Der Aufstand Imam Husseins am Aschuratag war ein heroisches Ereignis, denn Imam Hussein a.s. hat mit einer kleinen Schar von treuen Gläubigen tapfer gegen ein riesiges Heer gekämpft.


Die Mitstreiter Imam Husseins zweifelten keinen Augenblick lang an ihrer heiligen Aufgabe, den wahren Islam zu retten . Ihr Vorbild war Hussein Sohn des Alis a.s und wie er zogen sie einen Tod in Ehren einem Leben in Erniedrigung vor. Dem Aufstand von Imam Hussein a.s. lagen erhabene Ziele zugrunde. Und die Gesinnung des Imams und seiner Helfer zeugte dafür dass diese Protesterhebung der Verteidigung der Ehre des Menschen und der religiösen Werte und der Beseitigung des Unrechts galt. Die Helden von Kerbela hinterließen die schönsten Beispiele für Geduld, Standhaftigkeit, Opferbereitschaft und Gottesliebe. Ihre Bewegung enthält eine hohe Kultur und die Kunst hat einen wichtigen Beitrag zu dem Erhalt dieser Kultur geleistet.

Ein Mittel welches Literaten wählten um die Erinnerung an den Kampf von Imam Hussein wach zu halten ist das sogenannte Maqtal. In einem Maqtal werden die Ereignisse von Aschura Augenblick für Augenblick beschrieben und die verschiedenen Seiten des Geschehens hinsichtlich Spiritualität, Moral, Politik und Gesellschaft beleuchtet. Dieser Literaturzweig nennt sich Maqtal-Negari oder Maqtal-newisi.

Nach den Ereignissen von Kerbela haben viele aus Liebe zu den Nachkommen der Propheten und in Zorn über die Umayyaden, die den edlen Enkelsohn des Propheten Gottes töten ließen, über das Unrecht, das Imam Hussein angetan worden war und über den üblen Charakter der Umayyaden geschrieben. Maqtal-Newisi war eine dieser Methoden und erforderte eine gewisse künstlerische Begabungen. Die Maqtal, die bis zum 5. Jahrhundert nach der Hidschra ( 11 Jahrhundert nach Christus) verfasst wurden, gelten als wichtige historische Belege über das Geschehen zu Aschura, und weisen die wenigsten Irrtümer auf. Das Maqtal des Abu Michnaf, welches in dem bekannten Geschichtswerk von Tabari und einigen anderen zuverlässigen Werken zitiert wird, gehört zu den zuverlässigen Beschreibungen des Geschehens in Kerbela. Es entstand zu Beginn des 2. Jahrhunderts nach der Hidschra.

Über Aschura sind auch viele Gedichte geschrieben worden. Die Poesie war ein guter Träger für die Botschaft dieser Bewegung .

Die Dichtung über Aschura wurde fast circa 3 Jahrhunderte heimlich von den Freunden der Prophetennachkommen gepflegt, denn die Literaten fürchteten sich vor der Verfolgung durch die tyrannischen Kalifen. Doch als Mu’izud Dowlah Dailami Mitte des 4. Jahrhunderts nach der Hidschra (ca. Mitte des 10. Jahrhundert nach Christus ) die Macht in einem Teil von Irak, Khuzistan und Fars übernahm ordnete er an, dass am Aschuratag getrauert werden soll.

Die Trauerzeremonien galten nicht mehr als Gesetzesverstoß sondern wurden als Staatstrauer eingeführt. So konnten nach all den Jahren überall die Trauerelegien für Imam Hussein öffentlich vorgetragen werden und niemand brauchte sich vor einer Bestrafung zu fürchten.

Kesai Marwazi war der erste Dichter, dessen Reime über Aschura schriftlich festgehalten wurden.

Besonders bekannt ist der Elegiendichter Mohtascham Kaschani geworden. Seine Gedichte haben auch zeitgenössische Aschuradichter angeregt.

Die Aschuradichtung muss unterschieden werden nach Werken, die das Geschehen von Kerbela nur emotional behandeln und solchen, die auch den hohen Wert und das Heroische dieses Aufstandes in Betracht ziehen.

Die Aschuradichtung dient also den Iranern also eine Quelle für Überzeugung und Kultur, für Politik und Sozialwesen.

Die Gedichte wurden auch in einer Art Passionsspiel genannt Taziyeh eingesetzt, bei der das Geschehen zu Kerbela für die Zuschauer rekonstruiert wird.

Unter den Safawiden erreichten die Elegiendichtung ihren Höhepunkt und in der späteren Qadscharenzeit wurde für die Trauerzeremonien und die dramaturigische Rekonstruktion des Geschehens von Kerbela besondere Stätten eingerichtet die sich Takiyeh nannten.

Das Passionsspiel Taziyeh geht von den schiitischen Überzeugungen aus. Es zieht iranische Dichtung und traditionelle iranische Musik heran. Taziyeh gilt als die älteste iranische Theaterform. Vielleicht lässt sich das Taziyeh mit einem Drama vergleichen aber es hat völlig iranische Züge. Es ist zugleich ein lebendiger religiöser Brauch. Einmalig ist auch, dass die Veranstalter es als eine Pflicht betrachten dieses Passionsspiel während der Trauerzeit um Imam Hussein a.s. aufzuführen um diesen großen Imam auf diese Weise zu würdigen. Vielleicht kann man das Taziyeh deshalb als eine weltweit einmalige Form dramaturgischer Darstellung bezeichnen.

Das Taziyeh steckt voller Symbolik. Die Texte, die meist in Gedichtsform sind werden zum Teil in Gesangsform vorgetragen. Dieses Passionsspiel ist landesweit im Monat Muharam üblich.

Eine weitere traditionelle Kunst im Zusammenhang mit den Trauerzeremonien zu Aschura ist das Pardeh-Chani. Es ist eine Art bebilderter Erzählvortrag. Der Erzähler schildert mit einem melodischen Vortrag anhand von Bildern die Leiden, die Imam Hussein a.s. opferbereit auf sich genommen hatten. Pardi-Chani ist eine sehr alte Volkskunst. Unter Pardeh ist ein großes Tuch zu verstehen auf dem verschiedene Ereignisse abgebildet sind. Das Kernthema sind dabei die Ereignisse in Kerbela, und nach dem Aschuratag . Die Bilder sind in volkstümlichem Stil gemalt. Und der Erzähler, der Pardehchan, zeigt entsprechend dem Inhalt seines beeindruckenden Erzählvortrags mit einem Stab auf das jeweilige Bild auf diesem „Pardeh“. Das wichtigste Moment der Pardechani ist der Vortrag des Pardechans und die Bilder dienen nur der Veranschaulichung.

Nach dem Sieg der Islamischen Revolution im Iran haben auch andere Kunstzweige wie die Theaterkunst, die Fotographie und die Filmkunst sich mit der Schilderung und der Veranschaulichung des Aschura-Geschehens beschäftigt und wertvolle Kunstwerke geschaffen. Diese im einzelnen zu beschreiben geht jedoch über den Rahmen unseres heutigen Beitrages hinaus.

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