Mehr als eine halbe Milliarde Dollar geben die Palästinenser jedes Jahr für israelische Produkte aus, die in Siedlungen hergestellt wurden. Das gab der Wirtschaftsminister im Westjordanland, Hassan Abu Libdeh, am Sonntag bei einem Treffen der Handelskammer in Nablus bekannt. Dort erklärte er die Entscheidung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), gegen den Verkauf solcher Waren vorzugehen.

Laut Abu Libdeh soll 2010 das letzte Jahr sein, in dem Produkte aus israelischen Siedlungen auf dem palästinensischen Markt erlaubt sind. In Israel hergestellte Waren sollen jedoch weiterhin im Autonomiegebiet verkauft werden dürfen. Das berichtet die palästinensische Nachrichtenagentur „Ma´an“.

Der Vorsitzende der Handelskammer in Nablus, Basil Kanan, begrüßte die Entscheidung für den Boykott. Diese zeige, dass die PA nationale Produkte unterstützen werde. Er rief die lokalen Hersteller dazu auf, ihr Bestes zu tun, um die Qualität ihrer Produkte zu verbessern.

Die PA hatte vor zwei Wochen bekannt gegeben, dass sie den Boykott von Gütern aus israelischen Siedlungen im Westjordanland vorantreiben will. Bislang seien bereits Waren im Wert von mehr als einer Million Dollar von Händlern und Firmen konfisziert worden, heißt es in einem Bericht der Tageszeitung „Jerusalem Post“. Darunter seien vor allem Säfte, Konserven und Kosmetikprodukte.

Israelische Produkte, auch diejenigen, die aus Siedlungen stammen, sind im Westjordanland weit verbreitet. Entweder mangels einer palästinensischen Alternative oder, weil die Kunden diese lokalen Produkten vorziehen. Frühere Boykott-Versuche der PA hatten bislang wenig Erfolgt, heißt es weiter.

Mit der Beschlagnahmung von Produkten aus Siedlungen hatte die PA im November begonnen. Ein Verbot von allen israelischen Produkten würde geschlossene Übergangsabkommen verletzen. Beim Boykott von Waren aus Siedlungen hat die PA jedoch die internationale Staatengemeinschaft hinter sich. Selbst in mehreren europäischen Staaten gibt es Bemühungen, diese Produkte zu boykottieren.

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