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Der Studentenrat der Berkeley-Universität in Kalifornien verabschiedete kürzlich eine Resolution, die zum Divestment von Israel aufrief. Prof. Judith Butler, die feministische Theoretikerin erläuterte dem begeisterten Publikum ihre neue „jüdische“ Vision, die dazu aufruft, auf den Staat Israel zu verzichten. Auf diese Weise drücken die intellektuellen Eliten abermals inmal ihren starken Glauben an das theologische Prinzip aus, dessen Grundlage Opposition gegen die westliche Kultur ist.

Für diese Intellektuellen symbolisiert der palästinensische Kampf gegen Israel den heroischen Aufstand der Zurückgewiesenen und Unterdrückten gegen den Eroberer, der sie ihrer Menschlichkeit und ihres historischen Narratives beraubt hat. In dieser mythologischen und theologischen Arena besteht keine Chance, eine vernünftige auf Fakten gegründete Debatte zu führen.

Israel als den schlimmsten Vertreter des westlichen Kolonialismus zu sehen, ist besonders paradox angesichts der winzigen Größe des jüdischen Volkes und Europas bösartiger anti-jüdischen Geschichte. Weder Russlands Kontrolle über die Tschetschenen, noch irischer Groll gegen die Briten, noch der Groll der Basken gegen die Spanier hat so viel scharfe Kritik hervorgerufen wie Israel. Vielleicht weil es nicht viel Sinn hat, sich mit Russland anzulegen, während Großbritannien und Spanien ihren Minderheiten demokratische Gleichheit und die vollen bürgerlichen Rechte anbieten.

Dagegen kontrolliert Israel die Palästinenser und ihre Gebiete weiter mit Gewalt und, um seine jüdische Identität aufrechtzuerhalten, hat es überhaupt nicht die Absicht, ihnen die gleichen Rechte zu gewähren. Man muss kein kritischer Intellektueller sein, um zu verstehen, dass dieser innere Widerspruch in einem Staat, der sich selbst als fortschrittlich, westlich und demokratisch betrachtet, unhaltbar ist.

Als Lösung gibt es nur zwei Optionen: entweder sich aus der ganzen Westbank zurückzuziehen und einen unabhängigen Staat für die Palästinenser zu errichten oder jedem, der unter israelischer Kontrolle lebt – Palästinensern wie Juden – die vollen Rechte zu gewähren. In diesem Fall wird Israel natürlich seine zionistische Identität als Staat des jüdischen Volkes verlieren. Und falls es für Palästinenser und Juden möglich sein sollte, nach 100 Jahren Hass zusammen zu leben, werden die jüdischen Bewohner Palästinas zu einer unbedeutenden Minderheit werden, die von der Gnade von Millionen muslimischer Araber rund herum abhängig ist.

Eine Entwicklung dieser Art, die das zionistische Projekt zerstören würde, würde die meisten jüdischen Bewohner des früheren Israel dazu bringen, ihr Land zu verlassen und für sich auf individueller Basis eine neue Lösung suchen – in der Hoffnung natürlich, dass das, was sich vor dem Holocaust ereignete, nicht noch einmal wiederholen werde, und dass die Millionen neuer jüdischer Flüchtlinge in der Lage sein werden, in den demokratischen Ländern des Westens für sich einen sicheren Hafen zu finden. Ein erschreckendes Szenarium wie dieses würde das ganze jüdische Volk zurück in die historische Situation der Schwäche und ungerechter Behandlung bringen. Man kann sich kaum vorstellen, dass dies ohne einen gewaltigen Umbruch geschieht.

Noch eine andere erschreckende Möglichkeit ist natürlich, dass Israel bewusst auf seine Definition als einer westlichen Demokratie verzichtet. Es würde dann nach und nach zu einer Diktatur werden, die sich als jüdisch definiert. Es würde weiter Waffengewalt benützen, um seine Kontrolle über alle Gebiete westlich des Jordan auszuüben und würde den Palästinensern das Recht auf Freiheit und Gleichheit weiterhin verweigern. Eine Möglichkeit dieser Art würde Israel als modernen Staat zerstören und dementsprechend auch seine Fähigkeit, sich selbst zu verteidigen und eine sichere, blühende Gesellschaft des 21. Jahrhundert zu entwickeln.

Auch in diesem Fall wird der größte Teil der Intelligenz des Landes und aller Leute mit Initiative das Land verlassen. Israel würde mit seiner religiösen Bevölkerung und seinen Ultra-Rechten (Siedler ua.) zurückbleiben. Einige werden es verteidigen können, aber die meisten haben nicht die Fähigkeiten für Entwicklung auf hohem Niveau oder für Management. Die israelisch-jüdische Diktatur würde auf diese Weise unter substantieller Schwäche leiden, was schließlich zu einer Niederlage durch seine muslimischen Feinde führen würde.

Es ist traurig, wenn man daran denkt, dass dieser Prozess anscheinend schon begonnen hat. Der Kollaps der Erziehung und höheren Bildung, zusammen mit der politischen Korruption und dem enormen Wachstums jenes Sektors, der nicht bereit ist, die soziale, wirtschaftliche und militärische Bürde zu teilen, ermutigt die begabteren und fleißigeren Israelis, das sinkende jüdische Schiff zu verlassen.

Israel als Land zu behandeln, das die Inkarnation des Bösen verkörpert, drückt tatsächlich eine neue und hässliche Verkörperung des traditionellen Antisemitismus aus, der die Juden schon immer als Vertreter aller Übel der Welt ansah; die Wahrheit ist ganz einfach, aber schwierig zu sehen. Ein Israel, das nicht will, dass die palästinensische Situation gelöst wird, hat praktisch seinen eigenen unaufhaltsamen Tod verkündet und zwar über eine allmähliche Zerstörung der Ressourcen von Wissen und Talenten, die es bis jetzt befähigten, sich zu entwickeln und zu verteidigen. Um Israel zu retten, müssen wir uns so schnell wie möglich von den besetzten Gebieten und seinen Bewohnern trennen.

Quelle: Israel’s choice: Make peace or disappear (Haaretz)

Seit den Präsidentschaftswahlen vom 12. Juni 2009 sind die Iran-»Experten« wie Pilze aus dem Boden geschossen. Für all diese selbsternannten Fachleute hier eine Quizfrage: Welches größere Land hat seit 1980 mehr Präsidenten gewählt als alle anderen in der Welt? Und die Zusatzfrage: Welche Nation hat als einzige in der 30jährigen Geschichte seit ihrer Revolution zehn Präsidentschaftswahlen abgehalten?

Ein genauer Blick auf Zahlen und Fakten zur iranischen Präsidentschaftswahl

Natürlich lautet die richtige Antwort auf beide Fragen: Iran. Seit 1980 wurden dort sechs Präsidenten gewählt, während die USA mit fünf einen knappen zweiten Platz belegen und Frankreich den dritten. Des weiteren gab es in den USA nach der Revolution drei Präsidentschaftswahlen gegenüber zehn in Iran.

Der Ausgang der iranischen Wahlen hat im Westen die Linke und die Rechte zusammengeschweißt und harsche Kritiken und Angriffe von »empörten« Politikern und »entrüsteten« Mainstream-Medien hervorgerufen. Selbst die Bloggerszene nahm auf seiten der iranischen Opposition in nahezu einhelliger Uniformität teil an dieser Schlacht; ein bislang nicht gekannter Vorgang im Cyberspace.

Die Vorwürfe des Wahlbetrugs waren im wesentlichen nur eins: unbewiesene Anschuldigungen. Bis jetzt war noch niemand in der Lage, auch nur den Anschein eines konkreten Beweises zu liefern für den angeblich großangelegten Wahlbetrug, mit dem sich ein Kandidat elf Millionen Stimmen Vorsprung vor seinem Kontrahenten gesichert haben soll. Deshalb sollen hier die bislang verfügbaren Beweise analysiert werden.

Umfragen für den Präsidenten

Seit Präsident Ahmadinedschad und sein wichtigster Kontrahent, der frühere Premierminister Mirhossein Mussawi, Anfang März 2009 ihre Kandidaturen bekanntgegeben hatten, wurden in Iran bis zu den Wahlen mehr als dreißig Meinungsumfragen durchgeführt. Die Umfrageergebnisse variierten in bezug auf die beiden Opponenten sehr stark, wenn man aber die Durchschnittswerte ermittelte, führte in jedem Fall Ahmadinedschad. Einige der Organisationen, die diese Umfragen in Auftrag gaben, wie zum Beispiel die Iranian Labor News Agency (ILNA) und tabnak.com (Website des Kandidaten Mohssen Rezai – d. Übers.), geben offen zu, daß sie Bündnispartner von Mussawi, der Opposition oder der sogenannten Reformbewegung sind. Ihre Zahlen fielen ganz klar günstiger für Mussawi aus und sagten ihm in einigen Umfragen einen unrealistischen Vorsprung von über 30 Prozent voraus. Läßt man diese voreingenommenen Umfragen außer acht, dann vergrößerte sich Ahmadinedschads Vorsprung vor Mussawi auf 21 Punkte.

Von westlichen Nachrichtenagenturen gab es nur eine einzige Umfrage. Sie wurde gemeinsam von der BBC und ABC-News in Auftrag gegeben und von einer unabhängigen Einrichtung namens Center for Public Opinion (CPO) durchgeführt, die zur New American Foundation gehört. Die CPO steht im Ruf, präzise Meinungsumfragen durchzuführen, nicht nur im Iran, sondern seit 2005 überall in der muslimischen Welt. Laut dieser Umfrage, die ein paar Wochen vor den Wahlen erfolgte, war eine Wahlbeteiligung von 89 Prozent zu erwarten. Darüber hinaus wies sie für Ahmadinedschad einen landesweiten Vorsprung im Verhältnis zwei zu eins vor Mussawi aus. Wie stand diese Erhebung nun im Verhältnis zu dem tatsächlichen Wahlergebnis? Und wie wahrscheinlich war ein Wahlbetrug größeren Ausmaßes?

Vier Vorwürfe der Mitbewerber

Nach den amtlichen Verlautbarungen über das Wahlergebnis gibt es 46,2 Millionen registrierte Wähler in Iran. Die Wahlbeteiligung war sehr hoch, wie es die CPO vorhergesagt hatte. Fast 39, 2 Millionen Iraner gaben ihre Stimme ab, was einer Wahlbeteiligung von 85 Prozent entspricht. Davon waren 38,8 Millionen gültige Stimmen (etwa 400 000 Stimmzettel waren leer). Offiziell errangen Präsident Ahmadinedschad 24,5 Millionen und Mussawi 13,2 Millionen Stimmen, was einem Verhältnis von 62,6 zu 33,8 Prozent aller abgegebenen Stimmen entspricht. Dieses Ergebnis spiegelte das Wahlergebnis von 2005 wider, als Ahmadinedschad die Stichwahl gegen den früheren Präsidenten Hashemi Rafsandschani mit 61,7 zu 35,9 Prozent gewann. Die beiden anderen Kandidaten, Mehdi Karroubi und Mohssen Rezai, vereinigten den Rest der Stimmen auf sich.

Schon kurz nach der Bekanntgabe des amtlichen Wahlergebnisses riefen Mussawis Anhänger und westliche politische Experten laut »Foul« und beschuldigten die Regierung des Wahlbetrugs. Die Vorwürfe konzentrierten sich auf vier Themen. Erstens, obwohl die Wahllokale wegen der hohen Beteiligung einige Stunden länger geöffnet blieben, wurde vermutet, daß es angesichts von 39 Millionen auszuzählenden Stimmzetteln unmöglich gewesen sein müßte, das Ergebnis nach Schließung der Wahllokale so schnell bekanntzugeben.

Zweitens unterstellen diese Kritiker, daß die Wahlbeobachter befangen waren, oder sie gaben an, daß in einigen Fällen bei der Stimmenauszählung keine eigenen Wahlbeobachter der Opposition vor Ort gewesen seien. Drittens hoben sie hervor, es sei absurd zu denken, daß Mussawi, der aus der Region von Aserbaidschan im Nordwesten Irans stammt, ausgerechnet in seiner Heimatstadt so leicht zu besiegen gewesen wäre. Viertens erhob das Lager Mussawis den Vorwurf, in einigen Wahllokalen seien die Stimmzettel ausgegangen und Wähler fortgeschickt worden, ohne ihre Stimme abgeben zu können.

Am Tag nach der Wahl reichten Mussawi und die beiden anderen unterlegenen Kandidaten Beschwerden mit 646 Beanstandungen beim Wächterrat ein, jener Institution, die den Auftrag hat, die ordentliche Durchführung der Wahl zu überwachen. Der Wächterrat versprach, jeder Beschwerde nachzugehen und sie eingehend zu prüfen.

Gefälschtes Schreiben

Am darauffolgenden Tag wurde die Kopie eines von einem untergeordneten Beamten des Innenministeriums angefertigten Schreibens an das Oberhaupt der Islamischen Revolution, Ali Khamenei, rund um den Globus verbreitet. (In Veröffentlichungen westlicher Politiker und Medien wird Khamenei gern »Oberster Führer« genannt, aber in Iran existiert ein solcher Titel nicht.) Das Schreiben enthielt die Mitteilung, Mussawi habe die Wahlen gewonnen und Ahmadinedschad habe nur Platz drei erreicht. Weiter hieß es in dem Brief, das Wahlergebnis sei auf Anordnung Khameneis zugunsten Ahmadinedschads verändert worden.

Mit Sicherheit ist davon auszugehen, daß dieses Schreiben eine Fälschung ist, weil ein nicht näher bezeichneter untergeordneter Beamter niemals direkt ein Schreiben an Ayatollah Khamenei richten würde. Auch Robert Fisk von (der britischen Tageszeitung – d. Übers.) The Independent kam zu dem gleichen Schluß und äußerte erhebliche Zweifel, Ahmadinedschad sei nur Dritter geworden, was bedeuten würde, er hätte in einer derart bedeutenden Wahl weniger als sechs Millionen Stimmen auf sich vereinigt, wie in dem gefälschten Brief behauptet wurde.

In den Städten, Kleinstädten und Dörfern Irans waren insgesamt 45713 Wahlurnen aufgestellt worden. Geht man von 39,2 Millionen abgegebenen Stimmzetteln aus, dann waren das weniger als 860 Stück pro Urne. Anders als in anderen Ländern, in denen Wähler die Möglichkeit haben, ihre Stimmen in einem Wahlgang auf verschiedene Kandidaten und zur Abstimmung stehende Sachentscheidungen zu verteilen, hatten die iranischen Wähler nur eine Entscheidung zu treffen: welchen der Kandidaten sie zum Präsidenten wählen wollten. Warum sollte es länger als ein bis zwei Stunden dauern, 860 Stimmzettel pro Urne zu zählen? Die Ergebnisse der Auszählung wurden elektronisch an das Innenministerium in Teheran übermittelt.

Ordentlich durchgeführte Wahlen

Seit 1980 hatte Iran einen acht Jahre dauernden grausamen Krieg mit Irak zu erleiden, außerdem Strafmaßnahmen wie Boykott und Embargo und eine Mordkampagne der Volksmudschaheddin (Mujahideen Khalq Organization/MKO) gegen Dutzende Abgeordnete sowie einen gewählten Präsidenten und einen Premierminister. (Die MKO ist eine gewalttätige Organisation, deren Hauptquartier sich in Frankreich befindet. Sie operiert in Iran und will die Regierung gewaltsam stürzen.) Trotz all dieser Herausforderungen hat die Islamische Republik Iran in den drei Jahrzehnten ihres Bestehens keine einzige Wahl ausfallen lassen. Insgesamt wurden über dreißig Wahlgänge im Land durchgeführt. Daraus entwickelte sich eine Tradition ordentlich durchgeführter Wahlen unter Einrichtung von Wahlbezirken ähnlich denen in den USA oder in Großbritannien. Die Wahlen in Iran werden von Lehrern und professionellen Kräften einschließlich Angestellten und Pensionären des öffentlichen Dienstes organisiert, überwacht und die Stimmen ausgezählt (auch dies ähnlich wie in den USA).

In Iran hat es nie eine Tradition des Wahlbetrugs gegeben. Man kann über das System der Islamischen Republik sagen was man will, aber seine gewählten Abgeordneten haben Minister wegen Amtsvergehen unter Anklage gestellt, und sie haben die von diversen Präsidenten, einschließlich Ahmadinedschad, vorgeschlagenen Kandidaten für bestimmte Ämter blockiert. Sie sind keinesfalls Ja-Sager, die alles absegnen. Der frühere Präsident Mohammed Khatami, der als einer der führenden Reformisten in Iran gilt, ist in einer Zeit vom Volk gewählt worden, als das Innenministerium fest in der Hand erzkonservativer Kräfte war. Er hatte die Wahl mit über 70 Prozent gewonnen, und nicht nur einmal, sondern sogar zweimal.

Mussawis geringe Chancen

Wenn es um Wahlen geht, ist nicht Wahlbetrug in Iran das Problem, sondern die Frage, ob die Kandidaten überhaupt eine Chance bekommen (ein Problem, das nicht typisch ist für dieses Land, man frage nur Ralph Nader oder irgendeinen anderen Kandidaten einer dritten Partei in den USA). Es ist äußerst unwahrscheinlich, daß es in Iran zu einer von höchster Stelle angezettelten Verschwörung gekommen ist, die Zehntausende Lehrer, professionelle Helfer und zivile Beamte mit einbezogen hätte, und trotzdem irgendwie total im verborgenen gelaufen und unentdeckt geblieben sein soll.

Außerdem gehört Ahmadinedschad einer aktiven politischen Partei an, die seit 2003 bereits mehrere Wahlen gewonnen hat, Mussawi aber ist ein unabhängiger Kandidat, der nach einer 20jährigen Pause erst vor drei Monaten wieder auf der politischen Bühne auftauchte. Während des Wahlkampfs wurde deutlich, daß Ahmadinedschad seinen Wahlkampf als landesweite Operation durchführte. In weniger als zwölf Wochen hatte er mehr als 60 Auftritte überall in Iran, während sein Kontrahent nur in größeren Städten sprach und keinen erfahrenen Wahlkampfapparat hinter sich hatte.

Es stimmt, daß Mussawi einen Aseri-(aserbaidschanischen – d. Übers.)Hintergrund hat. Aber in der weiter oben erwähnten CPO-Meinungsumfrage, die vor den Wahlen veröffentlicht wurde, hieß es, daß nach »dieser Umfrage nur 16 Prozent der Aseri-Iraner für Herrn Mussawi stimmen würden. Im Gegensatz dazu gaben 31 Prozent der Aseris an, ihre Stimme Herrn Ahmadinedschad geben zu wollen.« Nach dem amtlichen Wahlergebnis war der Sieg hier am Ende knapper als im übrigen Land. Mussawi gewann knapp in der Provinz West-Aserbaidschan, verlor aber die gesamte Region mit einer Differenz von 45 zu 52 Prozent (oder 1,5 zu 1,8 Millionen Stimmen) an Ahmadinedschad.

Wie dem auch sei, die Doppelmoral der westlichen Nachrichtenagenturen in der Beurteilung dieser Vorgänge ist verblüffend. Richard Nixon schlug George McGovern in South Dakota, dem Bundesstaat, in dem er geboren wurde, vernichtend. Hätte Al Gore im Jahr 2000 in seinem Heimatstaat Tennessee gewonnen, wäre niemand mehr an einer Wiederholung der Stimmenauszählung in Florida interessiert gewesen, und es hätte auch keinen Fall namens Bush versus Gore vor dem Obersten Gerichtshof der USA gegeben. Wenn John Edwards, der Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, die Stimmenmehrheit in den Bundesstaaten South und North Carolina, in dem er geboren wurde und aufwuchs, errungen hätte, würde John Kerry jetzt noch in seiner zweiten Amtszeit dem Land als Präsident dienen. Aber nur wenn es um die Menschen im Nahen und Mittleren Osten geht, stellen es die westlichen Nachrichtenredaktionen so dar, als würden nur sie ihre Kandidaten nicht wegen ihrer Fähigkeiten wählen, sondern wegen ihrer »Stammeszugehörigkeit«.

Die Tatsache, daß schwächere Kandidaten wie Karroubi weniger Stimmen errangen als erwartet – sogar in ihren Heimatregionen, wie Kritiker klagen –, ist nicht völlig ungewöhnlich. Viele Wähler kommen zu dem Schluß, daß sie ihre Stimme nicht sinnlos verschenken wollen, wenn es so aussieht, daß der Entscheidungskampf vor allem zwischen den beiden wichtigsten Kandidaten geführt wird. Karroubi hat in dieser Wahl allerdings wirklich weitaus weniger Stimmen erhalten als 2005, auch in seiner Heimatstadt. Gleichermaßen hat Ross Perot 1996 seinen Heimatstaat Texas an Bob Dole aus Kansas verloren, während Ralph Nader 2004 nur noch ein Achtel der Stimmen auf sich vereinigen konnte, die er vier Jahre zuvor errungen hatte.

Gesellschaftliche Freiheiten

Einige Beobachter merken kritisch an, daß bei Bekanntgabe des amtlichen Wahlergebnisses erkennbar wurde, daß sich der Abstand zwischen den Kandidaten während der Auszählung kaum veränderte. Das ist in der Tat nicht rätselhaft. Experten sagen, daß es im allgemeinen, wenn zwischen drei und fünf Prozent der abgegebenen Stimmen einer bestimmten Region ausgezählt worden sind, ein 95prozentiges Konfidenzniveau gibt, wonach dieses Ergebnis stabil bleibt. Was den Vorwurf betrifft, die Stimmzettel seien ausgegangen und Leute wieder weggeschickt worden, sollte noch einmal darauf hingewiesen werden, daß die Öffnungszeiten der Wahllokale viermal verlängert wurden, um so vielen Menschen wie möglich die Teilnahme an der Wahl zu ermöglichen. Aber selbst dann, wenn alle Menschen, die ihre Stimme nicht abgegeben haben, Mussawi gewählt hätten (was faktisch unmöglich ist), dann wären das auch nur 6,93 Millionen zusätzliche Stimmen gewesen, also viel weniger als die elf Millionen Stimmen Differenz zwischen den beiden Topkandidaten.

Ahmadinedschad ist sicherlich kein Sympathieträger. Er ist ein Ideologe, er handelt provokativ und manchmal unüberlegt. Aber den Kampf in Iran als einen zwischen demokratischen Kräften und einem »Diktator« zu charakterisieren, ist ein Ausdruck totaler Ignoranz gegenüber der inneren Dynamik Irans oder eine absichtliche Verzerrung der Realitäten. Zweifellos gibt es einen signifikanten Teil der iranischen Gesellschaft, der sich in den wichtigsten metropolitanen Regionen konzentriert und viele junge Leute umfaßt, der leidenschaftlich nach gesellschaftlichen Freiheiten verlangt. Sie sind verständlicherweise aufgebracht, weil ihr Kandidat schlecht weggekommen ist. Aber es wäre ein großer Fehler, diesen inneren Dissens als einen »Aufstand« gegen die Islamische Republik zu deuten oder als Ruf nach einer Außenpolitik, dem Westen auf Kosten von Irans Atomprogramm oder seiner vitalen Interessen entgegenzukommen.

Innere Angelegenheit

Nationen bezeugen anderen Nationen gegenüber nur dann ihre Achtung, wenn sie deren Souveränität respektieren. Wenn irgendeine Nation versuchen würde, beispielsweise den Vereinigten Staaten von Amerika ihre Wirtschafts-, Außen- oder Sozialpolitik zu diktieren, wären die US-Bürger zu recht empört. Als sich Frankreich unter Präsident Jacques Chirac 2003 dem Irak-Abenteuer der USA widersetzte, tauften einige US-Kongreßabgeordnete die beliebten »French Fries« (Pommes Frites) in »Freedom Fries« um. Sie wollten dadurch Frankreich wissen lassen, daß französische Bürger fortan in den USA nicht mehr willkommen seien.

Die USA haben eine Tradition der Einmischung in die inneren Angelegenheiten Irans, insbesondere sei hier der Sturz der demokratisch gewählten Regierung von Premierminister Mohammad Mossa­degh im Jahr 1953 angeführt. Dieser Akt, von dem die meisten US-Bürger keine Kenntnis haben, ist jedem Iraner von Kindesbeinen an tief ins Bewußtsein eingegraben. Er ist die Hauptursache für den beständigen Groll auf die USA. Es dauerte 56 Jahre, bis ein US-Präsident diesen illegalen Akt öffentlich thematisierte, wie es Obama Anfang Juni in Kairo tat.

Deshalb wäre es ein kolossaler Fehler, sich erneut in die inneren Angelegenheiten Irans einzumischen. Präsident Barack Obama wäre gut beraten, die Iraner diese Angelegenheit selbst beilegen zu lassen. Politische Opportunität seitens der Republikaner oder proisraelischer Demokraten ist extrem gefährlich und wird ernsthafte Rückschläge nach sich ziehen. Ein solch skrupelloses Gebaren vieler in der politischen Klasse und in den Medien mutet als unverhohlener Versuch an, Iran und seine gegenwärtige politische Führung zu dämonisieren, um eventuelle zukünftige Militärschläge Israels zu rechtfertigen, falls Iran nicht von seinen nuklearen Ambitionen abläßt.

Präsident Obamas Äußerungen in seiner in Kairo gehaltenen Rede drängen sich nun unwillkürlich wieder ins Bewußtsein. Bezüglich Iran erklärte er: »Ich weiß, daß es schwer sein wird, Jahrzehnte des Mißtrauens zu überwinden, aber wir werden mutig, rechtschaffen und entschlossen vorgehen. Es wird viele Fragen geben, die unsere beiden Länder diskutieren müssen, und wir sind bereit, ohne Vorbedingungen und auf der Grundlage gegenseitiger Achtung zu handeln.«

Als ersten Schritt dazu sollte es den Iranern selbst überlassen bleiben, ihre Differenzen ohne jede offene – oder verdeckte – Einmischung aus der Welt zu schaffen.

Wie viel Aufmerksamkeit schenken die US-Medien den Wahlen in Japan, Indien, Argentinien oder irgendeinem anderen Land? Wie viele Amerikaner oder amerikanische Journalisten wissen überhaupt, wer in anderen Ländern – abgesehen von England, Frankreich und Deutschland – ein politisches Amt ausübt? Wer kennt die Namen der Regierungschefs der Schweiz, Hollands, Brasiliens, Japans oder selbst Chinas?

Aber viele kennen Irans Präsidenten Ahmadinejad. Der Grund liegt auf der Hand. Er wird in den US-Medien täglich dämonisiert.

Die Dämonisierung Ahmadinejads durch die US-Medien veranschaulicht an sich schon die amerikanische Ignoranz. Der Präsident Irans ist nicht der Herrscher. Er ist nicht der Oberkommandierende der Streitkräfte. Er kann keine politische Linie festlegen, die ausserhalb der Grenzen liegt, welche die iranischen Herrscher setzen – die Ajatollahs, welche nicht zulassen wollen, dass die iranische Revolution mittels amerikanischen Geldes in einer dieser Farbcode-«Revolutionen» gestürzt wird.

Die Iraner haben bittere Erfahrungen mit der Regierung der Vereinigten Staaten gemacht. Ihre erste demokratische Regierung nach Überwindung des Status der Besetzung und Kolonialisierung in den 1950er Jahren wurde von der US-Regierung gestürzt. An die Stelle des gewählten Kandidaten hat die US-Regierung einen Diktator eingesetzt, der Andersdenkende, die der Meinung waren, Iran sollte ein unabhängiges Land sein und nicht von einer amerikanischen Marionette regiert werden, folterte und ermordete.

Die US-«Supermacht» hat den iranischen islamischen Ajatollahs die iranische Revolution der späten 1970er Jahre nie verziehen: Jene stürzten die amerikanische Marionettenregierung, nahmen die Mitarbeiter der US-Botschaft, die man als «Höhle von Spionen» betrachtete, in Geiselhaft; derweil iranische Studenten die im Aktenvernichter zerstückelten Dokumente der Botschaft wieder zusammensetzten, welche die amerikanische Komplizenschaft bei der Zerstörung der iranischen Demokratie bewiesen.

Die von der Regierung kontrollierten, korporierten US-Medien, ein Propagandaministerium, reagieren auf die Wiederwahl Ahmadinejads mit pausenlosen Berichten über gewalttätige Iraner, die gegen Wahlbetrug protestieren. Der Wahlbetrug wird als Tatsache hingestellt, obwohl es dafür keinerlei Beweise gibt. Die Reaktion der US-Medien auf einen dokumentierten Wahlbetrug während der George W. Bush/Karl Rove-Ära bestand darin, die Beweise des Wahlbetrugs zu ignorieren.

Die Regierungschefs der Marionettenstaaten Grossbritannien und Deutschland haben sich der amerikanischen Operation der psychologischen Kriegsführung angeschlossen. Der diskreditierte britische Aussenminister, David Miliband, brachte an einem Treffen der EU-Minister in Luxemburg seinen «ernsten Zweifel» an Ahmadinejads Sieg zum Ausdruck. Miliband verfügt natürlich über keinerlei unabhängige Quellen. Er folgt lediglich den Instruktionen aus Washington und verlässt sich auf unbestätigte Behauptungen des unterlegenen, von der US-Regierung bevorzugten Kandidaten.

Angela Merkel, die deutsche Kanzlerin, wurde ebenfalls überredet. Sie berief den iranischen Botschafter ein, um «mehr Transparenz» bezüglich der Wahlen zu fordern.

Selbst die amerikanische Linke hat der Propaganda der US-Regierung beigepflichtet. In einem Artikel in The Nation1 präsentiert Robert Dreyfus die überspannten Ansichten eines iranischen Dissidenten, als stellten sie die endgültige Wahrheit über «die illegitimen Wahlen» dar, indem er sie als «Staatsstreich» bezeichnet.

Wer ist die Informationsquelle für die US-Medien und die amerikanischen Marionettenstaaten? Nur die Behauptungen des unterlegenen Kandidaten, desjenigen, den Amerika bevorzugt.

Es liegen aber harte Beweise für das Gegenteil vor. Amerikanische Meinungsforscher haben vor den Wahlen eine unabhängige, objektive Umfrage durchgeführt. Die Meinungsforscher Ken Ballen vom gemeinnützigen Center for Public Opinion und Patrick Doherty von der gemeinnützigen New America Foundation legen ihre Resultate in der «Washington Post» vom 15. Juni dar. Finanziert wurde die Umfrage durch die Rockefeller Brothers Funds, und durchgeführt wurde sie in Farsi «von einem Umfrageunternehmen, dessen Arbeit in der Region für ABC News und BBC einen Emmy Award erhalten hat».2

Die Resultate der Umfrage, die einzig wirkliche Information, die wir derzeit haben, lassen erkennen, dass die Wahlergebnisse den Willen der iranischen Wähler widerspiegeln. Zu den äusserst interessanten Informationen, welche die Umfrage zutage fördert, zählen die folgenden:

«Viele Experten behaupten, die Höhe des Sieges des amtierenden Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad sei das Resultat von Betrug oder Manipulation, aber unsere landesweite Meinungsumfrage unter den Iranern 3 Wochen vor der Wahl zeigte, dass Ahmadinejad in einem Verhältnis von mehr als 2 zu 1 in Führung lag – klarer noch als die tatsächliche Höhe seines Sieges in den Wahlen.

Während westliche Nachrichtenberichte aus Teheran in den Tagen vor der Wahl eine für Ahamadinejads Haupt-opponenten, Mir-Hossein Moussavi, enthusiastische iranische Öffentlichkeit zeichneten, zeigten unsere wissenschaftlichen Stichproben, die wir in allen 30 Provinzen Irans nahmen, dass Ahmadinejad klar vorne lag.

Das Ausmass der Unterstützung für Ahmadinejad war in der Umfrage vor den Wahlen offensichtlich. Während der Kampagne betonte Moussavi zum Beispiel seine Identität als Aserbaidschaner, der zweitgrössten ethnischen Gruppe in Iran nach den Persern, um die aserbaidschanischen Wähler zu umwerben. Unser Umfrage zeigte aber, dass die Aserbaidschaner Ahmadinejad im Verhältnis von 2 zu 1 den Vorzug vor Moussavi gaben.

Viele Kommentatoren haben die iranische Jugend und das Internet als Vorboten einer Wende in diesen Wahlen dargestellt. Aber unsere Befragung zeigte, dass nur ein Drittel der Iraner überhaupt Zugang zum Internet hat und die 18- bis 24jährigen zugleich den stärksten Wählerblock für Ahamdinejad darstellten.

Die einzigen Bevölkerungsgruppen, bei denen in unserer Umfrage Moussavi gegenüber Ahmadinejad in Führung oder konkurrenzfähig war, waren Universitätsstudenten oder -absolventen und die Iraner mit dem höchsten Einkommen. Als unsere Umfrage durchgeführt wurde, war nahezu ein Drittel der Iraner noch unentschieden. Aber die grundlegenden Verteilungen, die wir damals fanden, widerspiegeln die Resultate, welche von den iranischen Behörden gemeldet wurden, was darauf hinweist, dass die Wahl nicht das Produkt grossflächigen Betruges ist.»

Zahlreiche Nachrichtenberichte thematisierten, dass die US-Regierung ein Programm zur Destabilisierung Irans in die Tat umsetzt. Es gab Berichte darüber, dass die US-Regierung Bombenanschläge und Ermordungen innerhalb Irans finanzierte. Die US-Medien behandeln diese Berichte in prahlerischer Manier als Illustrationen für die Fähigkeit der amerikanischen Supermacht, andersdenkende Länder gefügig zu machen, während einige ausländische Medien in diesen Berichten den Beweis für die inhärente Unmoral der US-Regierung sehen.

Der frühere Armeechef von Pakistan, General Mirza Aslam Beig, äusserte am 15. Juni im Pashto Radio, dass unbestrittene Geheimdienstinformationen belegen, dass die USA in die iranischen Wahlen eingegriffen haben. «Die Dokumente belegen, dass die CIA 400 Millionen Dollar innerhalb Irans ausgab, um nach den Wahlen eine farbige, aber hohle Revolution aus dem Boden schiessen zu lassen.»

Der Erfolg der US-Regierung beim Finanzieren farbiger Revolutionen in den ehemaligen Sowjetrepubliken Georgien und Ukraine und in andern Teilen des ehemaligen sowjetischen Imperiums sind weithin berichtet und diskutiert worden, wobei die US-Medien dies als Hinweis auf die Allmacht und das natürliche Recht der USA behandelten, während ausländische Medien darin ein Zeichen der US-Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder sahen. Es liegt sicher im Bereich der Möglichkeiten, dass Mir-Hossein Moussavi ein gekaufter und bezahlter Agent der US-Regierung ist. Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass die US-Regierung mittels US-Medien und ausländischer Medien Operationen psychologischer Kriegführung führt, die sowohl auf Amerikaner als auch auf Ausländer zielen. Zu diesem Thema sind viele Artikel publiziert worden.

Denken Sie über die iranischen Wahlen vom Standpunkt des gesunden Menschenverstandes nach. Weder ich noch die grosse Mehrheit der Leser sind Iran-Experten. Aber vom Standpunkt des gesunden Menschenverstandes betrachtet: Stünde Ihr Land von zwei Ländern mit weit mächtigeren Militärapparaten unter der ständigen Drohung eines Angriffes, wie es Iran von seiten der USA und Israel ist, würden Sie dann den besten Verteidiger Ihres Landes im Stich lassen und den bevorzugten Kandidaten der USA und Israels wählen?

Glauben Sie, die Iraner hätten gewählt, um ein amerikanischer Marionettenstaat zu werden?

Iran ist eine geschichtsträchtige und gebildete Gesellschaft. Ein grosser Teil der intellektuellen Klasse ist säkularisiert. Ein signifikanter, wenn auch kleiner Prozentsatz der Jugend hat sich der westlichen Hingabe an persönliches Vergnügen und Selbstbefangenheit verschrieben. Diese Leute können leicht mit amerikanischem Geld organisiert werden, um ihre Regierung und die islamischen Einschränkungen im persönlichen Verhalten auszupfeifen.

Die US-Regierung nutzt diese verwestlichten Iraner aus, um eine Basis zur Diskreditierung der iranischen Wahlen und der iranischen Regierung zu schaffen.

Am 14. Juni billigte das McClatchy Washington Bureau [3], das manchmal versucht, die wirklichen Nachrichten zu berichten, die psychologische Kriegsführung Washingtons und erklärte: «Die Resultate der Wahlen in Iran erschweren die Kontaktbemühungen Obamas». Hier beginnt sich die hässliche Fratze der Ausrede vom «diplomatischen Misserfolg» zu zeigen, so dass nur eine militärische Lösung übrigbleibe.

Als jemand, der die Vorgänge alle im Innern der US-Regierung erlebt hat, denke ich, dass die US-Regierung mit der Manipulation der amerikanischen Medien und derjenigen der Marionettenregierungen beabsichtigt, die iranische Regierung dadurch zu diskreditieren, dass sie diese Regierung als Unterdrücker des iranischen Volkes hinstellt, die den Willen des iranischen Volkes vereitelt. So baut die US-Regierung Iran für einen militärischen Angriff auf.

Mit Hilfe von Moussavi erzeugt die US-Regierung ein weiteres «unterdrücktes Volk», das – wie die Iraker unter Saddam Hussein – amerikanischen Blutes und Geldes zu ihrer Befreiung bedarf. Wurde Moussavi, der Kandidat Amerikas in den iranischen Wahlen, der rundum geschlagen wurde, von Washington ausgewählt, um der amerikanische Marionettenherrscher Irans zu werden?

Die grosse Macho-Supermacht ist begierig darauf, ihre Hegemonie über das iranische Volk wiederherzustellen und so die offene Rechnung mit den Ayatollahs zu begleichen, welche 1978 die amerikanische Herrschaft in Iran gestürzt hatten. Das ist das Drehbuch. Sie sehen es jede Minute im US-Fernsehen.

Eine endlose Reihe von «Experten» unterstützt das Drehbuch. Als ein Beispiel unter Hunderten finden wir Gary Sick, der früher im Nationalen Sicherheitsrat tätig war und gegenwärtig an der Columbia University lehrt.

«Wenn sie etwas bescheidener gewesen wären und gesagt hätten, Ahmadinejad habe mit 51 Prozent gewonnen», sagte Sick, hätten die Iraner Zweifel gehabt, aber hätten es eher akzeptiert. Aber die Beteuerung der Regierung, dass Ahmadinejad mit 62 Prozent der Wählerstimmen gewonnen hat, «ist nicht glaubwürdig». «Ich denke» fährt Sick fort, «es markierte eine eigentliche Übergangsstelle in der iranischen Revolution, von einer Position, in der beansprucht wird, die eigene Legitimität auf Grund der Unterstützung der Bevölkerung zu haben zu einer Position, die zunehmend auf Repression setzt. Die Stimme des Volkes wird ignoriert.»

Die einzige handfeste Information ist die oben erwähnte Umfrage. Die Befragung stellte fest, dass Ahmadinejad mit einem Vorsprung von 2 zu 1 der favorisierte Kandidat war.

Aber wie bei allem anderen, das mit der amerikanischen Hegemonie über andere Völker zu tun hat, spielen Fakten und Wahrheit keine Rolle. Lügen und Propaganda herrschen.

Zerfressen von seiner Leidenschaft nach Hegemonie, ist Amerika getrieben, über andere zu triumphieren, Moral und Gerechtigkeit zu verdammen. Das die Welt bedrohende Drehbuch wird gespielt werden, bis Amerika sich selbst in den Bankrott führt und den Rest der Welt so vor den Kopf gestossen hat, dass es isoliert und überall verachtet wird.  

Lesehinweise:

[1]  Laut Wikipedia eine politisch linksgerichtete Wochenzeitschrift in den Vereinigten Staaten.

[2]  The Iranian People Speak. By Ken Ballen and Patrick Doherty. Washington Post, 15. Juni 2009. http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2009/06/14/AR2009061401757.html?nav=rss_opinion/columns

[3]  McClatchy ist ein amerikanisches Verlagsunternehmen mit insgesamt etwa 14 000 Mitarbeitern, das mehrere Zeitungen und Internet-Informationsplattformen, darunter das Washington Bureau, unterhält.

Quelle

Successful revolutions have three phases. First, a strategically located single or limited segment of society begins vocally to express resentment, asserting itself in the streets of a major city, usually the capital. This segment is joined by other segments in the city and by segments elsewhere as the demonstration spreads to other cities and becomes more assertive, disruptive and potentially violent. As resistance to the regime spreads, the regime deploys its military and security forces. These forces, drawn from resisting social segments and isolated from the rest of society, turn on the regime, and stop following the regime’s orders. This is what happened to the Shah of Iran in 1979; it is also what happened in Russia in 1917 or in Romania in 1989.

Revolutions fail when no one joins the initial segment, meaning the initial demonstrators are the ones who find themselves socially isolated. When the demonstrations do not spread to other cities, the demonstrations either peter out or the regime brings in the security and military forces — who remain loyal to the regime and frequently personally hostile to the demonstrators — and use force to suppress the rising to the extent necessary. This is what happened in Tiananmen Square in China: The students who rose up were not joined by others. Military forces who were not only loyal to the regime but hostile to the students were brought in, and the students were crushed.

A Question of Support

This is also what happened in Iran this week. The global media, obsessively focused on the initial demonstrators — who were supporters of Iranian President Mahmoud Ahmadinejad’s opponents — failed to notice that while large, the demonstrations primarily consisted of the same type of people demonstrating. Amid the breathless reporting on the demonstrations, reporters failed to notice that the uprising was not spreading to other classes and to other areas. In constantly interviewing English-speaking demonstrators, they failed to note just how many of the demonstrators spoke English and had smartphones. The media thus did not recognize these as the signs of a failing revolution.

Later, when Ayatollah Ali Khamenei spoke Friday and called out the Islamic Revolutionary Guard Corps, they failed to understand that the troops — definitely not drawn from what we might call the “Twittering classes,” would remain loyal to the regime for ideological and social reasons. The troops had about as much sympathy for the demonstrators as a small-town boy from Alabama might have for a Harvard postdoc. Failing to understand the social tensions in Iran, the reporters deluded themselves into thinking they were witnessing a general uprising. But this was not St. Petersburg in 1917 or Bucharest in 1989 — it was Tiananmen Square.

In the global discussion last week outside Iran, there was a great deal of confusion about basic facts. For example, it is said that the urban-rural distinction in Iran is not critical any longer because according to the United Nations, 68 percent of Iranians are urbanized. This is an important point because it implies Iran is homogeneous and the demonstrators representative of the country. The problem is the Iranian definition of urban — and this is quite common around the world — includes very small communities (some with only a few thousand people) as “urban.” But the social difference between someone living in a town with 10,000 people and someone living in Tehran is the difference between someone living in Bastrop, Texas and someone living in New York. We can assure you that that difference is not only vast, but that most of the good people of Bastrop and the fine people of New York would probably not see the world the same way. The failure to understand the dramatic diversity of Iranian society led observers to assume that students at Iran’s elite university somehow spoke for the rest of the country.

Tehran proper has about 8 million inhabitants; its suburbs bring it to about 13 million people out of Iran’s total population of 70.5 million. Tehran accounts for about 20 percent of Iran, but as we know, the cab driver and the construction worker are not socially linked to students at elite universities. There are six cities with populations between 1 million and 2.4 million people and 11 with populations of about 500,000. Including Tehran proper, 15.5 million people live in cities with more than 1 million and 19.7 million in cities greater than 500,000. Iran has 80 cities with more than 100,000. But given that Waco, Texas, has more than 100,000 people, inferences of social similarities between cities with 100,000 and 5 million are tenuous. And with metro Oklahoma City having more than a million people, it becomes plain that urbanization has many faces.

Winning the Election With or Without Fraud

We continue to believe two things: that vote fraud occurred, and that Ahmadinejad likely would have won without it. Very little direct evidence has emerged to establish vote fraud, but several things seem suspect.

For example, the speed of the vote count has been taken as a sign of fraud, as it should have been impossible to count votes that fast. The polls originally were to have closed at 7 p.m. local time, but voting hours were extended until 10 p.m. because of the number of voters in line. By 11:45 p.m. about 20 percent of the vote had been counted. By 5:20 a.m. the next day, with almost all votes counted, the election commission declared Ahmadinejad the winner. The vote count thus took about seven hours. (Remember there were no senators, congressmen, city council members or school board members being counted — just the presidential race.) Intriguingly, this is about the same time it took in 2005, though reformists that claimed fraud back then did not stress the counting time in their allegations.

The counting mechanism is simple: Iran has 47,000 voting stations, plus 14,000 roaming stations that travel from tiny village to tiny village, staying there for a short time before moving on. That creates 61,000 ballot boxes designed to receive roughly the same number of votes. That would mean that each station would have been counting about 500 ballots, or about 70 votes per hour. With counting beginning at 10 p.m., concluding seven hours later does not necessarily indicate fraud or anything else. The Iranian presidential election system is designed for simplicity: one race to count in one time zone, and all counting beginning at the same time in all regions, we would expect the numbers to come in a somewhat linear fashion as rural and urban voting patterns would balance each other out — explaining why voting percentages didn’t change much during the night.

It has been pointed out that some of the candidates didn’t even carry their own provinces or districts. We remember that Al Gore didn’t carry Tennessee in 2000. We also remember Ralph Nader, who also didn’t carry his home precinct in part because people didn’t want to spend their vote on someone unlikely to win — an effect probably felt by the two smaller candidates in the Iranian election.

That Mousavi didn’t carry his own province is more interesting. Flynt Leverett and Hillary Mann Leverett writing in Politico make some interesting points on this. As an ethnic Azeri, it was assumed that Mousavi would carry his Azeri-named and -dominated home province. But they also point out that Ahmadinejad also speaks Azeri, and made multiple campaign appearances in the district. They also point out that Khamenei is Azeri. In sum, winning that district was by no means certain for Mousavi, so losing it does not automatically signal fraud. It raised suspicions, but by no means was a smoking gun.

We do not doubt that fraud occurred during the Iranian election. For example, 99.4 percent of potential voters voted in Mazandaran province, a mostly secular area home to the shah’s family. Ahmadinejad carried the province by a 2.2 to 1 ratio. That is one heck of a turnout and level of support for a province that lost everything when the mullahs took over 30 years ago. But even if you take all of the suspect cases and added them together, it would not have changed the outcome. The fact is that Ahmadinejad’s vote in 2009 was extremely close to his victory percentage in 2005. And while the Western media portrayed Ahmadinejad’s performance in the presidential debates ahead of the election as dismal, embarrassing and indicative of an imminent electoral defeat, many Iranians who viewed those debates — including some of the most hardcore Mousavi supporters — acknowledge that Ahmadinejad outperformed his opponents by a landslide.

Mousavi persuasively detailed his fraud claims Sunday, and they have yet to be rebutted. But if his claims of the extent of fraud were true, the protests should have spread rapidly by social segment and geography to the millions of people who even the central government asserts voted for him. Certainly, Mousavi supporters believed they would win the election based in part on highly flawed polls, and when they didn’t, they assumed they were robbed and took to the streets.

But critically, the protesters were not joined by any of the millions whose votes the protesters alleged were stolen. In a complete hijacking of the election by some 13 million votes by an extremely unpopular candidate, we would have expected to see the core of Mousavi’s supporters joined by others who had been disenfranchised. On last Monday, Tuesday and Wednesday, when the demonstrations were at their height, the millions of Mousavi voters should have made their appearance. They didn’t. We might assume that the security apparatus intimidated some, but surely more than just the Tehran professional and student classes possess civic courage. While appearing large, the demonstrations actually comprised a small fraction of society.

Tensions Among the Political Elite

All of this is not to say there are not tremendous tensions within the Iranian political elite. That no revolution broke out does not mean there isn’t a crisis in the political elite, particularly among the clerics. But that crisis does not cut the way Western common sense would have it. Many of Iran’s religious leaders see Ahmadinejad as hostile to their interests, as threatening their financial prerogatives, and as taking international risks they don’t want to take. Ahmadinejad’s political popularity in fact rests on his populist hostility to what he sees as the corruption of the clerics and their families and his strong stand on Iranian national security issues.

The clerics are divided among themselves, but many wanted to see Ahmadinejad lose to protect their own interests. Khamenei, the supreme leader, faced a difficult choice last Friday. He could demand a major recount or even new elections, or he could validate what happened. Khamenei speaks for a sizable chunk of the ruling elite, but also has had to rule by consensus among both clerical and non-clerical forces. Many powerful clerics like Ali Akbar Hashemi Rafsanjani wanted Khamenei to reverse the election, and we suspect Khamenei wished he could have found a way to do it. But as the defender of the regime, he was afraid to. Mousavi supporters’ demonstrations would have been nothing compared to the firestorm among Ahmadinejad supporters — both voters and the security forces — had their candidate been denied. Khamenei wasn’t going to flirt with disaster, so he endorsed the outcome.

The Western media misunderstood this because they didn’t understand that Ahmadinejad does not speak for the clerics but against them, that many of the clerics were working for his defeat, and that Ahmadinejad has enormous pull in the country’s security apparatus. The reason Western media missed this is because they bought into the concept of the stolen election, therefore failing to see Ahmadinejad’s support and the widespread dissatisfaction with the old clerical elite. The Western media simply didn’t understand that the most traditional and pious segments of Iranian society support Ahmadinejad because he opposes the old ruling elite. Instead, they assumed this was like Prague or Budapest in 1989, with a broad-based uprising in favor of liberalism against an unpopular regime.

Tehran in 2009, however, was a struggle between two main factions, both of which supported the Islamic republic as it was. There were the clerics, who have dominated the regime since 1979 and had grown wealthy in the process. And there was Ahmadinejad, who felt the ruling clerical elite had betrayed the revolution with their personal excesses. And there also was the small faction the BBC and CNN kept focusing on — the demonstrators in the streets who want to dramatically liberalize the Islamic republic. This faction never stood a chance of taking power, whether by election or revolution. The two main factions used the third smaller faction in various ways, however. Ahmadinejad used it to make his case that the clerics who supported them, like Rafsanjani, would risk the revolution and play into the hands of the Americans and British to protect their own wealth. Meanwhile, Rafsanjani argued behind the scenes that the unrest was the tip of the iceberg, and that Ahmadinejad had to be replaced. Khamenei, an astute politician, examined the data and supported Ahmadinejad.

Now, as we saw after Tiananmen Square, we will see a reshuffling among the elite. Those who backed Mousavi will be on the defensive. By contrast, those who supported Ahmadinejad are in a powerful position. There is a massive crisis in the elite, but this crisis has nothing to do with liberalization: It has to do with power and prerogatives among the elite. Having been forced by the election and Khamenei to live with Ahmadinejad, some will make deals while some will fight — but Ahmadinejad is well-positioned to win this battle.

Quelle

Die CIA schliesst einen Rückzug der militärischen Aktionen im Rahmen des ISAF-Mandates in Afghanistan nicht mehr aus für den Fall, dass es nicht gelingt, die Strategie des US-General David Petraeus umzusetzen, die darin bestand, die Bevölkerung und die Stammesführer für sich zu gewinnen, um sie auf die westliche Seite zu ziehen…………….WEITERLESEN.

Von Gideon Levy

Während Benjamin Netanjahu zur Macht kommt, hat er nur eine Botschaft: die der Angst vor einem Holocaust im Namen des Iran. Auch Avigdor Liberman taucht siegreich auf: seine Botschaft ist die, dass israelische Araber ein Krebsgeschwür seien. Niemals zuvor wurde eine Regierung derart und nur auf Angst aufbauend errichtet. Ohne Versprechen (auf Positives) und ohne Hoffnung bietet die neu formierende Regierung nur Prophezeiungen apokalyptischen Ausmaßes an, auf deren Welle sich die Rechten zur Macht tragen lassen. Das ist die einzige Agenda der Rechten.

Die Angst vor einem äußeren Feind war seit jeher die wirksamste Waffe jeder rechtsorientierten oder faschistischen Regierung. Das ist für die nationale Einheit gut und es ist effektiv, um andere Meinungen zu unterdrücken und jedes andere dringende Problem zu kaschieren. Israel, das schon viel schlimmere Gefahren gekannt hat und auch schon von anderen rechts-orientierten Regierungen regiert wurde, hat noch nie eine Regierung gehabt, die nur noch die Sprache des Angstmachens spricht.

Während der Anfangszeit des Staates als alles unermesslich viel fragiler und gefährlicher war, wusste der Staat, wie man Hoffnung weckt und zu Aktionen ermutigt. Er baute (Häuser) und legte Straßen an, siedelte und bewässerte. Sogar als Menachem Begin gewählt wurde, übernahm er die Macht und war von der Freude des Aufbaus erfüllt: er plante Hausbauprojekte und plante, Frieden mit Ägypten machen. Und so sinnlos auch seine Philosophie war, er errichtete viele „Elon Morehs“ jene Siedlungen in der Westbank. Nun haben wir Netanjahu, der nur mit Warnungen zur Macht kommt. Wurde er deshalb gewählt? Um Angst zu schüren. Ist das das Gesicht des Staates und des Zionismus? Nur vor Gefahr warnende Israelis schauen um die Ecke.

Vorausgesetzt, dass die dröhnende Stimme aus Jerusalem kommt, kann man daraus schließen, dass – von einem historischen Standpunkt aus betrachtet – wir in die Irre geführt wurden … Israel ist der gefährlichste Ort auf Erden für Juden. Wenn wir nach mehr als 60 Jahren so sehr gehirngewaschen wurden, dass wir nur noch die Gefahren sehen, dann hängt hier etwas schief. Die praktische Schlussfolgerung müsste dann folgende sein: seine Koffer packen und fliehen. Schließlich haben beim letzten Holocaust die Helden, die gekämpft haben, nicht überlebt. Nur die Flüchtlinge, die bei Zeiten geflohen sind, sind lebend davon gekommen. Wenn wir tatsächlich in der Gefahr eines zweiten Holocausts sind, dann ist die Lektion klar. Was bieten die Angstmacher denn als Alternative an, wenn ihr vager Plan gegen die herannahende Gefahr misslingt? Dass wir in einem nuklearen Feuerball in Rauch aufgehen? Dann wäre es das Beste, (schnell) davon zu rennen.

Aber die Gefahren, die uns Angst und Schrecken einjagen sollen, werden natürlich in zynischer und demagogischer Weise (auch wieder) verharmlost. Israel ist stärker als es je im Laufe seiner Geschichte war, eine regionale Supermacht, in deren Waffenarsenalen es an keiner Waffe fehlt, die es auf der Welt gibt- und dazu kommen die Verbündeten in Washington, die totale Unterstützung gewähren. Ein sanftes, (ja, feiges – Anmerkung d. Übersetzerin) Europa wagt es nicht, Israel zu kritisieren. Das Leben in Israel ist besser als in den meisten Ländern der Welt. Wir hatten es nie so gut wie heute.

Trotzdem ist die Antwort auf die Bedrohungen nur die eine der Rechten: Angst einzuflößen. Die iranischen Drohungen können aber nur von den USA neutralisiert werden, wenn letztere mit dem Iran Verhandlungen beginnen. Israels einzig möglicher Beitrag würde sein, den Teppich unter dem Iran dadurch wegzuziehen, indem es die Besatzung beendet und mit den arabischen Staaten Frieden schließt. Was würde der Iran wohl sagen, wenn Israel die „Arabische Initiative“ von 2002 akzeptieren, sich von den Golanhöhen zurückziehen und die Westbank verlassen würde? Würde es dann Israel bombardieren? Wozu und für wen?

Diese Lösung ist möglich, aber sie steht nicht auf der Agenda der Angsttreiber. Sie wollen die Gefahr verewigen, weil genau dies in ihrem Interesse liegt. Selbst das Problem mit der lauernden Gefahr, die von den israelischen Arabern gegenüber Israel ausgehen soll, kann gelöst werden. Doch genau dies wird vom rechten Flügel ignoriert: die Errichtung eines Regimes, dass sich auf Gleichheit und Gerechtigkeit gegenüber den Bürgern stützt, denen gegenüber der Staat weniger loyal ist, als sie gegenüber dem Staat. Wir müssen nicht die Loyalität der israelischen Araber testen – wir müssen die Loyalität des Staates ihnen gegenüber testen.

Netanjahu kommt zum zweiten Mal an die Macht. Man hätte von ihm erwarten können, dass er es diesmal auf andere Art macht. Doch säte er wieder Panik und – so sagt er – seine Angst einjagenden Statements hätten sich als korrekt erwiesen, nachdem Israel alles tat, um abzusichern, dass diese Drohungen verwirklicht werden. Nun müssen wir von den nationalen Angsttreibern und seinen Sprechern in der Presse eine Antwort fordern: Was bietet ihr uns außer Ängsten noch an? Den Iran zu bombardieren und die Araber zu vertreiben? Dies erscheint uns unmöglich – was wir glücklicherweise bemerken können.

Was ist also möglich? Darauf gibt es keine Antwort. Denn was würden denn jene ohne diese Drohungen tun? Sie sollten sich (endlich) mit Israels wirklichen Problemen befassen, wie das moralische Image aufpolieren, indem es sich nicht weigert, Frieden zu machen, und seine wirtschaftlich-sozialen Schwierigkeiten anzupacken. Aber deswegen wurde Netanjahu ja nicht gewählt. Er kam auf den Flügeln der Gefahren zur Macht. Man versuche nur nicht, seine Flügel zu beschneiden. Um Himmels willen, dies würde nämlich Hoffnung hoch kommen lassen.

Ein Phänomen dieser Tage – und grundsätzlich immer bei vergleichbaren Weltsituationen – besteht in der Polarisation der Menschen bei Missachtung von Vernunft, Sachlichkeit und vor allem Menschlichkeit. Es bedarf aber einer sachgerechten Analyse, um das Phänomen zu verstehen.

Seit einem halben Jahrhundert besetzt Israel Palästina und tut alles, damit kein Staat für Palästinenser jemals errichtet wird. Sind wirklich Millionen von Zionisten zu ignorant, um das zu erkennen? Israel eröffnet einen Krieg um die “terroristische Bedrohung“ durch die Hamas zu verhindern und ermordet dabei das Vielfache an Zivilisten, die Hamas seit seiner Gründung auch nur bedroht hätte. Warum erkennen Zionisten dieses extreme Missverhältnis nicht? Ist einem Zionisten das Blut eines Freundes wertvoller als das Blut von 100 “feindlichen“ Frauen und Kindern?

Solche und ähnliche Gedanken und Fragen führen viele Sympathisanten der Palästinenser (seien sie Muslime oder nicht), aber auch viele neutrale Beobachter, die durchaus gewisse Sympathien für Israel haben, stehen fassungslos vor der Situation. Sind Zionisten wirklich alle so unmenschlich? Noch fassungsloser beobachten viele, wie fast alle jüdischen Gemeinden in Deutschland sich mehr oder weniger bedingungslos hinter Israel stellen und das Massaker an der Zivilbevölkerung in irgendeiner Form rechtfertigen.  Sind Juden wirklich so herzlos?

All jene Gedanken und Fragen führen absolut in die Irre. Sie führen zu Antisemitismus und damit zu einem Rassismus, den man ja eigentlich bekämpfen will. Aber woran liegt das?

Es liegt an einer Denkweise, die fast alle Menschen gefangen hält und in einen fürchterlichen Kerker der Unmenschlichkeit treibt. Die Grausamkeit kommt mal hier mal dort zutage und das Erscheinungsbild, wie sehr man durch dieses selbst auferlegte Gefängnis unmenschlich wird, hängt von den äußeren Umständen ab. Heute wirken Israelis, Zionisten, auch manche Juden unmenschlich, gestern wirkten andere derart; aber am unmenschlichen Geist hat sich nur wenig geändert, hüben wie drüben!

Die Ursache für all diese Unmenschlichkeit ist eine Denkweise die von “Ihr und Wir“ ausgeht. Alles was “wir“ tun, ist mehr oder weniger OK, und alles was “die“ tun ist schwach oder falsch, außer es dient bzw. nützt uns. Diese urteuflische Denkweise spaltet die Menschen in Nationen, Völker, Ethnien (das moderne Wort für Rassen) usw.. Und mit aller Macht wird dem Menschen eingetrichtert, dass er zu einer bestimmten “Gruppe“ gehöre, die er noch nicht einmal wählen konnte, sondern die ihm “angeboren“ ist. Jene Gruppe heißt nicht “Menschheit“ sondern ist ein Spaltung davon: Teile und Herrsche!

Die Vorstellung, dass mehr oder weniger alle Juden z.B. in Deutschland die Massaker an der Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen gutheißen würden, ist eine antisemitische Vorstellung, Selbst wenn das derzeitige Erscheinungsbild fast aller jüdischen Gemeinden in Deutschland so ist. Woran aber liegt es? Es liegt ebenfalls an obiger Denkweise, die die Nachrichten und Urteile der “Anderen“ minder bewertet, als die eigenen Rechtfertigungen, mögen sie noch so absurd sein: Sicher Israel tötet auch Zivilisten, aber daran ist die Hamas Schuld, weil sie Zivilisten als Schutzschild nutzt. Mag sein, dass auch eine UN-Schule getroffen wurde, aber die Hamas schießt aus dem Gebäude. Mag sein, dass ein Rotes-Kreuz-Fahrzeug getroffen wurde, aber Hams benutzt die Fahrzeuge um Waffen auszuliefern. Mag sein, dass sogar ein Flugzeug auf ein Gebäude geschossen hat, in dem vorher Zivilisten von israelischen Soldaten zusammengepfercht wurden, aber das war sicherlich ein Versehen oder die Einzeltat eines Einzelpiloten usw.. Sind das nicht hinreichende Argumente, um die eigene Position zu bestärken, so lange die Gegenposition ohnehin nicht akzeptabel ist.

Und auch das ist leicht zu begründen: “Die“ sind eben alle antisemitisch.
Doch ist diese Verhalten ein typisch “jüdisches“ Verhalten? Oder könnte es nicht eher sein, dass es ein typisches Verhalten von nahezu allen Menschen ist, die sich selbst in eine “Menschengruppe“ eingesperrt haben, selbst wenn es auf Kosten ihrer eigenen Menschlichkeit geht?

Wie ist es denn z.B. mit den Christen in der Welt und Guantanamo? Wie viele Kirchen der Welt haben bis heute aufgeschrieen, als Bush den Kreuzzug erklärt hat? Hat der Papst Bush kritisiert oder ihn mit Privataudienzen geehrt? Und die Kreuzzüge selbst; waren die nicht im Namen einer Menschengruppe, die dahinter stand? Und wie ist es mit dem Irak? Steht nicht die gesamte USA mehr oder weniger dahinter? Die wenigen Protestbewegungen – im Verglich zur Gesamtheit der US-Bürger – sind in diesem Zusammenhang vernachlässigbar.

Und wie ist es mit den deutschen Soldaten in Afghanistan? Sind das nicht immer die Guten, selbst wenn sie einmal versehentlich auf Zivilisten geschossen haben sollten? Gegenwärtige Beispiele gibt es fast so viele wie geschichtliche:
Wie war das in der deutschen Geschichte? Hat wirklich niemand von den KZs gewusst? Hat wirklich niemand miterlebt, wie seine jüdischen Nachbarn abtransportiert wurden? Hat wirklich keine einzige Familie irgendeinen Soldaten gestellt, der irgendetwas mitbekommen hat?

Und wie ist es z.B. mit heutigen Türken? Hat immer noch kein Türke mitbekommen, wie diverse osmanische Sultane bei Machtergreifung ihre Brüder und deren Kinder umgebracht haben, um den Thron zu sichern? Warum geht man dennoch heute zu deren Schreine und betet für sie, da sie doch übelste Verbrecher waren?

Solche Beispiele kann man für jedes Volk, für jedes Land für jede Menschengruppe, für jede Spaltung und Teilung, ob im Großen oder Kleinen, ob im Wichtigen oder Unwichtigen finden. Wer plädiert schon für eine Rote Karte für den Fußballspieler seiner eigenen Mannschaft, selbst wenn das Foul klar Rotwürdig wäre?

Ob Deutsche oder Türken, ob Juden, Christen oder Muslime, fast alle sind gefangen von dem “Ihr und Wir“. Wären die Rollen heute vertauscht, wären Juden im Gaza-Streifen und Muslime die Angreifer, könnten wir dann sicher sein, dass die Muslime in Deutschland ihre eigenen Glaubensbrüder verurteilen würden? Fasst alle würden sich in die tiefsten Kerker der Gefangenschaft einer Unmenschlichkeit begeben, weil sie sich von dem Gefängnis des Mitgefangenseins nicht befreien können. Schließlich glauben sie dem “Anderen“ ja nicht!

Obige Beschreibung gilt aber eben nur für “fast“ alle und nicht für alle! In jeder Gruppe von Menschen gibt es immer wieder Freigeister, Menschen die sich von ihren eigenen Fesseln gelöst haben und ihre Menschlichkeit bewahrt haben, die nicht mitmachen und sich gegen das Unrecht stellen, unabhängig davon, von wem es ausgeht! Aber wie ist solch eine Befreiung möglich?

Nehmen wir einmal die obigen Beispiele, die nichts mit dem heutigen Israel zu tun haben. Wenn Muslime zur Zeit mancher osmanischer Sultane wirklich erkennen wollten, dass sie von Verbrechern beherrscht wurden, dann konnten sie das weder in den Kriegen, noch in den Nachrichten erkennen. Aber es gab dennoch objektive Maßstäbe, um das zu erkennen, die auch sie nicht hätten übersehen dürfen! Dazu zählen der Palast und der Lebensstil des Sultans, die Ermordung seiner Brüder (selbst wenn es erst später bekannt wurde), die Erbmonarchie usw.. Es gab und gibt Maßstäbe, die unübersehbar sind, wenn man sich seine Menschlichkeit bewahrt hat.

Deutsche in Zweiten Weltkrieg hätten für die Selbstrechtfertigung immer hinreichend Argumente für die Angriffskriege finden können. Auch hätte es hinreichend beschwichtigende Argumente für das “Verschwinden“ der benachbarten Zigeuner geben können, es musste ja nicht unmenschlich sein, so zumindest der verständliche Selbstbetrug. Aber die Nürnberger Rassengesetze waren schwarz auf weiß für jeden Deutschen sichtbar und erkennbar! Und sie waren unmenschlich, da führte kein Weg dran vorbei! Wer dennoch schwieg trägt in einem gewissen Maß Mitschuld.

Wie aber ist es heute mit Israel und den Juden weltweit, die Israel unterstützen? Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass es sehr viele namhafte und aktive Juden gibt, die Israel nicht unterstützen und alles in ihrer Macht stehende tun, um darzulegen, dass sie für ein friedliches Miteinander sind. Allein schon wegen dieser Juden, seien sie noch so wenig, wäre jegliche Verallgemeinerung unrecht und unmenschlich.

Aber wie ist es mit den “Pro-Israelis“? Wie ist es mit den jüdischen Verbänden, die sich selbst heute mit Israel solidarisieren? Sind es alles Unmenschen, weil sie Verbrechen solchen Ausmaßes unterstützten? Erneut muss daran erinnert werden, dass sie aus ihrer Sicht es eben nicht tun! Ihre Nachrichtenlage, ihre Wahrnehmung ist bezüglich der aktuellen Eskalation eine völlig andere, als die Mehrheit der Menschheit. Ausgehen von ihrer Wahrnehmung verteidigt sich Israel. Aber gibt es wirklich keine objektiven Maßstäbe, dass ein Israeli oder ein Jude in Deutschland heute erkennen könnte, welch Unrecht von Israel ausgeht?

Würde man den Blick auf den aktuellen Konflikt konzentrieren, gibt es jene Maßstäbe nur wenig. Die Opferzahlen sind zwar eindeutig, aber das beeindruckt offenbar nicht. Daher muss man seinen Blick etwas ausdehnen. Welches ist denn der einzige Staat auf Erden, der über keine Verfassung verfügt, in der nachlesbar wäre, wer Staatsbürger ist und wer nicht? Welcher Staat hat bis heute nicht festgelegt, wie es sich seine Staatsgrenzen vorstellt? Welche Regierung hat einen Außenminister, der offen davon spricht 20% der eigenen Staatsbürger zu deportieren?  Welches Staatswesen ist auf einer religiös-rassistisch gemischten Herkunftsideologie aufgebaut, deren Identitätsfrage selbst Insider nicht verstehen?  Welches Land ist das Land mit den meisten eigenen Staatsbürgern, die das Land verlassen müssen, um heiraten zu können? In welchem Land wird zugelassen, dass das Grab eines Menschen, der in eine Moschee, Kirche oder Synagoge mit einem Maschinengewehr eingedrungen ist, um unbewaffnete Betende massenhaft zu ermorden, als Pilgerstätte genutzt werden darf?

Es gibt durchaus hinreichend Ansatzpunkte, auch für in Deutschland lebende Juden, zu erkennen, dass sie sich im Rahmen der eigenen “Wir und Ihr“ Denkweise dieses Mal auf die Seite der Unmenschlichkeit begeben haben.

Wie aber wird es morgen sein? Israel ist am Ende! Daran hegen weitsichtige Menschen keinen Zweifel mehr. Viele der heute lebenden Menschen werden miterleben, wie das Israel in seiner heutigen Form aufgelöst wird (wie auch immer). Nur was kommt danach? Wird sichergestellt werden, dass Juden im Heiligen Land nicht unmenschlich behandelt werden? Wer hält die hasserfüllten Palästinenser zurück, wenn sie sich an allen Juden rächen wollen für ein halbes Jahrhundert Unterdrückung?

Jetzt werden wiederum Muslime erzürnt reagieren und behaupten: „So etwas tun Muslime doch nicht!“ Und schon wieder ist man in dem Gefängnis gelandet, in dem auch alle anderen stecken!

Wie wäre es mit einer Antwort: „Ich schütze Juden, wenn es sein muss!“  Wie wäre es mit einer Antwort: „Ich schütze jeden Menschen, unabhängig davon, welcher Religion er angehört, mit all meinem Sein, meinem Wesen, meinen Gedanken, meinen Bittgebeten und meinen Taten, denn er ist ein Mensch!„

Menschlichkeit beginnt bei jedem von uns in seinem eigenen Selbst. Wenn wir eine schubladenorientierte Unmenschlichkeit bei anderen sehen, dann müssen wir vor allem uns selbst weiter erziehen und unser eigenes Schubladendenken überwinden, um uns selbst aus diesem teuflischen Gefängnis zu befreien. Und wenn wir nur einen Menschen befreien, ist es so, als wenn wir die ganze Menschheit befreit haben. Erst wenn der Mensch erkannt hat, dass wir alle ein Stück Adam bzw. Eva in uns tragen; erst wenn der Mensch erkennt, dass der andere Mensch sein Bruder ist, wird er möglicherweise darüber nachdenken, was es bedeutet innerhalb von nur 10 Tagen fast 1000 seiner Brüder und Schwester zu töten, völlig unabhängig davon, welche Rechtfertigung er sich selbst zusammenbastelt. So lange er aber die Einheit der Menschheit und Menschlichkeit nicht erkennt, so lange er im polytheistischen Wahn Menschen in verschiedene Herkunftsgruppen gegeneinander stellt, so lange hat er die Menschlichkeit in sich selbst noch nicht entwickelt.

Quelle

Von Uri Avnery, 20.12.08

EIN MANN wurde nach seinen Söhnen gefragt. „Ich habe drei“, sagte er, „aber einer von ihnen ist ein kompletter Idiot.“ „Welcher?“, fragten sie. „Such dir einen aus!“, antwortete er.

In 51 Tagen werden wir eine neue Knesset und eine neue Regierung wählen. Drei große Parteien konkurrieren um den Sieg: Kadima, Likud und Labor. Ab jetzt schau dir den Scherz an!

GIBT ES eine wirkliche Auswahl? Mit anderen Worten, gibt es irgendwelche realen Unterschiede zwischen den drei Parteien?

Wie bei dem Spiel: „Entdecke die Unterschiede!“ sind sie so winzig, dass man wirklich gute Augen braucht, um sie zu entdecken. Natürlich gibt es politische Unterschiede zwischen den dreien. Aber was die drei Parteien und ihre drei führenden Verantwortlichen gemeinsam haben, ist viel bedeutsamer, als was sie trennt.

Binyamin Netanyahu sagt, dies sei nicht die Zeit, um mit den Palästinensern Frieden zu machen. Wir müssen warten, bis die Zeit dafür reif ist. Nicht auf unserer Seite, sondern auf der palästinensischen Seite. Und wer wird dies entscheiden, wann auf der palästinensischen Seite die Zeit dafür reif ist? Netanyahu natürlich. Er oder sein Nachfolger oder die Nachfolger seiner Nachfolger.

Zipi Livni sagt – so scheint es wenigstens – genau das Gegenteil. Wir müssen mit den Palästinensern reden. Worüber? Nicht über Jerusalem, Gott bewahre. Und nicht über die Flüchtlinge. Worüber dann? Vielleicht über das Wetter? Zipis Plan – so muss man daraus schließen – ist der, dass man weiter redet und redet und redet und kein konkretes Abkommen erreicht.

Ehud Barak hat seine schicksalhafte Ankündigung von vor acht Jahren nicht zurückgezogen, als er von der (wegen seiner selbst) fehlgeschlagenen Camp David Konferenz zurückkam: „Wir haben keinen Partner für den Frieden.“

Keiner der drei ist aufgestanden und hat der Öffentlichkeit in einfachen Worten gesagt: Ich werde im Laufe des nächsten Jahres (2009) mit den Palästinensern Frieden schließen. Dieser Frieden gründet sich auf der Errichtung eines palästinensischen Staates entlang den Grenzen von vor 1967, mit geringen Grenzveränderungen auf der Basis von 1:1, Jerusalem wird zur Hauptstadt von zwei Staaten werden, mit einer gemeinsam vereinbarten vernünftigen Lösung des Flüchtlingsproblems, einer Lösung, mit der Israel leben kann.

Keiner der drei hat überhaupt irgendeinen Friedensplan angeboten. Nur hohle Worte. Nur PR/ Phantasien.

Wie z.B. die Alternative, die Netanyahu angeboten hat: die Verbesserung der Lebensbedingungen der Palästinenser. Lebensbedingungen unter Besatzung? Wenn 600 Straßensperren in der Westbank die freie Bewegung behindern? Wenn jeder gewalttätige Widerstandsakt zu kollektiver Bestrafung führt? Wenn Todesschwadronen nachts unterwegs sind, um „Gesuchte“ zu liquidieren? Nur ein Verrückter wird in solch einem Gebiet Geld investieren.

ALLE DREI sind sich in der Ansicht einig, dass die Hamas eliminiert werden muss. Keiner von ihnen erklärt öffentlich, dass der Gazastreifen neu besetzt werden sollte – etwas, das von der Öffentlichkeit genau wie vom Militär sehr ungern gesehen würde. Aber alle drei unterstützen die strenge Blockade des Gazastreifens, da sie glauben, wenn die Bevölkerung kein Brot mehr hat und die Krankenhäuser keine Medikamente oder Kraftstoff, dann wird sich die Bevölkerung des Gazastreifens erheben und das Hamas-Regime stürzen. Bis jetzt geschah das Gegenteil. In der vergangenen Woche hat eine Viertelmillion Menschen – etwa die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung des Gazastreifens – an einer Rallye teilgenommen, die den Geburtstag von Hamas feierte.

Nicht einer der drei stand auf und sagte: Ich werde mit der Hamas reden, um sie in den Friedensprozess einzubinden.

Und keiner der drei stand auf und sagte: Ich werde im Laufe des nächsten Jahres Frieden mit den Syrern machen. Die Bedingungen sind bekannt, ich akzeptiere sie, ich beabsichtige diese zu unterzeichnen.

Vielleicht denken alle drei im Geheimen so. Aber jeder von ihnen sagt sich: „Ich bin doch nicht verrückt? Ich werde mich doch nicht mit den Golan-Siedlern und ihren Unterstützern anlegen?“ Jemand, der nicht bereit ist – aus Angst vor den fanatischen Siedlern dort – einen einzigen elenden Außenposten aus der Westbank zu entfernen, wird auch auf den Golanhöhen kein Risiko auf sich nehmen.

ANDRERSEITS haben alle drei denselben Notausgang: die iranische Bombe. Was würden wir ohne sie tun? „Die Hauptgefahr für die Existenz Israels ist die iranische Bombe!“, erklärt Barak; erklärt Zipi; und erklärt Netanyahu. Ein fein abgestimmter Chor.

Von Anfang an hat der Zionismus nach Auswegen gesucht, um vor dem „palästinensischen Problem“ wegzulaufen. Warum? Wenn die zionistische Bewegung zugegeben hätte, es gäbe ein palästinensisches Volk, hätte sie für die aktuelle Situation und für das moralische Problem eine Lösung finden müssen. Deshalb sind jeweils Hunderte verschiedener Vorwände gefunden worden, um das Dilemma ignorieren zu können.

Heute erfüllt die iranische Bombe diese Funktion. Hier besteht eine klare und gegenwärtige Gefahr. Eine existentielle Gefahr. Belästige mich nicht ständig mit dem palästinensischen Problem! Das eilt gar nicht. Das kann noch ein paar Jahre (oder ein paar Generationen) hinausgeschoben werden. Jetzt braucht die iranische Bombe unsere ganze Aufmerksamkeit. Nachdem wir dieses Problem gelöst haben – wie, ist allerdings nicht klar – werden wir freie Hand haben und uns mit der palästinensischen Plage beschäftigen.

Die Logik sagt natürlich genau das Gegenteil. Wenn wir ein Friedensabkommen mit dem ganzen palästinensischen Volk abschließen und mit der Besatzung aufhören, wird der Perserteppich unter den Füßen eines Ahmadinejad und seinesgleichen weggezogen. Wenn die Palästinenser Israel anerkennen und Frieden machen, dann wird der anti-israelische Kreuzzug (oder eher Halbmondzug) seinen Dampf verlieren.

OK, IN den Angelegenheiten von Krieg und Frieden gibt es bei den Dreien keinen Unterschied. Aber wie ist es mit den anderen Problemen?

Die Wirtschaftskrise beherrscht die Schlagzeilen. Alle drei Kandidaten schlagen vor, sich damit zu befassen. Um irgendwelche Unterschiede zwischen ihren Ankündigungen dazu festzustellen, braucht man schon ein Mikroskop.

Es könnte angenommen werden, dass Netanyahu sich von den anderen unterscheidet. Schließlich war er der Hohe Priester der Privatisierung. Alles zu privatisieren, von den Stahlkabeln bis zu den Schnürsenkeln. Dieses Dogma ist nun in den USA kollabiert – und ist dabei, auch in Israel zu kollabieren. Stört dies Netanyahu? Lässt ihn das bescheidener werden? Nicht im Geringsten. Nun verlangt er – ohne mit der Wimper zu zucken – massive Staatsinterventionen. Genau wie Zipi. Genau wie Barak.

Und wie ist es mit dem Staat und der Religion? Keiner von ihnen verlangt eine Trennung. Keiner fordert zivile Trauung oder das Zurücknehmen der religiösen Zwangsgesetze oder die Einberufung von Tausenden von Yeshiva-Studenten zum Militär. Keiner verlangt, dass Hauptfächer – wie Englisch und Mathematik – in das Curriculum der staatlich finanzierten, religiösen Schulen mit aufgenommen werden. Gott bewahre, Gott bewahre! Schließlich benötigen sie morgen alle die Shas und/oder die orthodoxen Parteien.

Die arabischen Bürger? Alle Parteien hofieren sie eifrig. Aber keiner von ihnen verspricht ihnen etwas Reales. Wirkliche Gleichheit? Nur mit Worten. Kulturelle Autonomie? Natürlich nicht. Die Ausführung von Empfehlungen der Regierungsuntersuchungskommission, die nach den Oktober-2000-Tötungen ernannt wurde? Keine Chance!

Und die Liste könnte noch lange fortgesetzt werden.

ALSO GIBT es keinen wirklichen Unterschied zwischen ihnen? Ist die Stimme für den einen dasselbe, wie die Stimme für einen der beiden anderen?

Ich würde nicht so weit gehen. Da gibt es kleine Differenzen – wenn es um schicksalsschwere Dinge geht, ist auch ein kleiner Unterschied bedeutsam.

Netanyahu, zum Beispiel, bringt eine sehr rechte Mannschaft mit sich. Diese schließt faschistische Elemente mit ein, die man nicht ignorieren sollte. Es besteht die Gefahr, dass er eine Regierung aufstellt, die „extrem-rechte (d.h. geradezu faschistische) Parteien, zusätzlich zur rechts-orthodoxen Shaspartei, mit einschließen würde. Sein Sieg würde der ganzen Welt signalisieren, dass Israel den Weg in den Abgrund gewählt hat. Damit wäre auch die Möglichkeit gegeben – der Alptraum israelischer Politiker – mit den USA, jetzt von Barack Obama geführt, zusammenzustoßen.

Die (und zwar zu Recht) lädierte Labour-Partei schließt wenigstens ein sozial-demokratisches Element ein, das sie von den beiden anderen unterscheidet. Dieses ist schwach, aber nicht ganz unbedeutend.

Kadima, diese Kreuzung von linken Rechten und rechten Linken ist trotz allem besser als der Likud, aus dem die meisten ihrer Kandidaten herkommen. Netanyahu und Livni wuchsen auf demselben Baum, aber auf verschiedenen Zweigen. Zipi könnte uns noch Überraschungen zum Besseren bereiten. Ob Netanyahu uns plötzlich noch mit Überraschungen konfrontieren wird? Es würde ein Wunder sein.

Neben den drei großen Parteien gibt es natürlich mehrere kleinere Ein-Thema-Parteien, jede in ihrer Nische, die sich jeweils mit besonderen Problemen der Bevölkerung befassen. Sie haben wenigstens eine klare und ehrliche Botschaft: die arabischen Parteien, Meretz, die Orthodoxe Liste, Shas, die Liberman-Partei, die „Jüdisches Heim“-Partei (früher die national-religiöse Partei). Wahrscheinlich wird es noch einige neue Wahllisten geben. Jede dieser Parteien hat eine Geschichte für sich, aber keine von ihnen wird die nächste Regierung stellen.

Die wirkliche Geschichte liegt bei den drei Großen – und dies ist tatsächlich eine traurige Geschichte. Die Wahl zwischen ihnen ist eine Wahl zwischen schlimm, schlimmer und noch schlimmer. Zwischen Zahnschmerzen, Migräne und Rückenschmerzen.

Diese Wahl wird nichts Erfreuliches mit sich bringen. Die Frage ist nur, wie schlecht die Ergebnisse sein werden.

DIE SCHLUSSFOLGERUNG: dies darf nicht noch einmal geschehen.

Ziemlich wahrscheinlich wird auch die nächste Knesset nicht länger als ein oder zwei Jahre halten. Dann würde es neue Wahlen geben, die schicksalhaft sein werden.

Am 11. Februar 2009, am Tag nach den Wahlen müssen die, die einen Wechsel wollen, anfangen, aufs Neue nachzudenken. Diejenigen, die sich nach einem demokratischen, säkularen, progressiven Israel sehnen, einem Israel, das im Frieden mit seinen Nachbarn lebt und von sozialer Gerechtigkeit bestimmt ist, müssen sich entscheiden, die Sache in die eigenen Hände zu nehmen.

Sie müssen mit einem neuen intellektuellen und organisatorischen Versuch anfangen, um diese wichtigen Ziele zu erreichen. Sie sollten nicht mehr damit zufrieden sein, das „kleinere Übel“ zu wählen, sondern endlich für das größere Gute und – zusammen mit Bevölkerungsteilen, die bis jetzt keine Partner waren – Lösungen zu erarbeiten, die bis jetzt nicht versucht worden sind. Um ein Obama-ähnliches Wunder zu vollbringen.

Anstelle der drei Söhne, die Taugenichtse sind, muss ein vierter Sohn erscheinen.

Den Balkan befriedeten sie kriegerisch, wie es einst Adolf mit Bomben tat. Jetzt balkanisieren sie den Irak, den Hindukusch und Kaukasus. Sie versuchen es mit China, was bisher mißlang. Soll die NATO den deutschen Ostkrieg fortsetzen? Schon 1945 wollten ihn deutsche Soldaten Seite an Seite mit der US-Armee siegreich zu Ende bringen. Die Enkel fechten’s besser aus? Lebt das heilige Deutschland unheilig fort? Man benötigt keinen Führer. Abendländische Fundis in Waffen genügen, der Wirtschaft zu garantieren, was die Nazis alleine schafften: totale Aufrüstung zum totalen Krieg. Wer sonst sollte Billionen von Schulden bezahlen, deren es bedurfte, eine freie Kapitalwelt so weit zu bringen, wie wir gekommen sind – nach der Vereinigung erblühen statt der Landschaften neue Feldzüge. Und unsere Bürgerrechtler können mit Stolz sagen, sie sind dabei gewesen.

Es geht darum, das Volk per Medienbegleitung zum Gehorsam zu erziehen. Georgien ist schon auf unserer Seite, das Baltikum ehrt die Waffen-SS. In Polen fürchtet man Stalins Russen im Osten und Frau Steinbach im Westen. Schicken wir die Vertriebenen-Vorsitzende als Botschafterin nach Warschau, dann holen die Polen sich ihre an Rußland verlorenen Ostgebiete wie wir unsere an Polen verlorenen Ostgebiete zurück – und schon könnten alle zufrieden sein als Sieger im 3. Weltbürgerkrieg.

Voraussetzung ist natürlich, daß wir gemeinsam unsere Vergangenheiten vergessen. Am besten gründen wir dazu eine europäische Alzheimer-Partei. An christlichen Führern ist kein Mangel.

Neuerdings grenzt Gorbatschow sich enttäuscht von seinen US-amerikanischen Freunden ab. Man könne den USA nicht trauen, weil die Politiker ihr Wort nicht hielten, teilte er mit, was von deutschen Medien kaum gemeldet wurde, obwohl Gorbi damit seinen russischen Weg des Machtwechsels verwirft. Als effektiver erweist sich das chinesische Vorgehen bei der Liberalisierung der Wirtschaft, was die Partei an der Macht beließ, worauf ein bis dahin nicht vorstellbarer Aufschwung erfolgte, der offenbar den Lauf der Welt zu verändern vermag.

Chruschtschow, der 1956 den 20. Parteitag der KPdSU zum Bruch mit Stalin zu nutzen suchte, brachte einen vergleichbaren Paradigmen-Wechsel nicht zustande, die KPdSU war bereits verkrebst. Daran ging 1989/90 erst die DDR, dann die SU zugrunde. Das hat schwerwiegende Folgen für Deutschland, dessen Bonn-Berliner Elite das Ende der Sowjets als gerechten, wenn auch späten Sieg über den Kreml mißverstand und keine Linke im Parlament dulden will. Man hat schließlich die Moskauer und Ostberliner Sozialismus-Versuche bezwungen und die geografischen Verluste mit Einfluß zugewinnen per EU, EURO und NATO ausgeglichen. Nun soll die Bundeswehr in Afghanistan siegen helfen, wo sowjetische Truppen hoffnungslos unterlagen und heute die US-Armee das Verlieren übt. Deutschland wurde 1945 besiegt? Es kehrt als EU und NATO wieder.

Innenpolitisch gilt es, die Linke weiter personell zu schwächen. Stolpe, Heym, Porsch, Gysi – noch im Jahr 3000 werden Gauck-Birthler-Papiere auftauchen und die Linke bis in ins vierte, fünfte und sechste Glied strafen. Deutschland braucht keine Linke. Es sei denn, sie fällt wie die SPD ab 1914 um, betreibt die Geschäfte der Rechten, läßt sich wie 1933 abservieren und gefällt sich wie nach 1945 in Wiederholungen. Da kann Kurt Beck nur die Fliege machen.

Momentan findet eine gemischte Lafontaine-Gysi-Linke Zulauf. Das stört bei der Herrschaftsausübung. Man ist doch von 1933 bis 1945 auch ohne Linke ausgekommen und hat ab 1945 Restbestände ausgebootet. Soll jetzt der rote Ärger wieder neu beginnen?

Lafontaine, wird erklärt, wolle nur eine Bebelsche Sozialdemokratie. Das seien doch keine Kommunisten und Bolschewisten, die natürlich verfolgbar wären wie unter Kaiser Wilhelm, Ebert, Hitler, Adenauer. Ja und? Wer links ist, bestimmt die Herrschaft. Das walte der Besitz. Man kann nicht zweimal in denselben Fluß steigen? Dreimal beim selben Krieg kann man schon einsteigen. Mit dem Deutschlandlied auf den Lippen. Als Europa abgetarnt. Wir sind Fußball, Papst, Europa und Sieger im Dritten Weltbürgerkrieg, den die US-Armee nicht ohne uns gewinnen kann. Vorwärts zum heiligen Armageddon der Christen-Fundis.

Die SPD besteht aus zwei Flügeln. Sie fallen auseinander und der Rest auf die Nase, falls sich der Ypsilanti-Nahles-Linksflügel auf Lafontaine-Gysi verständigen sollte. Eine Linkspartei dieses neuen Formats brächte die Betonköpfe zum Tanzen, und die konservativen Revolutionäre besetzten die Barrikaden, wie Fernseh-Professor Baring es einst vorschlug. Sollten die Sozis den Dalai Lama als Bundespräsidenten vorschlagen, so wie Gysi listigerweise Israel als Altersruhesitz ins Auge faßt, um vor Birthler-Nachstellungen sicher zu sein? Die Satire lebt in der Realität. Das werte Publikum wird sich vor Begeisterung in diesem Staatskabarett noch totlachen.

Aber Obama? Entweder geht er in die Mussolinikurve, links unten begonnen, rechts oben geendet, oder das besitzende Finanzkapital erinnert sich der Kennedy-Lösung, von Martin Luther King nicht zu reden, der auch mal einen amerikanischen Traum hatte.

Weltkriege, Revolutionen, Konterrevolutionen kennzeichnen das 20. Jahrhundert. Die Fortschritt genannte Barbarei setzt sich im 21. Jahrhundert als parodierendes Trauerspiel fort. Die USA führen Krieg, wo ihr Präsident es will. Georgien führt Krieg über Nacht und soll zum Dank in die NATO, damit die Bundeswehr demnächst rechtlich einwandfrei mit gegen Rußland marschieren kann. Sind die alle verrückt? Nein, Professor Baring hatte schon vor langer Zeit Wroclaw/Breslau gegen Moskau zu verteidigen erwogen, aber Georgien liegt näher an Stalingrad. Politiker, die tapfer auf Bild-Zeitungsniveau mitziehen, zwingen die Russen zum 3. Vaterländischen Krieg.

2014 wird der Beginn des 1. Weltkriegs glatte hundert Jahre zurückliegen. Die Völker wollen keinen dritten. Doch herrschen die Augenwischer, Waffenproduzenten, gehorsamen Generäle und Gladiatoren. Man ist von Kopf bis Fuß auf Kriege eingestellt.

Am Ende wird man zu Tucholskys Weisheit zurückfinden: Soldaten sind – nein: waren Mörder.

In Franz Kafkas Erzählung von der Strafkolonie lobt ein Offizier den Kommandanten, weil der eine perfekte Foltermaschine erfunden habe. »›Bis jetzt war noch Händearbeit nötig, von jetzt an aber arbeitet der Apparat ganz allein‹, rühmt der Offizier die mörderische Automatik.« Die NATO liefert jetzt dazu den Über-Kafka: Georgien wird Mitglied, und alle ziehen automatisch in den Krieg gegen die Russen, wenn Saakaschwili es will. Amen.

Quelle

„Auserwählt“ von Gott – behaupten so einige Völker – seien sie geradezu „berufen“ dem Übel und der Falschheit in der Welt zu begegnen, ja geradezu verpflichtet die Macht des Bösen a.k.a. Satan höchstselbst zu bekämpfen. Das dies aber eine Art Widerstand ist, die nicht nur das vermeindlich „Böse“ betrifft – was widerum Auslegungssache und Urteil wie Vorurteil zu gleich ist – wird auffällig, wenn Gott als Vater des Gedanken herhalten muß.

Es geht dabei nicht um Religion im eigentlichen Sinne, sondern um die Einstellung im Bezug auf den Wahrheitsgehalt der eigenen Religion. Was wäre ein Christ, dem der Gedanke widerstrebt seine Religion sei nicht die einzig wahre? Was wäre ein Muslim, der plötzlich den Glauben an den Koran verlieren würde? Was ein Jude, wenn er nicht gänzlich von seiner Religion überzeugt wäre?
Diese Fragen können wir für alle Religionen und Glaubensrichtungen beliebig fortführen, die Antwort jedoch ist immer gleich: Er wäre nicht mehr das wofür er sich bislang ausgab. Seine stützende Schulter, seine Kraft würde ihm – durch das Fehlen am Glauben – abhanden kommen.

Und hier greift genau die Wirkung des Exorzismus.
Ein Exorzist, dem der Glaube an Gott fehlt, ist kein Exorzist. Wenn Sie, lieber Leser, die Möglichkeit haben an einem Exorzisten-Lehrgang teilzunehmen – man höre und staune, solche werden hin und wieder angeboten – wird Ihnen genau das indirekt nahegelegt. Und so verhält es sich auch zb. im Katholizismus. Der „Teufel“ existiert und er wirkt, das muß ein Katholik glauben, sonst ist er kein „richtiger“ Katholik.
Ist man kein „richtiger“ Evangelikale, gibt es auch kein Seelenheil und leider darf man sich dann auch nicht mehr zu den Glücklichen zählen die einst zu den 144.000 gehören die ins Reich Gottes eingehen werden wenn der Tag des „Jüngsten Gerichts“ eingetroffen ist.

Wenn Religionen auch noch so unterschiedlich zu sein meinen; Sie sehen wie sich hier eine – durchaus legitime – Einheit bildet. Eine Gemeinsamkeit.

Es sind sogar zwei Gemeinsamkeiten:
– Der Glaube an die einzig wahre Religion
– Der Glaube an Erlösung

Jede Religion hat ihr entsprechendes Angebot was letzteres betrifft. Bei den Einen ist es das Himmelsreich Gottes, bei anderen das Nirvana und bei wieder Anderen das Paradis in dem die reinen, schönen und himmlischen Jungfrauen fürs Wohl sorgen (K 9:111 – [..] mit reinen schoenen himmlischen Jungfrauen vermaehlen) und man „wie Perlen nie altert“.
Je nachdem wie sehr ein Gläubiger glaubt, je nachdem wie fest sein Glaube an die eigene Religion ist, so richtet er sein Leben – sein handeln – danach aus. Und dabei können wir nicht von „Besessenheit“ sprechen. Denn jede Religion für sich ist eben die „wahre“ und somit „richtige“ Religion und alles was sich damit verbindet ist für den jeweiligen Gläubigen „richtig“ und „wahr“. Das mag vielen nicht bekommen, aber da beißt die Maus keinen Faden ab.
So wie ein Evangikale es für richtig hält die Worte Gottes ernst zu nehmen, so ist es für den gläubigen Muslim richtig an seine Version des Glaubens festzuhalten.

Nun könnten wir einerseits sagen „Es ist falsch zu behaupten es sei richtig für Allah in den Krieg zu ziehen.“, aber ist es denn nicht gleich auch falsch durch „Gott bevollmächtigt“ in den Krieg zu ziehen?
Dies ist keine Glaubensfrage – dies ist eine Frage der immer wieder, auch von hohen Politikern gern geforderten, Toleranz. Und zwar der Toleranz andere Religionen zu akzeptieren.

Ich will Ihnen ein Beispiel als Crash-Exkurs bringen:
Immer wieder hörten wir im Verbund des „Kampf gegen den Terror“ das Wort „Dschihad“, was immer wieder gern mit „Heiliger Krieg“ übersetzt wird und dann – für einen Nicht-Muslim unverständliche – Koranverse als „Beweis“ für die Aggressivität des Islams herangezogen wurden.
Ich sage deshalb „unverständliche Koranverse“, da wir zum großen Teil nicht mal fähig sind unsere eigenen Verse richtig zu interpretieren. Wer sagt er hätte aber alle verstanden, der lügt schlicht und ergreifend. Denn bei der Interpretation scheiden sich noch immer die Geister; jeder hält seine eigene Interpretation für richtig – er „glaubt“, mehr ist es nicht.
Zurück zum „bösen“ Wort „Dschihad“ was so böse gar nicht ist. Rein sprachlich abgeleitet bedeutet es erst einmal nicht mehr als „sich bemühen“. Das „sich bemühen“ zielt darauf ab sich von unrechtmäßigem Tun und Denken zu befreien bzw. sich davon „rein“ zu machen. Im islamischen Rechtssystem gibt es zwei Begrifflichkeiten des „Dschihad“.
Zum einen den „große Dschihad“: Der „innere“ Kampf um Moral sozusagen, den jeder von uns beinahe täglich führt. Im christlichen Sinne entspricht dieser in etwa der „Nächstenliebe“.
Zum anderen den „kleinen Dschihad“: Dieser Kampf kann am ehesten mit dem „Widerstandsrecht“ vergleichen. Welches im übrigen auch Deutschen, Amerikanern, oder anderen zusteht.
Der „kleine Dschihad“ ist die legitime Selbstverteidigung zum Schutz vor Tyrannei, Angriffen und Ungerechtfertigkeiten jeder Art. Es ist ein Akt des Versuches zur Selbstbefreiung und ist keineswegs mit den Vorstellungen einiger „Attentäter“. Der „Widerstand“ der Attentäter richtet sich ausschließlich gegen westliche Hegemonien und stellt sich in die Nähe der Vorstellung eines „Lebens nach dem Tod“ ohne Rücksicht auf begleitende Verluste. [Quelle]

Und nun die andere Seite:
Moral spielt in jedem Land eine wichtige Rolle und leitet sich oftmals verstärkt aus der Religion ab bis hin in die Politik.

„Einerseits stehen“ zb. „die Amerikaner zwar hinter der Trennung von Staat und Religion, andererseits aber soll Religion in moralischer Hinsicht Leitlinie für Politik und soziales Leben sein“ ()
So ist es nicht verwunderlich, das selbstverständlich auch der Antichrist seinen Einzug bereits in die Politik gefunden hat. Der Antichrist steht für „das Böse“ welches bekämpft werden muss. Relativ praktisch ist hier, das der Antichrist oder seine Helfer sowieso nicht den gleichen Glauben hat wie man selbst. Logisch: Er/sie hat/haben etwas gegen das was man im Auftrage Gottes bereit ist zu tun. Und man „muß“ etwas tun, sonst darf man nicht ins göttliche Himmelsreich.

Da, wie ich im Anfang schon beschrieben habe, „das Böse“ je nach Auffassung immer etwas oder jemand anders sein kann, berechtigt dies die entsprechend Gläubigen sich in die jeweils gewünschte Position zu bringen.
Nur so kann man verstehen, warum ein Herr Bush, Ashcroft, Frau
Palin oder auch andere immer wieder heranziehen „von Gott dazu berufen“ zu sein.
So läßt sich das auch auf die letzten Konflikte beziehen:

„Unsere Nation ist von Gott auserwählt und von der Geschichte beauftragt, ein Modell für die Welt zu sein“

Zum besseren Verständnis:
„Unsere Religion ist die Bibel und durch ihre Geschichte sind wir beauftragt die Welt zu vereinen“

Man kann es auch Missionsarbeit nennen, denn nur so kann es funktionieren. Wer sich nicht missionieren lässt ist nicht nur ein Amerika-Religionsfeind, sondern gegen das „einzig wahre Wort Gottes“.

Zum großen Erstaunen mancher, hat sich diese Art der Missionsarbeit auch bereits in Europa etablieren können. Man denke nur an die Euphorie mit der der neuste Präsident angepriesen wird: Man vergleicht ihn mit dem Messias. Im Bezug zu dem von mir geschriebenem Artikel klingen die Worte Ashcrofts „[..] dass die Vereinigten Staaten Gottes auserwählte Nation sind, die sich in einem gerechten Krieg gegen das Böse befinden. Genau aus dem Buch der Offenbarung ist zu entnehmen, dass die Agonie, die wir ertragen müssen die Geburtswehen sind, die das Kommen des Messias ankündigen“ sehr beunruhigend.

. Moral und religiös geprägte Weltsicht seien für 70 Prozent der US-Bürger identisch.

Es ist nicht Amerika als Land, welches sich auszubreiten scheint – es ist Amerika… als „Religion“. Es ist der Masterplan.
„The New World Order“ – Apokalypse inklusive.
Quelle
Kürzlich wurde ein zwölfjähriges Mädchen von der Deutschen Bahn, das heißt: von einer Mitarbeiterin derselbigen, an die frische Luft gesetzt. Das Mädchen hatte seine Fahrkarte vergessen, versprach aber sie nachzureichen – die Schaffnerin kannte allerdings kein Erbarmen und schmiss den blinden Passagier an der nächsten Bahnstation über Bord. Die Bemühungen anderer Fahrgäste wurden freilich auch ignoriert, denn einen „Fahrschmarotzer“ auch noch zu schützen, kam für die Bahnangestellte nicht in Frage. Problematisch an der Aktion der pflichtversessenen Person war: Das Mädchen wurde in abendlicher Dunkelheit, fünf Kilometer von ihrem Zuhause, ohne Geld – die vergessene Fahrkarte war ja im vergessenen Geldbeutel – ausgesetzt.

Ein moralischer Aufschrei ging durch den Blätterwald. Sogar zurecht – was bei vielen Aufschreien ja nicht der Fall ist. Und als es dann hieß, dass der dienstpflichtige Eichmann suspendiert wurde, da zeigte man so etwas wie Erleichterung: Die Bahn sei doch nicht so schlecht, kenne also Moral und Anstand!

Ein moralisches Unternehmen? Sowas gibt es? Die Frage scheint berechtigt, wenn man einen der Mitgründe der Suspendierung beachtet: Man sah sich zu dieser Handlung gezwungen, weil die Bestimmungen der Bahn vorsehen, dass Minderjährige nicht des Zuges verwiesen werden dürfen. So sieht es also aus: Die Schaffnerin war nicht unmoralisch, kannte nur den Maßnahmenkatalog des Arbeitgebers nicht exakt. Sie wurde suspendiert, weil sie gegen eine Dienstanweisung verstieß, nicht weil sie ein unerträgliches Maß an fehlender Mitmenschlichkeit aufgezeigt hatte. Stellen wir uns vor, die Bahnbestimmungen würden einen solchen Passus nicht kennen: Die „Fanatikerin für Recht und Ordnung“ wäre vielleicht noch im Dienst.

Die Schaffnerin ist ein Eichmann-Typus mit Mängel. Denn der „beliebige Hanswurst“ (Hannah Arendt) hatte sein Regelwerk exakt im Kopf, wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass er seine eigenen Spießbürgerlichkeiten zum Maßstab seines Handelns küren könnte. Nein, dazu gab es Vorschriften, die er strikt und ohne Hinterfragen anwandte. Er war nur der Hammer, der den Nägeln zum Eindringen verhelfen sollte – derjenige, der das Ziel des Einhämmerns markierte, war er nicht. Einmal soll er ein Konzentrationslager besucht und sich dabei übergeben haben – fortan war der moralische Aspekt, d.h. das eigentliche Motiv seines Tuns, aus dem Denken verbannt; fortan war sein Schreibtisch das Schlachtfeld seines bürokratischen Treibens. Bei aller Kritik an Eichmann, muß man Arendts Betrachtungsweise zu seiner Person doch zustimmen: Er war nicht unmoralisch, er war nicht getrieben von Judenhass, er war einfach nur „schier gedankenlos“ und „realitätsfern“ – er war nur alltäglich, nur banal, war nur Ausdruck der „Banalität des Bösen“.

Unsere Schaffnerin ist auch nur alltäglich, sicherlich kein Aushängeschild mitmenschlicher Lebensphilosophie – aber ein Eichmann im klassischen Sinne ist sie nicht. Sie hatte das Regelwerk nicht im Kopf und hat ihre eigene verkrüppelte Unmenschlichkeit zum Maßstab gemacht, der es ihr erlaubte, so herzlos gegen dieses „schmarotzende Kind“ vorzugehen. Zudem kann in einer Gesellschaft, die medial aufbereitet an jeder Ecke Schmarotzer und Parasiten vermutet, eine solch degenerierte Humanität nicht verwundern. Die Unmenschlichkeit ist solchen bornierten, zur eigenständigen Denkweise unfähigen Zeitgenossen auch nur ins Handeln eingepflanzt, quasi zur gesellschaftlichen Konvention erhoben, die sie dann in jedem alltäglichen Bereich aufbereiten, immer versteckt hinter Regelwerken und Gesetzen. Nur diesmal irrte sich einer dieser Eichmann-Typen, konnte sich nicht hinter Bestimmungen verstecken, weil diese nämlich das glatte Gegenteil dessen ausdrückten, was der Eichmann schlußendlich tat.

Was also bei der Schaffnerin zum Tragen kommt, ist womöglich die Verschärfung des eichmännischen Prinzips, denn zum Handeln gesellt sich nicht „geistiger Stillstand“ und damit kritikloses Vorgehen, sondern die kleinkarierte Bösartigkeit des Alltags, mit der es erlaubt ist, seine eigenen Vorurteile, seine Aversionen, seine Unmenschlichkeit und Härte zum Imperativ innerhalb eines Büros, eines Zugabteils oder eines Klassenzimmers zu machen. Dieser Typus des bürokratisierten Technokraten, der uns in Amtszimmern genauso begegnet wie im Zug oder schlicht an der Tankstelle, ist die Zuspitzung des Adolf Eichmann, die Verschlimmerung des vormals schon Schlimmen. Er ist der Alltagsfaschist, der aus jeder Lappalie einen Verwaltungsakt, aus allen Nichtigkeiten bürokratische Kraken formt. Und im Gegensatz zum historischen Eichmann hat dieser moderne Typus, frustriert durch ein oftmals erbärmliches Leben im (zwar satten) Materialismus, verdummt durch Medien und verblödet durch Gleichschaltung, oft depressiv ob eines unterdrückten Individualismus, eine wahre Freude an der praktizierten Misanthropie, an der Niedertracht und Hinterlistigkeit, an der Boshaftigkeit am Nächsten.

Eichmann kümmerte sich nicht um seine Opfer – ihm war egal ob sie brennen oder frei herumlaufen durften. Nur die Vorschrift verband ihn mit seinen Opfern. Der neue Typus des alten Trottels allerdings, sieht sich mit seinem Opfer durch mehr verbunden. Freilich auch durch die Vorschrift, aber diese dient vorallem dazu, die eigene ethische Verkrüppelung zu verschleiern. Er fühlt sich seinen Opfern verbunden, weil er an ihnen seine Sadismen ausleben darf, dafür auch noch bezahlt wird – darin liegt die Würze seines erbärmlichen Daseins. Ohne seine Opfer, wäre er ein großes Nichts, könnte er nicht einmal die dunklen Seiten seiner Persönlichkeit ausleben, wäre auf ewig nur derjenige, der „ganz unten“ steht.

Islamische Bewegung-kein Monopol

Wir,die wir uns erhoben haben,taten dies für den Islam.Unsere Republik ist eine Islamische Republik.Die Islamische Bewegung kann nicht nur auf ein bestimmtes Land beschränkt sein.Auch nicht nur auf die islamische Welt.Eine Bewegung, die um des Islam willen erfolgt.ist die Bewegung der Propheten.Auch sie, die Bewegung der Propheten,war nicht auf ein Gebiet begrenzt.Der Prophet des Islam stammte aus Arabien,seine Einladung aber erging nicht nur an die arabische Bevölkerung,war nicht nur auf die arabische Halbinsel beschränkt,sondern meinte alle,die gesamte Welt.

Ihn überall verwirklichen

Schreitet auf dem Weg des Islam einher, und setzt euch für ihn ein.Damit das Schahadat auf seinem Wege zuteil wird.Und sollten wir - In Scha´Allah - obsiegen,zum Erstarken und Sieg des Islam beitragen und überall,wo auch immer, erhobenen Hauptes sein und in allen Ländern,in allen Teilen der Welt,den Islam verwirklichen und sein Banner aufrichten können.

Islam-Ein Recht aller

Ich hoffe,dass wir das Banner des Islam - das Banner der Islamischen Republik - in allen Teilen der Welt aufrichten können und sich alle dem Islam,der ein Recht aller ist, anschliessen werden. Imam Ayatollah Ruhollah Al Musavi Al Khomeini

Boycott Zionism

Smash Zionism

Widerstand gegen Zionismus,Zionisten und deren Unterstützern!

Boycott Israel

Widerstand macht Sinn

"Wenn die Zionisten die Waffen niederlegen und sich hinter die Grenzen von 1967 zurückziehen wird es Frieden geben. Wenn der palästinensische Widerstand die Waffen niederlegt wird es niemals ein freies, unabhängiges Palästina geben." Ahmed Ibn Fahdlan in Tehran.

Revolution I

"Without a revolutionary theory there cannot be a revolutionary movement"

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Ideologie

"Also wenn wir den Krieg nicht gewinnen was haben wir dann von der Ideologie? Also ich meine, das ist doch nicht einfach irgendetwas aus einem Buch. Eine Ideologie ist doch etwas praktisches, muß doch etwas lebendiges, etwas für Menschen sein!"

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