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Im diesem zweiten Teil wird beantwortet, welche gesellschaftlichen Entwicklungen dafür sprechen, dass die Unterstützung für Israel in Zukunft weniger und vor Allem vernünftiger werden wird.

Dies ist der erste Teil einer zweiteiligen Artikelserie, inspiriert von dem New Yorker Journalisten Philip Weiss und seine Beobachtungen und Reflexionen über Israel, die US-Amerikanische Nahostpolitik und die Struktur und den Status der in den USA lebenden jüdischen Menschen

Britische Sonntagszeitung: USA planen „chirurgische Schläge“ gegen Teheran

Die US-Streitkräfte arbeiten an Plänen für einen »chirurgischen Schlag« gegen ein Ausbildungslager für irakische Milizen im Iran. Das berichtete am gestrigen Sonntag die Sunday Times unter Berufung auf anonyme, nicht näher bezeichnete Quellen. Das neokonservativ ausgerichtete Blatt hatte in der Vergangenheit schon mehrfach Gerüchte über bevorstehende Militäroperationen gegen Iran in die Welt gesetzt.

Vor dem Hintergrund eines propagandistischen Trommelfeuers maßgeblicher US-amerikanischer Militärs und Politiker gegen die angebliche Einmischung Irans im Irak erscheint die Meldung der Londoner Sonntagszeitung aber nicht ganz unwahrscheinlich. Präsident George W. Bush sei entschlossen, schreibt das Blatt, das »Iran-Problem« nicht an seinen Nachfolger zu übergeben, ohne eine militärische Konfrontation auf den Weg gebracht zu haben.

Am Freitag (2. Mai) hatten sich die Außenminister der sogenannten 5+1 bei einem Treffen in London auf ein neues »Angebot« an Iran geeinigt. Die Gruppe besteht aus den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats (China, Frankreich, Großbritannien, Rußland und USA) sowie Deutschland. Auf dieses Vorgehen hatten sich die 5+1 im Prinzip schon im Zusammenhang mit der dritten Sanktionsresolution des Sicherheitsrats, die am 3. März verabschiedet wurde, geeinigt. Aber während Rußland und China ein »neues Herangehen« gefordert hatten, um Bewegung in den seit August 2005 festgefahrenen Streit um das iranische Atomprogramm zu bringen, blockierten vor allem die USA.

Der Inhalt des jetzt beschlossenen »diplomatischen Vorstoßes« wurde bisher nicht bekanntgegeben. Die Vorschläge sollen zunächst dem Iran zugestellt werden. Aus der knappen Erklärung, die am Freitag abend vom britischen Außenminister David Miliband im Namen der 5+1 verlesen wurde, geht hervor, daß das »neue Angebot« offenbar weitgehend mit dem Paket identisch ist, das die Gruppe dem Iran im Juni 2006 zukommen ließ und das damals von der iranischen Seite als »völlig unzureichend« zurückgewiesen wurde.

Milibands Statement zufolge wurden die alten Vorschläge jetzt lediglich »überprüft und aktualisiert«. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner gebrauchte die Worte »präziser und detaillierter«. Das läßt wenig »neues Herangehen« erwarten und deutet darauf hin, daß das auffrisierte alte Angebot nur als Alibi dienen soll, um nach der erwarteten Ablehnung durch Iran wieder gemeinsam an der Eskalationsschraube drehen zu können.

Wenig vertrauenerweckend ist auch Milibands Aussage, die 5+1 seien »vereint in unserem Glauben, daß die Bedrohung, die dieses Anreicherungsprogramm darstellt, sehr ernst ist«. Das widerspricht der bisher von Rußland und China eingenommenen Haltung: Zwar fordern sie den Iran als »vertrauensbildende Maßnahme« zu einer Unterbrechung der Anreicherung für die Dauer von Verhandlungen auf, haben aber mehrfach der Behauptung widersprochen, das iranische Atomprogramm stelle eine Bedrohung dar und sei auf die Produktion von Nuklearwaffen gerichtet.

Die am 3. März verabschiedete Resolution des UN-Sicherheitsrats räumt Iran eine Frist von 90 Tagen ein, um sämtlichen Forderungen, darunter die Einstellung aller Arbeiten an der Urananreicherung (einschließlich Forschung und Entwicklung) und des Baus eines Schwerwasser-Reaktors, nachzukommen.

* Aus: junge Welt, 5. Mai 2008

Der irakischen Hauptstadt droht ein Inferno. Deutliche Anzeichen hierfür sind einerseits die anhaltenden Angriffe der von Truppen der irakischen Al-Maliki-Regierung unterstützten US-Besatzer auf Sadr City, das schiitisch geprägte Armenviertel Bagdads. Andererseits deutet die seit Tagen zu beobachtende Massenflucht von Abertausenden Bewohnern des 2,5 Millionen zählenden Stadtteils auf eine bevorstehende Katastrophe hin. Immer mehr Familien befürchten, daß die USA ein »zweites Falludscha« vorbereiten.

In der sunnitischen 350000-Einwohner-Stadt hatte die Besatzungsmacht im Frühling und im Herbst 2004 die ganze Macht ihrer gigantischen Kriegsmaschine demonstriert: Ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung waren neunzig Prozent aller Gebäude wie der Infrastruktur des als »Widerstandshochburg« geltenden Falludscha dem Erdboden gleichgemacht worden. Nach eigenen Bekundungen wollte die US-Führung damit an der Bevölkerung »ein Exempel statuieren«. Ungezählte irakische Zivilisten wurden getötet.

Die Erinnerung an das Kriegsverbrechen ist frisch, und Sadr City gilt ebenfalls als eine Hochburg des Widerstands: Hier verfügen der schiitische Geistliche und Besatzungsgegner Muqtada Al-Sadr und seine Mahdi-Armee über starken Einfluß. Seit Wochen dauern die Kämpfe am Rande des von engen Straßen und Gassen durchzogenen Viertels im Norden der Hauptstadt an. Dabei gelang es der US Army, die im Straßenkampf immer häufiger Spezial­truppen der irakischen Marionettenarmee vorschickt, zwar langsam, aber doch mit Erfolg von Haus zu Haus, von Straße zu Straße vorzurücken. Vorrangiges Etappenziel der Amerikaner ist es, die schiitischen Rebellen soweit zurückzudrängen, daß sie mit ihren Raketen nicht mehr die stark befestigte sogenannte Grüne Zone erreichen können: Dort befinden sich hinter hohen Mauern und abgeschirmt von Eliteeinheiten sowohl die neu errichtete, riesige US-Botschaft als auch die irakischen Regierungsgebäude.

Die Zahl der Zivilopfer in Sadr City steigt stündlich. Bei geringstem Widerstand fordern die vorrückenden Truppen des irakischen Regimes und der Besatzer Luftunterstützung in Gestalt von Bombern und Kampfhubschraubern an. Die BBC berichtete am Donnerstag, daß »in den vergangenen sieben Wochen 1000 Menschen getötet und über 2500 verletzt wurden, die meisten waren Zivilisten«. Zugleich verschlechterten sich durch die US-Blockade und streckenweise Einmauerung des Stadtteils die Lebensbedingungen dramatisch: Es fehlt an Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten. Dies gilt insbesondere in den bereits umkämpften Vierteln Sadr Citys. UNICEF-Sprecherin Claire Hajaj erklärte, derzeit seien 150000 Menschen, darunter 75000 Kinder, »durch das Militär vollkommen abgeschnitten« von der Außenwelt.

Agenturmeldungen zufolge, unter anderem am Mittwoch von AP, wird derzeit eine Großoffensive der US-Armee gegen das Millionenviertel vorbereitet. Luftwaffen- und Panzereinheiten würden zusammengezogen. Ein Massaker stünde »in den nächsten Tagen« bevor. Auf Flugblättern fordert die Regierung des US-gestützten Ministerpräsidenten Nuri Al-Maliki die Bewohner von zwei »Schlüsseldistrikten« Sadr Citys auf, die Stadt umgehend zu verlassen, informierte die BBC. Zwei Fußballstadien würden als Auffanglager für die Flüchtlinge hergerichtet.

Quelle

Am Mittwoch erschossen zionistische Besatzungsarmee-Einheiten im Gaza-Streifen eine Mutter von sieben Kindern sowie einen jungen Palästinenser. Augenzeugen berichteten, dass Truppen während ihres Rückzuges aus der Stadt Abasan, östlich von Khan Younis, der 35-jährigen Wafa Al-Dughma in den Kopf schossen. Bei weiteren Angriffen töteten die Soldaten den 22-jährigen Mahmoud Mussalam, verletzten mindestens 18 Einwohner und zerstörten fünf Wohnhäuser.

Gestern Morgen fielen Besatzungstruppen in die Stadt Hebron ein und besetzten das Haus von Mohamed Rasheed. Er sowie seine vier Söhne wurden rechtswidrig festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht.

Heute Morgen marschierten Soldaten erneut in die Stadt Hebron ein und führten zahlreiche Razzien in den Wohnhäusern durch. Dabei zerstörten sie das Mobiliar der Bewohner und nahmen drei Personen fest. Auch sie wurden an einen unbekannten Ort gebracht.

Zionismus – der falsche Erlöser

Vor 60 Jahren verkündete der israelische Premierminister David Ben-Guri­on die Gründung des Staates Israel. Sofort be­gan­nen die jüdischen Kommandos in Pa­läs­ti­na mit dem Waffengang, den Israel als seinen ‚Unabhängigkeitskrieg‘ bezeich­nen sollte. Als der neue Staat 1949 eine Waffenruhe mit Ägypten, Transjordanien und Syrien schloss, waren mehr als 750.000 Palästinenser gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen, die nun von den jüdisch-zionistischen Armeen kontrolliert wurde. Die Gründung Israels markiert den Höhepunkt einer bis dahin 50 Jahre währenden Kampagne für die Errichtung eines jüdischen Staates, die politische Zionisten geführt haben.

Die Zionisten behaupteten, sie seien der Ausdruck der ersehnten ‚nationalen Befreiung‘ der Juden weltweit. Aber wenn der Zionismus eine Bewegung für die nationale Befreiung war, dann unterschied er sich von allen anderen nationalen Befreiungsbewegungen. Anstatt mit dem Imperialismus zu brechen, suchte er aktiv nach dem Schutz durch die imperialistischen Mächte. Anstatt für die Selbstbestimmung der Menschen in Palästina zu kämpfen – von denen die meisten Araber waren – vertrieb er sie. Und anstatt eine breite Bewegung gegen nationale Unterdrückung zu bilden, war der Zionismus die längste Zeit seiner Existenz vor dem Zweiten Weltkrieg kaum mehr als eine Sekte.

Zweifellos werden verfälschte Geschichtsdarstellungen und ideologisches Geschwätz die Feierlichkeiten zu Israels 60. Jahrestag begleiten. Das ist nur verständlich, weil die wirkliche Geschichte des Zionismus und von Is­rael eine schmutzige Bilanz aufweist.

Was ist Zionismus?

Der politische Zionismus, eine Lehre, die die Unvereinbarkeit von Juden und Nichtjuden behauptet, trat für die groß angelegte Auswanderung in ein unterentwickeltes Land ein, um dort einen jüdischen Staat zu errichten, und stellte die Reaktion auf den Aufschwung antijüdischen Rassismus (An­ti­se­mi­tis­mus) in Europa gegen Ende des 19. Jahrhunderts dar. In Westeuropa untergrub die Bildung offen antisemitischer Parteien die Hoffnung vieler mittelständischer Juden, sie könnten in der nichtjüdischen Gesellschaft aufgehen. Im russischen Reich, wo die Mehrzahl der weltweiten Juden lebte, fielen die Juden dem Wechsel von der Feudalordnung zur kapitalistischen Wirtschaft zum Opfer. Als das alte System zusammenbrach, verloren die Juden ihre klassische Rolle, die sie als Geldverleiher und Handelsorganisatoren in der feudalistischen Wirtschaft gespielt hatten. Nun waren die jüdischen Handwerker und Geschäftsinhaber der Konkurrenz mit Nichtjuden (Gois) ausgesetzt. Währenddessen zerstörte der Kapitalismus das Handwerk und verwandelte die Gewerbetreibenden und Handwerker in Lohnarbeiter. Diese beiden Prozesse – die Zerstörung der Feudalwirtschaft und die Unterhöhlung des Handwerks – mündeten in weniger als 50 Jahren in der Bildung einer gewaltigen jüdischen Arbeiterklasse in Osteuropa.

Dieser tiefgreifende Wandel in der Ge­sell­schafts­position der Juden trieb Millionen von ihnen zur Aus­wanderung aus Osteuro­pa. Die Zurückgebliebenen sa­hen sich oft mit Pogromen kon­fron­tiert, antisemiti­schen Ausschrei­tun­gen. An­ge­zettelt wur­­den diese Po­­gro­me gegen Ju­den von der za­ris­tischen Polizei, die den auf­steigenden Antise­mi­tis­mus in­nerhalb der mit­tel­stän­di­­schen Gois aus­­nutz­te, um die jüdische Ar­­­bei­ter­klas­se von ihren nicht­­­jüdischen Kolle­gen zu spal­ten.

Die Athmosphäre aus Ver­­­zweif­­lung und Unter­drü­­­­ckung provozierte ver­schie­de­­ne Reaktionen in­ner­halb der jü­di­schen Be­völ­ke­rung, da­run­ter einen zu­neh­men­den Na­tio­na­lis­mus. Nathan Wein­stock be­tont: „Der jüdi­sche Na­tio­na­lis­mus, insbe­son­de­re seine zio­nistische Spiel­art, stellte ein völlig neues Konzept dar, das vom so­ziopoliti­schen Hintergrund Ost­euro­pas im 19. Jahrhun­dert hervor­ge­bracht wur­de.“ Seit Jahr­hun­der­ten nahm die Vorstellung ei­ner Rück­kehr nach ‚Zion‘ (ins ‚Hei­lige Land‘ in Pa­läs­tina) einen wichtigen Platz im Judaismus ein, aber dieser Glaube besaß keine politische Bedeutung. Der rituelle Tischspruch zum Pessahfest ‚Nächstes Jahr in Jerusalem‘ beinhaltete keineswegs die Sehnsucht nach der Gründung eines jüdischen Staates mit der dortigen ‚ewigen Hauptstadt‘. Ende des 18. Jahrhunderts wanderten jüdische Wallfahrer nach Palästina aus, um religiöse Gemeinden zu bilden, und nicht, um einen Staat zu errichten. Aber genau dieses Ziel setzte sich der politische Zionismus.

Seinen kraftvollsten Ausdruck erhielt der politische Zionismus 1896 mit dem Judenstaat, einer Abhandlung des jüdisch-österreichischen Journalisten The­o­­dor Herzl, der als ‚Vater‘ des politischen Zionismus gilt. Herzl, ein weitgereister Mann, behandelte den Prozess gegen Alfred Dreyfus in Paris 1894, einen Artilleriehauptmann, den die französischen Militärbehörden als Spion darstellten. Die Dreyfus-Affaire förderte die erschre­ckenden antisemitischen Stereotype des französischen Establishments zutage. Andererseits be­flügelte sie auch eine internationale antirassistische Kampagne, die der nichtjüdische Journalist und Schriftsteller Emile Zola anführte. Der Druck der Massen – den die sozialistische Bewegung zu organisieren half – zwang die französische Regierung, Dreyfus zu rehabilitieren. Die Gerichte fanden später „mildernde Umstände“, die seine Strafe reduzierten. Der Aufschrei gegen den Dreyfus-Prozess setzte der französischen Rechten und den Institutionen wie der Armee und der katholischen Kirche ernsthaft zu, die den Antisemitismus schürten. Man kann den Fall Dreyfus durchaus als Beispiel für die Möglichkeit für die Vereinigung von Juden und Nichtjuden im Kampf gegen den Antisemitismus sehen. Herzl tat das nicht. Rückblickend schrieb er in sein Tagebuch: „In Paris […] gelangte ich zu einer entspannteren Haltung gegenüber dem Antisemitismus, den ich nun historisch zu begreifen und zu entschuldigen begann. Vor allem erkannte ich die Sinnlosigkeit des Versuches, den Antisemitismus zu bekämpfen.“

Herzls ‚Entschuldigung‘ des Antisemitismus spiegelte eine Grundannahme des Zionismus wider – den Glauben, alle Nichtjuden seien Antisemiten. Der Antisemitismus sei „wie ein psychisches Gebrechen, er ist erblich und als Krankheit seit 2.000 Jahren unheilbar“, schrieb Leo Pinsker, ein zionistischer Zeitgenosse Herzls. Wenn die Juden, die versuchten, sich überwiegend nichtjüdischen Gesellschaften zu assimilieren, Verfolgung oder der Tod erwartete, wäre die einzige Lösung des ‚Judenproblems‘ die physische Trennung von Juden und Gois. Daraus folgte der Schluss, nur ein jüdischer Staat könne einen Schutzhafen vor Verfolgung bieten. In diesem Punkt stimmten die Zionisten und die Antisemiten ü­ber­ein. Beide glaubten, die Juden bildeten ein ‚frem­des‘ Element in Goi-Ge­sell­schaf­ten. Und beide glaub­ten, die Goi-Ge­sell­schaf­ten stünden ohne die Ju­den besser da.

1897 berief Herzl im schwei­ze­ri­schen Basel den ers­ten Zionistischen Kon­gress ein. 200 Delegierte aus 17 Ländern bewillig­ten den Aufbau einer Zio­nisti­schen Weltorganisation zur Kampagne eines „öffentlich aner­kann­ten, rechtlich abgesi­cher­ten Heimatlandes in Palästina“. Später behauptete Herzl in aller Bescheidenheit: „Wenn ich den Baseler Kongress in einem Satz zusammenfassen soll, würde ich sagen: In Basel habe ich den Judenstaat erschaffen.“ Nun stand Herzl aber beim Aufbau eines jüdischen Staates in Palästina vor einem Problem. Äußerst wenig Juden interessierten sich dafür. Zwischen 1880 und 1929 emigrierten fast 4 Millionen Juden aus Russland, Österreich-Ungarn, Polen, Rumänien und anderen Ländern. Nur 120.000 von ihnen gingen nach Palästina. Mehr als 3 Millionen von ihnen immigrierten in die Vereinigten Staaten und nach Kanada. 1914 gab es nur etwa 12.000 Mitglieder zionistischer Organisationen in den gesamten USA. Gleichzeitig waren genauso viele Juden Mitglieder in der Sozialistischen Partei – allerdings nur auf der Lower East Side im New Yorker Stadtteil Manhattan.

Sozialismus und der Kampf gegen den Antisemitismus

Anders als Herzl verteidigten die Sozialisten Juden, die verfolgt wurden. Sozialisten bekämpften auch den antijüdischen Rassismus als Gift für die Arbeiterbewegung. In dieser Zeit verurteilte der Führer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, August Bebel, den Antisemitismus als „Sozialismus für Dummköpfe“, weil er die Arbeiter von ihrem Hauptfeind, den Kapitalisten, auf Sündenböcke, die Juden, ablenkte. Ein weiterer führender Sozialdemokrat, Karl Kautsky, argumentierte, die Differenzierung der jüdischen Bevölkerung in Klassen bedeute die unauflösliche Verbindung der Lage der Juden mit der gesamten Arbeiterbewegung. Die Verknüpfung des Kampfes gegen den Antisemitismus mit dem Kampf für Arbeitermacht wurde zum marxistischen Zugang zum Antirassismus. Weil die Sozialisten die Notwendigkeit hervorhoben, den Antisemitismus vor allem in jenen Ländern zu bekämpfen, in denen die meisten Juden lebten, gewann die sozialistische Bewegung Juden in großer Zahl.

Viele Juden spielten eine Rolle als Gründer, Führer und Aktivisten in den sozialistischen Parteien Europas. Graf Witte, der Finanzminister des Zaren, beklagte sich einmal bei Herzl darüber, dass „Juden 50 Prozent der Mitgliedschaft der revolutionären Parteien ausmachen“, während sie im russischen Reich nur einen Bevölkerungsanteil von fünf Prozent bildeten. Eine dieser Parteien, die Wittes Hass auf sich zogen, war der Allgemeine Jüdische Arbeiterbund. Der 1897 – also im selben Jahr wie Herzls Zionistenkongress – gegründete Bund wurde die erste sozialistische Massenorganisation Russlands. Erbittert trat sie den zionistischen Aufrufen für einen jüdischen Staat entgegen. Im Verlauf des folgenden Jahrzehnts wuchs der Bund innerhalb der jüdischen Arbeiter und schwoll während der russischen Revolution von 1905 auf 40.000 Mitglieder an. In der revolutionären Periode übernahmen jüdische Sozialisten – sowohl aus dem Bund als auch den anderen sozialistischen Parteien – die Führung der Arbeiterklasse und die kommunale Organisation in den jüdischen Gemeinden.

Der Bund war zwar Gegner des politischen Zionismus, neigte allerdings zum jüdischen Nationalismus. Deswegen engagierten sich Lenin und andere russische Revolutionäre in wilden Polemiken mit Bundführern. Auf der Gründungskonferenz der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) 1903 forderten die Bundführer das offizielle Recht, die jüdischen Arbeiter innerhalb der breiteren russischen sozialistischen Bewegung zu vertreten und für sie zu sprechen. Lenin und bekannte jüdische Sozialisten wie Martow und Trotzki widersetzten sich dem Bund. Lenin argumentierte, der Bund handele falsch, wenn er „die jüdische Isolation rechtfertigt und die Idee einer jüdischen Nation propagiert“. Aufgabe der Sozialisten sei nicht „die Absonderung in Nationalitäten, sondern die Vereinigung der Arbeiter aller Nationen“, schrieb Lenin später. „Unser Banner trägt nicht die Parole ‚nationale Kultur‘, sondern ‚internationale Kultur‘.“ Der Bund verlor die Abstimmung zur Repräsentation jüdischer Arbeiter und verließ daraufhin die SDAPR.

1917 zeigte die Oktoberrevolution, wie die sozialistische Strategie zur Judenemanzipation in der Praxis aussah. In dem Land, in dem der Zar und seine Handlanger den Antisemitismus zur Spaltung der Arbeiter eingesetzt hatten, wählten die russischen Arbeiter jüdische Bolschewiki wie Trotzki, Sinowjew, Kamenew und Swerdlow in führende Positionen. Die Revolution rief die Religionsfreiheit aus und schaffte alle zaristischen Einschränkungen der Ausbildung und Niederlassung für Juden ab. Während des Bürgerkrieges 1918-1922 gegen die konterrevolutionären Armeen, die Juden zu Tausenden massakrierten, verhängte die Rote Armee schwere Strafen – einschließlich der Exekution – für Pogromisten in ihren Reihen. Innerhalb der Arbeiterregierung besaß Jiddisch denselben Status wie andere Sprachen. Ein Kommissariat für jüdische Angelegenheiten und eine Kommission innerhalb der bolschewistischen Partei arbeiteten beide auf die Mitwirkung der Juden an den Aufgaben des Arbeiterstaates und die Gewinnung der jüdischen Massen für den Sozialismus hin. Die Anfangsjahre der Revolution erlebten ein nie dagewesenes Aufblühen des Jiddischen und des jüdischen Kulturlebens mit. 1926-1927 besuchte die Hälfte der jüdischen Schüler jiddische Schulen, und zehn Staatstheater führten jüdische Stücke auf. Ende der 20er Jahre arbeiteten fast 40 Prozent der jüdischen arbeitenden Bevölkerung für die Regierung.

So waren die Zionisten in den 20er Jahren von allen Seiten marginalisiert. Die Mehrheit der Juden auf der Welt äußerte klar den Wunsch, in ein westeuropäisches Land auszuwandern. Und Tausende in Osteuropa verbliebene Juden kämpften für ein besseres Leben, wobei sie die Solidarität ihrer nichtjüdischen Kolleginnen und Kollegen erwarben. 1927 ver­lie­ßen ebenso vie­le Menschen Palästi­na wie einwanderten. Das ganze zionisti­sche Unternehmen stand auf der Kippe.

Appelle an den Imperialismus

Als sie ihre Kampa­gne für eine jüdische Heimat begannen, lie­ßen die Zionisten eine ideologische Bindung an Palästina gar nicht erst zu einem Hindernis werden. Tat­säch­lich erörterten sie bereits in den ersten Jah­ren nach Herzls Grün­dung der Zio­nis­ti­schen Weltorga­ni­sa­tion alternative Ko­lo­nisationsziele: U­ganda, Angola, Nord­afri­ka. 1903 akzeptierte Herzl einen Vor­schlag der britischen Regierung, Juden in Uganda anzusiedeln – eine Entscheidung, die in den zionistischen Reihen für Kontroversen sorgte. Herzls Tod 1904 setzte allen Siedlungsplänen außerhalb Palästinas ein Ende. Trotzdem stellte die Debatte um Alternativstätten für einen jüdischen Staat das zionistische Unternehmen in zweierlei Hinsicht bloß. Ersten zeigte sie, dass der politische Zionismus das Kolonisationsprojekt über jede 2000 Jahre währende Sehnsucht des jüdischen Volkes nach einer ‚Rückkehr‘ nach Palästina stellte. Zweitens enthüllte sie die von Anfang an bestehende Abhängigkeit des Zionismus von der Förderung seiner Siedlungspläne durch die europäischen Mächte.

Die frühen Zionisten machten kein Geheimnis aus ihrer Hoffnung, der jüdische Staat werde in Herzls Worten „Teil eines Bollwerks von Europa gegen Asien werden, ein Außenposten der Zivilisation gegen die Barbarei“. Herzls Schriften quellen über vor Lob für die führenden imperialistischen Mächte Europas. Er bewunderte die Diktatur des deutschen Kaisers: „Das Leben unter dem Schutz eines starken, großen, moralischen, hervorragend regierten und durchgreifend orgenaisierten Deutschland hat gewiss die heilsamste Wirkung auf den Nationalcharakter der Juden.“ 1902 schrieb er an Lord Rothschild, einen britischen Zionisten mit Verbindungen in die höchsten Kreise des britischen Staates: „Soweit habt ihr [das British Empire] immer noch Ellbogenfreiheit. Ja, Sie stehen bei ihrer Regierung sogar hoch im Kurs, wenn Sie den britischen Einfluss im Nahen Osten durch eine dauerhafte Ansiedlung unseres Volkes am strategischen Punkt stärken, an dem ä­gyp­tische und indo-persische In­te­ res­sen zusammenlaufen.“ Die zio­nis­tischen Gründerväter schwitz­ten förmlich einen proim­peria­lis­ti­schen Rassismus gegen die Men­schen Asiens und Afrikas aus, die sie für ‚rückständig‘ hielten.

Wladimir (Zeev) Jabotinsky

Als es an die Suche nach impe­ria­lis­ti­schen Förderern ging, hatten die Zionisten keine Skrupel mit je­dem Regime zu verhandeln, wie nie­der­träch­tig oder antisemitisch es auch war. Herzl selbst verhan­del­te um eine verstärkte jüdische Aus­wande­rung nach Palästina mit Vy­tscheslaw von Plehwe, dem In­nen­minister des russischen Zaren und Architekten eines der schlimm­s­ten Pogrome in der Geschichte, das 1903 in Kishinew im russischen Reich verübt wurde. Während des Ersten Weltkrieges schmeichelten sich die Zionisten beim britischen Imperialismus ein. Sie hofften, dass Britannien sie nach seinem Sieg über das osmanische Reich, das Palästina kontrollierte, belohnen würde. Ihr Ziel erreichten sie 1917 mit der Erklärung des Tory-Politikers Lord Balfour. Die Balfour-Erklärung sicherte die britische Unterstützung für „die Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk“ unter britischer Protektion zu. Dass Balfour Gesetze unterstützte, die jüdischen Einwanderern 1905 die Einreise nach Britannien verbot, störte die Zionisten nicht.
Die Balfour-Erklärung erwuchs aus den Gesprächen zwischen Britannien und Frankreich über die Aufteilung des osmanischen Reiches, die dem Ersten Weltkrieg folgten. 1915 schug der britische Kabinettsminister Herbert Samuel vor, Britannien solle ein jüdisches Protektorat in Palästina einrichten. Die Kabinettsmehrheit war gegen den Plan. „Nur merkwürdig, dass der einzig andere Verfechter dieses Planes Lloyd George ist, der sich, was ich eigentlich nicht erwähnen muss, einen feuchten Kehricht um die Juden, ihre Vergangenheit oder ihre Zukunft schert, aber denkt, eine Welle der Empörung könne sich erheben, wenn die Heiligen Stätten in den Besitz oder unter das Protektorat des ‚agnostischen und atheistischen Frankreichs‘ fallen“, schrieb Samuel. Dennoch erließ Britannien zwei Jahre später die Balfour-Erklärung. Was hatte sich im britischen Kalkül verändert? Ein Anhaltspunkt findet sich in der Tatsache, dass Britannien die Erklärung nur Tage vor der russischen Oktoberrevolution herausgab. Sowohl Britannien als auch die Zionisten sahen einen jüdischen Staat als imperialistisches Bollwerk gegen die Ausbreitung des Bolschewismus. Winston Churchill, damals ein Kabinettsminister der Tories erläuterte später die britischen Motive für das Nachgeben gegenüber den zionistischen Erwartungen: „Ein jüdischer Staat unter dem Schutz der britischen Krone […] wäre unter jedem Gesichtspunkt von Vorteil und stünde im Einklang mit den wahrhaftigsten Interessen des British Empire.“ Das ausschlaggebende Interesse war es, die Pläne des russischen Revolutionärs Leo Trotzki für das „Projekt eines weltweiten kommunistischen Staates unter jüdischer Herrschaft“ zu stoppen. Somit zeigte Churchill sich sowohl als eifriger Zionist als auch als fanatischer Antisemit.

Rechter und linker Zionismus

In der Balfour-Erklärung versprach Britannien den Zionisten sowohl Palästina als auch Transjordanien (das heutige Jordanien). Der Druck aus den arabischen Ländern zwang Britannien, das Versprechen im Fall Jordaniens 1922 zu brechen. Die etablierte zionistische Bewegung unter Führung David Ben-Gurions und Chaim Weizmans akzeptierte die britische Entscheidung. Später stimmten sie auch dem britischen Entschuss zu, die jüdische Einwanderung nach Palästina zu begrenzen. Dieser Umstand verursachte eine Spaltung in der zionistischen Bewegung, als der polnische Schrifsteller Wladimir Jabotinsky ge­gen Ben-Gurions und Weiz­mans Realpolitik protestierte. Ja­bo­tins­ky meinte, die Zionisten soll­ten an der Übernahme „beider Jor­dan­seiten“ festhalten und den Einschränkun­gen Britanniens die Stirn bieten. Zur Beschwichtigung der arabischen Meinung bezeich­ne­te die Zionistische Weltorgani­sa­tion ihre Kolonie in Palästina als „Heim­stät­te“. Aber Jabotinsky ver­lang­te, die Zionisten sollten ihr Ziel, die Errichtung eines jüdi­schen Staates in Palästina, offen aus­spre­chen. Jabotinskys Programm lief auf eine Revision der Stra­te­gie der Zionistischen Welt­or­gani­sa­tion hinaus, womit er seinen An­hän­gern innerhalb der zionistischen Bewegung die Bezeichnung ‚Revisionisten‘ einhandete.

In seinem Aufsatz Die eiserne Mau­er von 1923 schrieb er unverblümt:

„Für Palästina können wir keine Abfindung entrichten, weder an die Palästinenser noch an die Araber. Deshalb können wir keine freiwillige Ver­ein­ba­rung erzielen. Selbst die ein­ge­schränk­tes­te Kolonisierung muss dem Willen der Einheimischen zum Trotz fortgesetzt werden. Daher kann sie nur unter dem Schild der Gewalt fort­ge­setzt und entwickelt werden, der aus einer eisernen Mauer besteht, die die lokale Bevölkerung niemals durch­brechen kann. Das ist unsere Araberpolitik. Jede andere Formulierung wäre Heuchelei.“

Jabotinsky stellte die erste große Bedrohung für die Vorherrschaft der Ideologie des ‚Arbeiterzionismus‘ in der zionistischen Hauptströmung dar. Der Arbeiterzionismus, der seine Wur­zeln auf die Poale Zion-Bewegung am Anfang des 20. Jahrhunderts zurückführte, dominierte alle wesentlichen Einrichtungen des Zionismus und die Yishuv, die jüdische Siedlergemeinde in Palästina. Wenn der Bund die Sozialisten vertrat, die dem Nationalismus nachgaben, dann repräsentierte der Arbeiterzionismus die Nationalisten, die sozialistisch klingende Rhethorik benutzten, um Anhänger aus den wirklich sozialistischen Parteien zu rekrutieren.

Die für den Arbeiterzionismus bezeichnenden Institutionen im vorstaatlichen Palästina waren die ‚Gewerkschaft‘ Histadrut (der Allgemeine Arbeiterverband im Land Israel) und die Kibbuzim, ein Netzwerk kommunaler Siedlungen, die schon öfter mit utopisch-sozialistischen Gemeinden verglichen wurden. Beide Einrichtungen wurden im Staat Israe beibehalten. Viele Israelanhänger benutzen sie als Zeugnis für die Existenz eines ‚Sozialismus‘ im zionistischen Unternehmen. Aber sie bilden nur einen weiteren Teil der zionistischen Geschichte, in dem die Mythen mit der Realität kollidieren.

Bei ihrer Gründung beschränkte die Histadrut ihre Mitgliedschaft strikt auf jüdische Arbeiter. Erst 1960 gestattete sie palästinensischen und arabischen Bürgern Israels offiziell den Beitritt. Ein Jahr nach ihrer Gründung besaß sie Unternehmensbeteiligungen und eine Bank. Das Kapital für diese Unternehmen stammte nicht von den ursprünglich 5.000 Mitgliedern, sondern von der jüdischen Behörde der internationalen zionistischen Bewegung. Mit anderen Worten, die Hista­drut lebte (und lebt auch weiterhin) von ihrer Rolle als Investitionskanal für den Weltzionismus. Die Hista­drut bildete das Rückgrat für den jüdischen „Staat in der Warteposition, kontrollierte den Hauptstrom der zionistischen Siedlungsprojekte, die wirtschaftliche Produktion und den Handel, die Beschäftigung von Arbeitern und mit der Haganah auch die Verteidigung.“ Einer ihrer ersten Führer (der spätere israelische Verteidigungsminister) Pinhas Lavon beschrieb sie auf folgende Weise: „Unsere Histadrut ist durch und durch eine allgemeine Organisation. Sie ist keine Gewerkschaft, obwohl sie sich perfekt mit den Bedürfnissen der Arbeiter deckt.“

Auch die Kibbuzim beschränkte ihre Mitgliedschaft ausschließlich auf Ju­den. Kibbuzland verstand sich als Eigentum ‚der Nation‘, das im vorstaatlichen und israelischen Recht als Besitz des ‚jüdischen Volkes‘ definiert wurde. Deshalb kann kein Araber darauf hoffen, einmal einem Kibbuz beizutreten. Mehr noch, in der vorstaatlichen Periode diente die Kibbuzim als militärische Angriffsbasis im zionistischen Be­sied­lungsplan. Die „strategischen Über­legungen, die dem zionistischen Sied­lungsprojekt zugrunde lagen, entschie­den weitestgehend über das Schick­­­sal vieler Regionen des Landes“, weil die Milizabteilungen der Haganah die Palästinenser von Kibbuzlagern aus angriffen.

Bis 1977, als der nach eigener Bezeichnung Terrorist Menachem Begin Israels erster revisionistischer Premierminister wurde, repräsentierten die Arbeiterzionisten in der Sicht der meisten Menschen den ‚Zionismus‘. Aber die Arbeiterzionisten – die zionistische ‚Linke‘ – und die Revisionisten – die zionistische ‚Rechte‘ – unterschieden sich eher in ihren Mitteln als in ihren Zielen. Beide kämpften für einen ausschließlich jüdischen Staat. Wie die südafrikanischen Herrscher unter der Apartheid waren die Revisionisten willens, die einheimische Bevölkerung einzusetzen. Die Arbeiterzionisten versuchten, die palästinensischen Arbeiter durch jüdische zu ersetzen. Beide suchten die Unterstützung des Imperialismus. Die Arbeiterzionisten wandten sich an den britischen Imperialismus, die Revisionisten machten Italien und dem deutschen Faschismus Avancen.

Die Kolonisierung Palästinas

Die Zionisten versuchten, sich einzureden, Palästina sei ein unbewohntes Land. Nun wohnte in der osmanischen Pro­vinz aber seit 1.300 Jahren eine mos­le­misch-arabi­sche Mehrheit – Seite an Seite mit Juden und Christen. 1882 beheimatete Palästina eine Bevölkerung von 24.000 Juden und 500.000 Ara­bern. 1922, nach mehr als zwei Jahr­zehnten zionistisch geförderter Besiedlung, hatte das Land eine Bevölkerung von fast 760.000 Menschen, 89 Prozent von ihnen palästinensische Araber.

Die Zionisten erwarben in den 20er Jahren Land – und einen Brückenkopf in Palästina – von abwesenden arabischen Landbesitzern. In den 30er Jahren verkauften reiche Palästinenser ihre Grundstücke an die Zionisten. Es waren keine einzelnen jüdischen ‚Pioniere‘, die das Land kauften. Zionistische Organisationen wie der Jüdische Nationalfonds erwarben Boden, um eine Basis für die jüdische Besiedlung des Landes zu schaffen. Die Zionisten vertrieben die palästinensischen Bauern von ihrem Land und zwangen sie so in die Armut. Die britischen Behörden gewährten den Zionisten privilegierten Zugang zu Wasser und anderen wichtigen Ressourcen.

Nach ihrer Niederlassung in Palästina begaben die Zionisten sich unter den Augen der britischen Mandatsbehörden an den Aufbau einer separaten jüdischen Wirtschaft und Regierung. Ihre Wirtschaftspolitik nannten sie die ‚Eroberung von Land und Arbeit‘, eine blumige Umschreibung für den Ausschluss der Palästinenser vom Wirtschaftsleben des Landes. Unter der Parole ‚jüdisches Land, jüdische Arbeit, jüdische Waren‘ vertrieben die Histadrut, die Kibbuzim und die Moshavim (land­wirt­schaftliche Genossenschaften) die Palästinenser aus ihrer Arbeit und von ihrer Lebensgrundlage. Histadrut-Mitglieder betätigten sich als Schlägertrupps gegen Palästinenser:

„Histadrut-Mitglieder bezogen Posten vor jüdischen Plantagen, um zu verhindern, dass arabische Arbeiter eine Stelle bekamen. Aktivistentrupps stürmten die Marktplätze und gossen Kerosin über Tomaten aus arabischen Gärten oder warfen Eier kaputt, die Jüdinnen von ihren arabischen Händlern gekauft hatten.“

Die Palästinenser kämpften gegen ihre Zwangsenteignung an. 1936 lancierten palästinensische Organisationen einen Generalstreik gegen ihre zunehmende Armut, die Zionisten und die britischen För­derer des Zionismus. Der Streik und wieder­hol­te bewaffnete Auf­stän­de sollten noch drei Jah­re andauern, ehe sie un­ter dem Gewicht der zio­­nis­­ti­schen und briti­schen Unterdrückung zu­­sam­­men­­bra­­chen. Die Rol­­le der Zionisten in der palästinensischen Re­vol­­te zeigte deutlich, dass der Arbeiterzionis­mus nichts mit echter Arbeitersolidarität ge­meinsam hatte. Die His­­tadrut organisierte Streik­bre­cher gegen die Ar­beits­niederle­gung. Sie kollaborierte mit den Briten, um ara­bi­sche Streikende im Ha­fen von Hai­fa und bei der palästinensi­schen Ei­­sen­­bahn durch jüdi­sche Arbeiter zu er­­set­zen. Für die Zer­schlagung des palästi­nen­si­schen Aufstandes bewaffneten die Briten sogar die zionistischen Milizen. „Mit zwei Di­vi­sio­nen, Luftgeschwa­dern, der Polizeigewalt, den transjordanischen Grenztruppen und 6.000 jüdischen Hilfs­soldaten, waren die britischen Kräf­te den palästinensischen zehn zu eins überlegen.“ Trotzdem waren drei Jahre zur Zerschlagung der Revolte notwendig.

Die Intensität des Aufstandes erklärt sich aus der Deutlichkeit, mit der sich die zionistische Bedrohung für Palästina in den 30er Jahren abzeichnete. Tausende Juden auf der Flucht vor ihrer Verfolgung in Zentral- und Osteuropa – denen Britannien, die USA und andere westliche Länder die Einreise verweigerten – machten sich auf den Weg nach Palästina. Zwischen 1931 und 1945 schwoll die jüdische Bevölkerung Palästinas von 174.000 auf 608.000 Menschen an. Während Juden vor der israelischen Staatsgründung 1948 nur ein Drittel der Bevölkerung ausmachten, bildeten sie dennoch eine gut bewaffnete und mächtige Minderheit. Und mit der Zunahme der jüdischen Bevölkerung nahmen auch die zionistischen Provokationen gegen die Palästinenser zu.

Der Weg nach al-Nakbah

Ohne den Holocaust wäre der Staat Israel wohl nie gegründet wor­den. Die Zionisten rekrutier­ten Einwanderer für den israeli­schen Staat aus den Tausenden Ho­lo­caust­überlebenden, deren eu­ro­pä­i­sche Gemeinden ver­nich­tet waren. Wohl noch wich­ti­ger, der Holocaust bot eine über­zeu­gen­de Rechtfertigung für einen jüdischen Staat. Er be­wies, dass Gois von Natur aus antisemitisch seien, so die Argu­men­ta­tion der Zionisten. Juden, die in Goi-Gesellschaften lebten, dro­he daher ständig die Gefahr der Vernichtung. Gegen Ende des Krieges stimmten die meis­ten Juden den Zionisten zu. Mehr noch, die physische Auslö­schung alternativer jüdischer Strömungen innerhalb der jüdischen Gesellschaft durch die Nazis erhöhte die Unterstützung des Zionismus. Während die Nazis wäh­rend der 30er und 40er Jahre bereitwillig mit den Zionistenführern verhandelten, sorgten sie für die Ermordung jedes Kommunisten, Sozialisten oder jüdischen Widerstandskämpfers, den sie in die Hände bekamen.
Der Krieg zwang die Briten, einen Großteil ihres Empires einschließlich Palästina zu evakuieren. Britannien überließ den Vereinten Nationen (UN) die Aufgabe, das Schicksal Palästinas zu entscheiden. Im November 1947 stimmten die UN einem Teilungsplan zu. Dieser Plan garantierte den Zionisten die Kontrolle über 55 Prozent des Landes (obwohl sie nur ein Drittel der Landesbevölkerung repräsentierten). Der palästinensischen Mehrheit überließ man 45 Prozent ihres eigenen Landes. Jerusalem sollte eine ‚internationale Stadt‘ werden, die Juden, Christen und Moslems freien Zutritt gewährte.

In der Öffentlichkeit akzeptierten die Zionistenführer den UN-Teilungs­plan. Unter sich bereiteten sie einen Militärschlag zur Eroberung von soviel Land wie nur möglich vor. Judah L. Magnus, Präsident der Hebräischen Universität Jerusalem und Vertreter einer binationalen arabisch-jüdischen Staatenlösung, erklärte die zionistische Logik von 1947:

„Wenn überhaupt, kann man einen jüdischen Staat nur durch Krieg erzielen […] Mit einem Araber kann man über alles reden, aber nicht über einen jüdischen Staat. Das liegt in der Natur der Sache, den ein jüdischer Staat läuft darauf hinaus, dass Juden andere Menschen regieren werden, die in diesem Staat leben. Jabotinsky wusste das schon vor geraumer Zeit. Er war der Prophet des jüdischen Staates. Jabotinsky wurde geächtet, verflucht und verbannt. Aber nun müssen wir einsehen, dass die gesamte zionistische Bewegung seine Ansichten übernommen hat“.

Wie Magnus vorausgesehen hat, vereinigten sich zionistische ‚Rechte‘ und ‚Linke‘, um das Land an sich zu reißen. Sie setzten Terror, psychologische Kriegsführung und Massaker ein, um den Palästinensern Angst einzuflößen. Im bekanntesten Gemetzel haben die revisionistische Irgun und die Milizen der Kämpfer für die Freieheit Israels – deren Führer die späteren israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin und Jitzhak Shamir waren – das gesamte palästinensische Dorf Dir Yassin ermordet. Die Kommandos „stellten Männer, Frauen und Kinder in einer Reihe an eine Wand und erschossen sie“ laut einem Bericht des Roten Kreuzes über das Blutbad. Nach Dir Yassin setzten die Zionisten die Androhung weiterer Massaker ein, um die Menschen zur Flucht aus ihren Häusern zu treiben – einschließlich der Bewohner von Städten wie Haifa und Jaffa.

Der israelische Militärkommandant Jitzhak Rabin überwachte die Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung von Lydda. Er beschrieb das Ereignis:

„Jigal Allon fragte Ben-Gurion, was mit der Zivilbevölkerung geschehen solle. Ben-Gurion schwang seine Hand in einer Geste des ‚Jagt sie raus‘. Der Begriff ‚Rausjagen‘ klingt brutal. Psychologisch war das eine unserer schwierigsten Aktionen. Die Bevölkerung Lyddas ging nicht freiwillig. Es gab keine Möglichkeit, den Einsatz von Gewalt und Warnschüssen zu vermeiden, um die Einwohner die 15 oder 25 Kilometer zu jenem Punkt in Gang zu setzen, an dem sie auf die arabische Legion treffen würden.“

Jahrelang machte die zionistische Geschichtsschreibung bestimmte ‚Fakten‘ für den Krieg von 1948 geltend: das kleine Israel habe einer überwältigenden arabischen Feuerkraft gegenübergestanden, die Palästinenserführer hät­ten die Palästinenser zum Verlassen des Landes aufgefordert, es habe kei­nen zionistischen Plan zur Vertreibung der Palästinenser gegeben, die Pa­lästinenser hätten eine Teilung abgelehnt und den Krieg begonnen. Nun hat die neuere Geschichtsforschung – die sich auf streng geheime Akten des israelischen Verteidigungsministeriums stützen konnte – all diese Behauptungen allerdings als Lügen entlarvt. Als der Krieg beendet war, hielten die Zionisten 77 Prozent von Palästina besetzt, einschließlich 95 Prozent der für Landwirtschaftschaft bestens geeigneten Grundstücke. Der israelische Staat hatte 80 Prozent von privatem Palästinenserland gestohlen. Über 750.000 Palästinenser waren aus ihren Häusern vertrieben, in die nun Juden einzogen. Die palästinensische Gesellschaft war vernichtet. Aus diesem Grund nennen die Palästinenser das Geschehen von 1948 al-Nakbah (‚die Katastrophe‘).

1949 begrüßte ein Kibbuz Mitglieder der ‚sozialistischen‘ Hashomer Ha­zair aus den USA und Kanada zur Besiedlung eines 1948 eroberten palästinen­si­schen Dorfes. Die erste Aktion des Kibbuz war die Zerstörung der Dorf­mo­schee. Ein Hashomer-Mitglied schrieb in sein Tagebuch: „Das musste ge­tan werden. Das Bewahren des Sym­bols eines Volkes, das sich bei nüchter­ner und unsentimentaler Betrachtung als unser erbittertster Feind erwiesen hat und dem wir die Rückkehr niemals ge­stat­ten würden, wäre sinnlos gewesen. Nun ist es eine Ruine, und dennoch sind sich die meisten von uns einig, dass es so besser ist. Die armseligen Hütten, der Dreck, die mittelalterli­che Athmosphäre – sie sind größtenteils verschwunden. Bringt die Bulldozer und lasst uns Bäume pflanzen.“

Auf dem Fundament von Krieg und Mord wurde der israelische Staat errichtet. Der Zionismus hatte sein lang ersehntes Ziel erreicht – einen jüdischen Staat. Aber wie die hundertjährige Geschichte des politischen Zionismus und die sechzigjährige Geschichte des Staates Israel zeigen, gibt es zum Feiern keinen Grund. Mitglieder der Sozialistischen Organisation Israels, einer revolutionär-sozialisti­schen Organisation, drückten das 1972 am besten aus:

„Der Zionismus hat das nationale Erwachen und brüderliche Solidarität versprochen; erzeugt hat er eine Gesellschaft zunehmender Ungleichheit, rassistischer Diskriminierung und kultureller Unterdrückung. Der Zionismus hat Unabhängigkeit versprochen; zustande gebracht hat er eine Gesellschaft, in der der Ministerpräsident dem Volk gegenüber regelmäßig betonen muss, dass die Existenz der Nation von der Lieferung der nächsten 50 oder 100 Phantom-Jets aus den USA abhängt […] Der Zionismus versprach den Juden physische Sicherheit; heute ist Israel für Juden der gefährlichste Ort auf der Welt, und das wird er solange bleiben, wie die israelisch-jüdische Gesellschaft ihren Kolonialcharakter und ihre Funktion als imperialistisches Werkzeug beibehält.“

Quelle: http://www.linkezeitung.de/

Die Milizen der Parteien Hisbollah und Amal entmachten Siniora und Hariri. Beirut: Der Umsturz begann (wie so vieles ausser in Deutschland) mit einem Generalstreik der Gewerkschaften gegen die miesen Lebensbedingungen der Libanesen unter einer bis ins Mark von Korruption zerfressenen Regierung, die bis gestern von Saad Hariri kontrolliert wurde, welcher nach dem plötzlichen Tod seines Vaters am 14.Februar 2005 Milliardär geworden war. Der Ablauf der Geschehnisse seit Dienstag..

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Islamische Bewegung-kein Monopol

Wir,die wir uns erhoben haben,taten dies für den Islam.Unsere Republik ist eine Islamische Republik.Die Islamische Bewegung kann nicht nur auf ein bestimmtes Land beschränkt sein.Auch nicht nur auf die islamische Welt.Eine Bewegung, die um des Islam willen erfolgt.ist die Bewegung der Propheten.Auch sie, die Bewegung der Propheten,war nicht auf ein Gebiet begrenzt.Der Prophet des Islam stammte aus Arabien,seine Einladung aber erging nicht nur an die arabische Bevölkerung,war nicht nur auf die arabische Halbinsel beschränkt,sondern meinte alle,die gesamte Welt.

Ihn überall verwirklichen

Schreitet auf dem Weg des Islam einher, und setzt euch für ihn ein.Damit das Schahadat auf seinem Wege zuteil wird.Und sollten wir - In Scha´Allah - obsiegen,zum Erstarken und Sieg des Islam beitragen und überall,wo auch immer, erhobenen Hauptes sein und in allen Ländern,in allen Teilen der Welt,den Islam verwirklichen und sein Banner aufrichten können.

Islam-Ein Recht aller

Ich hoffe,dass wir das Banner des Islam - das Banner der Islamischen Republik - in allen Teilen der Welt aufrichten können und sich alle dem Islam,der ein Recht aller ist, anschliessen werden. Imam Ayatollah Ruhollah Al Musavi Al Khomeini

Boycott Zionism

Smash Zionism

Widerstand gegen Zionismus,Zionisten und deren Unterstützern!

Boycott Israel

Widerstand macht Sinn

"Wenn die Zionisten die Waffen niederlegen und sich hinter die Grenzen von 1967 zurückziehen wird es Frieden geben. Wenn der palästinensische Widerstand die Waffen niederlegt wird es niemals ein freies, unabhängiges Palästina geben." Ahmed Ibn Fahdlan in Tehran.

Revolution I

"Without a revolutionary theory there cannot be a revolutionary movement"

Revolution II

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"Also wenn wir den Krieg nicht gewinnen was haben wir dann von der Ideologie? Also ich meine, das ist doch nicht einfach irgendetwas aus einem Buch. Eine Ideologie ist doch etwas praktisches, muß doch etwas lebendiges, etwas für Menschen sein!"

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