Gestern, am 11. September erklärte Evo Morales, demokratisch gewählter Präsident Boliviens, den amerikanischen Botschafter Philip Goldberg zur Persona non grata und verwies ihn des Landes.

Auf den Tag genau vor 45 Jahren wurde der demokratisch gewählte Präsident Chiles, Salvador Allende, vom Militär geputscht und ermordet.

Was haben beide Vorgänge gemeinsam?

Nichts, wenn wir den Kenntnisstand der deutschen Bürger über Südamerika als Grundlage nehmen.
Süd- oder besser Lateinamerika taucht im Bewusstsein des deutschen Durchschnitts-Medien-Konsumenten nur diffus auf:

Ein paar verückte Diktatoren, die die DDR wiederhaben wollen und uns mit Öl erpressen, alles Leute, die so tun, als würden sie was für das Volk tun, aber nichts verbessern, sondern allesamt korrupt sind und unter dem Deckmantel des Sozialismus in die eigene Tasche wirtschaften.

Ich schätze mal, weniger als ein Prozent der Deutschen hat eine halbsweg belastbare Vorstellung von den politischen Verhältnissen in Lateinamerika, höchstens ein Promille verfügt über relevante Kenntnisse der wirtschaftlichen Bedingungungen und Verhältnisse.

Somit nimmt es nicht wunder, dass die, doch recht deutlichen Parallelen zwischen dem Putsch in Chile und der Verweisung des US-Botschafters aus La Paz, nicht ins durchschnittliche deutsche Hirn dringen:

It´s just the same old story:

Traditionell sind die USA der Meinung, in ihrem Hinterhof (besagtes Lateinamerika) keine missliebigen Regierungen dulden zu müssen.

Im 20. Jahrhundert war das normal, keiner fragte danach.

Das Szenario, immer das Gleiche:

Einer, der dem misshandelten, verarmten Volk helfen will (nirgendwo auf der Welt klafft die Schere zwischen arm und reich weiter auf als in Lateinamerika), ein solcher Kandidat betritt die politische Bühne und sammelt die große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich.

Wenn eine solche Situation eintritt, schrillen in Washington die Alarmglocken und der ewig gleiche Putschplan wird entsprechend der örtlichen Modalitäten in Szene gesetzt.

Der Plan indes ist immer der Gleiche:

1. im Vorfeld:

der sich zur Wahl stellende Volkstribun wird medial als Populist, als gefährlicher Verführer dargestellt, unterschwellig werden Ähnlichkeiten mit Hitler beschworen.

In diesem Stadium wendet sich der US-Botschafter des Landes an die Opposition, die ihrer Priviliegien verlustig zu gehen droht.
Dort wird sogleich mannigfaltige Unterstützung zugesagt sowie eine komfortable Position im zu ersputschenden Neuland versprochen.

Waffenlieferungen werden zugesagt, Unterstützung in der Ausbildung der Putschisten, Geld,Geld,Geld und vor allem – das Drehbuch.

Die wichtigste Unterstützung, die die USA an Dissidenten gegen eine linke populäre Regierung liefern, ist die Regie, das Drehbuch, die Strategie.

Sie liefern das alles frei Haus und mit großzügigen Anreizen für die Akteure.
Eine Sache der – milliardenschweren – Geheimdienste der USA:

Vor 45 Jahren haben die bewährten Maßnahmen zum Erfog geführt, aber in Lateinamerika hat man aus der Geschichte gelernt und betreibt Vorsorge:

Dieser kraft- und lichtvolle Kontinent ist nicht länger bereit, sich der us-amerikanischen Hinterhof-Agenda kampflos auszuliefern.

Und das ist gut so, und wenn Chavez, der beinahe Opfer eines us-gelenkten Putsches geworden wäre, „unsere amerikanischen Freunde“ als „Scheiß-Yankees“ tituliert, so hat er, von seiner Position her, verdammt recht, denn er kennt die örtlichen Verhältnisse aus ureigener Erfahrung.

Dass er noch lebt, hat er keinesfalls seinen politischen Feinden zu verdanken.
Dass Chavez noch lebt und regiert, grenzt vielmehr an ein Wunder.

Nach us-amerikanischen Plänen wäre er jedenfalls schon längst seinem verflossenen Kollegen Allende nachgefogt, auch für den knuddeligen und schwerlich der „Achse des Bösen“ zuzuordnenden Morales ist dieses Ziel längst vorgesehen.

Im fernen Südamerika setzen Menschen für die Sache der Gerechtigkeit ihr Leben aufs Spiel, hier sollen wir glauben, das seien sämtlich korrupte und selbstherrliche Caudillos.

Quelle

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