Everyday is Ashure and everywhere is Karbala

Über weite Strecken der letzten 100 Jahren bestanden in Europa und anderen Teilen der Welt – China sei hier nur als eines unter vielen Beispielen genannt – die vorherrschenden Ideologien zur Befreiung der Menschen von Diktatur, Ausbeutung und Unterdrückung aus verschiedenen Spielarten von Sozialismus und Kommunismus. Typische Merkmale der sozialistischen Befreiungsideologie sind Klassenkampf gegen das Kapital und als Teil dessen der Kampf gegen Religion. In Lateinamerika gelang mit dieser Ideologie die Revolution in Kuba, doch weitere nachhaltige Erfolge wurden durch brutale militärische und geheimdienstliche Interventionen der USA lange Zeit, praktisch bis zum Wahlsieg von Hugo Chavez in Venezuela, verhindert. Trotz aller Jahrzehnte währenden Bemühungen von Marxisten, Religion durch Aufklärung zu eleminieren, blieben jedoch die Religiosität und der Glaube vieler Menschen an Gott auch in strikt sozialistisch regierten Staaten eine nicht zu leugnende Tatsache.

Man kann sogar soweit gehen, und die Theorie vertreten, dass die unterschätzte Bindungskraft der Religion der entscheidende Faktor war, der das sozialistische Imperium der Sowjetunion zum Einsturz brachte: in Osteuropa spielte die Kirche beim Zusammenbruch des kommunistischen Blocks ebenso eine entscheidende Rolle wie in Afghanistan die von den USA unterstützten Mudjehedeen. Für im revolutionären Kampf befindliche marxitische oder auch nur soziale Befreiungsbewegungen erwies sich die starke emozionale Bindungskraft der vom Vatikan zentral geführten christlichen Lehre als ein wesentliches Hindernis auf dem Weg zum Sieg über Unterdrückung und Diktatur.

So ist es leicht nachvollziehbar, dass in den 60er Jahren insbesondere im katholisch geprägten Lateinamerika eine ideologische Synthese von christlicher Theologie und Klassenkampf entstand, die sich, wenn vielleicht auch nicht immer in erster Linie, so doch zwangsläufig auch gegen den US-Imperialismus richtete. Spätestens seit einem Anfang der 70er Jahre erschienenen gleichnamigen Buch von Gustavo Gutiérrez ist die ideologische Verbindung von sozialem Kampf mit christlicher Theologie unter der Bezeichnung “Befreiungstheologie” bekannt. Die christliche Befreiungstheologie ist meist, wenn auch längst nicht überall auf der Welt, ausgeprägt als eine wenig kämpferische Ideologie, die den sozialen Klassenkampf mit explizit gewaltlosem Widerstand über Themen wie Menschenrechte und dem christlichen Gebot der Nächsteliebe führt. Die Sinnhaftigkeit der Form des gewaltlosen Widerstandes lässt sich in der christlichen Befreiungstheologie leicht mit dem zentralen religiösen Motiv des Christentums, nämlich dem gewaltlosen Lebensweg Jesu Christi begründen und existiert inzwischen in zahlreichen christlich geprägten Teilen der Welt, beispielsweise in den USA und in Südafrika. Im Allgemeinen wird die christliche Befreiungstheologie auch von atheistischen Sozialisten als Verbreiterung der Basis im Klassenkampf begrüßt.

Die politischen Erfolge der christlichen Befreiungstheologie können sich durchaus sehen lassen. Die christliche Befreiungstheologie hat zahlreichen sozialen und politischen Befreiungs- und Widerstandsbewegungen in Lateinamerika zu Stärke verholfen und scheint, nachdem der Befreiungstheologe Jean-Bertrand Aristide als Präsident von Haiti zuerst von den USA inthronisiert und 2004 dann von den USA wieder weggeputscht wurde, mit der Wahl von Fernando Lugo zum Präsidenten von Paraguay 2008 nach Jahrzehnten des Widerstandes zumindest in einem südamerikanischen Land auch dauerhaft in der Staatsspitze angekommen zu sein. Über die christliche Befreiungstheologie gibt es umfangreiche Literatur und zahlreiche Versuche, einige Spielarten in den Mainstream der katholischen Kirche zu integrieren und sie so in die bestehenden Herrschaftsverhältnisse zu integrieren. Beachtung verdient dabei auch, dass nicht alle als christliche Befreiungsbewegungen angestrichene Bewegungen auch tatsächlich Befreiungsbewegungen im Sinne des Kampfes für sozialen Fortschritt und die Kolonialisierung durch die USA sind, sondern, wie Beispiele wie KNU und SPLA besonders deutlich ziegen, die USA militante Bewegungen mit christlicher Befreiungsideologie unterstützen, wenn das den geostrategischen Interessen ihres Imperiums dient.

Wenig thematisiert wurde in der westlichen Literatur bisher hingegen die Befreiungstheologie des Islam. Das ist insofern überraschend, als dass das US-Imperium und die mit ihm verbündeten Staaten gegen zahlreiche Länder Krieg führen, deren Bevölkerung durch den Islam geprägt ist. Statt des Begriffes “Befreiungstheologie des Islam” findet sich in der politischen Diskussion des Westens allerdings manchmal der Begriff “Politischer Islam”, was im Prinzip ein Synonym sein könnte, denn auch die christliche Befreiungstheologie ist natürlich ein “Politisches Christentum”.

Und wie es der Zufall so will, wird der politische Islam auch häufig als Gegner von Feldzügen des US-Imperiums genannt. Das ist eine augenfällige Gemeinsamkeit, denn natürlich ist auch die christliche Befreiungstheologie den Interessen des US-Imperiums und der von den USA unterstützten Diktaturen zuwidergelaufen. Es liegt also nahe, sich bei der Suche nach einer islamischen Befreiungstheologie mit dem Begriff “Politischer Islam” zu beschäftigen. Die Bundeszentrale für politische Desinformation will ihren Gläubigen in Deutschland weißmachen, die Wissenschaft des Westens nenne den politischen Islam Islamismus und dessen typischer Vertreter sei der von der israelischen Agententochter Rita Katz publizistisch nach Kräften geförderte ehemalige US-Agent Tim Osman sei. In der Wikipedia erfährt man vom US-Propagandist Samual Huntington und dem gesamten Migthy Wurlitzer propagierten “Kampf der Kulturen”, dass bereits Religionsstifter Mohammed im Jahre 622 der christlichen Zeitrechnung eine theokratische Herrschaft, womit wohl nichts anderes gemeint ist als die Herrschaft eines politischen Islams, begründet haben soll und eben jener zuvor bereits erwähnte US-Agent Tim Osman es nun als seine Pflicht als Muslem ansehe, die Welt zu erobern und zu islamisieren. Der zionistische Propagandist Daniel Goldhagen darf in einem ehemaligen deutschen Nachrichtenmagazin bei der antiislamischen Hetze noch einen draufsetzen und unwidersprochen groben Unfug behaupten wie dass der politische Islam an die Nazis anknüpfe. Insgesamt geht der Aussagegehalt solch groben Unfugs gegen Null. Was davon bleibt, ist nichts als die Erkenntnis, dass die westlichen Medien zum Begriff “Politischer Islam” massenhaft platte antiislamische Kriegspropaganda unter falscher Flagge aus Küchen in den USA und Israel verbreiten. Bei der Suche nach einer “Befreiungstheologie des Islam” ist die zusamengelogene Propaganda, die unter den Stichworten “Islamismus” und “Politischer Islam” läuft, offensichtlich wenig hilfreich und auch der Begriff “islamische Befreiungstheologie” findet sich praktisch in den gesamten staatsnahen westlichen Medien nicht, obwohl es eigentlich naheliegend wäre, dass dieser Begriff im Zusammenhang mit “dem politischen Islam” auftaucht.

Bei der deutschen Welle findet sich jedoch in einem Artikel vom 02.02.2009, mit dem die deutsche Welle Propaganda für “Regime Change” im Iran zu machen versucht, ein indirekter Hinweis auf eine islamische Befreiungstheologie und obendrein einen direkten Bezug zur christlichen Befreiungstheologie. Saeed Hajjarian, ein Revolutionär der islamischen Revolution von 1979 im Iran erklärt da zu seiner früheren Motivation: “Wir hingen einer Befreiungstheologie an, ähnlich wie damals Christen in Lateinamerika.” Sie hätten vor allem gegen die enomen Klassenunterschiede gekämpft, heißt es da weiter. Die Verbindung von Theologie mit Klassenkampf ist genau der Punkt, der in Südamerika die christliche Befreiungstheologie ausmacht.

So etwas wie eine islamische Befreiungstheologie hat also bei der angeblich überraschenden islamischen Revolution im Iran 1979 offenbar eine wichtige Rolle gespielt. Ob die USA von der islamischen Revolution wirklich so überrascht waren wie sie taten, mag man bezweifeln, denn die islamische Revolution im Iran hat jedenfalls sehr gut in Zbigniew Brzeziskis Strategie der Vernichtung der Sowjetunion durch das Ziehen eines islamischen Green Belt um die südasiatischen Grenzen der Sowjetunion gepasst, mit der er die Sowjetunion ja dann in Afghanistan 1980 auch tatsächlich in seine Bärenfalle gelockt hat. Und die zahlreichen islamischen Revolutionäre im Iran haben dann ja auch noch sehr schnell und mit aller Brutalität den Kommunismus im Iran ausgemerzt und kommunistische Mitrevolutionäre verfolgt und ermordet, was die kalten Krieger der USA sicher gern gesehen haben und gleichzeitig dazu geführt hat, dass die iranische Revolution schon bald bei sozialen Bewegungen in anderen Teilen der Welt wenig oder gar keine Sympathien mehr genoss. Die islamische Fraktion der Revolutionäre im Iran war dazu in der Lage, weil sie deutlich stärker war als die marxistisch geprägten Kräfte.

Es lohnt, sich die Ideologie näher anzuschauen, die die treibende Kraft hinter der islamischen Revolution war. Die Wikipedia beschreibt sie als populistisch, nationalistisch und vor allem schiitisch und benennt beispielsweise den zwei Jahre vor der Revolution verstorbenen Religionssoziologen Ali Shariati und den Demokratie-Aktivisten Mehdi Bazargan als einflussreiche Vordenker der islamischen Revolution. Deren Ansichten kann man durchaus als eine laienhafte Art islamischer Befreiungstheologie verstehen, denn beiden gemeinsam war das Vertreten einer Symbiose aus Islam und für erstrebenswert erachteten Werten aus dem Fundus westlicher und östlichtlicher Befreiungsideologie. Das erklärt aber längst nicht die große Unterstützung für die islamische Revolution in der Bevölkerung.

Der von der Bevölkerung gefeierte große Held der Revolution war der schiitische Kleriker, Führer der Hezbollah und Freund der Fadayan, Ruhollah Khomeini. Der hatte von seinem Exil aus auf in den Iran geschmuggelten Tonbandkassetten seine Ansprachen gegen die Diktatur des Schah verbreitet. Er bot als Alternative zu den Staatsmodellen “westlich dekadente Demokratie” und “östlich dekadenter Sozialismus” das Konzept eines islamischen Staates an und motivierte die Bevölkerung sehr erfolgreich zur Revolte gegen den Schah. Ruhollah Khomeini nutzte dazu das Vermächtnis der Vorfahren: die schiitische Religion.

Nun ist sicherlich jede Religion, die für den Widerstand einer Befreiungsbewegung eingesetzt wird, eine mächtige Kraft, doch nur, wer sich die schiitische Theologie anschaut, begreift, warum die islamische Revolution genau im schiitischen Iran stattgefunden hat, und nicht etwa in einem wie die Mehrheit der islamischen Länder sunnitisch geprägten Land, wo stattdessen trotz jahrzehntelanger Arbeit einer revolutionären islamischen Bewegung eher eine republikanische Revolution stattfand.

Die Besonderheit des schiitischen Glaubens innerhalb des Islam geht insbesondere auf die sogenannte “Schlacht von Kerbala” am 10. Oktober des Jahres 680 der christlichen Zeitrechnung zurück. In dieser Schlacht hat sich der Überlieferung zufolge der Prophetenenkel Hussein ibn Ali mit 71 seiner Getreuen in einer aussichtslosen Schlacht dem finsteren Tyrannen Yazid und 10.000 seiner Soldaten entgegengeworfen. Hussein und alle seine Gefolgsleute starben dabei im Kampf gegen den übermächtigen Tyrannen den sicheren Heldentod im islamischen Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit. Die Schlacht von Kerbala ist ein zentraler Punkt der religiösen Identität von Schiiten und wird durch die zehntätige Trauerzeremonie der Passionsspiele, mit denen Schiiten den Tod von Imam Hussein beweinen sowie dem abschießenden Fest Aschura in lebendiger Erinnerung gehalten. Der Heldentod von Imam Hussein im Kampf gegen den üblen Diktator Yazid wird im Rahmen der Feierlichkeiten seit Jahrhunderten überall dort, wo Schiiten leben, in einer Art Volkstheater nachgespielt.

Insgesamt bedeutet das, dass die gesamte schiitische Glaubensrichtung des Islam eine sehr lebendige oder zumindest leicht zu revitalisierende Befreiungstheologie mit einer mehr als tausendjährigen Geschichte ist. Natürlich machte Khomeini den schiitischen Gläubigen im Iran deutlich, wer die moderne Version des Tyrannen Yazid verkörperte. Was das für den Schah bedeutete, wird in der Wikipedia mit einem kurzen Satz beschrieben: “Ayatollah Khomeinis Anhänger jagten den iranischen Schah 1979 mit lautem „Yazid!“-Geschrei aus dem Land.” Das ist weder Zufall noch ein Einzelfall. Wie ein Blick auf die “Länder des schiitischen Halbmondes” zeigt, sind schiitische Widerstandsbewegungen auch in anderen schiitisch geprägten Ländern recht erfolgreich.

Einen Tyrannen zu verjagen ist eine Sache, aber danach ein komlett neues und besseres Gesellschaftssystem aufzubauen eine andere. Nachdem der Schah gestürzt war, wurden der Apartheidstaat Israel, die Ölkolonialmacht Großbritanien und das Imperium der USA zu den Personifizierungen des Tyrannen Yazid. In den Monaten nach der Revolution im Iran wurde es bei der Abrechnung mit innenpolitischen Kontrahenten erstmal sehr blutig. Und 1980 wurde es durch den von Saddam Hussein begonnenen und von den USA nach Kräften geförderten Irak-Iran-Krieg noch blutiger. Den Angriff des bezüglich der Rüstungsgüter weit überlegenen Iraks abzuwehren, ermöglichte der international weitgehend isolierten jungen islamischen Republik Iran wieder die schiitische Befreiungstheologie und die Jahrhunderte alte religiöse Verehrung des Heldentodes im Kampf gegen die Tyrannei, wobei der Tyrann nun natürlich auch Saddam Hussein hieß. Die Pasdaran und die zu Zehntausenden als lebendige Minenauslöser gestorbenen Jugendlichen der Basij bewahrten den Iran und seine Ölfelder vor der Eroberung durch den Diktator Saddam Hussein. 1988 war der Krieg um die Existenz der islamischen Republik Iran zu Ende, der Irak und der Iran zum Wohlgefallen der USA schwer kriegsgeschädigt und 1989 starb auch der oberste Religionsführer Khomeini. Ali Khamenei wurde sein Nachfolger und in den Folgejahren konnten die islamischen Revolutionäre sich nun endlich daran machen, eine islamischen Republik aufzubauen, wie sie 1979 angedacht war.

Erster Präsident unter Ali Khamenei war der Kleriker und Businessman Rafsanjani, der eine sittlich strenge Auslegung des politischen Islam mit einer typisch kapitalistischen Wirtschaftspolitik verband. Nach einigen Jahren als Präsident zeigte es sich, dass der Erfolg seiner Politik vor allem darin bestand, dass zwar seine eigene Familie große Macht in der Wirtschaft und ein Milliardenvermögen angehäuft hat, aber die Bevölkerung arm blieb und die auch für andere kapitalistische Länder typische dekadente Koruption blühte. Sein Nachfolger im Amt des Präsidenten, der Kleriker Mohammed Khatami, zeichnete sich dadurch aus, dass er eine an bürgerlichen Freiheitsrechten des Westens orientierte Auslegung des politischen Islam und einen außenpolitischen Annäherungskurs gen Westen mit der kapitalistisch-liberalen Wirtschaftspolitik seines Vorgängers verknüpfte.

Übrig geblieben war von der islamischen Revolution außer dem klarikalen islamischen Staatsaufbau wenig. Vom Ölreichtum des Iran kam beim ärmeren Teil der Bevölkerung wenig an und mit ihren Überfällen auf Aghanistan und vor allem den Irak konterkarierten die USA die Außenpolitik von Khatami. Dass “der große Satan”, der übermächtige Tyrann aus Washington, seine gigantische Militärmaschinerie bar jeder Vernunft dazu benutzte, um den Irak und die heiligen Stätten in Kerbala zu erobern, verhalf der Widerstandstheologie im Angedenken an die historische Schlacht von Kerbala natürlich erneut zu kräftigem Aufwind.

Bei der Präsidentschaftswahl 2005 bestand das Programm früheren Kommandeur der Pasdaran, Mahmud Ahmadinejad, im Wesentlichen aus der schiitischen Befreiungstheologie, mit der einst der Schah verjagt wurde sowie seiner recht erfolgreichen Arbeit als Provinzgouverneur und Bürgermeister von Teheran. Die menschenverachtende Kriegspolitik der USA war ein wichtiger Wahlhelfer von Mahmud Ahmadinejad, denn ohne einen großen Tyrannen kann die schiitische Widerstandstheologie längst nicht so große Bindungskraft entfalten. Mahmud Ahmadinejad, ein ebenso unauffälliger wie enger Vertrauter von Ali Khamenei, gewann die Wahl gegen den favorisierten Milliardär Rafsanjani, der auch den iranischen Staatsaufbau durch die Entmachtung des Revolutionsführers Khamenei gern noch nach westlichem Vorbild umgebaut hätte, in der Stichwahl haushoch. Mahmud Ahmadinejad freute sich nach der Wahl über die “zweite Revolution” im Iran.

Mahmud Ahmadinejad ist angetreten, den Ölreichtum des Landes auf die Tische der Armen zu bringen. In der Wirtschaftspolitik setzt Ahmadinejad anstelle auf eine freie Marktwirtschaft eher auf eine gezielte staatliche Förderung der Entwicklung der Provinzen und auf den Ausbau der Pasdaran als Dachorganisation für eine möglichst weitgehend staatlich gelenkte Wirtschaft. In der Außenpolitik setzt Mahmud Ahmadinejad darauf, sich von amerikanischen und israelischen Drohungen nicht einschüchtern zu lassen, auf das Aufbauen guter Beziehungen zu allen Nachbarländern und mit all denjenigen Ländern und gesellschaftlichen Bewegungen, die dem US-Imperialismus Widerstand leisten, besonders eng zusammenzuarbeiten.

Mit einer solchen Außenpolitik befindet Ahmadinejad sich völlig in Einklang mit Ali Khamenei. IRIB berichtete gerade, wie Revolutionsführer Ali Khamenei die iranische Außenpolitik sieht: “Das geehrte Oberhaupt der Islamischen Revolution sagte dann dazu weiter, alle Länder, die nicht unter dem Joch der Hegemonialmächte stehen wollen bzw. die keinen Hegemonialanspruch erheben, unabhängig davon, welcher Rasse sie angehören oder welche Sprache sie sprechen, sind Freunde der Islamischen Republik Iran.” Damit stehen Ali Khamenei und Mahmud Ahmadinejad inzwischen für geradezu klassische Positionen einer weltweit solidarischen Befreiungstheologie zur Verbesserung der sozialen Lage der Armen und Unterdrückten, wie sie seit Jahrzehnten für die christliche Befreiungstheologie und mit einigen Einschränkungen wie zum Beispiel dem Aspekt der Gottlosigkeit auch für die internationale Solidarität unter Sozialisten typisch ist. Es ist deshalb nur folgerichtig, dass in Lateinamerika insbesondere Kuba, Venezuela und Bolivien gute Beziehungen mit dem Iran pflegen. Mit der Bekämpfung des iranischen Widerstands gegen ihre mit mehr als 700 Militärbasen weltweit praktizierten Tyrannei haben die USA allerdings ein ganz besonderes Problem, denn jeder Druck der USA hilft Ali Khamenei dabei, der Bevölkerung des Iran vor Augen zu führen, dass die USA heutzutage die Rolle des Despoten Yazid eingenommen haben, dem der heilige Widerstand der Schiiten zu gelten hat und stärkt dadurch den Widerstandswillen.

Und die heutige Außenpolitik der islamischen Republik Iran ist insgesamt eine verantwortungsbewusste und rationale Politik gegen die globale Hegemonie der USA. Der vermutlich wichtigste Partner der heutigen iranischen Außenpolitik ist die neue Weltmacht China. Mit China teilt der Iran nicht nur das Interesse, die Hegemonie der USA einzudämmen, sondern auch eine hervorragende Grundlage für den Handel: der Iran kann China strategisch wichtige Rohstoffe wie Erdöl liefern und China kann dem Iran die Technik liefern, die der Iran für die Modernisierung seiner Industrie braucht. Beispielhaft dafür sei hier erwähnt, dass der Iran gerade mit der chinesischen Ölcompany Sinopec einen Milliarden-Deal abgeschlossen hat, mit dem der Iran seine Raffineriekapazität nahezu verdoppeln wird. Da China Vetomacht ist, können sich die USA die ihnen von der AIPAC vorgeschriebene Idee im Sinne des Apartheidregimes von Tel-Aviv, den Iran mit einer Resolution des UN-Sicherheitsrates von der Benzinversorgung abzuschneiden, um das Land unter ihre Knute zu zwingen, also getrost von der Backe putzen. Dazu, um China ökonomisch unter Druck zu setzen, um auf diese Weise an die chinesische Stimme im UN-Sicherheitsrat zu kommen, sind die USA längst viel zu sehr abhängig von China. Und auch auf Waffenverkäufe der USA an Taiwan haben die Chinesen längst andere Reaktionsmöglichkeiten als sich ehrerbietungsvoll vor den USA in den Staub zu werfen.

Zu versuchen, den Iran mit einseitigen Sanktionen zu isolieren und in die Knie zu zwingen, ist erst recht keine erfolgversprechende Idee, denn der Iran unterhält inzwischen mit praktisch all seinen unmittelbaren und mittelbaren Nachbarstaaten gute bis hervorragende Beziehungen: angefangen vom Irak, wo schiitische Geistliche, eine von Khomeini mitaufgebaute Partei und Schüler der Pasdaran in der Politik ein gewaltiges Wörtchen mitzureden haben, über den langjährigen iranischen Verbündeten Syrien und dem von der Hizbollah mitregierten Libanon, über die Türkei, Aserbaidschan, Afghanistan und Pakistan bis hin zu Indien, würde vermutlich keines der iranischen Nachbarländer bei was auch immer für einseitig von den USA und der EU beschlossenen Sanktionen mitziehen. Rauskommen würde bei solchen Sanktionen wohl wieder nur, dass Ali Khamenei der Bevölkerung des Iran besser verdeutlichen kann, welche einzige arrogante Supermacht in der heutigen Welt die Rolle des Tyrannen Yazid innehat.

Einige ganz schlaue Strategen der psychologischen Kriegsführung in Tel-Aviv, London und Washington haben das Problem, dass die schiitische Befreiungstheologie durch mehr Druck eine größere Bindungswirkung entfaltet, schon vor einiger Zeit erkannt und eine Gegenstrategie entwickelt. Sie haben sich mit den korruptesten einflussreichen Leuten des Iran verbündet und versuchen, die westliche Propaganda dazu zu nutzen, Mahmud Ahmadinejad als Diktator hinzustellen und eine von der schiitischen Befreiungstheologie getragene grüne Bewegung gegen Ali Khamenei und Mahmud Ahmadinejad einzusetzen. Mit typischen Mitteln der psychologischen Kriegsführung wie aus den Fingern gesogenen Wahlbetrugsvorwürfen, Demonstrationen in der traditionell grünen Farbe des Islam, Snuff-Videos unter falscher Flagge, gegen die iranische Regierung gerichteten Parole “Tod dem Diktator” und jüngstens sogar Randale zu Aschura, dem am Tag des schiitisches Widerstandes, versuchen sie eine Stimmung zu erzeugen, die geeignet ist, die schiitische Befreiungstheologie gegen den Revolutionsführer Ali Khamenei und den Präsidenten Mahmud Ahmadinejad richten zu können. Doch da die USA in den letzten Jahren in vielen anderen Staaten bereits bunte Revolutionen zum “Regime Change” angeleiert haben, war dieser Versuch der Okkupation der schiitischen Befreiungstheologie leicht zu durchschauen. Und natürlich haben die Pasdaran als Wächter der islamischen Revolution schon viel schwierigere Zeiten erlebt als die von den USA gesteuerte Randale der grünen Bewegung. Und darauf, dass die Pasdaran ihre Jugendorganisation Basij sich auf die Seite des grünen Mummenschanzes stellen, brauchen die USA gar nicht zu hoffen, denn Mahmud Ahmadinejad ist einer von ihnen und macht Politik ganz nach dem Geschmack der Pasdaran. Das Ergebnis des grünen Mummenschanzes ist wieder mal kein anderes, als dass Ali Khamenei der Bevölkerung besser verdeutlichen kann, wer der wahrhaftige Yazid der Gegenwart ist.

Dass Richard Haass, Präsident des die außenpolitischen Geschicke der USA maßgeblich bestimmenden Council on Foreign Relations, nun öffentlich vorschlägt, dass die US-Politik die grüne Bewegung nun offen mit dem Ziel des “Regime Change” unterstützen mögen, weil die USA gegen den Iran keine anderen Mittel mehr haben, obwohl ihm bewusst ist, dass sie damit eingestehen, dass die grüne Bewegung des Iran Lakaien der USA sind, gleicht einer Kapitulationserklärung. Für die USA ist die Kapitulation, den Regime-Change im Iran nicht hinzubekommen, zu verschmerzen, solange ihre Marionetten-Diktatoren sich in den ölreichen Ländern der arabischen Halbinsel an der Macht halten können. Solange diese Bedingung gegeben ist, sind auch de guten Beziehungen des Iran nach Eritrea und darüber indirekt zu den Shabaab-Milizen in Somalia, zum Sudan und selbst ihre Sympathie für die schiitischen Houthis im Nordjemen, wodurch der Iran inzwischen auch eine Macht am roten Meer geworden ist, keine Gefahr für das US-Imperium. Schließlich haben die USA in Dschibuti eine Militärbasis, mit der sie die Transportwege für ihr Öl sichern können. Da könnte man sicher ein politisches Arrangement finden, denn den USA dürfte es vermutlich wichtig sein, dass der Iran sie nicht ewig im Schlamm von Afghanistan und Irak, in den sie sich selbst auf verbrecherische Art hineinbegeben haben, stecken lässt, sondern trotz der US-Okkupation seiner Nachbarländer eine konstruktive Rolle für die Stabilität des mittleren Ostens spielt.

Schlechter sieht es dagegen für das zionistische Apartheidsregime von Tel-Aviv aus. Der Iran ist inzwischen auch eine veritable Medienmacht, die sich nicht scheut, dem rechtsextremen Kolonialregime immer wieder ihre Verbrechen vorzuhalten und den Widerstand gegen das Besatzungsregime zu unterstützen. Die seit dreißig Jahren an den Tag gelegte Hartnäckigkeit zahlt sich allmählich aus. Mit der Regierung der Türkei macht nun auch schon ein mächtiger NATO-Staat auf das schon Jahrzehnte währende Unrecht in Palästina aufmerksam. Und so langsam steigt auch in Europa und Amerika das Bewusstsein dafür, dass Israel ein Unrechtsstaat ist. Wenn Israel der Schleier der Hasbara entrissen ist, dann wird das wahre Antlitz des Terrorstaates Israel zu Tage treten und das Unrecht beendet werden müssen. So, wie sich Israel inzwischen selbst einzäunt, darf man hoffen, dass der Tag nicht mehr weit ist, an dem das Besatzungsregime von Tel-Aviv zerfällt und die islamische Befreiungstheologie der Schiiten Palästina damit befreit haben wird.

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