Diktator Musharaf ist nicht mehr Wunschkandidat der USA in Pakistan. Also hat er jetzt abzutreten! Doch er kämpft wie ein angeschossenes Tier mit Bombenanschlägen um seine Herrschaft. In diesem Kontext wurde jetzt auch Präsidentschaftskandidatin Bhutto ermordet.

Seit einiger Zeit haben die USA ihren eigenen Gefolgsmann, den pakistanischen Präsidenten Musharaf fallen gelassen. Musharaf führt privat einen amerikanischen Lebensstil: Squash, Sportwagen, Golf und das Statusgehabe als Armeechef. Er galt als „engster Verbündeter“ im Kampf gegen den Terrorismus der „Al Quiada“, die selbst ein Kunstprodukt der USA ist.
Musharafs Armee wurde mit amerikanischen Waffen hochgerüstet und diese nahmen sich im Gegenzug was sie brauchten: große Teile des pakistanischen Geheimdienstes ISI ist von den USA dominiert und sie finanzierten damit Terrorgruppen, unter anderem auch Mohammed Ata, der von den USA als einer der Terrorpiloten vom 9/11 nur Stunden nach dem Attentat genannt wird.
Diese Beteiligung erhält jetzt erneute Aktualität durch die Vernichtung von Verhörvideos der CIA. Nach den Recherschen von Gerald Posner ist auf den Verhören s.g. Top-Terroristen wie Zacarias Moussaoui auch von ihnen zu hören, wer die Hintermänner des Terrors sind, wer das ganze Geld für die Anschläge wie dem 9/11 bereitgestellt hat ( http://www.huffingtonpost.com/gerald-posner/the-cias-destroyed-inter_b_75850.html).

Der Fall Musharafs, Drohung der USA Pakistan in die Steinzeit zu bomben

Musharaf weiß 2006, dass die USA sein Ende eingeleitet haben und er reagiert wie ein angeschossenes Raubtier. Gründe für die Abkehr der USA gibt es viele. Musharaf kann es sich innenpolitisch nicht leisten die Dörfer an der Grenze zu Afghanistan für Massenbombardements der USA und Nato freizugeben. Denn Pakistan ist in erster Linie ein islamisches Land, die Abtrennung von Indien und die Gründung von Pakistan erfolgte im Namen des Islam. Aus den gleichen Gründen lehnte er einen Krieg gegen Iran an der Seite der USA ab. Insgesamt ein unzuverlässiger Kandidat.
Der endgültige Bruch mit den USA markiert ein Interview, dass er im September 2006 gab. Die USA hätten Pakistan zu einer Koalition „gegen den Terrorismus“ gezwungen. Andernfalls solle sich Pakistan darauf einstellen, bombardiert und „in die Steinzeit zurückgeschickt zu werden“. Die Drohung sei von US-Vize-Außenminister Richard Armitage gegenüber seinem Geheimdienstdirektor ausgesprochen worden, sagte Musharraf (http://www.focus.de/politik/ausland/musharraf_aid_116021.html).

Der erste Versuch: Kandidat Nawaz Sharif

Ziel der USA ist es, einen ihrer eigenen Kandidaten zum Präsidenten in Pakistan zu machen. Dazu wurde zunächst Nawaz Sharif ins Rennen geschickt. Sharif mußte nach dem Putsch 2000 für zehn Jahre nach Saudi-Arabien ins Exil gehen. Dafür wurden die Vorwürfe hinsichtlich Korruption und Vetternwirtschaft gegen ihn aufgehoben und er musste keine langjährige Haftstrafe antreten, zu der er zuvor verurteilt wurde.
Sharif gilt als Mann der USA, nachdem er auf ihr Drängen einen Truppenrückzug aus Kashmis befehligte, nachdem er bereits erfolgreich in den Punjab eingedrungen war und sich dort an zahlreichen strategisch wichtigen Stellen festsetzte. Die „Erklärung von Washington“ zwischen Sharif und Clinton kann man heute noch nachlesen (http://www.pmln.org.pk/washingtondec.php).
Nach dem Exil gelang mit Hilfe der USA, Sharif von Saudi-Arabien nach London zu bringen und ihn dort mit viel Geld auf seinen nächsten Einsatz als Präsident von Pakistan vorzubereiten. Teure Anwälte wurden in Pakistan bemüht und sie erreichten, das Sharif im August dieses Jahres vom Obersten Gerichtshof grünes Licht erhielt, in Pakistan wieder einzureisen und sich als Präsidentschaftskandidat in Szene zu setzen. Doch er wurde bei seiner Einreise direkt am Flughafen verhaftet, wurde aber später wieder freigelassen.

Der zweite Versuch: Benazir Bhutto


Sie studierte an den angloamerikanischen Eliteuniversitäten Havard und Oxford, wurde zweimal Regierungschefin und mußte zweimal wegen Korruption zurücktreten und ins Exil gehen. Diesmal zu den britisch dominierten Vereinigten Emiraten. Die Familie Bhutto gehört zu den reichsten Clans in Pakistan und kämpfte mit allen Mitteln – einschließlich Mord – um Macht und Einfluß.
In einer thriumphalen Schau, von dem Medien in alle Welt getragen, feierte Sie – mit einem Lorbeerkranz an ihrem Arm – dieses Jahr ihr Comeback. Mit viel Geld wurde der Eindruck in Szene gesetzt, hier würde eine Befreierin zur Errettung des Volkes am Flughafen landen und mit ihrem Thriumpfzug schon ihren Sieg als zukünftige Präsidentin außer Frage stellen.
Doch der putscherfahrene Musharaf schlägt bauernschlau zurück: Bereits im Vorfeld wird der Geheimdienst ISI gesäubert, Bhutto-Freund Pervez Ashfaq Kiani wird als ISI-Chef abgesetzt. Gleichzeitig trifft Musharaf eine Abmachung mit Bhutto um die Teilung der Macht. Zum anderen gibt es mit dem ersten Bombenanschlag und dem Hausarrest für Bhutto das Signal an sie und die USA, dass er freiwillig seine Macht nicht abgeben wird.
Am 8. November 07 schreibt die konservative Zeitung „die Welt“: Bhutto sucht den offenen Machtkampf mit Musharaf (http://www.welt.de/welt_print/article1341583/Bhutto_sucht_den_offenen_Machtkampf_mit_Musharraf.html).
Und am 15. November schreibt der Spiegel „USA planen ohne Musharaf“ ( http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,517490,00.html).
Der Bündnispartner Großbritannien fordert Musharaf auf, als Armeechef zurückzutreten. Bhuttos Partei gewinnt an Popularität und so muß Musharaf fürchten, bei der für Januar angekündigten Wahl zu verlieren. Auch nach dem ersten Bombenanschlag und Hausarrest sah sie sich dem gleichzeitigen kompromißlosen Kampf gegen Musharaf, gegen Islamisten und auch gegen Nawaz Sharif gewachsen und plante eine groß angelegte Wahlkampftour über Land. Ein tödlicher Irrtum.

Die Entdeckung der Menschenrechte in Pakistan

Jetzt werden plötzlich in den westlichen Medien die undemokratischen Züge der pakistanischen Diktatur aufgegriffen.
Die Guantanamo-Betreiber geben vor, welche Menschenrechtsverletzungen und Demokratiedefizite in anderen Ländern für die breiteren Bevölkerungsschichten vermittelt werden sollen. Und natürlich muß der „ewige Krieg“ gerechtfertigt werden. Und so haben wir dann heute in den Mittagsmagazinen bei ARD und ZDF die Meldung, dass sich „Al Quida“ zur Ermordung Bhuttos bekannt hat. Also noch aus der schlechten Nachricht für die Nato eine gute machen und ihre Ermordung als Argument für mehr Bomben gegen die an Einfluß gewinnenden Taliban nutzen.
Selbst Joschka meldet sich zu Wort: Musharaf destabilisiere die Region! Und wenn die Grünen zur „Stabilisierung“ aufrufen, könnte es sein, dass es mehr Aufgaben für deutsche Soldaten zur Verteidigung von „Demokratie und Menschenrechten“ gibt.

Werbeanzeigen