Seite an Seite gegen die Besatzung: In Bilin und vielen anderen Dörfern des Westjordanlandes kämpfen Palästinenser und Israelis zusammen gegen die Trennmauer

Immer wieder sorgt Bilin im Westjordanland für Schlagzeilen. Die rund 2000 Einwohner des unweit von Ramallah gelegenen palästinensischen Dorfes sind mehrheitlich Bauern und wehren sich seit Jahren gegen den Bau des Trennwalls. »Die Mauer«, das aufwendigste Bauwerk der israelischen Geschichte, das sich seit 2002 tief in das palästinensische Gebiet hineinfrißt, erreichte Bilin 2004. Im Jahr darauf war die Bevölkerung von zirka 60 Prozent ihrer Ländereien abgeschnitten. Der Verlauf der Mauer folgte hier wie überall weniger sicherheitspolitischen Überlegungen, sondern diente in erster Linie dazu, illegal errichtete jüdische Siedlungen Israel zuzuschlagen und Land für Siedlungserweiterungen und die exklusiv für israelische Juden vorgesehene Infrastruktur zu annektieren. Im Fall von Bilin ist es die Siedlung Modin Illit, die auf dem zum Dorf gehörenden Land errichtet wurde und nun erweitert werden soll.

Gewaltfreie Aktionen

Wie in Bilin wehren sich die Bewohner in Masha, Budrus, Jayyus und anderen Orten, unterstützt von israelischen Friedensaktivisten und Gefährten aus aller Welt, mit gewaltfreien Aktionen gegen den Landraub. Als in diesem Sommer das Mauerprojekt das Dorf Nilin erreichte, begannen auch dort die Proteste. Sie werden von der israelischen Armee besonders brutal beantwortet. Das Dorf wird regelmäßig abgeriegelt, so daß die Soldaten ohne Zeugen agieren können. Sie fallen nachts in die Häuser ein, selbst Kinder werden verhaftet und mißhandelt. Demonstranten, die sich strikt gewaltfrei verhalten, müssen damit rechnen, daß nicht nur mit Tränengas und gummiummantelten Stahlgeschossen, sondern auch mit scharfer Munition auf sie geschossen wird. Viele, auch Israelis und Aktivisten aus der EU und den USA, wurden bereits zum Teil schwer verletzt. Die sogenannte Apartheidmauer wird weitergebaut, der Widerstand dagegen immer gewalttätiger unterdrückt. Dank der Solidarität und Unbeirrbarkeit aller Beteiligten läßt er sich nicht ersticken.

Das Recht ist auf seiten der Mauergegner. 2004 erklärte der Internationale Gerichtshof in Den Haag das Bollwerk für völkerrechtswidrig. Der Oberste Gerichtshof in Israel verlangte mittlerweile wenigstens eine Korrektur des Mauerverlaufs in Bilin zugunsten des Dorfes. Anhängig ist noch eine Klage gegen geplante Bauprojekte der ohnehin illegalen israelischen Siedlung. Und doch gilt: Die Urteile wider den Trennwall ändern kaum etwas an den »facts on the ground«, die Israel unbeirrt schafft.

Internationales Recht

Doch die Tatsache, daß sich der Widerstand in Bilin und in den anderen palästinensischen Dörfern legitimer und international anerkannter Mittel bedient, inspiriert Protestbewegungen in aller Welt. Der gemeinsame Kampf von Israelis und Palästinensern für die Respektierung von Menschen- und Völkerrecht führt Propagandafloskeln der meinungsmachenden Medien wie »unversöhnliche Ansprüche zweier Völker«, »tiefer Haß«, »Spirale der Gewalt« oder »muslimischer Antisemitismus« ad absurdum.

»Wir sind tief überzeugt«, so Abdullah Abu Rahma vom Bürgerkomitee in Bilin, »daß diejenigen Palästinenser und Israelis Frieden herbeiführen, die Seite an Seite Widerstand leisten und für gleiche Rechte für alle kämpfen. Frieden und Zusammenleben fangen bei uns und unserem gemeinsamen Kampf an.«

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