Es geschah am Freitagnachmittag (d. 18.12.2009). Die tapferen und fleißigen Männer der Jerusalemer Polizei stürmten direkt auf Demonstranten zu, die durch die Straßen liefen, einige von ihnen trommelten, einige waren wie Clowns gekleidet. 27 Demonstranten wurden in die Polizeiwagen gezerrt und fürs Wochenende im Russischen Compound-Haftzentrum hinter Gittern gesteckt.

Nein, diese Demonstranten machten keinen Aufstand, sie blockierten auch keine Straßen, sie verletzten auch die Straßenordnung nicht. Sie gingen nur gerade und ordentlich auf dem Fußgängerweg mit dem Ziel zu einer Protestdemo in Sheikh Jarrah in Ost-Jerusalem. Ein Protest an der Stelle, wo Siedler offen und am hellerlichten Tage in palästinensische Häuser einbrechen, die Bewohner auf die Straße schmeißen, sich selbst in diesen Wohnungen einrichten und die blau-weiße Fahne aufs Dach stecken.

Die Jerusalemer Polizei ist sehr um die Sicherheit der Siedlerräuber besorgt. Sie dürfen nicht gestört werden, weder während des Raubs noch danach. Demonstranten sollte es nicht erlaubt werden, in die Nähe dieser Häuser zu kommen, erklärt der Polizeisprecher – das sei streng verboten. Gott bewahre, die Demonstranten könnten einige der Siedler daran hindern, bei Zeiten nach Hause – also in eines der geraubten Häuser – kommen, um den Schabbat nach den jüdischen Traditionen zu halten und die Chanukkakerzen anzuzünden und das Lied vom Heldentum der Makkabäer zu singen.

Zwei Stunden nach der Verhaftung der Demonstranten kommen die Siedler und ihre Freunde nach draußen und halten ein öffentliches Gebet auf den Straßen von Sheikh Jarrah. Wohl vom Gebet in Stimmung versetzt, werfen sie mit Steinen, schlagen auf vorbeigehende Palästinenser, brechen in Häuser ein und schlagen dort zwei Kinder krankenhausreif, dass sie von einer Ambulanz abgeholt werden müssen. Die Jerusalemer Polizei scheint noch erschöpft zu sein vom Jagen der Peaceniks. Denn für die Possen der Siedler hat die Polizei keine Kraft mehr.

PS. Am Samstagabend werden die 27 Verhafteten vor den Richter Liran des Jerusalemer Stadtgerichts gebracht. Ihre Kameraden protestieren trommelnd außerhalb des Gebäudes. Die Polizei fordert, dass sie wegen „Aufstand“ angeklagt werden sollten und dass sie die Order erhalten, die nächsten 90 Tage die Stadt nicht mehr zu betreten. Der Richter weist dies sofort zurück und befiehlt, dass alle Verhafteten auf eigene Gefahr sofort entlassen werden.

Der Polizeivertreter beklagt sich, dass „linke Demonstranten in Sheik Jarrah der Polizei große Mühe machen“. Das Gericht wiederholte, dass es die Verpflichtung in einer demokratischen Gesellschaft sei, für genügend Kräfte zu sorgen, um politischen Protest in Grenzen zu halten.

Fortsetzung folgt nächsten Freitag in Sheikh Jarrah.

Quelle: Police in the service of robbers

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