Hätte es dieses Ereignis nicht gegeben, würden deutsche Soldaten heute wohl nicht die Freiheit am Hindukusch verteidigen: Vor 30 Jahren marschierten die Sowjets in Afghanistan ein. An den Folgen leidet die ganze Welt.

Die stummen Zeugen der sowjetischen Niederlage sind noch vielerorts zu sehen: Am Rand afghanischer Straßen rosten Panzerwracks der Roten Armee vor sich hin, manche dienen Kindern als Spielplatz. Der sowjetische Einmarsch vor 30 Jahren war Auftakt eines Krieges, der in unterschiedlicher Intensität und mit wechselnden Gegnern bis heute anhält. Gut neun Jahre dauerte es, bis die Soldaten der damaligen Weltmacht geschlagen abzogen. Etwa 1,2 Millionen Afghanen starben während der Besatzung. Trotzdem verklären heute immer mehr die Sowjet-Zeit.

Zahlreiche positive Stimmen zur russischen Besatzung

Noorul Haq Ulomi aus dem südafghanischen Kandahar ist Vorsitzender des Sicherheitskomitees des Parlaments, unter den Sowjets diente er in der afghanischen Armee als General. Die ausländischen Truppen heute, sagt der Abgeordnete, gäben nur vor, Terrorismus zu bekämpfen. «Sie wollen ihren Einfluss auf unsere Nachbarländer ausdehnen, ob in Richtung Norden zu den zentralasiatischen Staaten, oder in Richtung der westlichen Seite (dem Iran). Sie machen das unter dem Vorwand, die Wirtschaft und die Demokratie zu fördern.» Die Lage unter den Sowjets sei besser gewesen als die heute, meint Ulomi.

Nicht nur der Ex-General äußert sich positiv über die Sowjets. Selbst bei manchem früheren Mudschaheddin schneidet die Rote Armee besser ab als die Nato, die 2010 mehr Truppen in Afghanistan stationiert haben wird als die Sowjets: Nach den geplanten Verstärkungen werden knapp 150.000 ausländische Soldaten im Land sein, die Rote Armee brachte es russischen Quellen zufolge auf bis zu 120.000. Anfang 2011 schließlich werden die internationalen Truppen länger in Afghanistan sein, als die sowjetische Besatzung dauerte. Der Analyst und Autor Waheed Muzhda kämpfte gegen die Rote Armee, später war er unter den Taliban Abteilungsleiter im Außenministerium. «Das Verhalten der Russen», sagt er, «war besser als das Verhalten der Amerikaner und anderer Westler».

Die Alten wurden respektiert – Frauen nicht durchsucht

So könne sich niemand daran erinnern, dass sowjetische Soldaten während des Dschihads, des Heiligen Krieges, Frauen durchsucht hätten, sagt Muzhda. «Selbst wenn die russischen Panzer zum Kampf in ein Dorf fuhren, verteilten sie (die Soldaten) Süßigkeiten an die Kinder.» Die Sowjets hätten die Alten respektiert. «Heute sehen wir davon nichts.»

Immer mehr in Vergessenheit scheint zu geraten, wie brutal die Rote Armee einst vorging. Muzhda beklagt, dass heute Kinder und Frauen bei Militäroperationen getötet würden. Doch unter der sowjetischen Besatzung wurden weitaus mehr Unschuldige getötet.

Schuld daran, dass das Land heute ruiniert ist

Der Ex-Soldat und jetzige Bauarbeiter Munir Ahmad aus Kabul ist nicht gut auf die Sowjets zu sprechen. «Die Kommunisten und Russen», sagt er, seien schuld daran, dass das Land heute ruiniert sei. Dennoch meint er, unter sowjetischer Besatzung habe es zumindest keine Selbstmordanschläge in Afghanistan gegeben. Und immerhin hätten die Sowjets – anders als heute die Amerikaner – den Armen geholfen. «Verglichen mit den Amerikanern», sagt Ahmad, «waren die Russen immer noch besser».

Quelle

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