Scharfe Kritik an US-Kriegsstrategie / Widerstand kündigt indirekt neue Offensive an

Begleitet von massiver Kritik hochrangiger Generäle hat die britische Armee ihren Rückzug aus der Innenstadt von Basra begonnen. Die US-Seite wies die Vorwürfe, ihre Kriegsstrategie sei vollstndig verfehlt, umgehend zurück. Unklar ist die Rolle des britischen Premierministers Gordon Brown.

Am Morgen hatte der Abzug der noch etwa 500 verblieben Soldaten in der Festung Basra begonnen. Sie sollen zunächst im Umfeld des Flughafens am Stadtrand kaserniert werden. Dort befinden sich bereits rund 5000 Briten. Am Überfall im Jahre 2003 beteiligten sich noch 45.000 britische Soldaten. Ein Armee-Sprecher bezeichnete die jetzige Entscheidung als Teil einer länger geplanten Umgruppierung und Übergabe der Verantwortung an die irakischen Sicherheitskräfte. Londoner Zeitung sprechen dagegen vom Beginn des Endes der britischen Irak-Mission.

Begleitet wurde der Rückzug von massiver Kritik hochrangiger britischer Offiziere. Mike Jackson, früherer Befehlshaber im Irak, nannte die Strategie Washingtons im Zweistromland „blödsinnig“ und „intellektuell bankrott“. Der einstige Oberkommandierende, General Tim Cross, will eigenen Worten in der Zeitung „Sunday Mirror“ den damaligen US-Außenminister Donald Rumsfeld sogar vor Keriegsbeginn gelegentlich eines Essens auf die „fatal fehlerhafte“ Nachkriegsstrategie hingewiesen haben. Rumsfeld habe dies nicht zur Kenntnis genommen. Ob das Gespräch tatsächlich in der genannten Form stattgefunden hat, ist von unabhängiger Seite nicht nachzuvollziehen. In den vergangenen etwa zwei Wochen hatte es schon mehrfach Äußerungen hochrangiger Militärs gegeben, wonach die unter ständigem Beschuß befindliche Festung Basra nicht zu halten wäre.

Die US-Armee wies die britischen Vorwürfe am Wochenende indirekt zurück. Ein Armeesprecher im Irak sagte auf CNN, man könne die gegenwärtige Situation nicht mit der vor einem Jahr vergleichen, es habe massive Sicherheitsfortschritte gegeben. Auch der frühere amerikanische UN-Botschafter, John Bolten, bezeichnete die Äußerungen britischer Militärs im Rundfunk als „völlig daneben“. Bolton gilt als robuster Neokonservativer und Vertreter der These von der legitimen weltweiten Führungsrolle der Vereinigten Staaten. Als Mitglied des „Project for the New American Century“ gehörte er zu einer Gruppe, die bereits 1998 versuchte, den damaligen US-Präsident William „Bill“ Clinton zu einer Entmachtung Saddam Husseins u.a. mit militärischen Mitteln zu drängen.

Daß der Widerstand gegenwärtig seine geringsten Aktivitäten seit dem Juni 2006 entfalten soll, bestätigten indirekt auch dem Untergrund nahestehende Online-Medien, die den US-Brigadegeneral Richard Sherlock mit diesen Worten zitierten. In gleicher Form wurden jedoch massive Vorstöße für die Zeit der Ramadan angekündigt.

Unklar ist, welche Rolle der neue britische Premier Gordon Brown in der Abzugsentscheidung spielt. Brown selbst weigerte sich bislang, einen Rückzugstermin zu nennen und verwies auf eine nötige Parlamentssitzung nach dem Ende der Sommerferien im Oktober. Nach Angaben eines Bürosprechers Browns sei der Regierungschef über die jetzigen Vorgänge informiert worden.

Quelle: http://www.berlinerumschau.com/

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