Im Gegensatz zu den Behauptungen in diesem Brief ist Irans zugegebenermaßen fundamentalistische und autoritäre Führung alles andere als extremistisch in ihren politischen Ambitionen. Das Land hat sich seit der Revolution gegen den Schah 1979 immer pragmatisch verhalten und hat niemanden angegriffen. Präsident Mahmoud Ahmadinejad, der in den westlichen und israelischen Medien durchgehend und oft unfair kritisiert worden ist, hat im Gegensatz zu unserem eigenen Präsidenten Obama keine Macht, einen Krieg zu beginnen. Der Iran unterstützt palästinensische und libanesische Widerstandsbewegungen, wobei keine dieser Gruppen als internationale Terroristen bezeichnet werden kann, so lange man nicht voll und ganz die israelische Definition von Terrorismus akzeptiert. Vom Standpunkt Teherans sind die Vereinigten Staaten von Amerika und nicht der Iran der hauptsächliche staatliche Förderer von Terrorismus im Mittleren Osten durch die Unterstützung von kurdischen, arabischen und balutschischen Separatistenbewegungen, die im Iran Angriffe durchführen. 

Es ist auch schwierig festzustellen, welche demokratischen Regierungen im Mittleren Osten es sein könnten, die der Iran angeblich unterminiert. Sollte es sich um den Irak handeln, so sind die meisten Beobachter sich einig, dass trotz gelegentlicher Reibereien Bagdad ausgezeichnete Beziehungen zu den Ayatollahs in Teheran unterhält, fast sicher eine engere Beziehung als die mit Washington. Sollte Israel gemeint sein, hat der Iran keine Möglichkeit, die Entwicklungen in diesem Land zu beeinflussen, und die oft wiederholte Behauptung, Teheran würde Israel von der Landkarte fegen, ist eine bewusste Fälschung. Kann der Iran den Libanon unterminieren? Gerade weil der Libanon eine Demokratie ist, ist die Hezbollah so stark. Diese wird von vielen Menschen im Libanon wegen ihres Widerstands gegen Israel unterstützt, wie auch die Hamas in Gaza demokratisch gewählt worden ist, eine Wahl, die viele in den Vereinigten Staaten von Amerika auch lieber ignorieren würden. 

Und dann die Sanktionen selbst. Die sogenannten christlichen Anführer wollen den Iran unter Druck setzen, um ihn zu gewünschtem Verhalten zu bewegen, als wäre die Bestrafung unschuldiger Menschen durch das Vorenthalten von Brennstoff für die Heizung ihrer Häuser ein christlicher Wert. Und es gibt zwei Dinge, die sie übersehen. Erstens, dass die vom Kongress verhängten Sanktionen von der Marine durchgesetzt werden müssen, um wirksam zu sein, was dramatisch die Wahrscheinlichkeit steigert, dass es zu einem Zwischenfall kommt, der schnell zu einem Krieg führem könnte, was wohl kaum ein erwünschtes Ergebnis im christlichen Sinn ist. Zweitens stehen die Sanktionen selbst in keinem Verhältnis zu dem Ziel, „das Regime unter Druck zu setzen“, um es zu einer Änderung seiner Politik zu bewegen. Vierzig Prozent des Treibstoffbedarfs des Irans werden importiert, in erster Linie aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, da das Land selbst nur über eingeschränkte Raffinieriekapazitäten verfügt. Wären sie erfolgreich, wären die Auswirkungen der Sanktionen auf die Energieversorgung verheerend. Man denke nur einmal nach, was in den Vereinigten Staaten von Amerika passieren würde, wenn 40% des Benzins und Öls vom Markt verschwinden würden. Man denke, wie die Reaktion der amerikanischen Öffentlichkeit ausfallen würde, wenn der Mangel das Resultat der feindlichen Aktion eines fremden Landes wäre. Wenn es beabsichtigt ist, mit den Sanktionen den sogenannten „Reformern“ im Iran zu helfen, wie im Brief der christlichen Anführer behauptet wird, würde ironischerweise gerade das Gegenteil erreicht und die Hardliner bestärkt. Die meisten Beobachter bemerken ganz richtig, dass die Sanktionen zumindest sicher stellen würden, dass keine erfolgreichen Verhandlungen zwischen dem Iran und dem Westen zustande kommen können. Wenn der Iran aggressiv auf das faktische Zudrehen seiner Wirtschaft reagiert, würden die Sanktionen schnell zum Krieg führen.   

Richard Land und seine Freunde sind dafür bekannt, dass sie den Interventionismus der Vereinigten Staaten von Amerika unterstützen, gegen Wahlen sind, bei denen die falschen Leute gewinnen und mit Gewalt dafür sorgen wollen, dass die Zivilbevölkerung in einem Land in die Armut getrieben wird, das die Vereinigten Staaten von Amerika in keiner Weise bedroht. Amerikas selbsternannte christliche Anführer sind schon wieder zu Wegbereitern geworden, die mit einem Kongress und mit Medien Hand in Hand gehen, die süchtig nach Krieg geworden sind. Der Vorschlag, dass die christliche Mission sich besser darauf beschränken soll, den Armen zu helfen und Seelen zu retten, ohne die zusätzlichen Mühen der Beratung von Politikern auf sich zu nehmen, mag vielleicht ungehobelt erscheinen. Es ist aber wirklich tragisch, wenn Leute, die sich selbst religiöse Anführer nennen, die amerikanische Öffentlichkeit mit einem Friss oder Stirb konfrontieren, wenn es um den Iran geht. Entweder Krieg oder mehr Krieg. Keine beruhigende Botschaft in der Weihnachtszeit, und schon gar nicht das Vermächtnis des Friedensfürsten.  
  
     
  Erschienen am 24. Dezember 2009 auf > http://www.antiwar.com > http://original.antiwar.com/giraldi/2009/12/23/christians-united-for-war/

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