Es gehört zum Wesen des Imperialismus, dass es seine Macht jederzeit, überall und gegenüber jedem demonstrieren muss, auch gegenüber den eigenen Lakaien.

Noch vorgestern hat Bundeskanzlerin Merkel im übertragenen Sinn und bildlich gesprochen sich tief verbeugt und die Hand der USA so genüsslich und intensiv geküsst, dass die Schleimspur nicht zu übersehen war. Doch noch bevor es ihr gelungen ist, sich halbwegs wieder aufzurichten, erhielt sie zum Dank eine heftig schallende Ohrfeige, dessen Klang nicht zu überhören war. Die USA hatten erwartet, dass Frau Merkel ihnen die Schuhe ableckt. Insofern war die “größte Rede der Bundeskanzlerin“, zu der ihre Einschmeicheltour von der Hofberichterstattung stilisiert wurde, somit nur ein Affront gegen den selbsternannten Weltherrn, der sich mehr erwartet hatte. Die bildliche Darstellung des Schuhe Ableckens ist übrigens nicht nur eine Phantasie verirrter Spezialbordellbesucher, sondern war üblich bei den Dienern des von den USA gegen das eigene Volk an der Macht gehaltenen Schah!

Neben dem Skandal, dass der selbst ernannter Weltherrscher, zu dessen engsten Verbündeten sich die Bundeskanzlerin Deutschland erklärt hat, der gesamten deutschen Bevölkerung verdeutlicht hat, was Raubtierkapitalismus ist und den Schüler diesbezüglich der Lächerlichkeit preis gegeben hat, ist als weitergehender Skandal die Hofberichterstattung in der Bundesrepublik Deutschland zu erwähnen, die immer deutlicher macht, für welchen Hof sie eigentlich arbeitet. Denn die gesamte Berichterstattung ist darauf ausgerichtet, die eigentlichen Schuldigen frei zu sprechen und von den eigentlichen Fragen abzulenken.

Monatelange Sitzungen Anfang des Jahres 2009 hatten zu einem “Kompromiss“ geführt, von dem General Motors (GM), Eigner der OPEL AG, profitierte. Anstatt in die Insolvenz abzugleiten und auf dem Weg zwangsverstaatlicht zu werden, gewährte die Bundesrepublik Deutschland dem Tochterkonzern “Überbrückungskredite“ im Wert von 1,5 Milliarden Euro, wovon ein Teil – und das wusste jeder – vom Mutterkonzern selbst genutzt wurde! Spätestens seit Juni 2009 flossen die Gelder des Steuerzahlers in das angebliche Privatunternehmen. Tatsächlich handelt es sich aber bei GM nicht mehr um ein Privatunternehmen, das einer privaten Institution gehörte, sondern faktisch um ein Staatsunternehmen. Mehrheitseigner ist der Staat USA! Es sind die USA – und damit ihr höchster Repräsentant Obama – die darüber entscheiden können, was mit GM passiert. Und jene GM muss vor dem Juni irgendwelche Zusagen gemacht haben, damit der deutsche Steuerzahler, sage und schreibe, 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt hat.

Bereits bei diesem Informationsstand stellt sich die Frage, welcher Art jene Zusagen waren? Verschenkt die Bundesrepublik Deutschland zinslos Milliardenkredite an Privatunternehmen, ohne dass es irgendeine Garantie dafür gibt, dass die Absprachen eingehalten werden? Letztere Frage ist von entscheidender Bedeutung, um abschätzen zu können, für welche Interessen die Bundeskanzlerin eigentlich eintritt. Merkwürdigerweise wird genau diese Frage von der Hofberichterstattung gar nicht gestellt! Denn wenn es Garantien gab, dass die getroffenen Absprachen (in diesem Fall der Verkauf an ein europäisches Konsortium) erfolgen würde, wie konnte sie dann ungestraft gebrochen werden? Und falls es jene Garantien nicht gab, wie konnte dann die Bundesregierung leichtfertig einen Milliardenkredit vergeben?

Heute ist davon die Rede, dass GM bis zum Ende des Monats November den Kredit zurück zahlen würde. Niemand aber spricht von Zinsen! Als GM den Kredit benötigte, hätte keine Bank der Welt ihr einen Cent mehr gegeben, so dass die US-Regierung einschreiten musste. Hat Deutschland hier nur den dummen Platzhalter gespielt? Aber die alles entscheidende Frage ist doch: GM gehört mehrheitlich dem Staat USA und dessen oberster Entscheidungsträger ist Obama; warum hat Obama es zugelassen, dass die Bundeskanzlerin nach ihrer Huldigungsrede derart abgestraft wurde?

Und damit kommen wir zum Anfang des Artikels. Die Angelegenheit – so schmerzhaft sie auch sein mag und so sehr sie auch die amtierende Bundeskanzlerin erniedrigt hat – ist dennoch nur die natürliche Folge eines Systems, das gar nicht anders funktionieren wird! Imam Chamene’i hat vor wenigen Tagen in seiner Rede gegen den Weltimperialismus Folgendes gesagt: „Für die Bekämpfung des Imperialismus ist es am wichtigsten, den Imperialismus zu kennen. Eine imperialistische Macht ist eine Macht oder sind Mächte, die sich herrschsüchtig mit ihren finanziellen, militärischen und propagandistischen Möglichkeiten in die Angelegenheiten anderer Länder und Nationen einmischen.“

Der Imperialismus der USA funktioniert exakt nach dieser Beschreibung! Es geht hier nicht um Opel, GM, irgendwelche Milliarden oder gar um Arbeitsplätze. Es geht um Macht, Macht und noch einmal Macht! Es geht um eine Machtdemonstration! Was sollen die USA mit irgendwelchen für sie läppischen Milliarden an Krediten? Die haben doch erst jüngst über 800 Milliarden gedruckt. Was würde da eine Milliarde mehr oder weniger schon ausmachen? Es geht darum, den Sklaven stets zu erläutern, dass er der Sklave ist und Sklave zu bleiben hat, selbst wenn er die Hand des Sklavenhalters küsst. Und was hat diese Bundesregierung nicht alles getan?

Deutschland hat Atomwaffentaugliche U-Boote teils mit deutschen Steuergeldern gebaut und an Israel verschenkt. Als Antwort kam eine Forderung über zwei Regatten, die Deutschland nunmehr vollständig finanzieren und Israel schenken soll. Warum eigentlich? Warum wird solch eine Forderung öffentlich gestellt? Gäbe es nicht hinreichend “diplomatische“ Kanäle, das Ganze geschickter abzuwickeln, ohne dass die Steuerzahler in Deutschland öffentlich gedemütigt wird? Sicherlich gäbe es jene Möglichkeiten, aber darum geht es doch gar nicht! Israelische Spitzenpolitiker bräuchten doch nur mit dem Finger zu schnipsen und würden so viele Fregatten, wie sie nur wünschen, kostenfrei aus den USA erhalten. Es geht darum, Macht auszuüben, und dem Sklaven zu verdeutlichen, wer Herr und wer Sklave ist.

Deutschland hat fast alle Forderungen der USA bezüglich Soldaten in Afghanistan erfüllt. Sogar in die Ermordung von Zivilisten ist die Bundeswehr inzwischen involviert! Reicht das nicht? Vor wenigen Wochen wurde veröffentlicht, dass deutsche Soldaten in Afghanistan israelische Drohnen einsetzen wollen. Wer veröffentlicht solche sicherlich geheimen Informationen und wozu? Hat Deutschland nicht schon genug Ärger in dem muslimischen Land? Müssen es ausgerechnet Drohnen aus Israel sein? Aber es geht hier nicht darum, ob wegen solch einer Nachricht noch einige deutsche Soldaten mehr Opfer in Afghanistan werden oder nicht. Es geht ausschließlich darum, die Machtverhältnisse für alle sichtbar in der Welt immer und immer wieder zu veröffentlichen! Und das Verhalten des Imperialismus ist gegenüber Freund und Feind, was die Machtdemonstration angeht, sehr ähnlich.

Vor wenigen Tagen wurden in irgendwelchen hohen US-Gremien öffentlich einmal mehr Gelder in Höhe von 55 Millionen US-Dollar zur Destabilisierung des Iran verabschiedet. Der Betrag von 55 Millionen ist derart gering angesichts der Milliardenverschwendungen des US-Systems, dass jener Betrag problemlos in irgendwelchen anderen Posten hätte versteckt werden können, zumal die Gelder ja an Geheimdienste fließen sollen und nicht jedes Geheimnis eines Geheimdienstes veröffentlicht werden muss. Es täte auch der Glaubwürdigkeit der USA gut, wenn sie solche Posten geheim hält. Aber darum geht es nicht! Es geht um die Demonstration von Macht: „Wir sind die Herren dieser Welt!“ Und der Herrenmensch kann nicht Herrenmensch sein, wenn es niemand weiß!

Bundeskanzlerin Merkel hat sich wirklich tief verbeugt vor den USA und Israel. Obwohl sie in ihrer Rede allgemeine Prinzipien erwähnt hat, hat sie auch den ideologischen Feind des Raubtierkapitalismus und die größte Bedrohung für den Imperialismus ins Visier genommen und lautstarke verbale Schüsse abgefeuert. Sie hat Israel über einen längeren Zeitraum etwas versprochen, als es ihre zeitlich begrenzte Kompetenz zulässt. Aber das alles reicht nicht! Noch immer hat sie zumindest in Nebensätzen so etwas wie eine vorsichtige Regulierung der Finanzmärkte angeregt! Das lässt der Imperialismus nicht zu! Niemand – auch nicht ein sonst in jeder Hinsicht unterwürfige Bundeskanzlerin – darf so etwas fordern! Sie hat gesagt, dass sie sich für eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten einsetzt. Aber das lässt der Imperialismus nicht zu! Das Imperium lässt sich von einer Bundesregierung nicht vorschreiben, was mit den Palästinensern zu tun ist und was nicht. Deutschland hat die Waffen klaglos abzuliefern, und mehr darf Deutschland nicht!

Die Hofberichterstattung – und es wird tagtäglich deutlicher für welchen Hof jene Journalisten arbeiten – wissen auch, dass der neuste GM-Streich in der Bevölkerung Deutschlands nicht gut angekommen ist. Schließlich sind Zehntausende Familien direkt betroffen und Hunderttausende von Mitarbeitern von Zulieferbetrieben, indirekt. Und selbst nicht direkt betroffene, empfinden eine gewisse Wut. Aufgabe jener Berichterstattung ist es, jene Wut zu kanalisieren und von den eigentlichen Schuldigen abzulenken! Der deutsche Leser und TV-Zuschauer erfährt von irgendeinem GM-Manager, der knallhart sei. Schuldig sei das Management jenes “Privatunternehmens“. Der Hauptschuldige Obama, oder das System des imperialistischen Raubtierkapitalismus blieben ungeschoren! Schließlich bekommt ja Deutschland sein Geld zurück.

Imam Chamene’i sagte vor wenigen Tage dazu: „Immer wenn die Amerikaner ein Lächeln aufgesetzt haben, hat sich bei näherem Hinsehen erwiesen, dass sie gleichzeitig hinter ihrem Rücken einen Dolch versteckt hielten und sich nichts an ihren Absichten geändert hatte … Sollten eine bedeutende und erfahrene Nation und die von ihr gewählten Verantwortungsträger auf diese Art von Lächeln reinfallen, so sind sie entweder völlig naiv oder so in materielle Wünsche abgesackt, dass sie gewillt sind, sich mit dem Feind auf Kompromisse einzulassen. … Wenn die Verantwortungsträger eines Landes klug und erfahren sind und die nötige Reife besitzen und wenn sie hinter den Interessen der Bevölkerung stehen, werden sie sich nicht mit dieser Art von Lächeln hinters Licht führen lassen.“

Welche Schlüsse daraus für die Bundesregierung zu schließen sind, überlassen wir dem Leser. Aber welche Schlüsse daraus für den Bundesbürger zu schließen sind, müssen jene beantworten, die die heutige Bundesregierung gewählt haben, und das waren nicht wenige! So lange Deutschland nicht das Wohl seiner eigenen Bevölkerung in den Vordergrund stellt, wird es keine Befreiung Deutschlands geben. Und so lange deutsche Spitzenpolitiker glauben, dass das Wohl einer Bevölkerung in der Anlehnung an das größte und mächtigste Verbrechersystem der Zeit liegt, so lange wird das gesamte Volk auch in Zukunft jene Demütigungen hinnehmen müssen. Ein gottesehrfürchtiger Mensch aber verbeugt sich nicht vor Menschen, er küsst keine Hände von Gewaltherrschern und leckt auch keine Schuhe ab. Er schwimmt wie ein lebendiger Fisch gegen den Strom, um der Quelle näher zu kommen und leistet Widerstand!

Verlässt man die malerische Sprache, dann kann man es auch ganz einfach ausdrücken: Jeder Bundesbürger, der heute die Bild-Zeitung gekauft hat, trägt Mitschuld daran, dass es Opel-Mitarbeitern heute und morgen schlechter gehen und Deutschland öffentlich gedemütigt wird. Die Befreiung fängt niemals in goldenen Kongresssälen durch Bundeskanzler oder Außenminister an, sondern im Herzen eines jeden einzelnen Bürgers.

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