Vorgestern gab es in hunderten Städten und Dörfern des Iran eindrucksvolle Demonstrationen gegen „Feinde der Statthalterschaft des Rechtsgelehrten“, teilweise unter heftigem Schneegestöber, aber der Bürger Deutschland darf noch nicht einmal vom Schneegestöber erfahren.
Jedes Mal, wenn ein Handvoll Personen irgendwo im Iran nach langer Ankündigung und Koordination mit den Westlichen Medien irgendwelche westfreundliche Parolen von sich gibt, wird es in der ganzen westlichen Welt ausführlich verbreitet. Gestern nun gab es in fast allen Städten des Iran eindrucksvolle Demonstrationen für die Islamische Republik Iran, für den Staatsgründer Imam Chomeini, für Imam Chamene’i und gegen „Feinde der Statthalterschaft des Rechtsgelehrten“.

Das Prinzip „Statthalterschaft des Rechtsgelehrten“ ist eines der Grundpfeiler und wichtigster Aspekt des Systems der Islamischen Republik Iran. Jene Statthalterschaft wird derzeit von Imam Chamene’i erfüllt. Die Demonstrationen waren derart überwältigend und eindrucksvoll, dass selbst der irankundige Beobachter erstaunt war. Hunderttausende in den Großstädten und Zehntausende in den kleineren Städten gingen nach dem Freitagsgebet auf die Straßen und skandierten lautstark teils lange vergessene Parolen. Auch ständig gegenwärtige Parolen, die mit der Zeit drohten zu einem aufwendigen Ritus zu werden, wurden neu belebt. Am Eindrucksvollsten waren die Bilder von Regionen im Norden des Iran, wo die tausenden und abertausenden Demonstranten in einem für deutsche Verhältnisse kaum noch bekannten Schneegestöber über die Straßen liefen. Die Kamera hatte Problem die Szene einzufangen, so dicht waren die Schneeflocken. Die Namen der Städte, von denen auch berichtet wurde, waren auch irankundigen teils nicht bekannt, so viele waren es!

Die auch in Deutsch berichtende Nachrichtenagentur Reuters hat – wenn auch mit sehr verächtlichen Worten – immerhin überhaupt von dem Großereignis in der Islamischen Republik Iran berichtet. Auch wurde darauf hingewiesen, dass mancherorts einige Demonstranten „Nieder mit Mussawi“ gerufen haben. Reuters übersetzt „Tod mit Mussawi“. Wäre nicht zumindest dieser Umstand eine Schlagzeile wert, um gegen die Islamische Republik Iran zu hetzten?

Aber in einem einmal mehr unvorstellbaren Gleichklang der Einmütigkeit des Schweigens, in einer schwer nachvollziehbaren Form der Gleichschaltung, wurde dem deutschen Leser kein Wort über die Ereignisse im Iran berichtet! So entsteht ein Bild in den Köpfen derjenigen, die auf die westlichen Massenmedien vertrauen, dass im Iran ab und zu zwar Demonstranten gegen das „Regime“ – wie sie es nennen – demonstrieren, aber kaum Leute das System unterstützen. Würde man hingegen nur einige der vielen Bilder zeigen, die auch über einige arabische und asiatische Sender gesendet wurden, würde auch der deutsche Medienkonsument zu einem anderen Schluss kommen: Die absolute Mehrheit der Bürger der Islamischen Republik Iran unterstützt nicht nur ihre Führung, sie liebt diese auch! Und das ist eine Information, die man offensichtlich seiner eigenen Bevölkerung vorenthalten will. Denn einerseits würde dann klar werden, dass jegliche antiiranische Propaganda substanzlos ist, aber andererseits – und das ist wohl noch viel gefährlicher – würde deutlich werden, dass durchaus eine Politik möglich ist, bei der das Volk, also die Armen, die Mehrheit der Bevölkerung, die Verantwortlichen liebt!

Die Demonstrationen erfolgten am ersten Tag des neuen islamischen Jahres, am Anfang des Monats Muharram, in dem Muslime des historisch einmaligen Martyriums Imam Husains gedachten. So war auch eine der häufig gerufenen Parolen: „Husain Husain ist unsere Parole, das Martyrium ist unsere Ehre“.

Eines muss man der Westlichen Welt lassen. Was immer sie auch tut, sie stärkt die Islamische Revolution. Wenn sie die Islamische Revolution nicht offen angreift, dann nutzen die Revolutionäre die kurze Zeit, um sich konstruktiv im Dienste des Volkes weiter zu entwickeln. Wenn die Westliche Welt die Islamische Republik offen angreift (militärisch oder propagandistisch), dann erwacht der Volkseifer und die Bevölkerung solidarisiert sich mit der Führung.

Der Fehler der Westlichen Welt besteht darin, dass sie eine Politik vertritt, die gegen die Interessen der Bevölkerungen der Welt auf die Reichen und Mächtigen setzt. Die Politik der Westlichen Welt steht an der Seite von Unterdrückung, Besatzung, Vertreibung und Ausbeutung. Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer, im eigenen Land wie in der ganzen Welt. All der eigenen Reichtum beruht auf Ausbeutung, u.a. durch Verschuldung an noch nicht einmal geborene Generationen. Die Westliche Welt bedarf der Unterdrückung und der Dominanz zum Überleben. Die Westliche Welt bedarf der Angst der gesamten Welt vor ihrer Militärmacht, vor ihrer Währungsstärke, vor ihrer wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Überlegenheit. Sonst kann die Westliche Welt nicht überleben. Aber wer würde solch ein System lieben?

Die Islamische Republik Iran bedarf nicht der Überlegenheit. Die Parolen der Revolutionäre auf den Straßen gestern waren u.a.: „Unabhängigkeit, Freiheit, Islamische Republik“. Welcher westliche Staat könnte von sich heute sagen, er wäre unabhängig von den USA oder Israel? Die Islamische Republik Iran bedarf nicht, dass Reiche immer reicher werden, sondern genau das Gegenteil ist das Ziel. Die Islamische Republik Iran kann mit möglichst vielen unabhängigen Staaten gut leben, was aber der Untergang der Westlichen Welt wäre. Die Islamische Republik Iran ist ein ideologischer Gegner aller Diktatoren der Welt. Die Westliche Welt hingegen bedarf ihrer, vor allem in der muslimischen Welt. Kein System der Erde stützt derzeit gewaltsam so viele lupenreine Diktatoren, wie die USA! Und all diese Aspekte waren auf den Plakaten, bei den Demonstrationen gestern im ganzen Iran direkt oder indirekt zu lesen und zu hören! Doch der deutsche Bürger sollte davon nichts erfahren.

Aber wenn man schon alle diese Informationen im Tal der Ahnungslosen nicht erfahren darf, dann hätte man doch zumindest das Schneegestöber zeigen können, damit man in Deutschland weiß, auch im Iran fällt weißer Schnee, zuweilen sogar viel mehr als hier, aber auch zu Weihnachten bzw. zu Aschura!

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