Rannie Amiri

„Entzündet von einem geheiligten Baum, nicht aus dem Osten noch aus dem Westen, dessen Öl geradezu leuchtet, obwohl kaum vom Feuer berührt …“  (Quran 24:35)

„Und nachdem er die Brände gelegt hatte, ließ er sie vordringen in das stehende Korn der Philistiner, und verbrannte die Scheunen wie auch das stehende Korn, zusammen mit den Weinbergen und Oliven.“ (Richter 15:5)

Oliven und Olivenöl. Nichts symbolisiert palästinensisches Land, Identität und Kultur so sehr wie sie. Sie sind die Markenzeichen des Nationalstolzes und das wahrhaftige Herz von Palästinas Landwirtschaft.
Obwohl die Unterwerfung und tägliche Demütigung durch die Okkupation in Ostjerusalem und der West Bank verschiedene Formen aufweisen – erniedrigende Durchsuchungen an Kontrollstellen; Verhaftung und Verhöre von Jugendlichen; Verhinderung von schnellen Transporten von Kranken in Krankenhäuser; Ausweisung von Familien und Zerstörung von Häusern – rufen wenige Situationen mehr Empörung und tiefe Traurigkeit hervor als das Abbrennen von Olivenhainen durch Siedlerbanden.

Am Freitag letzter Woche war der offizielle Beginn der Olivenernte in der von Israel okkupierten West Bank. Gewehrfeuer und Feuer kündigten wieder einmal den Beginn an. Hunderte Bäume wurden von Siedlern verbrannt, während israelische Soldaten zuschauten. Feuerwehrautos wurden daran gehindert, die Brände zu löschen, die mittlerweile zu einem jährlichen Ritual geworden waren für die Plünderung des Landes durch diejenigen, die illegal darauf siedeln.

Rechtzeitig zu Beginn der Ernte veröffentlichte die internationale Hilfsorganisation Oxfam ihren Bericht „Der Weg zum Olivenanbau: Herausforderungen bei der Entwicklung der wirtschaftlichen Verwertung von Olivenöl in der West Bank“ am 15. Oktober in Jerusalem.

Oxfam weist darauf hin, dass die palästinensische Produktion von Olivenöl einigen der ärmsten und am meisten benachteiligten Familien und Gemeinden in der West Bank $ 100 Millionen im Jahr einbringt. Sie ist eine wesentliche Einkommensquelle für die Wirtschaft und fast die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche entfällt auf sie. Als wichtigere Exportgüter des Territoriums tragen Oliven und Olivenöl zu Arbeitsmöglichkeiten und Einkommen für 100.000 palästinensische Bauernfamilien in einem Ausmaß bei, das nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Dennoch behindert die israelische Regierung absichtlich den Zugang zu dem Land, in dem Olivenfarmen gelegen sind.

„Physische Barrieren wie Kontrollstellen und Straßensperren haben die Bewegungsfreiheit für Menschen und Güter in der West Bank eingeschränkt und den Zugang für palästinensische landwirtschaftliche Produkte, einschließlich Oliven und Olivenöl, zu den lokalen, israelischen und internationalen Märkten versperrt,“ stellte der Bericht fest.

Er kam auch zu dem Schluss, dass die israelische Regierung die Gewalt der Siedler gegen die Olivenhaine billigt, darunter den Diebstahl der Früchte, das Ausreißen oder Verbrennen zehntausender Bäume und die Angriffe auf Bauern, um diese einzuschüchtern und von der Ernte ihrer Früchte abzuhalten.

„Siedlerattacken und Drohungen gegen palästinensische Olivenbauern sind normal.“

Der Freitag bildete keine Ausnahme. Wie AFP berichtete, beschossen Siedler die Haine mit automatischen Waffen, setzten Olivenbäume in Brand und schrieen „Hinaus, hinaus!“

Die Gewaltausbrüche in diesem Jahr wurde beschrieben als eine der schlimmeren in der jüngeren Geschichte. Ungeachtet der wohlbekannten Identität der Angreifer gehen nahezu alle straffrei aus.

In einer Studie, die 97 Fälle von Vandalismus gegen palästinensisches Land über fünf Jahre hinweg verfolgte, fand die israelische Menschenrechtsorganisation Yesh Din (Freiwillige für Menschenrechte) heraus, dass die polizeilichen Untersuchungen nicht zu einer einzigen Anzeige führten und alle Akten wegen unzureichenden Beweisen oder „unbekannten Tätern“ geschlossen wurden. „Die Strafverfolgungsbehörden reagieren nicht auf den fortlaufenden Schaden, der der Existenzgrundlage palästinensischer Familien zugefügt wird,“ sagte der Leiter der Untersuchung Yior Lavne.

Das kulturelle Erbe und die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit eines Volkes zu verwüsten ist eine abscheuliche Vorgangsweise. Unter allen anderen Umständen würde die absichtliche, gezielte Schändung von Land und Sabotage von Lebensgrundlagen als Kriegsverbrechen betrachtet. Es ist an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft das, was in der West Bank geschieht, als solches bezeichnet.

Erschienen am 22. Oktober 2010 auf > http://www.antiwar.com

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