Die Bewegung Imam Husseins a.s. ist von so großer Inspiration, dass sie zu jeder Zeit die Volksmassen in Bewegung setzen kann.


Dies hat zweifelsohne mit dem festen Gedankengut zu tun, auf dessen Basis die Erhebung Imam Husseins Gestalt annahm.

Der elementarste Gedanke Imam Husseins a.s. bei seiner Bewegung war die Erfüllung der göttlichen Pflicht. Gott betrachtet es als Pflicht des Menschen das Gute anzustreben und Unheil zu verhüten. Ein Mensch der es als seine Ehre betrachtet, Gott zu dienen, denkt an nichts anderes als daran die göttliche Pflicht zu erfüllen und Gottes Zufriedenheit zu gewinnen. Was Imam Hussein sagte und tat, war die Erfüllung der Pflicht und das geeignete Handeln in jenem sensiblen Abschnitt der Geschichte. Kern seiner Anstrengungen war die Erfüllung des Gebotes, das Gute zu gebieten und

das Schlechte zu verwehren.

Eines der Ziele Imam Husseins war die Bekämpfung der Entwicklungen , welche die Grundlagen der Religion und der Islamischen Gemeinde bedrohten. Imam Hussein trat gegen eine Front an, die der Gesellschaft den tiefen Inhalt der Religion und deren hohen Werten rauben wollten. Diese Leute waren vom wahren Weg abgeraten und hatten sich von den authentischen Werten des islams entfernt, aber sie gaben sich ein religiöses Aussehen. Imam Hussein a.s. wusste: wenn das Übel der abtrünnigen, heuchlerischen Machthaber anhält, wird ein großer Teil des religiösen Wissens in Vergessenheit geraten und vom Islam nur eine äußere Hülle verbleiben.

Imam Hussein a.s. sagte, als er zu Beginn seiner Protestbewegung seine Heimatstadt Medina verließ: „Ich verlasse Medina um das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren.“

In der Denkweise Imam Husseins a.s. ist der Aufstand gegen eine unterdrückerische frevelhafte Regierung und die Bemühung um die Gesundung der politischen Strukturen und Gründung einer Gesellschaft die auf Wahrheit und göttlicher Gerechtigkeit beruht eine Form der Erfüllung des eben genannten Gebotes, nämlich des Gebotes, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren. Der Denker Schahid Ostad Motahari sagt über die Bedeutung dieser Denkens:

„Der Gedanke das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren hat die Bewegung Imam Husseins so wertvoll gemacht. Hussein Ibn Ali hat auf dem Weg der Durchführung dieses Gebotes, d.h. auf dem Wege des elementarsten Grundsatzes, welcher ein Garant für den Erhalt der islamischen Gesellschaft ist, sein Leben hergegeben und ist Märtyrer geworden. Es ist ein wichtiger Grundsatz, dessen Fehlen die Spaltung und Zerstörung des „Körpers“ der Gesellschaft zur Folge hat.“

Imam Hussein a.s. hat als ein wacher Reformer sich verpflichtet gefühlt nicht gegenüber Unrecht und Verdorbenheit zu schweigen. Die Umayyaden hatten durch Propaganda ein gutes Ansehen verschafft und die unwissenden in Schaam (Damaskus) glaubten, dass sie die treusten Anhänger des Propheten Gottes und am besten als dessen Nachfolger geeignet sind. Imam Hussein a.s. musste gegen dieses falsche Denken vorgehen und den Menschen klar machen, dass die Reinen aus dem Hause des Propheten berechtigt und geeignet waren, die Angelegenheiten der Islamischen Glauensgemeinde zu lenken. In diesem Zusammenhang erklärte er in einem Schreiben an die Bürger von Basreh auf welchen Gedanken sein Aufstand basierte und schrieb:

„Wir aus dem Hause des Propheten sind die würdigsten für die Nachfolgerschaft des Propheten gewesen. Aber sie haben uns dieses Recht geraubt und wir haben wegen des Wohls der Gesellschaft und um jeder Spaltung und jeder Aufruhr vorzubeugen an die Sicherheit in der Gesellschaft und an die Wiederbelebung der Religion Gottes gedacht. Aber nun rufe ich euch zum Koran und zu der Tradition des Propheten herbei. Denn ich befinde mich in einer Zeit, in der die Sunna (Tradition) des Propheten vernichtet wurde und an ihrer Stelle Ketzereien traten. Wenn ihr meinem Aufruf folgt, werde ich euch den Weg des Gedeihens und des Wohls zeigen.“

Die Gedanken, die Imam Hussein seiner Erhebung in Kerbela zugrunde legte, zeugen davon, dass der Islam auch ein hohes Potential für die Anliegen der Politik und Gesellschaft besitzt. Im Denken Imam Husseins sind Religion und Politik eng miteinander verknüpft. In Wahrheit ist sein Aufstand eine Revolution gegen die politische und religiöse Abweichungen der ungerechten Herrscher gewesen. Die Frage der Regierung und Führung und die Notwendigkeit der Mitbestimmung des Volkes ist im Islam von besonderer Bedeutung. Wenn an der Spitze eine ungeeigente unwürdige Person , welche die Lehren der Religion missachtet, steht, besteht keine Garantie mehr für die Ausführung der göttlichen Gebote und die religiösen Inhalte werden verfälscht werden. Imam Hussein dachte daran gegen solche Bedingungen vorzugehen und dieser Gedanke bewegte ihn zum Dschihad und zum Aufstand. Denn er erkannte die deutlichen Abweichungen von der Tradition des Propheten und der wahren Religion.

Aus der Sicht Imam Husseins a.s. ist eine Regierung die auf den menschlichen und göttlichen Wertmaßstäben beruht das beste Werkzeug und die beste Grundlage , um die Angelegenheiten der Gesellschaft in die richtigen Bahnen zu lenken. Unter solchen Bedingungen können die guten Gedanken der Religion in der Gesellschaft verbreitet und hehre Ziele wie die soziale Gerechtigkeit verwirklicht werden.

Die Suche nach Gerechtigkeit und die Bekämpfung der Ungerechtigkeit waren weitere Grundgedanken Imam Husseins a.s. bei seinem historischen Aufstand zu Aschura. Die Gerechtigkeit gehört zu den offensichtlichen Geboten der Religion und sie betrifft alle Angelegenheiten des menschlichen Lebens. Zu dem deutlichsten Übel der Umayyadenherrscher gehörte das Unrecht, dass sie der Bevölkerung antaten und die Verletzung deren Rechte. Jemand wie Imam Hussein konnte angesichts dieser Frage nicht schweigen. Denn aus seiner Sicht war Schweigen eine Art Bestätigung des Unterdrückers und eine Zusammenarbeit mit ihm. Darüber hat Imam Hussein zu dem Heer des Horr, der erst auf der Seite des Yazid gestanden hatte und sich dann Imam Hussein anschloss, gesagt: „Ihr Leute! Der Prophet Gottes hat gesagt: „Wenn jemand einen unterdrückerischer Herrscher sieht, der das was Gott erlaubt hat, verbietet, das Bündnis mit Gott bricht, gegen die Tradition des Propheten Gottes ist und ungerecht handelt und wenn er durch sein Wort und sein Handeln sich nicht gegen ihn wehrt, so wird Gott ihn bei der Auferstehung zu diesem Unterdrücker stellen … Ihr Leute! Die Umayyaden haben Verdorbenheit und Unheil deutlich gemacht, sie haben die göttlichen Gebote beiseitegestellt und habe das Eigentum des Volkes für sich bestimmt.“

In der Denkweise Imam Husseins ist das Schweigen gegenüber einem Unrecht tuenden Herrscher eine große Sünde. Seine Denkweise ist von der Freiheitlichkeit und der Selbstachtung geprägt. Sein Ehrgefühl erlaubte ihm nicht, dem sündigen Herrscher Yazid den Treueid zu leisten. In den Augen Imam Hussein hat der Treueid mit einem Herrscher, der die göttlichen Gebote und die Rechte der Menschen nicht hütet, nur Erniedrigung zur Folge.

Deshalb wehrte er sich tapfer und bestimmt gegen den Treueid gegenüber Yazid, dem Sinnbild des Unrechts . Er wollte lieber sterben, als dass er die Erniedrigung auf sich nimmt. Imam Hussein misst der Würde des Menschen einen so großen Wert bei, dass er sagt, dass der Mensch zur Not sein Leben für seine Würde opfern soll.

Die Bewegung des Imam Husseins enthält also sehr faszinierende und lebendige Gedanken und dies ist ihr Vorzug gegenüber anderen geschichtlichen Bewegungen. Die inspirierende Wirkung der freiheitssuchenden Bewegung des Imam Husseins hat daher auch nach Jahrhunderten nicht nachgelassen.

Advertisements