischer Bulldozer das Familienauto in die Luft hub und es gegen das Haus fallen ließ. Das Auto erlitt natürlich auch Totalschaden. Bewohner des Lagers sprachen darüber, dass sie die Nacht auf der Straße im Regen verbringen mussten, nachdem  Soldaten ihre Häuser besetzt hatten. Einige Männer wurden gar gezwungen unter Abflussrohren auszuharren. Einmärsche der Armee geschehen regelmäßig, auch wenn sie nicht immer Menschen angreifen, berichteten Anwohner.

Über das kleine palästinensische Dorf Al-Funduq, 15 km entfernt von Qalqiliya, verhängte das israelische Militär heute eine Ausgangssperre. Zum ersten Mal in der Geschichte des Dorfes, ist es den 700 Bewohnern nicht erlaubt die Straßen zu betreten und ihre Fahrzeuge zu benutzen. Stattdessen wurden sie Opfer willkürlicher Hausdurchsuchungen und Angriffen israelischer Siedler.
Der Erschießung eines israelischen Siedlers am Montag, dem 19. November folgend, haben israelische Soldaten eine generelle Ausgangsperre verhängt, was gleichbedeutend mit einer Kollektivstrafe und nach internationalem Recht illegal ist. Erdhügel wurden aufgeschüttet um zwei der Hauptstraßen des Dorfes abzusperren und so den Verkehr in Nachbardörfer, wie Hajja und Tulkarm, zu verhindern. Die Hauptverkehrstraße des Ortes, welche Qalqiliya mit Nablus verbindet, blieb zwar geöffnet, allerdings nur für israelische Fahrzeuge. Soldaten errichteten temporäre Kontrollpunkte (flying checkpoints), um sicherzustellen, dass kein Palästinenser die Straße benutzt.Da die Verhängung der Ausgangsperre ohne jegliche Vorankündigung geschah, fehlt es vielen Bewohner nun an Nahrung. Da alle Geschäfte geschlossen wurden, musste ein Bewohner das Risiko auf sich nehmen, die Ausgangssperre zu brechen und in ein nahe gelegenes Dorf zu wandern, um dort Milch für seine Kinder zu besorgen. Ein Arzt, der zu einem Notfall in dem Dorf Jinsafut gerufen wurde, wurde von israelischen Soldaten wieder zurück geschickt.

Die israelische Armee behauptet, dass die Ausgangsperre notwendig sein, um nach der gestrigen Schießerei die Sicherheit in der Region gewährleisten zu können. In Gegenwart von Anwohnern des Dorfes, gaben israelische Soldaten allerdings zu, dass ihnen bekannt sei, dass der Schütze nicht aus ihrem Dorf stamme. Stattdessen ist al-Funduq bekannt für seine friedliches Verhältnis zu israelischen Siedlern, von denen viele sogar zum einkaufen in das Dorf kommen. Zwei Bewohner des Dorfes kamen gestern, in der Annahme es handele sich um einen Verkehrsunfall, sogar an den Schauplatz des Vorfalls und leisteten erste Hilfe. Nachdem sie die lebensbedrohliche Verfassung des Siedlers erkannten, riefen sie sofort den Notarzt, der sein Leben aber nicht mehr retten konnte.

Trotz alledem stellten Soldaten die lächerliche Forderung, dass die Dorfbewohner die Schießerei hätten verhindern müssen und machten so die Dorfbewohner kollektiv für den Tod des Israeli verantwortlich.

Um 16 Uhr drang ein Konvoi israelischer Siedler, aus Richtung der Siedlung Qedummim, in das Dorf ein und errichtete aus herumliegendem Material eine provisorische Straßensperre. Als Menschenrechtsbeobachter begannen sie dabei zu fotografieren, versuchten sie diese verbal einzuschüchtern. Die zunehmende Menge israelischer Siedler blockierte schließlich den Verkehr für israelische Fahrzeuge, sodass Armee und Polizei kurze Zeit später eintrafen. Diese taten allerdings nichts, um die Siedler an ihrer Aktion zu hindern. Stattdessen kümmerten sich die Insassen der gestoppten Fahrzeuge selber um die Entfernung der Straßensperre, worauf hin die Siedler sie durch eine menschliche Sperre ersetzten.

Da sie so anscheinend ihrem Ärger noch nicht genügend Ausdruck verleihen konnten, begannen die Siedler später palästinensische Geschäfte zu verwüsten und Steine auf Wohnhäuser zu werfen, in denen palästinensische Familien quasi schutzlos gefangen waren. All dies geschah unter den Augen untätiger israelischer Polizisten und Soldaten. Erst kurz nach Sonnenuntergang, nachdem der Ortsrat die Straßenbeleuchtung ausstellte, beendeten die Siedler ihre Randale und verließen den Ort.

Zurzeit sind mindestens sechs weitere Dörfer in der Region unter Ausgangsperre. Diese sind Jinsafut, Haja, Baqa Al-Hatab, Immatin und Kafr Qaddum.

Umm Zuhir erinnert sich vor allem daran, was die Soldaten zu ihr sagten: “Halt den Mund! Sei still!” Sie hatte wiederholt darum gebeten, die Fenster in ihrem kleinen Haus ein wenig zu öffnen: “Ich bin krank – hast du nicht auch eine Mutter. Ich ersticke”, sagte sie. Und sie antworteten: “Sei still!” oder antworteten gar nicht. Es muss allerdings erwähnt werden, dass sie nichts gestohlen haben.

Am 23. September besetzten zehn Soldaten ihr Haus, zwölf Stunden lang. Dieses Haus liegt an der Hauptstraße des Dorfes Deir Istya, südwestlich von Nablus. Es war an einem Sonntag während des Ramadan. Um drei Uhr nachts hörte ihr Sohn Saeb Qader ein Klopfen an der Seitentür. “Öffne die Tür, hier ist die Armee, Durchsuchung.” Er und seine Frau waren schon wach für die Vorfastenmahlzeit. Die vier Kinder schliefen, auch seine Schwester und seine Mutter in der unteren Wohnung. Qader, 50, Schulrektor, ging nach unten und öffnete die Tür, hinter der sich eine Menge Soldaten. befanden. Später wurde ihm bewusst, wie jung sie waren; sie müssen erst vor kurzem ihr Abitur gemacht haben.

“Ein Soldat gab mir den Befehl, mein Hemd hoch zu heben, kein Wort zu sagen und die Familie nach unten zu bringen. Die Kinder fürchteten sich. Ich sagte zu ihnen, es sei die Armee und dass sie runter kommen müssten. Danach begleitete ich die Soldaten, als sie alle Schränke im Haus öffneten. Die Soldaten sagten mir: ‚Wenn da noch jemand ist außer denen, die nach unten kamen, werden wir ihn erschießen.’” Sie schlossen alle Fenster und zogen die Vorhänge zu. Über zwei Fenster ohne Vorhänge nagelten sie dunkle Decken an die Wand. Sie baten Qader um einen Hammer.

Qader sagte, sie sahen aus, als hätten sie Erfahrungen im Besetzen eines Hauses. Sie ließen uns im Wohnzimmer hinsetzen und zwei Soldaten bewachten uns, mich und meine Frau und die vier Kinder. Sie richteten die ganze Zeit ihre Schusswaffen auf uns.

Medien

Alle paar Tage erscheint in der palästinensischen Presse ein lakonischer Bericht über ein besetztes Haus. In den israelischen Medien gibt es nicht mal eine Erwähnung davon. Die Bewohner dieser Häuser und ihre Nachbarn leiden noch lange Zeit an dem Trauma und der Demütigung, dass ihr Schlaf- und Badezimmer verwüstet wurde.

“Es ist dir nicht erlaubt aufzustehen, du darfst nicht rausgehen. Du darfst nur zur Toilette, wenn es dir erlaubt wird.” So wurde es der Familie Qader gesagt. Zwei andere Soldaten bewachten die alte Mutter und ihre Tochter in der unteren Wohnung mit gezückter Waffe. “Sie wollten, dass ich aus dem Bett komme, doch ich kann nicht, ich kann kaum stehen”, sagte die Frau. Sie ist im Kopf klar, hat aber zittrige Hände und sie ist zu schwach, um auf zu stehen. Sie sitzt dort mit gekreuzten Beinen und mit einer Decke zugedeckt, obwohl es Sommer ist.

Ein Soldat wollte das Bett untersuchen und unter die Matratze schauen. “Denkt ihr ich sitze auf einer Handgranate?” protestiert sie. Die mit ihr lebende Tochter sagte, ihre Mutter sei sehr ängstlich. Die Mutter aber sagte: “Die Soldaten sahen zum Fürchten aus. Wir boten ihnen Tee oder Kaffee an, aber sie wollten nicht. Sie wollten nicht einmal Wasser trinken. Sie sprangen bei jedem leisesten Geräusch hoch. Erst nach acht Stunden erlaubten sie dem Sohn, dass seine Familie zu seiner Mutter und Schwester durften. Sie brachten der Mutter auch einen Fächer runter.

Soweit Qader sehen konnte, waren die Soldaten mit einem großen Funkgerät beschäftigt, das sie im Zimmer installierten, einige schliefen, wo immer sie einen Platz fanden, einige liefen umher. Sie hatten sich ihr Essen mitgebracht. “Sie taten so, als wären sie hier zu Hause – es muss aber bemerkt werden, sie machten nichts kaputt und machten das Haus auch nicht schmutzig”, sagte er. Einer der Soldaten, der sie bewachte, zeigte auf den jüngsten Sohn und sprach in einem Gemisch von Hebräisch und Arabisch: “Wie heißt der kleine Junge?” “Rifat”, antwortet der Vater, “Und du?” “Yaron”.

Um 2 Uhr kamen einige besorgte Bewohner des Ortes, auch der Ortsvorsteher und Nachbarn und Verwandte, um nachzusehen, warum der Schuldirektor und seine Frau, die Lehrerin nicht zur Arbeit gekommen waren. Denn das erste, was die Soldaten weggenommen hatten, als sie gekommen waren, waren die Handys. Sie unterbrachen auch die Telefonleitung.

Die Gäste klopften an die Tür. Die Soldaten waren irgendwie erschrocken von der unerwarteten Wendung der Ereignisse. Sie wollten, dass Qader die Tür öffnet. Sie kamen und fragten mich, was geschehen ist, erklärte Qader den Soldaten und sie erlaubten den beiden Verwandten rein zu kommen und wie die anderen gefangen zu werden. Einer der Verwandten verstand Hebräisch. Er hörte wie einer der Soldaten ins Funkgerät sagte: “Wir sind entdeckt worden”. Der Kommandeur sagte zu ihm: “Macht fertig, was getan werden muss”. Um drei Uhr gingen sie. Der Kommandeur bat Qader noch, nachzusehen, ob auch nichts beschädigt worden ist. Man befahl ihnen dann noch, erst dann aus dem Haus zu gehen, wenn die Soldaten weit weg sind. Nach dem Verhalten der Soldaten zu schließen, ging es ihnen anscheinend darum, das Gelände zu erkunden.

Die Armee sagte, es gäbe keinen Bericht über eine Hausdurchsuchung oder andere geplante Aktivitäten an jenem Tag und antwortete auf eine Frage von Haaretz nicht, warum das Haus besetzt worden sei.

Die Umgebung von Wadi Kana – sanfte grüne Hügel – können leicht von dem Haus beobachtet werden, auch die Straße, die verschiedene Siedlungen verbindet (Emanuel, Yakir, Nofim und Revava). Ein Teil des Landbesitzes des Dorfes war im Laufe der Jahre enteignet worden, um Siedlungen zu bauen, die wie ein C rund um Deir Istiya liegen. Land wurde auch für Straßen konfisziert und eine Militärbasis über Yakir. Zu 500 ha Dorfland können die Bewohner nicht gelangen. Den Westen versperrt ihnen die Siedlung Nofim. Von ihren 3600 ha Land sind ihnen nur noch 1000 ha geblieben.

“Wenn die Leute früh aufwachen und aus dem Fenster sehen, sehen sie auf das ihnen gestohlene Land”, sagt Abu Abdullah, Bewohner des Dorfes und Mitglied von der Volkspartei (früher die paläst. Kommunistische Partei). “Die Landenteignung ist nicht etwas, das man so schnell vergisst. Es ist keine einmalige Gewaltanwendung. Jeden Tag erleben wir diese Gewalt.”

Schikane oder Vorbeugung

Das Betreten des Hauses von Salman in Deir Istya am 1. Oktober war anders: Mitten in der Nacht hörte die Familie, wie Steine an die Stahltür geworfen wurden. Zehn bis zwölf Steine. Einer war besonders groß. Danach kam eine Blendgranate, die an der Hauswand explodierte und einen tiefen Riss hinterließ. Irgendjemand schrie, man möchte die Tür öffnen. Der Vater der Familie, Taleb Salman, öffnete sie. Er sah Soldaten mit geschwärzten Gesichtern. Sie verlangten von mir, dass meine Kinder runterkommen. “Sei Still!” schrie einer ständig. Der einzige der herumschrie war der Offizier. ‚Du bist ein Offizier und verstehst nicht. Hast du keine Kinder?’, fragte ich ihn. Schließlich hatte ich doch die Tür geöffnet – warum so schreien? Ein anderer Soldat sagte zum Offizier: ‚Der Vater ist wie der Sohn – also nehmen wir beide mit.’”

Der Sohn Hamadan, 19, wurde sofort von seinen Brüdern getrennt. Die Soldaten verbanden ihm die Augen und fesselten seine Hände hinter dem Rücken. Sie lehnten die Bitte der Familie ab, ihm noch Kleidung zu bringen. Der Vater hielt ihn fest, während seine Frau ihm noch Hausschuhe brachte. Die Soldaten hatten geplant, das Haus zu durchsuchen. “Ich bat darum, sie zu begleiten, weil Geld im Haus war, damit es nicht gestohlen wird. Ich fürchtete auch, dass sie irgendetwas Schlimmes machen würden. Doch er durfte sie nicht begleiten. Ich begann zu schreien. Dann fielen sie über das Haus her, zerstörten Schranktüren, ein Bett, Möbel, zerbrachen Scheiben von mehreren Schränken und Türen”, sagte Salman. Der IDF- Sprecher sagte, die Klagen würden überprüft, aber nach einem anfänglichen Verhör sei die durchgeführte Verhaftung entsprechend den Vorgaben ausgeführt worden.

Eine halbe Stunde später verließen die Soldaten das Haus mit dem einen Sohn. Nachbarn, die von ihren Fenstern aus beobachteten schrien zu den Soldaten, sie sollen Hamdan nicht stoßen, er könne doch nichts sehen.

In derselben Nacht wurden noch zwei andere junge Männer des Dorfes verhaftet.

Im Oktober verhaftete die Armee 359 Palästinenser in der Westbank. Einige wurden inhaftiert wegen dem Verdacht, kriminelle Taten begangen zu haben, andere waren gesucht worden und wieder andere zu einem Verhör. … Das Komitee gegen Folter hatte im August dem Obersten Gerichtshof eine Petition vorgelegt über die schlechten sanitären Verhältnisse in der Haftanstalt Hawara, wo Hamadan zunächst hingebracht worden war. Am 22. Oktober veröffentlichte der Oberste Gerichtshof eine einstweilige Verfügung, die den Verhafteten den freien Zugang zu den Toiletten erlaubte und bestimmte, dass bis Ende Dezember zusätzliche Toiletten gebaut werden. ….

Während der letzten Monate beklagten sich die Dorfbewohner über ständige Schikanen durch die Armee. Jeeps rasten durch die Dorfstraßen, erschreckten die Kinder, ärgerten die Erwachsenen. Manchmal erzwangen die Soldaten die Schließung von Läden, setzten Straßensperren vor den Eingang des Dorfes, Leute wurden auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle oder zu ihrem Land verhaftet. Das sind Routinevorfälle in der ganzen Westbank und keiner berichtet mehr darüber. Sie werden sogar in den palästinensischen Medien kaum berichtet. “Als ob wir uns daran gewöhnt hätten”, sagt Abu Abdullah, “aber so kommt Zorn zu Zorn, wie Ziegel auf Ziegel.”

Quelle: Haaretz

Offenbar auch Namen auf Terroristen-Verzeichnissen / Stärkungsversuch für Abbas vermutet

Die israelische Regierung hat offenbar bereits im Sommer Dutzende Fatah-Aktivisten von den Fahndungslisten streichen lassen. Das gab der Geheimdienst des Landes laut Zeitungsangaben bekannt. Unklar ist, weshalb die Nachricht erst jetzt veröffentlicht wurde und ob sie im Zusammenhang mit neuerlichen Auseinandersetzungen in den geteilten Autonomiegebieten steht.
 

Nach offiziellen Angaben des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet sollen sich israelische Regierung und der von der Fatah beherrschte Teil der Autonomiebehörde auf eine entsprechende Regelung geeinigt haben. Inwieweit es zu Gegenleistungen, etwa Selbstverpflichtungen oder Garantieleistungen, gekommen ist, bleibt unklar.Wie die „Jerusalem Post“ andeutet, könnte es sich bei den Betroffenen um relativ hochrangige Mitglieder der Militärorganisation der Fatah handeln. Die Aktivisten seien demnach, zumindest teilweise, von der Liste der „meistgesuchten Terroristen“ gestrichen worden. Diese Liste würde 170 Fatah-Mitglieder umfassen, namentlich genannt wurde ein Zakariya Zubeidi von der Al Aqsa Brigade.

Die Übereinkunft stehr offenbar im verstärkten Bemühen Israels, die Fatah gegenüber der Hamas zu stärken, die seit dem Frühjahr den Gaza-Streifen regiert. Die Fatah gilt als gemäßigt, was als kollaborationsbereit übersetzt werden dürfte. Parallel zu der Bekanntgabe trafen sich Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Israels Präsident Shimon Peres zu Verhandlungen in der Türkei. Bei den heute zu Ende gehenden Gesprächen soll es u.a. um die Vorbereitung einer für Ende des Monats in den USA geplanten Nahostkonferenz und eine mögliche türkische Vermittlerrolle gehen.

Ob die jetzige Veröffentlichung zufällig erfolgte, oder Teil einer Taktik ist, bleibt dahingestellt. Die Hamas hatte erst jüngst der Fatah mit einem Aufstand auch im Westjordanland gedroht. Zugleich setzt Israel die Regierung im Gazastreifen weiter unter Druck. So sollen auch die Energielieferungen in den Küstenstreifen weiter gedrosselt werden. Am Montag kamen bei Demonstrationen aus Anlaß des Todestages des früheren PLO-Vorsitzenden Jassir Arafat mehrere Menschen ums Leben. Dabei dürfte es sich um Anhänger der Fatah gehandelt haben.

Quelle: http://www.berlinerumschau.com/

Islamische Bewegung-kein Monopol

Wir,die wir uns erhoben haben,taten dies für den Islam.Unsere Republik ist eine Islamische Republik.Die Islamische Bewegung kann nicht nur auf ein bestimmtes Land beschränkt sein.Auch nicht nur auf die islamische Welt.Eine Bewegung, die um des Islam willen erfolgt.ist die Bewegung der Propheten.Auch sie, die Bewegung der Propheten,war nicht auf ein Gebiet begrenzt.Der Prophet des Islam stammte aus Arabien,seine Einladung aber erging nicht nur an die arabische Bevölkerung,war nicht nur auf die arabische Halbinsel beschränkt,sondern meinte alle,die gesamte Welt.

Ihn überall verwirklichen

Schreitet auf dem Weg des Islam einher, und setzt euch für ihn ein.Damit das Schahadat auf seinem Wege zuteil wird.Und sollten wir - In Scha´Allah - obsiegen,zum Erstarken und Sieg des Islam beitragen und überall,wo auch immer, erhobenen Hauptes sein und in allen Ländern,in allen Teilen der Welt,den Islam verwirklichen und sein Banner aufrichten können.

Islam-Ein Recht aller

Ich hoffe,dass wir das Banner des Islam - das Banner der Islamischen Republik - in allen Teilen der Welt aufrichten können und sich alle dem Islam,der ein Recht aller ist, anschliessen werden. Imam Ayatollah Ruhollah Al Musavi Al Khomeini

Boycott Zionism

Smash Zionism

Widerstand gegen Zionismus,Zionisten und deren Unterstützern!

Boycott Israel

Widerstand macht Sinn

"Wenn die Zionisten die Waffen niederlegen und sich hinter die Grenzen von 1967 zurückziehen wird es Frieden geben. Wenn der palästinensische Widerstand die Waffen niederlegt wird es niemals ein freies, unabhängiges Palästina geben." Ahmed Ibn Fahdlan in Tehran.

Revolution I

"Without a revolutionary theory there cannot be a revolutionary movement"

Revolution II

Revolution! Revolution! Nicht vom Osten!! Nicht vom Westen!! ISLAMISCHE REVOLUTION!!!

Ideologie

"Also wenn wir den Krieg nicht gewinnen was haben wir dann von der Ideologie? Also ich meine, das ist doch nicht einfach irgendetwas aus einem Buch. Eine Ideologie ist doch etwas praktisches, muß doch etwas lebendiges, etwas für Menschen sein!"

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