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Stellen Sie sich vor, ein Bekannter besitzt ein gutgehendes Geschäft, verweigert jedoch den Verkauf seiner Produkte an einige spezielle Kunden, wird daraufhin eines Tages von diesen überfallen, man lässt Ihn ermorden weil er den Geschäften im Wege steht, übernimmt danach seine Vorräte und verdient damit Unmengen an Petrodollars. Genau das geschieht jetzt im Irak.
Die größten Verträge für Ölförderung im Irak vergibt die Regierung in Bagdad an fünf westliche Konzerne: Exxon Mobil (ESSO), Royal Dutch Shell (Shell), Chevron, British Petroleum (BP) und Total.Vor 36 Jahren hatten genau diese Konzerne ihre Konzessionen im Zuge der Verstaatlichung unter Saddam Hussein verloren und sind jetzt die grossen Kriegsgewinnler.
Insgesamt werden voraussichtlich über 30 Verträge unterzeichnet, berichtet die „Washington Post“ unter Berufung auf das irakische Ölministerium.„Seit dem vergangenen Jahr haben wir Gespräche geführt. Nun sind diese Gespräche abgeschlossen“, so ein Ministeriumssprecher.
Auch die „New York Times“ stellt fest, dass die Gewinner ihre Konkurrenten aus Russland, China, Indien und rund 40 weiteren Ländern abgehängt hatten.„Die Regierung in Washington hat mit der Verteilung irakischer Ölaufträge absolut nichts zu tun“, versicherte US-Außenministerin Condoleezza Rice im Fernsehsender Fox.
Denken Sie daran bei einer Ihrer zukünftigen Tankungen bei einem dieser Unternehmen.Das was in Ihren Tank fliesst, könnte mit dem Blut von einer Million Kinder, Frauen und anderen unschuldigen Opfern des kriegsverbrecherischen Ueberfalls auf den Irak “vermischt” sein.Inwiefern Produkte aus einem kriminellen Akt, verbunden mit Mord,Vergewaltigungen, Folterungen und Totschlag und unzähligen weiteren begangenen Grausamkeiten legitim verkauft werden dürfen, liess sich nicht klären.
Ist das schon der Ausverkauf Iraks? Keine Frage, die Abkommen mit den vier großen West-Erdölgesellschaften deuten in diese Richtung. Es sind sogenannte technische Dienstleistungsverträge. Aber es wird klar und laut genug gesagt, dass damit ein Schlagloch auf dem Wege des Rechts und der Souveränität Iraks umfahren werden soll. Genau hier wird der Fall sehr politisch.
Ein Erdölgesetz gibt es noch nicht in Bagdad. Das Gesetz - seit über einem Jahr berät das offizielle Bagdad darüber - hätte dreierlei zu regeln. Erstens: Wem gehören die Ölfelder? Kurdistans Mächtige beanspruchen Kirkuk für sich, die Vertreter der sunnitischen Minderheit sehen sich mangels eigener erschlossener Ölfelder benachteiligt. Zweitens: Wie werden die künftigen Öleinnahmen verteilt? Das hängt eng mit der Lösung des Problems zusammen, ob Irak ein Einheitsstaat, eine Föderation oder ein Konglomerat fast staatengleicher Kleinregionen sein soll. Drittens: Sind Erdöl und Erdgas nationaler Reichtum oder eher so etwas wie energiekapitalistisches Welterbe? Da geht es um die Souveränität des Staates, der sich ja auch finanzieren muss, und die Würde der Nation.
Und sonderbar: Die Termin-Guillotine soll über diesen Vertrag mit den 1972 des Landes verwiesenen früheren Fremdbesitzern des irakischen Öls just an dem Tag fallen, den die USA recht ultimativ für das umfassende Stationierungsabkommen festgelegt haben. Jenen Vertrag, der - wenn es nach Bush-Wünschen geht - den USA Militärstützpunkte und Militärrechte für jeden beliebigen Anti-Terror-Krieg gewähren würde. Auch das ist eine Souveränitätsfrage, oder anders: eine Art Kolonialstatut.
Quelle: Frankfurter Rundschau
Vier westliche Ölgesellschaften sind dabei, sich den ersten Zugriff auf die irakische Erdölförderung zu sichern. Ein Vertrag zwischen dem Bagdader Ölministerium einerseits und den Gesellschaften Exxon Mobil, Shell, BP und Total ist offenbar unterschriftsreif. Laut New York Times wird der Abschluss wahrscheinlich am 30. Juni verkündet werden.
Der Vertrag gilt als Dienstleistungsvertrag, um die Förderung technisch zu sichern. Er soll für höchstens zwei Jahre gelten. Ihm ist keine Ausschreibung vorausgegangen. Angebote von rund 40 Ölgesellschaften unter anderem aus Russland, Indien und China wurden nicht berücksichtigt.
Solche Verträge kann das von Hussein al-Schahristani geleitete Ölministerium selbständig abschließen. Zustimmung der anderen Regierungsmitglieder ist nur erforderlich, sofern Erschließungs- und Förderrechte (Konzessionen) verhandelt werden. Das regelt ein irakisches Gesetz, das aus der Zeit Saddam Husseins übernommen worden ist.
Die “technischen Dienstleistungen” sollen nicht in Geld, sondern in Öl bezahlt werden, deutet die New York Times an. Die Gesellschaften profitieren dadurch von den gegenwärtig sehr hohen Preisen auf dem Weltmarkt. Damit werde die “Pattsituation” umgangen, die entstanden ist, weil ein Ölgesetz bisher nicht zustande kam. Al-Schahristani erklärte, entscheidend sei das technische Wissen der vier Vertrags-Gesellschaften, um die Ölfelder zu entwickeln.
Die vier Gesellschaften, die sich von dem Dienstleistungsvertrag eine nahezu konkurrenzlose Ausgangsposition bei künftigen Konzessionsverhandlungen versprechen können, waren bis 1972 die Besitzer der irakischen Ölgesellschaft. Diese wurde damals, vor 36 Jahren, von der irakischen Baath-Regierung verstaatlicht.
Mehr als zwei Drittel der irakischen Bevölkerung lehnen die Rückkehr der früheren Besitzer und die Vergabe von Konzessionen - die Privatisierung der Ölfelder - ab. Die Nationalisierung der Petro-Industrie gilt nach wie vor als eine der wichtigsten Voraussetzungen der Souveränität des Landes. Kritiker zitieren häufig Äußerungen, die US-Ministern und Militärs zugeschrieben werden, nach denen es beim Krieg gegen Saddam Husseins Regime nicht um Menschenrechte oder Kampf gegen den Terrorismus gegangen sei, sondern vor allem um Erdöl.
Auch irakische Gewerkschafter lehnen die Verträge und die zu erwartenden Konzessionen an ausländische Firmen ab, da der Irak zu eigenen Investitionen fähig sei. Ölminister al-Schahristani hat jedoch die Erdölarbeiter-Gewerkschaften unter Berufung auf ein weiterhin geltendes Saddam-Gesetz kürzlich für illegal erklärt.
Der Irak verfügt über die drittgrößten Erdöllager der Erde. Zudem sind schätzungsweise erst rund 30 Prozent der möglichen Ölvorkommen im Irak gründlich erforscht. Bekannt sind fünf “Superriesen”-Felder und 22 “Riesen”.
Einer der Superriesen ist das Kirkuk-Feld, das die kurdische Autonomieverwaltung beansprucht. Dort soll jetzt der britisch-niederländische Shell-Konzern tätig werden. Die britische BP ist an Rumaila nahe der Grenze zu Kuwait interessiert. Das Qurna-Feld nahe Basra, für das die russische Firma Lukoil einen Vertrag mit Saddam Husseins Regierung abgeschlossen hatte, wird von der französischen Total und der US-Firma Chevron begehrt, die sich auch für die Madschnun-Felder an der iranischen Grenze interessieren.
Quelle: Frankfurter Rundschau
Trotz Atomstreit und Wirtschaftssanktionen, die von der UNO und vor allem von den USA verhängt wurden, wollten alle dabei sein, als die Perser ihre (Öl)-Macht demonstrierten. Da erscheint es als Ironie des Schicksals, dass die größten anwesenden Gruppen (aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien) aus jenen Ländern stammten, die einen harten Wirtschaftskurs gegen Teherans Atompolitik fahren. Wirtschaftliche Interessen stehen halt im Vordergrund.
Dennoch war es ein heikles Sehen und Gesehenwerden. “Der Iran ist eines der wichtigsten Öl- und Gasländer der Welt, und wir suchen verzweifelt nach Energie”, versuchte Andre Goffart, Nahost-Vizepräsident des französischen Energiekonzerns Total sich zu rechtfertigen. Nachsatz: “Wir müssen hier sein.”
Es ist ungewöhnlich, dass Handelsvertreter Entschuldigungen für ihre Anwesenheit bei einer Messe vorbringen, aber Washingtons ständige Drohung, den Firmen, die Geschäfte mit dem Iran betreiben, Schwierigkeiten bei ihren US-Operationen zu machen, verlangt einen Balanceakt beim Iran-Geschäft.
Das nutzen die Perser geschickt und spielen die Öl-Karte aus. Sei es die Aussage von Präsident Mahmud Ahmadinejad, dass der derzeitige hohe Ölpreis noch zu niedrig sei, oder sei es eine Karikatur, in der ein Gewicht mit der Aufschrift “Iranische Öl-Messe” einen Onkel Sam unter sich begräbt: Bei all dem fährt Teheran eine Doppelstrategie. Einerseits weißt man auf die Rolle als regionale Großmacht hin; andererseits versucht man so von inneren Problemen abzulenken. Trotz des Ölreichtums muss der Iran 40 Prozent seines Benzinbedarfs importieren.
Ahmadinejad war als “Robin Hood” angetreten, um die Bevölkerung an den Öl-Einnahmen teilhaben zu lassen. Doch nach wie vor sind große Gasvorkommen unangetastet. Das soll sich nun ändern. Gestärkt durch den Erfolg der Öl-Messe stellt Öl-Minister Gholam Hossein Nozari interessierten Konzerne, darunter Royal Dutch Shell, Total und Repsol, die Rute ins Fenster: Falls sie die Frist für den Abschluss von Förderverträgen für das weltgrößte Gasfeld von Süd-Pars bis Mitte Juni ungenutzt verstreichen lassen, will sich Teheran regionale Partner suchen.
Quelle: http://www.wienerzeitung.at/


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