Israels angeblicher Atomwaffen-Deal mit Südafrika wirft ein Schlaglicht auf die heikle Partnerschaft zweier sehr unterschiedlicher Länder.

Auf den ersten Blick kamen hier zwei zusammen, die nicht zusammen gehörten: Der als Reaktion auf den Holocaust gegründete Staat der Juden und ein Regime, das eine knallharte Rassentrennung praktizierte und in dessen Reihen sich viele Nazi-Anhänger tummelten. Tatsächlich war Israel nach seiner Gründung 1948 ein scharfer Kritiker der Apartheid und suchte den Kontakt mit den in die Unabhängigkeit entlassenen afrikanischen Staaten.

Die Wende kam nach dem Yom-Kippur-Krieg 1973, als viele afrikanische Regierungen sich von Israel abwandten. Nun bot sich Pretoria als neuer Verbündeter an. Es entwickelte sich eine enge militärische Zusammenarbeit vor allem im atomaren Bereich: Südafrika lieferte das Uran, das Israel für seine Atomwaffen – deren Existenz es bis heute im Sinne seiner Doktrin der «nuklearen Zweideutigkeit» nicht offiziell zugibt – brauchte und erhielt im Gegenzug technologische Unterstützung etwa beim Bau eines Forschungsreaktors.

Gemeinsamer Atomtest?

Auf diese Weise soll es Südafrika gelungen sein, sechs Atombomben zu konstruieren. Sogar von einem gemeinsamen Atomtest ist die Rede: Am 22. September 1979 registrierte ein US-Satellit von Typ «Vela» über dem Südatlantik zwei kurz aufeinanderfolgende Lichtblitze, wie sie von einer Kernwaffenexplosion verursacht werden. Eine Bestätigung dafür gibt es bis heute nicht. Der von der britischen Zeitung «Guardian» enthüllte angebliche Versuch Israels, den Südafrikanern direkt Atomwaffen zu verkaufen, zeigt nun eine neue Dimension.

Demnach haben sich der israelische Verteidigungsminister und heutige Staatspräsident Schimon Peres und sein südafrikanischer Amtskollege, der spätere Regierungschef Pieter Willem Botha, erstmals Ende März 1975 und erneut am 4. Juni in Zürich getroffen, um über den Deal zu verhandeln. Gescheitert sei er aus politischen Erwägungen und vor allem aus Kostengründen, schreibt der «Guardian» und beruft sich auf Dokumente, die der US-Historiker Sasha Polakow-Suransky von der heutigen südafrikanischen Regierung erhalten hat.

Hitler-Verehrer in Jerusalem empfangen

Das Büro von Schimon Peres dementierte kategorisch: Der Bericht des «Guardian» entbehre «jeder realistischen Grundlage». Ohnehin hat sich Israel stets bemüht, seine Partnerschaft mit dem Rassisten-Regime herunterzuspielen: Es gehe um Sicherheit und nicht um Ideologie, hiess es. Als Peres vor fünf Jahren vom «Guardian» darauf angesprochen wurde, erwiderte er, die südafrikanische Schwarzenbewegung habe sich mit PLO-Chef Jassir Arafat verbündet, «deshalb hatten wir keine Wahl». Man habe aber die Apartheid stets verurteilt.

Allerdings hinderte dies Peres und den damaligen Regierungschef Jitzhak Rabin nicht daran, 1976 den südafrikanischen Ministerpräsidenten Balthazar Johannes Vorster in Jerusalem zu empfangen – den gleichen Vorster, der während des Zweiten Weltkriegs als Hitler-Bewunderer interniert war und einer faschistischen und antisemitischen Bewegung angehört hatte, so der «Guardian». Ein Jahrbuch der südafrikanischen Regierung betonte damals die Gemeinsamkeit der beiden Länder:«Sie befinden sich in einer überwiegend feindlichen Welt, die von dunkelhäutigen Menschen bewohnt wird.»

Druck auf ANC-Regierung

Ende der 70er Jahre war Südafrika der grösste Kunde der israelischen Rüstungsindustrie. Diese soll heftig protestiert haben, als sich Israels Aussenpolitik in den 80er Jahren von den Weissen ab- und dem schwarzen Südafrika zuwandte. Noch vor dem Ende der Apartheid zerstörte Südafrika 1991 seine sechs Atombomben und trat dem Atomwaffensperrvertrag bei, den Israel bis heute nicht unterzeichnet hat.

Die «Guardian»-Enthüllungen wären der erste schriftliche Beweis für die Existenz der israelischen Nuklearwaffen. Das Verteidigungsministerium in Jerusalem soll laut Sasha Polakow-Suransky die südafrikanische Regierung unter Druck gesetzt haben, die Dokumente nicht freizugeben, ohne Erfolg. «Die ANC-Regierung ist nicht besonders erpicht darauf, die schmutzige Wäsche der alten Verbündeten des Apartheid-Regimes zu schützen», meinte der Historiker.

Quelle

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