Die scheinbar unaufhörlichen Verbalattacken des iranischen Präsidenten stürzen die westlichen Regierungen von einer Verlegenheit in die nächste, aber hört ihm auch jemand zu?

Die westlichen Medien nutzen derzeit jedes Wort des Präsidenten der Islamischen Republik Iran, um es ihm im Mund umzudrehen und ihn als angeblichen „Antisemiten“ darzustellen. Dabei werden u.a. sehr subtile „Übersetzungsfeinheiten“ genutzt, um ihn zu diskreditieren.

Willkürlich werden Einzelsätze aus einer Gesamtrede herausgerissen und durch „geeignete“ Übersetzung in die „richtigen Bahnen“ gelenkt. So hat der Präsident u.a. gesagt:

„Sie haben einen Mythos im Namen des Holocaust geschaffen und schätzen diesen höher als Gott, die Religion und die Propheten“.

In einigen Übersetzungen hingegen liest man:

„Sie haben einen Mythos unter dem Namen des Holocaust geschaffen und schätzen diesen höher als Gott, die Religion und die Propheten“.

Im korrekten Übersetzungsfall wird das Massaker an Juden nicht geleugnet aber dessen übertriebener Missbrauch verurteilt (vgl. dazu „Die Holocaust-Industrie“ von Finkelstein, worin es detailliert dargelegt wird!), im falschen Übersetzungsfall folgt eine Leugnung des Holocaust, was im Widerspruch dazu stehen würde, die geforderten Konsequenzen zu tragen, aber dem Bild entsprechen würde, welches man gerne vermitteln will.

Allerdings ist das künstlich geschaffene antisemitische Bild schon allein dadurch rissig, dass Iran das einzige Land der Erde ist, in dem Juden über verfassungsmässig garantierte Rechte und gesicherte Parlamentssitze verfügen! Nicht einmal Israel kann das vorweisen, da es keine Verfassung hat.

Die Reaktion der zionistischen und pro-zionistischen Organisationen in Deutschland waren entsprechend dem übermittelten Bild auch reflexartig vorprogrammiert. Der Vorsitzende des Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Bundeskanzlerin persönlich angerufen und sie zur Einstellung der diplomatischen Beziehungen zum Iran aufgefordert und Sharon hat gleich mit seinem Militär gedroht. US-Außenministerin Rice fordert die Staatengemeinschaft auf, das „Problem“ Iran zu „lösen“. Die Steigerungsformen von „Verurteilungen“, „Zurückweisungen“ und „Belastungen“ von Beziehungen werden neu erfunden.

So extrem leicht berechenbar die Reaktionen der westlichen Welt sind, so schwer fällt es ihr, die Worte von Herrn Ahmadinejad und die Motive dahinter zu verstehen. Zunächst wurde er als „Radikaler“ bis hin zu „Verrückter“ erklärt. Als das nicht mehr ausreichte, wurden seine angeblichen innenpolitischen Probleme hervorgehoben, die er angeblich durch außenpolitische Ablenkungen zu kaschieren sucht. Als aber jene „Probleme“ ausgerechnet in dieser Zeit gelöst wurden, wurde sogar ein Putschmärchen gegen ihn erfunden und seine angebliche Gegnerschaft gegen das geistige Oberhaupt Imam Khamene’i usw. usw.. Nicht zuletzt wurde dem (gegen den Willen der westlichen Herrscher) vom iranischen Volk gewählten Präsidenten der fehlende Rückhalt im Volk bescheinigt durch „überzeugende“ Argumente von „intellektuellen“ Iranern, die so extrem intellektuell sind, dass sie lieber an westlichen Universitäten lehren als in ihrer Heimat. Man hätte es auch einfacher haben können, wenn alle westlichen Politiker und Journalisten zusammen mit ihren „Experten“ sich hingestellt hätten und zugegeben hätten,dass sie nicht die Bohne verstehen!

Helfen wir daher jenen „Experten“ etwas in ihren Spekulationen und spekulieren wir mit.

Eine mögliche Vermutung aus islamischer Sicht könnte sein, dass Ahmadinejad weiß, dass der Erlöser Imam Mahdi sehr bald kommt und er daher so mutig ist, weil er sich auf der Seite der Wahrheit wähnt. Von den großen „Zeichen“ fehlt eigentlich nur noch, dass die Sonne im Westen aufgeht. Und gerade heute hat sogar die Bild-Zeitung davon berichtet, dass die Erdmagnetumpolung unmittelbar bevorstehen könnte. Allerdings ist zu bezweifeln, dass das Erdmagnetfeld sich von der Bild-Zeitung beeinflussen lässt – selbst wenn es viele andere tun – so dass diese Begründung eher unwahrscheinlich ist.

Ein weitere Vermutung könnte sein, dass der Iran sich inzwischen so stark fühlt, dass er die Vorherrschaft in der Region anstrebt und dabei eine Auseinadersetzung mit Israels geradezu „erwünscht“ wäre. Aber der Iran hat seit seiner Revolution vor 26 Jahren noch nie jemanden angegriffen und das würde auch der Ideologie des Staates absolut widersprechen! Atomwaffen hin oder her, Iran weiß zu gut, dass sie niemals Atomwaffen in der Region einsetzen könnten, ohne sich selbst auf Jahrzehnte zu verseuchen! Der Iran hat ja noch nicht einmal mit Chemiewaffen zurückgeschossen, als Saddam mit massiver Unterstützung der westlichen Welt Iraner und Iraker zugleich vergast hat! Aber auch Israel weiß zu gut, dass es in der Region niemals Atomwaffen einsetzen kann, ohne Israel selbst unbewohnbar zu machen. Daher sollten die Europäer sich einmal Gedanken darüber machen, wer mehr von dem Atomwaffenarsenal Israels bedroht ist! Und konventionell werden sie den Iran nicht angreifen, weil das ihr eigenes Ende bedeuten würde. Nein auch diese Spekulation hilft nicht weiter, um die Worte Ahmadinejads zu verstehen.

Wie wäre es aber einmal wirklich auf die eigenen Worte jenes so „gefährlichen“ Präsidenten zu hören?

„Wenn (aber) eure Zivilisation Aggressionen gegen unschuldige Völker, Unterdrückung der Stimmen für Gerechtigkeit und die Ausweitung von Armut zum Nutzen des Wohlstandes in euren Ländern einschließt, dann hassen wir eure Art von Zivilisation.“

Wo sind eigentlich die Altsechziger? Wo ist eine idealistische Jungend von heute, die sich über 30.000 Hungertote jeden Tag des Herrn in dieser Welt aufregt? Wo sind die Idealisten, die den Kapitalismus für seine systembedingten Verbrechen verdammen? Wo ist Gerechtigkeit oder zumindest Recht, das sich gegen Ausbeutung und Besatzung wehrt?

Die westliche Welt hat sich an all die Verbrechen in dieser Welt gewöhnt. Sie hat sich an 60 Jahre Besatzung in Palästina gewöhnt. Sie hat sich an die Besatzungs- und Ausbeutungsfeldzüge der USA überall in der Welt gewöhnt. Sie hat sich an 30.000 Hungertote jeden Tag gewöhnt (auch ohne Erdbeben und Tsunami). Sie hat sich an Unterdrückung der Armen entweder direkt oder durch eingesetzte Despoten gewöhnt. Sie hat sich daran gewöhnt, dass sie mehr von den Bodenschätzen in der Welt profitieren, als die Völker, denen sie gehören. Sie hat sich an CIA und Mossad gewöhnt, obwohl es die größten Terrorverbreiter der Welt sind. Und sie hat sich an Bush und Sharon gewöhnt, obwohl sie vor ein Kriegsverbrechertribunal gehören! Und vor allem hat sie sich daran gewöhnt, dass kaum ein führender Politiker dieser Welt sich dagegen wehrt!

Und ein System, dass nur noch auf „Gewöhnung“ basiert, reagiert mehr als schockiert, wenn die „Gewöhnung“ durchbrochen wird. Der Schlaf war doch so süß! Wer will schon aufwachen? Da steht aber ein Staatspräsident auf und sagt:

„Wenn (aber) eure Zivilisation Aggressionen gegen unschuldige Völker, Unterdrückung der Stimmen für Gerechtigkeit und die Ausweitung von Armut zum Nutzen des Wohlstandes in euren Ländern einschließt, dann hassen wir eure Art von Zivilisation.“

Und was machen die Oberhäupter der westlichen Welt? Sie sind schockiert! Dabei wäre die Antwort doch ganz einfach. Man bräuchte doch nur zu sagen:

„Nein, unsere Zivilisation ist keine Aggressionen gegen unschuldige Völker und wir wehren uns gegen jene Aggressionen! Wir sind nicht für die Unterdrückung der Stimmen für Gerechtigkeit, wir wollen Meinungsfreiheit in allen Bereichen! Und die Ausweitung von Armut ist unmenschlich, wir sind bereit auf einen Teil unseres Wohlstandes zu verzichten zum allgemeinen Wohlstand in der Welt!“

Dann gäbe es doch keinen Grund mehr, die westliche Welt zu hassen!

Aber wie sollte man so etwas aus westlicher Sicht völlig Absurdes glaubwürdig sagen? Ahmadinejad hat doch den Nagel auf den Kopf getroffen! Er weiß es; seine Zuhörer wissen es; und eigentlich weiß es auch die gesamte westliche Welt. Das ganze System der Unterdrückung basierte doch u.a. darauf, dass man es nicht aussprach! Aber wenn man es ausspricht, dann trifft man in die Herzen der Menschen, denn die meisten Menschen wünschen Gerechtigkeit, Frieden und Liebe!

Das kleine Kind ruft: „Der König ist nackt“ und alle „sehen“ es plötzlich an Anlehnung an Andersons Märchen.

Ahmadinejad hat der westlichen Welt den Spiegel vorgehalten. Die Ankündigung einer baldigen EURO-basierten Ölbörse tut ihr Übriges. Das gesamte Kartenhaus des Raubtierkapitalismus, welcher letztendlich auch die Völker der westlichen Welt in seinen Pranken hält, ist derart stark ins Wanken geraten, dass ihre Verteidiger gar nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Bestrafen sie den Iran, werden ihnen noch mehr Sympathien der Welt zufließen. Bestrafen sie ihn nicht, dann wird die Wahrheit durch das Wort verbreitet.

Es ist keine einzige militärische Waffe zum Einsatz gekommen, und dennoch ist die gesamte westliche Militärmaschinerie samt Wirtschaftssystem so fürchterlich durchgeschüttelt worden. Es war nur das Wort eines Präsidenten eines kleinen Landes dieser Welt:

Schon immer haben die Mächtigen der Welt die Feinde ihrer Macht „dämonisiert“. Und das hat sich auch heute nicht geändert. Aber keine Macht der Erde hat es geschafft, ewig auf Unrecht aufzubauen! Und die Gräber sind voll mit Menschen, die nicht nur sich selbst für unersetzbar hielten sondern auch ihr System. Die Gräber sind voll mit nackten Königen!

Vor den Wahlen im Iran war Ahmadinejad „nur“ ein Held im Volk des Iran, der immer noch in seiner kleinen Mietwohnung lebt, sich einfach kleidet, auf dem Boden sitzt und einfach lebt (was „intellektuelle“ Iraner als „ungepflegt“ bezeichnet haben). Und ganz sicher wird er auch nach seiner Amtszeit keinen Aufsichtsratsposten in einem Gaskonzern annehmen! Inzwischen ist er zum Held unter den arabischen (was etwas heißen will für einen Iraner) und muslimische Völkern aufgestiegen und zum Feindbild Nummer Eins der herrschenden Despoten in der Region und ihrer Herren in der westlichen Welt.

Wer weiß, vielleicht ist die Zeit wirklich reif für die Wahrheit?! Und sollte Deutschland von Politikern beherrscht werden, die das Wohl des eigenen Volkes berücksichtigen, dann sollten sie viel mehr schockiert sein über die tatsächlich begangenen Verbrechen der USA, für die sie sogar Deutschland mit missbraucht haben, als über die Worte eines Präsidenten, der Deutschland keinen Schaden zugefügt hat. Sich von einem verbündeten Verbrecher zu lösen – zumal der „größten“ Militärmacht der Erde – ist sicherlich extrem schwer! Aber es ist möglich, und noch ist es nicht zu spät für das deutsche Volk, dem die Anbindung an Verbrecher immer nur viel Schaden und Leid gebracht hat, damals wie heute.

Quelle

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