Nach dem Ableben von Montazeri steht der Westen nun mit geistig leeren Händen da, da er niemanden mehr aufweisen kann, der den Bekanntheitsgrad eines Großayatollah zumindest angedichtete bekommen könnte.

Inzwischen hat die westliche Propaganda verstanden, dass sie die Herzen der islamischen Revolutionäre nicht ohne geistliche bzw. spirituelle Führung irritieren kann. Man ist sich im Klaren darüber, dass nach über 30 Jahren Islamische Revolution, die Mehrheit der Menschen in der Region ohne zumindest vorgetäuschten Islam nicht von ihrer Liebe zu der Familie des Propheten abzubringen ist. Umso bedeutender war es für die westliche Hofberichterstattung immer wieder, einen Großayatollah oder zumindest jemanden, den sie so nannten, in Interviews und Fernsehauftritten zeigen zu können, welcher die westliche Vorstellung von Weltbeherrschung und Imperialmacht unterstützte. Dafür war man sogar heuchlerisch bereit, Dinge ein Kauf zu nehmen, die sonst nicht zur Diskussion stehen.

Den Höhepunkt der Heuchelei in Deutschland veröffentlichte der Vorstand der Partei der Grünen in ihrem Lobgesang auf Ayatollah Montazeri nach dessen Ableben. Wenn die Grünen ihren eigenen Mitgliedern erklärt hätte, wie Ayatollah Montazeri z.B. zu Homosexuellen stand oder welche Ansichten er bezüglich Israel vertrat, dann wären jene Mitglieder sicherlich vor Schreck vom Stuhl gefallen, wie es denn sein kann, dass ausgerechnet die Grünen jetzt über den Mann trauern. Aber Heuchelei kennt keine Grenzen, wenn man die Schamgrenze des öffentlichen Tabubruchs einmal überschritten hat, und das haben die Grünen bereits beim Thema Afghanistan getan.

Nun ist also der posthume Lieblingsayatollah des Westens tot und – wie in der Schia üblich – muss man auf die Suche nach einem neuen lebenden großen Geistlichen gehen. Während die religiösen Anhänger Montazeris sich jetzt an islamisch-religiösen Maßstäben orientiert ein neues “Vorbild der Nachahmung“ suchen werden, muss die westliche Propaganda für die Hofberichterstattung einen neuen “westlich“ orientierten Ayatollah finden. In den letzten Jahren gab es immer wieder den Versuch, einen Möchtegernayatollah aus London oder New York, ja selbst aus Deutschland zu etablieren. Aber das haben nicht einmal die Hofberichterstatter glauben können, so dass jene Versuche hoffnungslos gescheitert sind.
Im vom Westen besetzten Irak gibt es nur einige Geistliche der großen Gelehrtenfamilie Hakim, die aber sicherlich nicht für die westliche Welt zu gewinnen sind und selbstverständlich Großayatollah Sistani, den man – trotz umfangreicher Bemühungen der Westpropaganda – nie auch nur ein leises Wort gegen die Islamische Republik Iran entlocken konnte. Im Libanon ist neben dem Anführer der Hizbullah, Sayyid Nasrullah, der ja mit an erster Stelle der westlichen Feindbilder steht (kaum jemand im Westen weiß, dass Sayyid Nasrullah auch ein großer Gelehrter ist und vor allem geistig-spirituelle Vorträge hält), nur noch Allama Fadhulullah zu nennen. Dessen aus islamischer Sicht teils durchaus überraschende religiöse Rechtsurteile haben die Westliche Propaganda oft dazu verleitet, ihn als “Gegenpol“ gegen Imam Chamene’i, dem religiösen Oberhaupt in der Islamischen Republik Iran, aufzubauen. Aber das ist ebenfalls kläglich gescheitert, da Sayyid Fadhlullah sich immer wieder zweifelsfrei zur Islamischen Revolution und gegen das westliche Imperialdenken gestellt hat.

Die schiitischen Anführer im Jemen kommen derzeit auch nicht in Frage, da diese ja mit US-Hilfe von den Saudis bombardiert werden (teils von den USA selbst). Von jenen Massakern an der jemenitischen Zivilbevölkerung dürfen aber die Bürger der westlichen Welt nichts erfahren, denn sonst könnte der eine oder andere auf die Frage kommen, warum die westliche Welt eine lupenreine Diktatur mit einem verschwenderischen Königshaus, welche das eigene Volk – vor allem die eigenen Frauen – unterdrückt, derart massiv gegen die nach Freiheit strebende Bevölkerung des Jemen unterstützt. Der Fall ist im Rahmen der Sachlage derart klar und die Position der Westlichen Welt derart offensichtlich unmenschlich, dass man die Nachrichten über jenen Krieg der eigenen Bevölkerung nicht zumuten kann. Schiiten in Pakistan und Afghanistan kommen auch nicht in Frage, da diese nicht besonders gut auf die Westliche Welt zu sprechen sind, zumal ihre Frauen und Kinder im westlichen Kugelhagel sterben.

Woher aber soll man einen Großayatollah nehmen und nicht stehlen, wenn sich niemand brauchbares anbietet? Die Antwortet lautet: Dann “bauet“ man sich einen West-Ayatollah im Iran. Bereits am 22.12.2009, am Tage des Begräbnisses von Ayatollah Montazeri gibt die englische “Times“ die Parole für die westliche Propaganda aus, wer der “Nachfolger“ werden soll. Einer unbedeutenden Person wird in den Mund gelegt:

“ … that Grand Ayatollah Yousef Sanei was likely to replace Montazeri as the leading clerical scourge of the regime .. “ (Großayatollah Yousef Sanei ist geeignet, um Montazeri als führende geistliche Plage des Regimes abzulösen). Siehe:
http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/middle_east/article6964563.ece

In wie weit jene Person diese westliche “Ehrung“ überhaupt annehmen will, wird zunächst nicht gefragt. Ohnehin, welchen “Posten“ hatte denn Montazeri vor seinem Ableben, dass jener Posten jetzt neu besetzt werden müsste? Aber das Zahnrad jener Propagandamaschinerie dreht sich unerbittlich weiter. Bereits am nächsten Tag vermelden westliche Agenturen, inzwischen auch in Deutsch: „Führender oppositioneller Ajatollah im Iran angegriffen“. Der Geistliche hatte nicht einmal einen Tag Zeit, seine neue Ehrung zu begutachten, da ist er auch schon zum “Führenden oppositionellen Ajatollah“ aufgestiegen, und das, obwohl er sich seit 1988 aus der Politik zurückgezogen hat und im Alter von 72 Jahren wohl kaum damit gerechnet hat, auf jene Bühne zurück zu kehren. Aber die westliche Propaganda fragt nicht danach, ob ein Großayatollah mitspielen will oder nicht. Zunächst braucht man auf die Schnelle einen “Übergangsayatollah“, und den “macht“ man sich dann eben.

Also heißt es dann: „… nach Angaben aus dem Lager der Reformer ist er in seinem Haus in der heiligen Stadt Ghom angegriffen worden. Danach beschimpften die in Zivil gekleideten Angreifer den Geistlichen und schlugen einige seiner Mitarbeiter.“ Während jene Meldung artig von allen “Seriösen“ abgeschrieben wird, merkt die Westpropaganda natürlich, dass es mit jener Meldung allein nicht getan sein kann. Also wird nachgekarrt. Inzwischen meldet selbst die Tagessschau, dass es bei jenen “zivil gekleideten Personen“ um “hunderte Anhänger von Präsident Ahmadinedschad“ gehandelt haben soll. Das ist wirklich erstaunlich. Denn nicht nur die gewachsene Zahl der Angreifer fällt auf, sondern auch deren nachgewiesene Mitgliedschaft. Woher wissen die Medien bei “zivil gekleideten Personen“, dass es sich nicht um Mitarbeiter der Westpropaganda handelt, die den Befehl der Londoner Times in die Tat umsetzen, um einen bisher in der Westlichen Welt völlig unbekannten Gelehrten “berühmt“ zu machen?

Jene Anhänger mutieren in anderen Nachrichten zu “Anhängern der Basidsch-Milizen“. Aber was bitteschön sind “Anhängern der Basidsch-Milizen“? Der Iran hat eine Freiwilligen-Reserve von ca. 10 Millionen Basidsch, die sich vor allem im Aufbau des Landes engagiert. Fast jede Familie im Iran (bis auf diejenigen, mit denen westliche Hofberichterstatter sprechen) hat mindestens einen Basidsch in der Familie. Was also ist dann im Iran ein “Anhänger der Basidsch-Milizen“ und woran erkennt man ihn? Sind jene “zivil gekleideten Personen“ (eine Kleidung, die öfters in einem Land vorkommen soll – selbst im Iran) in das Haus eingetreten und haben ihren Ausweis als “Anhänger der Basidsch-Milizen“ gezückt oder sich sonst in irgendeiner Form zu erkennen gegeben? Dis Aussage der westlichen Hofberichterstattung ist genau so absurd, wie wenn jemand in Deutschland berichten würde „Anhänger der deutschen Feuerwehr haben dies und jenes getan …“. Aber dem Westbürger ist inzwischen bezüglich Iran ja alles zuzumuten. Was wäre ein „Anhänger der deutschen Feuerwehr“ und was wäre ein „Gegner der deutschen Feuerwehr“?

Die Westliche Welt hat ohnehin erhebliche Probleme damit, die Großayatollahs der Schiiten zu identifizieren. Am 24.8.2004 vermeldete die Frankfurter Rundschau, dass es damals ganze fünf Großayatollahs gab. Am 12.2.2006 vermeldet die Springer-Welt ganze vier Großayatollahs (im arabischen Raum – was immer das heißt). Wikipaeida hingegen kennt inzwischen im Deutschen gleich 19 davon, die am Leben sind, aber Imam Chamene’i ist nicht dabei, dafür aber der von ihm einstmals ernannte Oberste Richter Mohammad Shahroudi! Im englischen Wikipaedia gibt es gleich 33 davon und immerhin auch Imam Chamene’is dabei. Es kann zwar nie genug Großayatollahs geben, aber möglicherweise wird ja irgendwer in der Westlichen Welt einmal verstehen, dass nicht die Hofberichterstattung in der Westlichen Welt festzulegen, hat, wer ein Großayatollah ist und wer nicht, nicht einmal die “oppositionellen“ Großayatollahs kann die Westliche Welt festlegen, selbst wenn sie dafür spezielle Akademien gründen sollte.

Und so schliddern wir auf Weihnachten zu mit einer westlichen Propagandalüge auf die nächste. Die Hofberichterstattung des einstmals römischen Imperiums hatte keinerlei Scheu eine Lüge nach der anderen zu Weichnachten zu verbreiten. Da scheint sich seit 2000 Jahren nicht viel verändert zu haben, nicht einmal die Form der Säulen jenes Imperiums. Nur der Name ist moderner. Sie heißen heute nicht mehr “Römer“, sondern “Westliche Welt“. Was würde wohl Jesus dazu sagen?

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