Nun, wo die NATO bei ihrem lange im voraus gepanten räuberischen Angriffskrieg gegen Libyen gerade trotz anhaltender Bombardierung Libyens ihr Ziel der Eroberung des libyschen Öls mit Pauken und Trompeten zu verfehlen droht, ist eine große massenmediale Propaganda-Offensive zur Vorbereitung des Einsatzes von Bodentruppen natürlich ein Muss.

Schwierig ist dabei jedoch, dass die Bevölkerung seit dem Auffliegen der falschen Geschichten von Babymorden und Massenvergewaltigungen zur Vorbereitung der Angriffskriege gegen den Irak 1991 und Jugoslawien 1999 skeptisch gegenüber der üblichen platten Kriegspropaganda geworden ist. Wenn der Spiegel Lesern nun weißmachen will, libysche Regierungssoldaten würden in der von Rebellen kontrollierten Stadt Bengasi Massenvergewaltigungen von Rebellenfrauen begehen, deren Männer gerade an der Front gegen Gaddafi kämpfen, dann nimmt solche Märchen aus Absurdistan kaum noch jemand für bare Münze.

Also versucht die Kriegspropaganda sich dem UN-Mandat zum Schutz von Zivilisten entsprechend darauf zu konzentrieren, der Heimatfront weißzumachen, dass es möglichst viele zivile Opfer gegeben habe, und so dem ersehnten Einsatz von Bodentruppen zur Besetzung der libyschen Ölfelder näherzukommen.

Die deutsche Mächenschau erklärte heute ihren Konsumenten unter der Zwischenüberschrift „1000 Tote seit Ende Februar“: „Der Verwalter des Krankenhauses von Misrata, Chaled Abu Falgha, bestätigte diese Angaben. Vor Journalisten sagte er, seit Ende Februar seien etwa 1000 Menschen bei den Kämpfen in Misrata getötet und 3000 verletzt worden. Bei 80 Prozent der Getöteten handle es sich um Zivilisten.“ Im gleichen Artikel berichtete die Tagesschau zuvor, dass es in Misrata gerade ganz schlimm sei und dort allein am Sonntag 17 Menschen getötet worden seien. Irgendwelche Zweifel an den Informationen der Rebellen äußerte die Redaktion der Tagesschau nicht.

Ein Leser wunderte sich über die Meldung und schrieb bei Tagesschau online folgenden Kommentar:

1000 Tote, Streubomben und Landminen

Dieser Artikel ist ein Beispiel dafür, wie fragwürdige parteiische Angaben von der Tagesschau unkritisch übernommen werden.

Chaled Abu Falgha erklärte, es habe in Misrata in den vergangenen 60 Tagen 1000 Tote gegeben. Die Tageschau übernimmt diese Angabe als Zwischenüberschrift „1000 Tote seit Ende Februar“.

Nach Adam Riese wären das durchschnittlich 16 bis 17 Tote pro Tag, an schlechten Tagen wohl mehr, an guten Tagen weniger.

Nun ist aber gleichzeitig zu lesen, dass gerade jetzt der Kampf um Misrata besonders heftig sei. Von Raketen, Artillerie und gar von Streubomben ist nun die Rede. Dabei gab es am Sonntag 17 Tote. Glaubt man Chaled Abu Falgha und rechnet nach, ist das nur durchschnittlich.

Wenn die Mathematik schon schlecht zu Angaben des Rebellen-Krankenhauses passt, was ist dann von weiteren Behauptungen von Rebellen zu halten?

In Ajdabiya haben „Rebellen“ übrigens gerade Landminen verlegt, was gut mit Bildern belegt ist. Aber davon sagt die Tagesschau natürlich kein Wort.

Wie üblich, wenn verlogene Kriegspropaganda bei Tagesschau aufzufliegen droht, wurde der Kommentar von der Tagesschau nicht veröffentlicht, sondern wegzensiert – und das, obwohl der Kommentar recht diplomatisch formuliert war.

Die Washington Post berichtete am Samstag Abend übrigens, dass „über Skype erreichte Ärzte“ gesagt hätten, am Samstag seien in Misrata fünf Menschen ums Leben gekommen, was die Zahl der Toten seit Beginn der Blockade Ende Februar auf mindestens 276 bringe.

Bei der Tagesschau lernen wir Rebellenarithmetik: 276 + 17 = 1000. Und wenn die Opferzahlen weiter so rasant steigen, dann reicht es vielleicht noch für Bodentruppen.

Nachtrag: Am heutigen Montag sollen Angaben der „Rebellen“ zufolge durch die Auseinandersetzungen in Misrata vier Menschen umgekommen sein. Eine Meldung der Rebellen, dass in Misrata damit nun 10.000 Zivilisten umgekommen seien, ist bisher ausgeblieben. Einen von der AU vorgeschlagenen Plan eines sofortigen bedingungslosen Waffenstillstandes, den die libysche Regierung akzeptiert hat, lehnt die Führung der „Rebellen“, dabei unterstützt von den sie führenden FUUK-Staaten Frankreich, USA und UK, ab.

2. Nachtrag: Tagesschau.de wiederholt in einem als Top-Meldung veröffentlichten Bericht am 19. April um 04:52h unter Berufung auf „Ärzte“ die Behauptung, dass in Misrata 1000 Menschen ums Leben gekommen seien. Die BBC berichtet um 10:51h GMT hingegen, die Aufzeichnungen der Krankenhäuser in Misrata zeigen, dass „mehr als 300 Menschen“ ums Leben gekommen seien und Behauptungen von Rebellen, es seien mehr 1000 Menschen ums Leben gekommen, nicht zu verifizieren seien. Tageschau.de hat ihre Top-Meldung von 04:52h um 13:37h durch eine neue Top-Meldung zu Libyen ersetzt, in der keine numerischen Angaben zu Opferzahlen mehr enthalten sind, aber dafür die „Propagandamaschinerie“ der libyschen Regierung angeprangert wird.

3. Nachtrag: Der dem gegen Libyen Krieg führenden Diktator aus Katar gehörende Fernsehsender Al Jazeera berichtet am 19. April um 12:16h, „libysche Oppositionsführer“ hätten gesagt, „mindestens 10.000 Menschen“ seien seit dem Beginn des Aufstandes in Libyen ums Leben gekommen. Der faschistische italienische Außenminister Franco Frattini wiederholt Itar-Tass zufolge am Dienstag die Behauptung, es seien „etwa 10.000″ Menschen ums Leben gekommen, und sagt, diese Information habe er vom Führer des „Transitional National Council of Libya (TNC)“, Mustafa Abdel Jalil, bei einem persönlichen Treffen erhalten.

Glaubhaft gemacht werden die Zahlen von den Rebellen nicht. Dafür haben die „Rebellen“ jedoch eine Strategie, wie sie auf Nachfragen zu den von ihnen verbreiteten Zahlen reagieren. Guma El Gamaty, der Britische Koordinator der „interim National Council of Libya“, hatte die Behauptung, mehr als 10.000 Menschen seien in Libyen ums Leben gekommen, bereits am 1. Aprill 2011 in einer Fernsehdebatte geäußert. Als sein Diskussionspartner erklärte, er glaube die Zahll nicht, stürmte Guma El Gamaty vor laufender Kamera wütend aus der Show.

Quelle

Advertisements