Viele Leute haben sich schon gefragt sich die Entwicklung des Henryk Marcin Broder vom Linken zum Rechtsdraußen begründet. Wie man von den St. Pauli Nachrichten kommend über Pardon und den Spiegel schlussendlich bei Springer landen kann und wie ein ursprünglich liberaler Geist als zumindest teilweise islamophober Ungeist enden kann. Broder selbst gibt nun seine Antwort auf diese Frage.
In seinem larmoyanten Text verweist er auf die Flugzeugentführung einer Air France Maschine die in Entebbe endete. Die Israelis starteten einen Überfall auf den Flughafen Entebbe, erschossen eine Reihe von ugandischen Wachsoldaten und befreiten die Geiseln. Soweit so gut. Es gibt wohl niemanden der sich damals nicht über die Befreiung der Geiseln gefreut hat.Aber genauso selbstverständlich begann nach dem glücklichen Ende auch die weltweite Diskussion darüber ob diese Aktion legal und berechtigt war.

Natürlich war Idi Amin ein ziemlich gemeiner und mörderischer Diktator. Aber zumindest damals war das noch keine Rechtfertigung für einen kriegerischen Angriff auf ein anderes Land. Heute reicht es ja, das dem Präsidenten der USA eine Zeitungsmeldung in einem anderen Land nicht gefällt und schon fallen die Bomben auf Zivilisten. Aber damals gab es noch so etwas wie ein Weltgewissen, das aber damals meist auch nur ein linkes Gewissen war. Für Broder reichte dieses Ereignis aus sich von seinen linken Freunden zu trennen. Schon damals begann er jede Kritik am Handeln Israels als Antisemitismus zu bezeichnen. Die gleiche Antisemitismuskeule mit der er bis heute jedes Nachdenken über Israel verhindern will.

Damals konnte man ihm seine Denkweise noch verzeihen. Er war Jude und eben kein Israeli. Zwar gehört es zum Jude sein dazu, am Pessach Fest den Spruch „Nächstes Jahr in Jerusalem“ zu sagen und je vehementer er vorgetragen wird, desto schlechter ist das Gewissen, weil man ja in Wirklichkeit nicht im gelobten Land der Juden, in Israel leben will. Broder ging damals nach Israel. Dafür hatte er sich eigens eine Vertreibungslegende gebastelt, indem er behauptete, er wolle sich mit den „linken Antisemiten in Deutschland“ nicht mehr auseinandersetzen. Aber Israel war eben doch nicht das gelobte Land für Broder. In Deutschland gab es für den polnischen Juden Broder einen Bonus weil sich die Deutschen wegen des Holocaust schämten und ein gut funktionierendes Netzwerk von jüdischen und linken Freunden. In Israel war Broder nur einer von vielen polnischen Juden. So kam er wie auch einige andere, weitgehend gescheitert, in das Land dass er doch so hasst.

Er ist ein untypischer Rekonvertit. Denn typischerweise loben die Konvertiten ja gerade die Religion in die sie gewechselt haben und verdammen die Religion aus der sie kommen. Broder kam noch israelischer und vor allem als Bewunderer der USA zurück. Er bezeichnet jede Kritik an Israel als antisemitisch und will damit jede Diskussion ersticken. Er sieht die Morde und die Unterdrückung die Israel ausübt und rechtfertigt sie vor sich selbst und will den anderen mit der Antisemitismuskeule die Diskussion verbietet.

Als zweiten Bruchpunkt nennt Broder in seinem Artikel 9/11 und ist ganz verbittert darüber, dass nur wenige Menschen die offizielle Geschichte glauben und das es einige sogar wagen, den USA eine Mitschuld an dem Attentat zuzuweisen, weil das imperiale Verhalten der USA und seine sinnlosen Kriege und Mordbrennereien die Aktion waren, die Reaktionen hervorruft. Nein Broder hat sich entschieden. Die USA und Israel sind die Guten. Alles was die USA und Israel tun ist gut getan und wer das kritisiert ist judenfeindlich und antiamerikanistisch, also verboten. Und weil die Deutschen ihn so ärgern holt er zu ganz großen Keule aus:

War Entebbe der Anlass, mich von meinen linken Freunden zu verabschieden, so hatte 9/11 weiter reichende Konsequenzen. Ich glaube seitdem nicht mehr, dass die Deutschen etwas aus ihrer Geschichte gelernt haben, außer, dass es für sie am günstigsten ist, sich aus der Geschichte rauszuhalten. Aus dem Volk ohne Raum wurde ein Volk ohne Rückgrat. Eine WG, in der darüber diskutiert wird, ob man sich über den Tod eines Massenmörders freuen darf, hat nicht alle Tassen im Schrank; ein Volk aber, das solchen Schabernack treibt, hat sich politisch und moralisch aufgegeben, ein Club der toten Seelen, getrieben vom Willen zur Ohnmacht. Alles, was es zu seinem Glück braucht, findet es bei OBI. Und wenn es mal auf die Barrikaden geht, dann nur, um den Abriss eines hässlichen Bahnhofs zu verhindern. Wolfgang Pohrt hat recht: „Früher haben die Deutschen der Welt den Krieg erklärt, heute erklären sie ihr den Frieden.“ Schwer zu sagen, was langfristig schlimmer ist.

Mit dieser Argumentation ist Broder nun endlich da angelangt wo viele ihn schon lange gesehen haben. Er möchte dass die Deutschen auf die Frage „Wollt ihr den totalen Krieg? lauthals ja schreien. Aber das haben schon damals nur wenige geschrien. Die meisten hielten es wie die Bergarbeiter im Ruhrgebiet die bei nächtlichen Bombenangriffen spöttisch dichteten:

„Lieber Ami flieg doch weiter,
wir sind alles arme Bergarbeiter,
flieg doch weiter nach Berlin,
denn dort haben sie ja geschrien.“

Für ihn ist der Streit um Stuttgart 21 nur der Streit um einen hässlichen Bahnhof und er will eben keine Bürgerdemokratie sondern ein Deutschland dass Israel und die USA bejubelt und Muslime tötet so viel es kann. Er begreift nicht, dass es hochmoralisch ist sich nicht an Angriffskriegen zu beteiligen und dass es zutiefst unmoralisch ist in Afghanistan Kinder zu ermorden wie es Deutschland bereits getan hat. Er begreift nicht, dass es viel schwerer ist nein zu sagen, als mit der Herde mitzurennen.

Leider ist Deutschland noch nicht so weit wie er es beschreibt, aber dieses Deutschland ist auf einem guten Weg dort hin. Leider erkläret Deutschland der Welt noch nicht vollständig den Frieden. Noch gibt es Kräfte in Deutschland die das Land ständig in Kriege verwickeln wollen und noch beutet Deutschland andere Länder wirtschaftlich aus, aber die Dinge beginnen sich immer schneller zu ändern.

Das mag dem Broder nicht gefallen, vielen anderen gefällt das sehr gut. Früher hat man als Linker immer gehört, dass man doch nach drüben gehen solle, aber diese Empfehlung muss man dem Broder nicht geben. In Israel war er ja schon und auch in den USA wird er nicht gebraucht. Er soll ruhig in Deutschland bleiben und sich tüchtig ärgern. Denn Deutschland lässt sich in seiner Entwicklung von einem Broder nicht aufhalten und die Auflagen der Springerpresse sinken. Broder darf sich selbst dabei zusehen wie er in der Bedeutungslosigkeit verschwindet und zum Schluss nur noch mit seinen Freunden von PI und dem anderen rechten Gesindel verkehren kann.

Quelle

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