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Von Lawrence Davidson
INFORMATION CLEARING HOUSE, 15.06.11

Wenn mit der Gründung des Staates Israel die Absicht verfolgt wurde, den Juden der Welt eine sichere Heimstatt zu schaffen, einen Zufluchtsort, an dem sie sich vor tatsächlichem oder potenziellem Antisemitismus sicher fühlen konnten, dann ist das wohl misslungen. Diese Absicht ist gescheitert, nicht weil der Autor das meint, sondern weil eine wachsende Anzahl jüdischer Bürger des Staates Israel das auch so sieht. Studien, die in Israel selbst oder im Ausland entstanden sind, belegen, „dass etwa die Hälfte der Juden, die in Israel lebt, an Auswanderung denkt … , wenn sich in den kommenden Jahren die gegenwärtigen politischen und sozialen Tendenzen fortsetzen“. Diese Erkenntnis wird bestätigt durch die Tatsache, dass die „Yerida“ oder Auswanderung aus Israel schon lange höher als die „Aliyah“ oder Einwanderung nach Israel ist. „Nach Angaben des Zentralen Büros für Statistik haben im Jahr 2005 rund 650.000 Israelis ihr Land verlassen und sind nicht wieder zurückgekehrt.“ Die meisten dieser Emigranten waren Juden. Aus Umfragen geht außerdem hervor, dass mindestens 60 bis 80 Prozent der noch in Israel lebenden Juden „mit denen sympathisieren, die das Land verlassen“.

Unter denjenigen, die bleiben, herrscht die Überzeugung vor, dass sich nur die sicher fühlen können, die über einen zweiten Pass verfügen, der sie zusätzlich als Bürger der USA oder eines europäischen Landes ausweist. Gideon Levy, ein Reporter der (israelischen) Zeitung HAARETZ, meint dazu: „Während unsere Vorfahren von einem israelischen Pass träumten, gibt es jetzt viele unter uns, die vom Pass eines anderen Landes träumen.“ Bis jetzt haben die USA mehr als eine halbe Million Pässe für Israelis ausgestellt, und weitere 250.000 Bürger Israels haben US-Pässe beantragt. Deutschland steht mit 100.000 Pässen für israelische Juden an zweiter Stelle und gibt jährlich 7.000 neue aus. Warum besteht (in Israel) eine solche Nachfrage nach Pässen anderer Länder? Nach Levys Angaben „sind die dafür angegeben Gründe sehr unterschiedlich und manchmal etwas seltsam, aber immer spielen persönliche Besorgnis oder aus der Politik Israels resultierende Ängste mit. Der Pass eines ausländischen Landes ist zur Versicherungspolice gegen kommende trübe Tage geworden. Immer mehr Israelis befürchten, dass die nicht ausbleiben werden.“

Es gibt zwei vorherrschende Erklärungen für dieses Phänomen. Die erste erwächst aus der Überzeugung, dass der sichere Hafen, den der Zionismus schaffen wollte, keineswegs sicher ist. Diese Auffassung vertritt Ian Lustick, ein Politikwissenschaftler der University of Pennsylvania: „Die große Gefahr für den jüdischen Staat besteht darin, dass seine Bürger, auf die Frage, ob sie in Frieden mit ihren Nachbarn im Mittleren Osten zusammenleben oder lieber nichts mit ihnen zu tun haben wollen, Letzteres vorziehen. … Als logische Konsequenz daraus bleibt dann eigentlich nur die Auswanderung.“ Lustick wird von Stephen Walt, einem Professor für internationale Beziehungen an der Harvard University, unterstützt, der dazu feststellt: „Das zionistische Ideal verliert in Israels selbst immer mehr an Zustimmung, weil die israelische Regierung den Friedensprozess endlos verzögert.“

Die zweite Erklärung (für das Phänomen der Flucht aus Israel) haben die Redakteure der (israelischen Zeitung) JERUSALEM POST aus Interviews mit Hunderten von Israelis gewonnen, die in die USA ausgewandert sind. Aus den Interviews geht hervor, dass Israelis angeblich aus wirtschaftlichen und nicht aus politischen Gründen oder wegen mangelnder Sicherheit ins Ausland abwandern.

Die von der JERUSALEM POST angebotene Erklärung ist allerdings nicht sehr überzeugend. Wenn hinter dem Wunsch, auszuwandern, nur wirtschaftliche Gründe stünden, bräuchte kein Israeli einen zweiten Pass. Israelis können jederzeit frei in die USA einreisen, und wegen der engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern ist es für israelische Juden relativ leicht, eine „Green Card“, also eine dauerhafte Arbeitserlaubnis für die USA zu bekommen. Das gilt wahrscheinlich für andere westliche Länder auch, so lange der Arbeitswillige nicht als Kriegsverbrecher gesucht wird. Wenn man die zunehmende Auswanderung in Verbindung mit dem Run auf Pässe anderer Länder bringt, drängt sich eine ganz andere Erklärung auf. Die vielen Israelis, die sich vorsorglich einen zweiten Pass für ein anderes Land besorgen, befürchten offensichtlich den Niedergang ihres Staates. Mit anderen Worten, sie sehen den Tag kommen, an dem der israelische Pass wertlos sein wird. In Anbetracht der Tatsache, dass schon der Gedanke an Auswanderung in den Augen der Zionisten eine Sünde ist, sollte es niemand überraschen, dass die Mehrheit der Auswanderer gegenüber Meinungsforschern ihren Schritt wirtschaftlich begründet. Das klingt besser. Es spielt aber eigentlich auch keine Rolle, aus welchen Gründen Juden mit ihren Füßen gegen den Staat Israel stimmen.

Das wird nicht ohne Folgen bleiben

Dieser Trend ist zweifellos ermutigend für die Palästinenser und ihre Unterstützer, er wird aber nicht folgenlos für sie bleiben. Wie wird das jüdische Israel in – sagen wir – 20 Jahren aussehen, wenn sich diese Entwicklung ungebremst fortsetzt? Innerhalb der von Israel beanspruchten Grenzen wird die Anzahl der Juden im Vergleich zur Anzahl der arabischen Israelis sicher zurückgehen. Die arabische Bevölkerung, die bereits jetzt eine höhere Geburtenrate als die jüdische hat, wird schneller wachsen und einen zunehmenden Prozentsatz der Gesamtbevölkerung ausmachen. Dann wird es nicht nur in den besetzten Gebieten, sondern auch in Israel selbst mehr Palästinenser als Juden geben. Man kann natürlich sagen, es ist gut, wenn das so kommt. Die Auffassung, dass die Juden in Palästina die Mehrheit haben müssen, war schon immer pervers. Wegen der sich verändernden demographischen Fakten wird sich das Verhältnis zwischen Juden und Palästinensern, das noch niemals gut war, aber schnell noch weiter verschlechtern. Warum das so ist, wird im nächsten Punkt erklärt.

Zweiter Punkt: Ein wachsender Prozentsatz der in Israel bleibenden Juden wird zu den ideologisch fixierten Fanatikern gehören. Schauen Sie sich die religiös motivierten, bewaffneten, aggressiven Siedler auf der West Bank an und stellen Sie sich vor, dass die gemeinsam mit den religiösen Fanatikern mit ihren schwarzen Hüten und Schläfenlocken 60 bis 70 Prozent der jüdischen Bevölkerung stellen werden. Das ist dann eine „Masada“– Mehrheit, die entschlossen sein wird, ihre Lebensart in ganz Palästina durchzusetzen – nicht nur aus patriotisch-propagandistischen Gründen, sondern aus rassistischem Fanatismus und religiöser Überzeugung.

Dritter Punkt: Die übrigen Juden müssen keine Fanatiker, sondern könnten sogar überwiegend verständigungsbereit sein. Sie werden übrigbleiben, weil sie kein Pässe anderer Länder bekommen konnten und keine Verwandten im Ausland haben, die sich für sie verbürgen könnten, oder nicht genug Geld haben, um in einem anderen Land neu anzufangen. Wie ihre Oberen das wollen, werden sie alles tun, was ihre immer fanatischer werdende Regierung von ihnen erwartet, um ihre Jobs und ihre Altersversorgung nicht zu verlieren und sich ernähren zu können.

Vierter Punkt: Die ideologischen Fanatiker, deren schlimmster Albtraum der „demographische Holocaust“ ist, werden sich nicht zur Demokratie und zu den Menschenrechten bekehren lassen. Israels Regierung wird immer diktatorischer werden. Bereits heute werden in der Knesset (dem Parlament Israels) von ideologisch geprägten Parteien antidemokratische Gesetze verabschiedet. Und das ist erst der Anfang. In einer Gesellschaft, die (durch Auswanderung) ihren Mittelstand verloren hat, wird es keine echte politische Opposition mehr geben, und die Rechtsparteien werden noch aggressiver gegen diejenigen Juden vorgehen, die sie als „antizionistische Elemente“ diffamieren. (Verständigungsbereite) Organisationen wie B`tselem, Gush Schalom, Rabbis für Menschenrechte und das Komitee gegen den Abriss (palästinensischer) Häuser werden verboten werden. Anhänger dieser Gruppen werden verstummen oder ins Exil gehen, ebenso wie die geringe Anzahl israelischer Akademiker, die jetzt noch die Politik der israelischen Regierung kritisieren. Wenn sie das nicht tun, werden sie wahrscheinlich im Gefängnis landen.

Schlussfolgerungen

Das sind natürlich nur Vermutungen, die aber sehr wahrscheinlich eintreten. Deshalb sollten sie ernsthaft bedacht werden. Im heutigen Israel lassen sich noch Unterschiede feststellen zwischen den jüdischen Israelis, die ein vernünftiges, humanes Abkommen mit den Palästinensern wollen, und denen, die das nicht wollen. Wenn die Entwicklung so weitergeht wie bisher, wird eine Zeit kommen, in der es viel schwieriger sein wird, solche Unterschiede zu erkennen. Mit anderen Worten, wenn die „normalen“ Frauen und Männer, denen es nur um ihre wirtschaftliche und körperliche Sicherheit geht, anfangen, sich nach einem Land umzusehen, in dem ihre Kinder sicherer groß werden können, wenn sie zusammenpacken und Israel verlassen, wird sich auch die Normalität des täglichen Lebens mit ihnen verabschieden. Wie Bush es einmal formulierte, wird sich die Gesellschaft dann aufspalten, „in solche, die für und solche, die gegen uns sind“. „Für uns zu sein“ bedeutet dann, Rassist zu sein und Gottes auserwähltem Volk anzugehören und alle anderen als Feinde – als Amalekiter – zu betrachten; das wird von allen Juden erwartet werden, die sich dann noch in Israel aufhalten.

Wie werden wir anderen, besonders wir Juden, die nicht in Israel leben, uns verhalten, wenn es so weit kommt – wenn alle jüdischen Israelis, die einen gerechten Frieden wollten, entweder zum Schweigen gebracht, eingesperrt oder verbannt wurden? Wie verhalten wir uns gegenüber einer Gesellschaft, in der jeder die Ungerechtigkeit unterstützen muss, um nicht selbst als Verräter oder Verbrecher verurteilt zu werden? Wie wollen wir unter diesen Umständen noch zwischen Unschuldigen und Schuldigen unterscheiden?

Dieses Szenario ist nicht nur in Israel möglich. Es wurde schon öfter durchgespielt. Da gehörten die Juden aber zu den Verfolgten und nicht zu den Verfolgern. Solche Entwicklungen treten immer ein, wenn eine Gesellschaft einer rassistischen, religiösen oder politischen Doktrin verfällt, die sich über sämtliche Regeln der uns alle verbindeten Humanität hinwegsetzt. Das hat auch die in Israel vorherrschende Ideologie getan. Und da sich die Geschichte wiederholt, wird der Zionismus versuchen, die totale Herrschaft zu erringen und alle loszuwerden, die ihn in Frage stellen oder behindern könnten, um mit seinen verbliebenen Anhängern ein entsetzliches Horrorregime zu errichten. Das sollte uns alle aufschrecken, heftig aufschrecken.

von Gideon Levy

Nun gut, sagen wir, sie hatten Erfolg. Sagen wir, dass die rassistischen, nationalistischen Mitglieder der Knesset erreicht haben, was sie wollten: die Vertreibung der arabischen Mitglieder aus der Knesset. Nehmen wir an, dass die Hoffnungen des süßlippigen Extremisten Otniel Schneller, des „Demokraten“ Ofir Akunis und des Nationalisten Avigdor Lieberman so weit gekommen ist und die Knesset nun frei von Arabern ist.

Was wird als nächstes passieren? Hinter dieser Hetzkampagne liegt wie bei jeder anderen keine andere Motivation als die tiefsten Instinkte: „Araber verschwindet! – ganz zu schweigen von „Tod den Arabern!“ Die Araber sind also draußen, was nun?

Sogar bei der zweiten Runde des verbalen Lynchens der Knessetabgeordneten Hanin Zuabi am letzten Wochenende, einschließlich all der Lügen (sie „kämpfte mit israelischen Soldaten“ , schloss sich „Terroristen“ an, „weigerte sich, verletzte Soldaten zu evakuieren“), die von Politikern und TV-Show-Gästen vorgebracht wurden, wurden Aufrufe laut, sie natürlich aus der Knesset rauszuwerfen.

Es ist schon vollkommen kosher – die Aufrufe, Hanin und auch Ahmed Tibi, Mohamed Barakeh, Jamal Zahalka und ihre Freunde rauszuwerfen -es sind nicht länger Fantasien von Rechts-Extremisten. Die Legitimierung der Aufrufe in der Folge von vernichtendem Schweigen der meisten anderen Politiker, zeigt wie tief der Wunsch dahinter schon Wurzeln gefasst hat.

Sie mögen Ignoranten sein, was demokratische Ideale betreffen – aber jene, die zur Vertreibung der arabischen Knessetmitglieder aufrufen, sollten wenigstens sagen, was wird geschehen, wenn einmal den israelischen Arabern die Vertretung in der Knesset genommen wird. Werden arabische Bürger für Yisrael Beitenu wählen? Das ist sehr zweifelhaft. Werden sie für Akunis (?) bei den Vorwahlen wählen? Unwahrscheinlich.

Werden sie ihren Wahlzettel bei der McCarthyistischen Kadima einwerfen? Ihre Ansichten ändern und sich der zionistischen Bewegung anschließen, die ihnen die Nakba brachte – erwähne diese nur niemals? Ein Aktivist von Artzeinu werden? Oder ein Schaumschläger für Im Tirzu? Oder könnte es sein, dass sie ganz verschwinden?

Der Staat Israel schuldet der arabischen Öffentlichkeit und den Knessetmitgliedern, die sie vertreten, eine Menge. Sie sind weniger separatistisch als die Basken die Spanien ( obwohl sie viel mehr Gründe hätten, separatistisch zu sein als die Basken) und natürlich weniger gewalttätig und subversiv als sie.

Die Tatsache, dass sie erst noch wählen müssen, den Staat und seine Institutionen zu boykottieren und an dem Spiel der Demokratie teilzunehmen, die korrupt ist, soweit es sie betrifft – es ist ein Spiel, aus dem sie fast völlig ausgeschlossen sind – was nur noch erstaunen kann.

Statt ihnen dafür zu danken, statt ihre Toleranz und Zurückhaltung zu würdigen und ihre grundsätzliche Loyalität – stoßen wir sie hinaus, besonders jetzt. Vergessen Moral und Demokratie, Gerechtigkeit und Gleichheit – gibt es etwas Dümmeres als dies? Ist es den Aufhetzern nicht klar, wie die Alternative zur fortdauernden Teilnahme der Araber im Spiel der Demokratie aussieht?

Das Leben arabischer Israelis hat keine Ähnlichkeit mit dem Leben eines jüdischen Israeli. Er wird in übervölkerte Verhältnisse und vernachlässigte Stadtviertel geboren. In 62 Jahren hat es der Staat nicht für nötig gefunden, der arabischen Bevölkerung zu helfen, die ein Fünftel der Bevölkerung des Staates ausmachen; nicht eine einzige Siedlung wurde gebaut.

Die Araber sind von Geburt an daran gewöhnt, in Armut zu leben; die Diskriminierung folgt ihnen von den frühesten Tagen an. Sie können nie ihre Vergangenheit zur Sprache bringen; sie können sich nicht so definieren, wie sie wollen (Palästinenser? Wie können sie es wagen?) Und manchmal fühlen sie sich nicht wohl, ihre eigene Sprache zu sprechen.

Versuche ein Araber zu sein und suche ein Wohnung oder eine Arbeitsstelle. Umgeben von zionistischen Institutionen, die daran arbeiten, sie zu vertreiben: vom Keren Kayemet LeIsrael – dem jüdischen Nationalfond – bis zur israelischen Landverwaltung, einer neuen Reihe von Gesetzen, die sie unterdrücken soll, ein Justizsystem, das sie gegenüber jüdischen Bürgern diskriminiert – ein ganzes Lebensgewebe eines Bürgers zweiter Klasse in nur jeder möglichen Weise.

Tag und Nacht hören sie, sie seien eine „demographische Bedrohung“ oder eine „Fünfte Kolonne“, dass der Negev und Galiläa „judaisiert“ werden muss, dass sie von ihrem Land vertrieben werden müssen. Nun hören sie, dass auch die Knesset von ihren Vertretern gesäubert werden soll.

Es ist wahrscheinlich, dass dies passiert. In einer Gesellschaft, deren institutionelle Verteidigung der Demokratie begonnen hat, sich zu verschlechtern, ist nichts mehr sicher. Eines Tages werden wir vielleicht keine arabischen Knessetvertreter mehr haben oder mindestens keinen, der seine Wähler vertritt. Und an diesem Tag werden die arabischen Israelis wissen, dass der Ausschluss aus ihrem Staat total und vollkommen geworden ist.

Und was glauben die Aufhetzer wird Hadash, die Vereinigte arabische Liste – Ta’al und Balad ersetzen? Und wer wird Barakeh, Zuabi und Tibi ersetzen? Was wird die Reden – so bitter und schwierig sie waren – vom Knessetrednerpult ersetzen? Der öffentliche Protest, der für den größten Teil gesetzestreu ist?

Man kennt die Antwort sehr wohl. Die Antwort ist erschreckend und gefährlich.

Uri Avnery, 27.02.2010

AM KOMMENDEN Mittwoch wird der Oberste Gerichtshof Israels den Antrag einer Gruppe israelischer Bürger bearbeiten, um das Innenministerium dahin zu bringen, sie als Angehörige der „israelischen Nation“ zu registrieren.

Merkwürdig? Tatsächlich.

Das israelische Innenministerium erkennt 126 Nationen an, aber keine israelische Nation. Ein israelischer Bürger kann als Angehöriger der assyrischen, der tatarischen oder der tscherkessischen Nation eingetragen werden. Aber eine israelische Nation? Pardon, die gibt es nicht.

Nach der offiziellen Doktrin kann der Staat Israel eine israelische Nation nicht anerkennen, weil es der Staat der „jüdischen“ Nation ist. Mit anderen Worten, der Staat gehört den Juden in Brooklyn, Budapest und Buenos Aires, obwohl diese sich selbst als Angehörige der amerikanischen, ungarischen oder argentinischen Nation ansehen.

Verwirrend? Tatsächlich.

DIESE VERWIRRUNG entstand vor 113 Jahren, als der Wiener Journalist Theodor Herzl das Buch „Der Judenstaat “ schrieb. Zu diesem Zweck musste er (geistig) eine akrobatische Übung vollziehen. Man kann sagen, dass er eine weiße Lüge1 benützt hat.

Der moderne Zionismus entstand als direkte Reaktion auf den modernen Antisemitismus. Nicht durch Zufall kam der Terminus „Zionismus“ 20 Jahre, nachdem der Terminus „Antisemitismus“ in Deutschland erfunden wurde, auf.

In Europa und den beiden Amerikas blühte gerade ein anderer moderner Terminus: der Nationalismus. Menschen, die Jahrhunderte lang zusammen unter Dynastien von Kaisern und Königen gelebt hatten, wollten zu eigenen Nationalstaaten gehören. In Argentinien, den USA, Frankreich und anderen Ländern fanden „nationale“ Revolutionen statt. Die Idee infizierte fast alle Völker, die großen, die kleinen und die winzigen, von Peru bis Litauen, von Kolumbien bis Serbien. Sie hatten das Gefühl, an diesen Ort und zu diesem Volk zu gehören, wo sie lebten und starben.

All diese nationalen Bewegungen waren notwendigerweise antisemitisch, die einen mehr, die andern weniger, weil die reine Existenz der jüdischen Diaspora gegen ihre grundsätzlichen Vorstellungen ging. Eine Diaspora ohne eine Heimat, zerstreut über Dutzende von Ländern, konnte nicht in Einklang mit der Idee einer in einem Heimatland verwurzelten Nation gebracht werden, die homogene Einheit suchte.

Herzl verstand, dass die neue Realität an sich für Juden gefährlich war. Anfangs spielte er mit der Idee der kompletten Assimilierung: alle Juden sollen getauft werden und in den neuen Nationen aufgehen. Als professioneller Schriftsteller fürs Theater dachte er sich sogar die Szene aus: alle Wiener Juden sollten geschlossen zum Stephansdom gehen und sich dort en masse taufen lassen.

Als ihm klar wurde, dass dieses Szenarium doch ein bisschen zu weit hergeholt war, kam er von der Idee der individuellen Assimilierung zu dem, was man kollektive Assimilierung nennen kann. Wenn es für die Juden in den neuen Nationen keinen Platz gab, dann sollten sie sich selbst zur Nation erklären wie alle anderen, die in ihrem eigenen Heimatland verwurzelt sind und in ihrem eigenen Staat leben. Diese Idee wurde Zionismus genannt.

ABER DA gab es ein Problem: es gab gar keine jüdische Nation. Die Juden waren keine Nation, sondern eine religiös-ethnische Gemeinde.

Eine Nation besteht auf einer Ebene der menschlichen Existenz, eine religiös-ethnische Gemeinschaft auf einer anderen. Eine „Nation“ ist eine Entität, die in einem Land mit einem gemeinsamen politischen Willen zusammenlebt. Eine „Kommunität“ ist eine religiöse Entität, die sich auf einen gemeinsamen Glauben gründet und in verschiedenen Ländern lebt. Ein Deutscher kann z.B. katholisch oder protestantisch sein, ein Katholik kann Deutscher oder Franzose sein.

Diese beiden Arten von Entitäten haben verschiedene Strategien des Überlebens wie verschiedene Tierarten in der Natur. Wenn ein Löwe in Gefahr ist, kämpft er; er greift an. Für diesen Zweck hat ihn die Natur mit Zähnen und Klauen ausgerüstet. Wenn eine Gazelle in Gefahr ist, rennt sie fort. Die Natur hat ihr schnelle Beine gegeben. Jede Methode ist gut, wenn sie effizient ist. (Wenn sie nicht effizient wäre, hätte die Art nicht bis zum heutigen Tag überlebt).

Wenn eine Nation in Gefahr ist, steht sie auf und kämpft. Wenn eine religiöse Gemeinschaft in Gefahr ist, geht sie woanders hin. Die Juden haben mehr als andere diese Art der Flucht perfektioniert. Sogar nach den Schrecken des Holocausts hat die Diaspora überlebt, und jetzt – zwei Generationen später – blüht sie wieder.

UM EINE jüdische Nation zu erfinden, musste Herzl diesen Unterschied ignorieren. Er behauptete, dass die jüdische ethnisch-religiöse Gemeinde auch eine jüdische Nation sei. Mit anderen Worten: im Gegensatz zu allen anderen Völkern waren die Juden beides, eine Nation und eine religiöse Gemeinschaft – soweit es Juden betrifft, sind die beiden ein und dasselbe. Die Nation war eine Religion, die Religion war eine Nation.

Dies war die „weiße Lüge“. Es gab keinen anderen Weg: ohne diesen hätte der Zionismus nicht entstehen können. Die neue Bewegung nahm den Davidstern von der Synagoge, den siebenarmigen Leuchter vom Tempel, die blau-weiße Flagge vom Gebetsschal. Das Heilige Land wurde zur Heimat. Der Zionismus füllte die religiösen Symbole mit weltlichem, nationalem Inhalt.

Die ersten, die die Verfälschung entdeckten, waren die orthodoxen Rabbiner. Fast alle verurteilten Herzl wegen seines Zionismus mit klaren Worten. Der extremste Rabbiner war der aus Lubavitch, der Herzl anklagte, das Judentum zu zerstören. Die Juden, schrieb er, sind darin mit einander verbunden, dass sie sich an Gottes Gebote halten. Doktor Herzl will dieses von Gott gegebene Band durch säkularen Nationalismus ersetzen.

Als Herzl die zionistische Idee erfand, beabsichtigte er nicht, den „Judenstaat“ in Palästina zu gründen, sondern in Argentinien. Als er sein Buch schrieb, widmete er unter der Überschrift „Palästina oder Argentinien“ dem Land sogar nur wenige Zeilen. Die Bewegung, die er schuf, zwang ihn jedoch, seine Bemühungen um das Land Israel (das damalige Palästina) umzulenken, und deshalb entstand der Staat hier.

Als der Staat Israel gegründet und der zionistische Traum Wirklichkeit wurde, war keine „weiße Lüge“ mehr notwendig. Nachdem der Bau vollendet war, hätte das Gerüst entfernt werden sollen. Eine wirkliche israelische Nation war entstanden, da war keine phantasierte mehr nötig.

IN DIESEN Tagen gibt es im Fernsehen ein Inserat der größten israelischen Zeitung, Yedioth Aharonot, das die wichtigsten Schlagzeilen der Vergangenheit zeigt. Der Tag, an dem der Staat Israels gegründet wurde, meldet eine riesige Schlagzeile: „Hebräischer Staat!“

„Hebräischer“ Staat, nicht „Jüdischer“ Staat. Und das ist kein Zufall; zu diesem Zeitpunkt klang der Terminus „Jüdischer Staat“ entschieden seltsam. In den vorausgegangenen Jahren gewöhnten sich die Leute daran, eine klare Unterscheidung zu machen zwischen „jüdisch“ und „hebräisch“, zwischen den Dingen, die zur Diaspora gehören und jenen, die zu diesem Land gehören: Jüdische Diaspora, jüdische Sprache (jiddisch), das jüdische Stetl, jüdische Religion, jüdische Tradition – aber hebräische Sprache und Schrift, hebräische Landwirtschaft, hebräische Industrie, hebräische Untergrundorganisationen, hebräische Polizisten.

Wenn es so ist, warum erscheinen dann die Wörter „Jüdischer Staat“ in unserer Unabhängigkeitserklärung? Dafür gibt es einen einfachen Grund: Die UN hatte eine Resolution zur Teilung des Landes zwischen einem „arabischen Staat“ und einem „jüdischen Staat“ angenommen. Dies war die juristische Basis für den neuen Staat. Die Erklärung, die in Eile aufgesetzt wurde, besagte deshalb, dass wir dabei waren (entsprechend der UN-Resolution) einen „jüdischen Staat nämlich den ‚Staat Israel’“ zu errichten.

Das Gebäude wurde errichtet, aber das Baugerüst war nicht abgenommen worden. Im Gegenteil: es wurde zum bedeutendsten Teil des Gebäudes und beherrscht die Fassade.

WIE DIE meisten von uns glaubte David Ben-Gurion zu jener Zeit, dass der Zionismus die Religion verdrängt habe und dass die Religion überflüssig geworden sei. Er war sich ganz sicher, dass sie unwichtiger und im neuen säkularen Staat von alleine verschwinden würde. Er entschied, dass wir es uns leisten könnten, die Yeshiva-Studenten (Talmudschüler) vom Militär zu befreien, weil er glaubte, ihre Zahl würde von ein paar Hundert auf beinahe Null schrumpfen. Derselbe Gedanke veranlasste ihn, die religiösen Schulen weiter laufen zu lassen. Wie Herzl, der versprach „unsere Geistlichen in den Tempeln zu halten und unser Berufsheer in den Baracken“, so war sich Ben-Gurion sicher, dass der Staat ganz säkular sein würde.

Als Herzl den „Judenstaat“ schrieb, hätte er es sich nicht träumen lassen, dass die jüdische Diaspora weiter existieren würde. Seiner Ansicht nach würden in Zukunft nur die Bürger des neuen Staates „Juden“ genannt werden, alle anderen Juden in der Welt würden sich in ihren verschiedenen Nationen assimilieren und verschwinden.

ABER DIE „weiße Lüge“ Herzls hatte Folgen, die er sich nicht hätte träumen lassen, und so ging es auch mit den Kompromissen Ben-Gurions. Die Religion verschwand nicht in Israel – im Gegenteil: sie übernimmt die Macht im Staate. Die Regierung Israels spricht heute nicht vom Nationalstaat der Israelis, die hier leben, sondern vom „Nationalstaat der Juden“ – einem Staat, der den Juden in aller Welt gehört, von denen die meisten anderen Nationen angehören.

Die religiösen Schulen verschlingen das allgemeine Bildungssystem und sind dabei, es zu überwältigen, wenn uns nicht die Gefahr bewusst wird und wir nicht alles tun, um unseren israelischen Charakter zu bewahren. Die Netanyahu-Regierung will die Stimmrechte auch den Israelis zugestehen, die im Ausland leben, und dies ist ein Schritt in die Richtung, allen Juden auf der Welt das Stimmrecht zu geben. Und am wichtigsten: das hässliche Unkraut, das im national-religiösen Feld wächst – die fanatischen Siedler – stoßen den Staat in eine Richtung, die zu seiner Zerstörung führen kann.

UM DIE Zukunft Israels zu bewahren, muss man damit beginnen, das Gerüst vom Gebäude abzureißen. Mit anderen Worten: die „weiße Lüge“, dass Religion gleich Nation sei, zu begraben. Die israelische Nation muss als die Basis des Staates anerkannt werden.

Wenn dieses Prinzip akzeptiert wird, wie wird dann die zukünftige Gestalt Israels – innerhalb der grünen Linie – aussehen?

Es gibt zwei mögliche Modelle und viele Variationen dazwischen.

Modell A: das Multi-Nationale. Fast alle Bürger Israels gehören zwei Nationen an. Die Mehrheit gehört zur hebräischen Nation und eine Minderheit zur palästinensisch-arabischen. Jede Nation hat ihre Autonomie in gewissen Gebieten, wie Kultur, Bildung und Religion. Autonomie würde nicht territorial sein, sondern kulturell (wie Vladimir Ze’ev Jabotinsky vor hundert Jahren dem zaristischen Russland vorgeschlagen hatte). Alle sind durch die israelische Staatsbürgerschaft und die Loyalität gegenüber dem Staat vereinigt. Die Diskriminierung der arabischen Minderheit wird eine Sache der Vergangenheit sein – genau wie der „demographische Dämon“.

Modell B: das amerikanische. Die amerikanische Nation ist zusammengesetzt aus allen US-Bürgern, und alle US-Bürger bilden die amerikanische Nation. Ein Immigrant aus Jamaika, der die US-Staatsangehörigkeit bekommt, wird automatisch ein Mitglied der amerikanischen Nation, ein Erbe George Washingtons und Abe Lincolns. Alle lernen in der Schule dasselbe Kernprogramm und dieselbe Geschichte.

Welches der beiden Modelle ist vorzuziehen? Meiner Ansicht nach ist Modell B viel besser. Aber es würde von einem Dialog zwischen der hebräischen Mehrheit und der arabischen Minderheit abhängen. Am Ende werden die arabischen Bürger dies entscheiden, ob sie den Status des gleichen Partners in einer allgemeinen israelischen Nation bevorzugen oder den Status einer anerkannten, autonom nationalen Minderheit in einem Staat, der ihre andere Kultur anerkennt und in Ehren hält, Seite an Seite mit der Kultur der Mehrheit.

In vier Tagen wird der Oberste Gerichtshof entscheiden, ob er bereit ist, den ersten Schritt auf diesem historischen Marsch zu tun.

Von Uri Avnery, 14.11.2009

WENN DIE Tagesschau im Fernsehen mit einem Mord beginnt, atmen die Menschen hier erleichtert auf. Weil dann kein Krieg ausgebrochen ist, kein Selbstmordattentat stattfand und keine Qassamrakete nach Sderot abgefeuert worden ist. Ahmadinejad hatte keine neue Rakete getestet, die Tel Aviv erreichen kann. Es ist nur ein Mord.

Das heißt nicht, dass Israel die Hauptstadt des Mordes ist. Wir müssten uns viel mehr bemühen, die hohe Mordrate von New York oder Moskau zu erreichen, geschweige denn die von Johannisburg. Statistiken zeigen sogar, dass die Mordrate bei uns sinkt.

Aber in letzter Zeit ist Israel von einer Serie außergewöhnlich brutaler Morde geschockt worden. Ein Ehemann nahm Rache an seiner Frau, tötete seine kleine Tochter und begrub sie in einem Wald. Ein Mann, der mit der Frau seines Sohnes zusammenlebte, tötete ihre Tochter, seine eigene kleine Enkeltochter, legte ihren Körper in einen Koffer und warf diesen in Tel Avivs Yarkonfluss. Ein Sohn, der sich mit seiner Frau stritt, tötete sie und ihre Mutter, zerteilte die Leichen und entsorgte sie in Müllbehältern. Ein junger Mann, der mit seiner Mutter einen Streit hatte, tötete sie und ging dann hin, um auch seinen Bruder zu töten. Ein alter Mann tötete nachts mit einem Hammer seine Frau im Schlaf.

In den letzten Wochen gab es zwei Fälle, die sogar diese Scheußlichkeiten übertrafen.

Damian Karlik, ein Immigrant aus Russland, arbeitete als Oberkellner in einem russischen Lokal, wurde wegen Diebstahls entlassen und entschloss sich, sich an den Besitzern, russischen Immigranten wie er, zu rächen. Er ging zu ihrer Wohnung und erstach sechs Personen, eine nach der anderen, den Besitzer und seine Frau, ihren Sohn, seine Frau und ihre zwei kleinen Enkelkinder.

Ein Immigrant aus den USA mit Namen Jack Teitel, Bewohner einer der extremsten Siedlerkolonien in der Westbank, hat jetzt gestanden, dass er vor Jahren aufs Geratewohl zwei Palästinenser umgebracht hat. Er kehrte kurz in die USA zurück. Nachdem er zurückgekommen war, legte er Bomben in Polizeiwagen. Warum? Weil die Polizei Schwule und Lesben schütze. Er wird auch verdächtigt, aus demselben Grund zwei Verkehrspolizisten getötet zu haben. Er rühmte sich auch des Massenmordes an Homosexuellen in einem Tel Aviver Club (das mag aber nur Prahlerei gewesen sein). Er legte eine Bombe in die Wohnung von messianischen Juden (Juden, die Jesus als Messias ansehen) und verletzte dabei einen 15Jährigen schwer. Er versuchte, den linken Professor Ze’ev Sternhell mit einer weiteren Bombe umzubringen, und verletzte ihn.

DAS BESONDERE an diesen beiden Fällen ist, dass neue Immigranten, die nach Israel einwandern dürfen, darin verwickelt sind, obwohl gegen sie schon in ihrem Herkunftsland wegen Verbrechen ermittelt wurde.

Das Rückkehrgesetz gesteht jedem Juden das Recht der Einwanderung („Aliya machen“) nach Israel zu, wo sie automatisch bei der Ankunft die israelische Staatsbürgerschaft erhalten. Aber selbst nach diesem Gesetz könnte der Innenminister diese Leute zurückweisen, die schwerwiegender Verbrechen bezichtigt werden.

Dies macht den Fall Karlik so besonders interessant. Er war in Russland des bewaffneten Raubüberfalls verdächtigt worden, aber die Organisation, die in Russland Einwanderungs-genehmigungen vergibt, behauptete, sie hätte davon nichts gewusst.

Diese Organisation Nativ („Pfad“) war in der Vergangenheit in Sowjetrussland als eine der israelischen Geheimdienste tätig wie der Mossad und der Shin Beth. Ihr besonderer Job war es, die jüdischen Gemeinden zu unterwandern und Juden dazu zu überreden, nach Israel zu kommen.

Abgesehen davon, war Nativ natürlich auch mit Spionage befasst. Es ist kein Geheimnis, dass jahrzehntelang Immigranten aus der Sowjetunion bei ihrer Ankunft vom Shin Beth ausgefragt wurden, was sie über das Militär, die Wirtschaft und andere Einrichtungen in ihrer früheren Heimat wussten. Die so gesammelten wertvollen Informationen gaben Israel bei den westlichen Nachrichtendiensten einen hohen Rang.

Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes sollte Nativ aufgelöst werden, aber wie jede bedrohte Organisation kämpfte sie um ihr Leben. Man entschied, sie intakt zu lassen und sie in allen früheren Sowjetrepubliken mit der Einwanderung nach Israel zu beauftragen. Sie sollten jetzt absichern, dass die Immigranten nach dem religiösen Gesetz koschere Juden seien.

Die religiösen Referenzen der Immigranten interessiert dagegen Nativ viel mehr als kriminelle Strafregister, über das sie womöglich selbst verfügen. Es scheint, dass Nativ keine Kontakte mit der russischen Polizei hat, die sie wahrscheinlich wiederum anderer Aktivitäten verdächtigt.

So geschieht es, dass man eine Person wie Karlik, jemand, gegen den wegen gewalttätigen Raubes ermittelt wurde, für die Einwanderung geeignet fand. Sein ethnischer Stammbaum war tadellos. Nach seiner Ankunft in Israel beantragten die russischen Behörden offiziell seine Auslieferung wegen Raubes; aber die Forderung wurde zurückgewiesen. Dem entkommenen Räuber wurde sogar eine Waffenlizenz erteilt und ihm erlaubt, als Wächter zu arbeiten.

Teitels Fall ist ähnlich. In den USA gibt es zwar keine Nativ, aber die Logik derer, die dort den Auftrag haben, zur Einwanderung nach Israel zu ermuntern, ist dieselbe: Immigranten zu bringen, ohne unnötige Fragen zu stellen. Nach dem religiösen Gesetz bleibt ein Jude ein Jude, auch wenn er sündigt.

DIESE AFFÄREN werfen ein Licht auf eines der leitenden Prinzipien des zionistischen Establishments: Juden nach Israel zu bringen – unter allen Umständen und zu jedem Preis. Die Statistiken müssen in diesem Jahr – wie in jedem anderen Jahr – eine Rekordzahl von Juden zeigen, die „Aliyah gemacht“ haben. In vielen Gemeinden wird der Bodensatz zusammen gekratzt, um noch mehr Juden zu bringen. Emissäre finden „verlorene Stämme“ von Juden in Peru und Äthiopien, in Indien und China.

In solch einer Situation besteht eine verständliche Versuchung, die kriminelle Vergangenheit von möglichen Immigranten zu übersehen. Was sollte also mit einem koscheren Juden geschehen, der eine Bank überfallen oder Kinder missbraucht hat? In Israel wird er seine Lebensweise vielleicht ändern. Oder wenn jemand im Ausland wegen illegalen Waffenhandels, wegen Geldwäsche oder Verkaufs von Blut befleckten Diamanten vor Gericht gestellt wurde – er wird willkommen geheißen. Und wenn er seine Millionen mitbringt, werden die Führer des Staates glücklich sein, sich in seiner Gesellschaft fotografieren zu lassen.

Das stimmt natürlich nur, wenn ein Immigrant Jude nach der Halacha (religiöses Gesetz) ist. Wenn er ein Goy ist, dann ist die Geschichte ganz anders. Das ist der Bereich des Führers der Shas- Partei Eli Yishai.

IN DER gegenwärtigen israelischen Regierung gibt es mehrere Kandidaten für den Titel Oberrassist. Eine objektive Jury hätte einige Schwierigkeiten, unter ihnen den richtigen auszuwählen.

Favorit ist der Außenminister Avigdor Lieberman, ein „beglaubigter“ Rassist, dessen ganze politische Karriere in Israel auf Hass gegen Araber und Ausländer aufgebaut ist. Er war es, der den Kipa tragenden Anwalt Ya’acov Ne’eman zum Justizminister ernannte, der jetzt eifrig damit beschäftigt ist, die außerordentlich wichtige Position des Rechtsberaters für die Regierung (was der Funktion eines Staatsanwaltes entspricht) abzusichern, einem Richter zu übertragen, der in einer Yeshiva (orthodoxe Schule) erzogen wurde, und in einer der extremsten Siedlungskolonien lebt und der wegen einiger rechtsradikaler Urteile berüchtigt wurde. Binyamin Netanyahu selbst ist natürlich auch ein exzellenter Kandidat.

Aber der König der Rassisten ist der Innenminister. Er ist gefährlicher als seine Kollegen, weil er die absolute Macht über den zivilen Status jeder Person in Israel hat, über die Ein- und Auswanderung, das Einwohnerregister und die Vertreibung von Ausländern. In dieser Position tut er gegenüber Ausländern genau das, was andere in andern Ländern gegenüber Juden praktiziert haben. Er ist unermüdlich beim Bewahren des wirklichen Israels – nicht des „jüdischen und demokratischen Staates“, wie er offiziell definiert wird, sondern des „jüdischen und demographischen Staates“. Für diesen Zweck hat er kürzlich eine spezielle Para-Polizeitruppe geschaffen, um Ausländer ausfindig zu machen und sie zu deportieren.

Es ist nicht einfach zu entscheiden, ob Yishai ein extremer Fanatiker oder ein kompletter Zyniker ist oder eine seltene Kombination von beidem. Als Shas noch eine moderate Partei war, als vor langer Zeit ihr Guru Rabbiner Ovadya Josef entschied, es sei erlaubt, die besetzten Gebiete zurückzugeben und ihr vorheriger Führer Aryieh Deri der Liebling der Linken war, erklärte auch Yishai sein „Ja zu Oslo, Ja zur Evakuierung (der Juden) aus Hebron, Ja zu Arafat!“ Aber seitdem ist viel schmutziges Wasser unsere verdreckten Flüsse hinabgeflossen. Shas ist eine radikale Partei des rechten Flügels geworden, und Yishai ist jetzt der extremste Rechte in der Regierung.

Seine unerschütterliche Neigung zur Reinheit der Rasse lässt fast Bewunderung hochkommen. Es vergeht kaum ein Tag ohne einige schockierende Nachrichten über seine Aktivitäten. Er kämpft wie ein Tiger für die Ausweisung von 1.500 Kindern ausländischer Arbeiter, die hier in Israel geboren wurden, Hebräisch sprechen, israelische Schulen besucht und die keine andere Heimat haben. Yishai ist bereit, sein Leben für ihre Ausweisung zu geben.

Der Innenminister verhindert die Einreise amerikanischer und europäischer Bürger mit einem arabischen Namen. Offizielle der UN und der EU, die die Verantwortung für palästinensische Projekte haben, können normalerweise nicht von Jordanien (oder anderswo) ins Land einreisen, und wenn sie dann irgendwie doch den Passierschein erhalten – ist es ihnen verboten, die Grüne Linie nach Israel zu überqueren. Ausländische Frauen, die mit Israelis verheiratet sind, werden gnadenlos ausgewiesen. Es gibt unzählige Beispiele dafür.

Nach Ansicht von Yishai ist jeder Sohn eines Thailänders ein Feind des jüdischen Staates, jede Tochter eines kolumbianischen Arbeiters eine Bedrohung für die Reinheit des jüdischen Volkes. Er erklärte, dass die ausländischen Arbeiter eine „Infektion“ seien und warnte davor, dass Tel Aviv „Afrika wird“. Er hat bekannt gegeben, dass Ausländer schreckliche Krankheiten mit sich bringen wie AIDs, Tuberkulose und Ähnliches. (Und in dieser Hinsicht gleichen sie Schwulen und Lesben, die nach Yishai „Kranke“ seien.)

Solch eine Person würde im Kabinett der USA oder in den meisten europäischen Ländern nicht Minister bleiben. Im Land der Nürnberger Gesetze würde sie nicht einmal in die Nähe einer Regierungsposition kommen.

Vor nicht langer Zeit – während der „Operation Cast Lead“ – verlangte Yishai, dass wir „Tausende von Häusern bombardieren, um Gaza auszuradieren“ – was ihn nicht daran hinderte, den Richter Richard Goldstone als abscheulichen Antisemiten zu denunzieren. Er selbst riskierte übrigens nie seine Haut als kämpfender Soldat – dieser Nationalheld diente als Unteroffizier für religiösen Dienst in einer Transporteinheit.

Vor 800 Jahren prägte Rabbi Moshe Ben-Nahman, Nahmanides genannt, den Ausdruck „Von der Tora genehmigte Schurken“ – gemeint war damit eine Person, die verabscheuungswürdige Dinge tut, die aber nicht ausdrücklich in der Bibel verboten sind. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Bezeichnung für Yishai passt, da die Bibel mehr als einmal die Misshandlung von Fremden verbietet – “ … dass ihr keine Gewalt übt gegen Fremdlinge, Waisen und Witwen“ (Jer. 7,6), “ ..und hat die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt“ (5.Mos. 18) und viele andere Gebote in diesem Sinne.

ABER NOCH wichtiger als Yishai selbst ist das Phänomen, das er vertritt: die Beschwörung des demographischen Dämon, der das Land heimsucht.

62 Jahre nach der Gründung lebt der Staat Israel noch immer in Furcht vor der „demographischen Gefahr“. Er hat Angst vor seinen arabischen Bürgern, und deshalb diskriminiert er sie auf jedem Gebiet. Er hat Angst vor den vierhunderttausend Russen, die mit ihren jüdischen Verwandten in Übereinstimmung mit dem Rückkehrgesetz ins Land kamen, deren Mütter aber nicht jüdisch waren. Hier gibt es einen inneren Widerspruch: während die Nativ-Agenten daran interessiert waren, die Anzahl der Immigranten zu erhöhen, verweigern Yishai und seine Leute genau diesen Immigranten das Recht, Juden zu heiraten oder auf einem jüdischen Friedhof beerdigt zu werden. Sie dienen in der Armee, aber wenn sie im Kampf gefallen sind, können sie nicht neben ihren Kameraden beerdigt werden.

Beinahe alle jüdischen Israelis wünschen einen Staat mit einer hebräischen Mehrheit, wo die hebräische Sprache, Kultur und Tradition gepflegt wird. Aber viele von uns wünschen keinen Männer-, Frauen- und Kinder-jagenden Staat, abgesperrt für Asylsuchende und wo ausländische Arbeiter, die die Gastfreundschaft länger in Anspruch nehmen, in ständiger Angst leben wie unsere Vorfahren in den Ghettos.

Um diesen Dämon auszutreiben, haben wir, meine Freunde und ich – eine Gruppe von Bürgern – vor dem Gerichtshof Anträge gestellt und darum gebeten, dass die Angabe unter „Nation: Jüdisch“ im Einwohnerregister des Ministeriums ersetzt werden möge durch „Nation: Israelisch“. Unsere Anträge wurden vom Richter Noam Solberg zurückgewiesen – also von genau jenem Richter für dessen Ernennung zum Generalstaatsanwalt der Justizminister Berge bewegen würde.

Islamische Bewegung-kein Monopol

Wir,die wir uns erhoben haben,taten dies für den Islam.Unsere Republik ist eine Islamische Republik.Die Islamische Bewegung kann nicht nur auf ein bestimmtes Land beschränkt sein.Auch nicht nur auf die islamische Welt.Eine Bewegung, die um des Islam willen erfolgt.ist die Bewegung der Propheten.Auch sie, die Bewegung der Propheten,war nicht auf ein Gebiet begrenzt.Der Prophet des Islam stammte aus Arabien,seine Einladung aber erging nicht nur an die arabische Bevölkerung,war nicht nur auf die arabische Halbinsel beschränkt,sondern meinte alle,die gesamte Welt.

Ihn überall verwirklichen

Schreitet auf dem Weg des Islam einher, und setzt euch für ihn ein.Damit das Schahadat auf seinem Wege zuteil wird.Und sollten wir - In Scha´Allah - obsiegen,zum Erstarken und Sieg des Islam beitragen und überall,wo auch immer, erhobenen Hauptes sein und in allen Ländern,in allen Teilen der Welt,den Islam verwirklichen und sein Banner aufrichten können.

Islam-Ein Recht aller

Ich hoffe,dass wir das Banner des Islam - das Banner der Islamischen Republik - in allen Teilen der Welt aufrichten können und sich alle dem Islam,der ein Recht aller ist, anschliessen werden. Imam Ayatollah Ruhollah Al Musavi Al Khomeini

Boycott Zionism

Smash Zionism

Widerstand gegen Zionismus,Zionisten und deren Unterstützern!

Boycott Israel

Widerstand macht Sinn

"Wenn die Zionisten die Waffen niederlegen und sich hinter die Grenzen von 1967 zurückziehen wird es Frieden geben. Wenn der palästinensische Widerstand die Waffen niederlegt wird es niemals ein freies, unabhängiges Palästina geben." Ahmed Ibn Fahdlan in Tehran.

Revolution I

"Without a revolutionary theory there cannot be a revolutionary movement"

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Revolution! Revolution! Nicht vom Osten!! Nicht vom Westen!! ISLAMISCHE REVOLUTION!!!

Ideologie

"Also wenn wir den Krieg nicht gewinnen was haben wir dann von der Ideologie? Also ich meine, das ist doch nicht einfach irgendetwas aus einem Buch. Eine Ideologie ist doch etwas praktisches, muß doch etwas lebendiges, etwas für Menschen sein!"

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