„Wenn ich ein arabischer Führer wäre, würde ich nie einen Vertrag mit Israel unterschreiben. Es ist normal; wir haben ihr Land genommen. Es ist wahr, dass es uns von Gott versprochen wurde, aber wie sollte sie das interessieren? Unser Gott ist nicht ihr Gott. Es gab Anti-Semiten, die Nazis, Hitler, Auschwitz, aber war es ihre Schuld? Sie sehen nur eine Sache: Wir kamen und haben ihr Land gestohlen. Warum sollten sie das akzeptieren?“ David Ben Gurion (erster israelischer Premierminister) zitiert von Nahum Goldmann in Le Paradoxe Juif (The Jewish Paradox), S.121.

Von Israels insgesamt 7,2 Millionen Bürgern, haben rund 1,5 Millionen Menschen einen arabisch/palästinensischem Hintergrund und sind in ihrer Mehrheit muslimischen Glaubens; eine Minderheit von ihnen, ungefähr 155.000, sind griechisch-orthodoxe und katholische Christen. Somit stellen die Palästinenser einen Bevölkerungsanteil von fast 21 Prozent im Staat Israel.

Netanjahu verlangte bei den Verhandlungen in New York von Abbas die Anerkennung Israels als „jüdischer Staat“ durch die Palästinenserführung.

„Die Forderung nach ‚Anerkennung‘ richtet sich vornehmlich an eine andere Adresse, nämlich an ein Fünftel der israelischen Gesellschaft – an die israelischen Palästinenser. Sie waren/sind die Letzten ihres Volkes, die während der Nakba (1948), der Zeit der großen Enteignung, auf ihrem Land geblieben sind. Im Laufe der Jahre wurden sie israelische Staatsbürger.

Dieser Teil der israelischen Gesellschaft wird in den Verhandlungen, die ihr Staat gerade führt, lediglich formal repräsentiert. Stattdessen ist es Netanjahus Hoffnung, Abbas dazu zu bewegen – mit dem Versprechen eines Staates -, die Interessen der palästinensischen Bürger/innen Israelis zu opfern. Die Führung der palästinensischen Minderheit in Israel, die Abbas im Vorfeld der Gespräche sehr unterstützt hatte, weiß genau, was Netanjahu mit seiner Forderung nach ‚Anerkennung‘ bezweckt.

Die sollen nun einen Treueschwur auf den „jüdischen Charakter“ Israels ablegen. Auf welchen „jüdischen Charakter“ Israels? Den kolonialen Zionismus, basierend auf ethnische und religiöse Ungleichheit? Den Apartheidcharakter „jüdischen“ Selbstverständnisses? Eine imperiale Wahnvorstellung die das „Ausgewähltsein“ vor Gleichheit, Menschenrechte, Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstverwaltung stellt. „Auserwählte“ nach deren Verständnis das Land nicht nur lebenden Juden, sondern auch allen früheren, und zukünftigen Generationen der Juden gehört. Kann sich eine Staatsführung hinter religiösen Nonsensargumenten verstecken und ungestraft einen Genozid betreiben? Hier die Definition von Raphael Lemkin, dem polnisch-jüdischen Rechtsgelehrten, der die Genozid-Konvention vorangebracht hat:

„Genozid bedeutet nicht notwendigerweise die unmittelbare Zerstörung einer Nation …

eher ist beabsichtigt, einen koordinierten Plan für verschiedene Aktionen anzukündigen, die die Zerstörung der wesentlichen Lebensgrundlage nationaler Gruppen zum Ziel hat, um dann die Gruppen selbst zu vernichten. Die Ziele eines solchen Plans würde die Auflösung der politischen und sozialen Institutionen, der Kultur und Sprache, der nationalen Gefühle, der Religion und der wirtschaftlichen Existenz nationaler Gruppen bedeuten und die Zerstörung der persönlichen Sicherheit, Freiheit, Gesundheit, Würde und sogar das Leben der Individuen, die zu solch einer Gruppe gehören.“

.Um diesen Strolchenstaat schwänzeln politische Sprechblaseneliten, parteiübergreifend von Gysi bis Merkel und machen sich im Bundestag für einen israelischen Gefangenen stark. Palästinensische Widerstandskämpfer, die zu Tausenden in Gefängnissen des neuen „jüdischen“ Gottesstaates sitzen, bleiben außen vor. Gab es eine kraftvolle Initiative von offizieller deutscher Seite gegen den Gottesstaat, als israelische Strolche wehrlose Friedensaktivisten auf der Mavi Marmara abschlachteten? Nein, natürlich nicht. Jetzt nicht und in Zukunft schon gar nicht. Wäre ja nicht nur antisemitisch, wäre geradezu Gotteslästerung – jetzt wo sich die deutsche Staatsräson einem Gottesstaat verpflichtet sieht – der der „christlich-jüdischen Tradition“ entsprungen ist.

Quelle

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