Erinnern Sie sich an den Irak? Die meisten Amerikaner würden die Invasion und Okkupation am liebsten vergessen, die sieben Jahre vor der vergangenen Woche ihren Anfang genommen haben. Irak ist zu unserem neuen „vergessenen Krieg“ geworden, nachdem Afghanistan jahrelang als George W. Bushs „vergessener Krieg“ dahingedümpelt war, ehe es von Barack Obama wiederentdeckt und wiederbelebt wurde. Das sind die Ironien der Geschichte.

In einem Interview mit der New York Times gab General Ray Odierno, der letzte in einer langen Reihe von U.S.-Kommandanten in Bagdad vor kurzem seiner Meinung Ausdruck, dass „die Leute darüber hinweg kommen müssen, warum wir hierher gekommen sind.“ Von des Generals Lippen in Gottes Ohr: die Amerikaner haben bereits aus ihren Gedächtnissen die Gründe gelöscht, die ihnen vorgelegt worden waren, um den Krieg gegen den Irak in erster Linie zu rechtfertigen.

Ein vor Massenvernichtungswaffen strotzendes irakisches Arsenal? Saddam Husseins Verbindungen zu militanten Jihadisten? Die Befreiung des Irak, die den Weg für eine demokratische Transformation im Mittleren Osten bereitet? Die Straße zum Frieden in Jerusalem, die in Bagdad beginnt? Eine Demonstration amerikanischer Militärmacht, um ein für allemal die Frage zu klären, wer das „stärkere Pferd“ ist? Vergiss es.

Reden wir also über die Konsequenzen, statt uns darüber den Kopf zu zerbrechen, warum wir in den Irak einmarschiert sind. Zufällig beschäftigt sich eine Studie mit diesem Thema, die gerade von der RAND Corporation für die Luftwaffe fertig gestellt worden ist.

Hier findet sich, was wir laut RAND für unsere Billion oder so Dollars bekommen haben. (Ach ja, der Zähler läuft immer noch.)

1). Das regionale Gleichgewicht der Macht hat sich dem Iran zugeneigt und „erweckt in der arabischen Öffentlichkeit den Eindruck, dass der Iran – und in Verbindung damit die Schia – jetzt auf der Seite der ‚Gewinner’ stehen.“

2). Nachdem eine Reihe grober Fehler Zweifel an Kompetenz und Fähigkeiten der Vereinigten Staaten von Amerika aufkommen haben lassen, blicken die arabischen Nationen zunehmend auf Russland und China, von denen sie sich Unterstützung, Schutz und Hilfe erwarten.

3). Statt die Entwicklung von Demokratie zu fördern „hat der Krieg die Entwicklung von politischen Reformen in den arabischen Ländern zum Stillstand gebracht oder rückgängig gemacht“; in Ländern im gesamten Mittleren Osten sind unter dem Vorwand der Bekämpfung des Terrorismus Bewegungen zur Unterstützung des Liberalismus und der Rechtsstaatlichkeit unterdrückt worden.

4). Die zwei Millionen Iraker, die aus ihrem Land geflüchtet sind, um dem Krieg zu entkommen – laut RAND „die größte Flüchtlingskrise im Mittleren Osten seit dem arabisch-israelischen Krieg 1948“ – drohen Nachbarländer wie Jordanien und Syrien zu destabilisieren; die Lager für irakische Flüchtlinge dienen als Brutstätten für Prostitution, Frauenhandel und politischen Radikalismus.

5). Taktiken und Techniken, die entwickelt wurden, um die Amerikaner im Irak zu bekämpfen, haben ihren Weg zu Bewegungen wie Hamas und Hezbollah gefunden, wodurch der lange Konflikt im Irak die Leistungsfähigkeit der Widerstandskämpfer in der ganzen Region gestärkt hat.

Und die guten Nachrichten? Die Erbsenzähler von RAND konnten keine finden.

Es ist also kein Wunder, dass alle die Klugscheißer in Washington, egal ob Zivilisten oder Soldaten, so gerne das Thema wechseln. Reden wir darüber, wie wir Afghanistan oder Pakistan hinkriegen. Oder was wir alles in Jemen oder Somalia machen können. Reden wir über alles außer über die Schweinerei, zu der Washingtons Rücksichtslosigkeit und Wahnwitz geführt haben.

Die wirkliche Schande ist, dass wir sie damit davonkommen lassen.

erschienen am 25. März 2010 in WORLD AFFAIR´S JOURNAL

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