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Es ist eine Tragik der Geschichte, dass diejenigen, die die schlimmsten Schandtaten verüben, sich selbst dadurch frei zu sprechen suchen, indem sie genau jene Schandtaten ihrem Gegenüber anlasten. Der Antisemitismus ist ein Paradebeispiel dafür.
Es ist kein Zufall, dass es heute noch den Schlachtruf “Hip! Hip! Hurrah! Überall in Deutschland zu hören gibt. Er wird zwar nicht mehr ganz so martialisch verwendet, wie in seiner Anfangszeit, sondern eher in Fußball- und Kegelvereinen wie bei Saufgelagen, aber der Ausspruch hat seinen Ursprung in der europäischen antisemitischen Geschichte und erstaunlicherweise kennt heute kaum noch jemand den Ursprung. Nicht einmal der Zentralrat der Juden in Deutschland protestiert gegen jene Parole. Und so ist dieser Ausspruch einer von vielen unbewusst verwendeten Zeugnissen des eigenen Antisemitismus.
Die heutige Aussprache “Hip“ geht auf die lateinische Abkürzung “Hep“ zurück. Und H.E.P stand für “Hicrosolyma Est Perdita“. Ursprünglich geht die Aussage wohl auf das zweite Jahrhundert nach Jesus – der Friede sei mit ihm – zurück, als die Römer Jerusalem belagerten. Es war wohl Hadrian der nach der Verwüstung Judäas im römischen Senat auftrat und sagte “Jerusalem ist zerstört“ (Hicrosolyma Est Perdita), worauf die Senatoren mit einem lauten “Hurra“ antworteten. Vorausgegangen waren unvorstellbare Täuschungen der einheimischen Juden im Heiligen Land. So wurde ihnen versprochen, dass der in Trümmern liegende Tempel wieder aufgebaut werden sollte, aber in Wirklichkeit sollte der neue Tempel Jupiter geweiht werden. Hadrian verbot die Beschneidung der Jungen und schlug einen drei Jahre lange andauernden Aufstand brutal nieder. Berichten zufolge wurden fast 600.000 Juden ermordet, darunter viele Frauen und Kinder. Fast 1000 Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht. Hadrian ließ jüdische Gelehrte hinrichten und Juden mussten selbst ihre heiligen Schriftrollen auf dem Tempelberg verbrennen.
Der Schlachtruf “Hip! Hip! Hurrah!“ erreichte aber erst im Mittelalter den heutigen Bekanntheitsgrad. Immer, wenn in den Kreuzzügen ein “Erfolg“ gegen Jerusalem verbucht werden konnte, wurde er mit jenem Schlachtruf quittiert: “Erfolg“ für die im missbrauchten Namen des Christentums agierenden Kreuzritter, dass sie die Muslime besiegt und die unter deren Schutz stehenden Juden abgeschlachtet hatten. Das war also die Ursache für ein Hip! Hip! Hurrah!
Juden erhielten nicht im Orient unter muslimischer Herrschaft (oder in Andalusien) Berufsverbote und wurden geächtet, sondern in Europa! Bei der Vertreibung von Muslimen aus Spanien wurden auch Juden gnadenlos abgeschlachtet, was aufgrund des erheblich größeren muslimischen Leids in Vergessenheit gerät. Jener europäische Hass mündete in das unvorstellbare Massaker Hitlers an Juden mit der Begründung, sie seinen eine “Rasse“. Bis in das 19. Jahrhundert hingegen hatten sich Juden nie als “Rasse“ verstanden, sondern als Religionsgemeinschaft. Mit dem Begriff “Rasse“ konnte man damals in der islamischen Welt ohnehin kaum etwas anfangen, waren doch Muslime von Anfang an eine „Multi-kulti-Gesellschaft“ mit gleichen Wertenormen.
Es waren Europäer, die Juden gejagt haben, es waren Europäer, die nach Jerusalem eingedrungen sind und dort Juden abgeschlachtet haben, es waren Europäer (und nicht nur Deutsche) die Juden in Konzentrationslager gesteckt und ermordet haben. Es waren Europäer, die Palästina besetzt haben. Es waren Europäer, die besetztes Land an eine Bevölkerung verschenkt haben, die dort gar nicht ansässig war! Und es wären Europäer, die im missbrauchten Namen des Judentums dort eingereist und die einheimische Bevölkerung verjagt haben. Und heute sind es u.a. Europäer, die jenes Unrecht mit allen Mitteln aufrecht erhalten; auch auf Kosten palästinensischer Christen!
Da ist von einem “Judenstaat“ die Rede. Aber niemand traut sich zu hinterfragen, was das eigentlich bedeutet? In Israel leben über 20% Nichtjuden, die sich zudem schneller vermehren als die jüdische Bevölkerung. Wollte man wirklich eine “Zwei-Staaten-Lösung“, die faktisch als Hinhaltetaktik dazu dient, Palästinenser ihres gesamten Landes zu berauben, dann müsste man Palästinenser verschleppen, um den “jüdischen“ Charakter des Staates Israel – wie es heißt – zu bewahren. Ist das die Lösung?
Und geht es hier eigentlich wirklich um das Judentum? Welches Judentum schickt Frauen in Kriege? Welches Judentum lässt Homosexuellen-Parties auf den Straßen von Jerusalem feiern? Welches Judentum lässt es zu, dass die Ehe zu einer Randerscheinung der Gesellschaft degradiert und Pornographie im Heiligen Land produziert wird? Welches Judentum lässt zu, dass man Nichtjuden willkürlich enteignet, ihr Land verschenkt und die Bewohner vertreibt? Welches Judentum lässt es zu, dass man Kinder bombardiert? Welches Judentum lässt es zu, dass bekannte Persönlichkeiten im Land aufstehen und ungestraft behaupten, 1500 Nichtjuden seien nicht so viel wert wie der Fingernagel eines Juden? Welches Judentum droht sämtlichen Nachbarn mit Krieg, überzieht viele mit Krieg, hält Jahrzehntelang fremde Gebiete besetzt und droht sogar mit Atomwaffeneinsatz? Was hat das alles mit der Religion des Judentums zu tun?
Warum fällt kaum jemanden auf, dass die so genannten jüdischen Lobbyverbände, seien sie in den USA oder in Deutschland, kaum an der Verbreitung und Aufklärung über jüdische Werte- und Moralvorstellungen interessiert sind, sondern fast ausschließlich am Zionismus? Das Judentum ist eine mehrere Tausend Jahre alte Religion. Der Zionismus ist eine aus dem rassistischen Nationalismus der Europäer heraus entstandene Ideologie, die noch keine zweihundert Jahre alt ist. Welches Judentum verbietet es Juden gleichberechtigt mit Nichtjuden in einem Staat zu leben? Und welche Logik der Welt führt dazu, dass Judentum und Zionismus gleich gesetzt wird, wenn doch nicht alle Juden Zionisten und nicht alle Zionisten Juden sind? Lebt hier nicht der alte europäische Rassenwahn in neuer Form weiter?
Aktuell erscheint bei genauer Analyse der Medien in Europa eine neue Frage hinsichtlich der Region sehr dominant: Wann wird Israel die iranischen Atomanlagen angreifen? Was selbst in Israel nicht in diesem Maß in den Vordergrund gestellt wird, erscheint in westeuropäischen Medien als geradezu ultimative Fragestellung, die sich immer weiter in ein Kriegsszenario steigert, bei dem eine gewisse “Genüsslichkeit“ der Schreiber zwischen den Zeilen herausgelesen werden kann. Aber wäre solch eine Angriff wirklich im Interesse von Juden in Jerusalem? Ist überhaupt alles, was derzeit geschieht – mit all dem undifferenzierten Hass der gegen Juden in der Region tagtäglich erzeugt und gesteigert wird – wirklich im Interesse des Judentums und der Juden in Jerusalem?
Um obige Fragen beantworten zu können, ist erneut der Blick in die Geschichte von großer Bedeutung! Denken praktizierende und gläubige Juden ernsthaft, dass jene Ideologien und deren geistige Nachkommen, die sie 2000 Jahre lang gehasst haben, sie heute lieben? Glauben praktizierende und gläubige Juden angesichts der sich in Europa tagtäglich ausbreitenden Islamhetze tatsächlich, dass sie jetzt mehr anerkannt und geliebt sind, falls sie ihren Glauben praktizieren? Glauben religiöse Juden, deren Frauen ihre Haare bedecken, die ausschließlich koscher speisen, die ihre Kinder geschlechtsgetrennt unterrichten, die beten und fasten und dem anderen Geschlecht die Hand nicht geben, tatsächlich, dass sie heute damit besser ankommen bei den europäischen Bevölkerungen als früher?
Eine sehr bedeutsame Frage muss in diesem Fall gestellt und analysiert werden: Kann es nicht sein, dass das Judentum als Vorposten europäischer Herrenmenschenideologie und im Zuge des rassistischen Imperialismus brutal missbraucht wird, um Muslime und ihre rohstoffreichen Regionen zu beherrschen? Ist denn noch nie aufgefallen, dass die lautesten Hetzer für Zionismus in vielen Fällen sehr wenig mit der Religion des Judentums zu tun haben, sondern das Judentum eher als eine Art ethnisches Merkmal (was man früher Rasse nannte) verstehen? Der europäische Rassismus projiziert in einen zionistischen Rassismus führt Krieg um Jerusalem. Aber haben das Römer und Kreuzzügler nicht genau so gemacht? Opfer war stets die einheimische Bevölkerung in der Region. Sind es wirklich gläubige und praktizierende Juden, die heute Jerusalem besetzt halten, oder eher europäische Rassisten?
Schließlich lehren das Judentum, das Christentum und der Islam, dass es keine “Rassen“ unter Menschen geben kann, da alle Menschen vom gleichen Urvater und der gleichen Urmutter abstammen. Wird es nicht Zeit, dieser wahrhaftig menschenfreundlichen Ideologie weltweit zum Sieg zu verhelfen? Juden, Christen und Muslime haben das Potential, in Jerusalem gemeinsam für Frieden und Liebe einzutreten und die Stadt zum wahren Hort für Frieden, zur Stadt des Friedens, zu gestalten. Dazu müssen zuerst die Mauern in den Köpfen und dann ihre wachsende Mauern in den Ländereien abgerissen werden. Wichtig dabei ist es zu verstehen, dass keine Organisation, die im Missbrauchten Namen des Judentums, des Christentum oder des Islams agiert, jegliche Berechtigung hat, sich einzumischen, so lange sie nicht für die Gleichberechtigung der Menschen eintritt.
Der Schlachtruf “Hip! Hip! Hurrah!“ ist ein europäischer Schlachtruf. Der Name “Jerusalem“ (Ort des Friedens) oder “Al-Quds“ (Die Heilige) sind orientalische Namen für einen Ort, der zum Symbol für alle Konflikte der Welt geworden ist. Gelingt es, dem Namen der Stadt ihre wahre Bedeutung wieder zu geben, dann kann Frieden für alle Menschen eingeläutet werden. Gelingt es aber nicht, dann werden Europäer und ihre Nachfahren unter den US-Amerikanern jenes Land weiterhin missbrauchen, um die Welt beherrschen zu wollen.
Es wird Zeit, dass auch Juden verstehen, wie sie missbraucht werden in einem perfiden Herrschaftssystem, das den Reichen und Mächtigen dient und nicht den Armen und Unterdrückten der Welt. Aber sämtliche Propheten des Judentums, des Christentums und des Islams, haben sich stets gegen die Reichen und Mächtigen und für die Armen und Unterdrückten engagiert! Das sollte auch bei dem heuchlerisch anmutenden Gefasel um ein angeblich “jüdisch-christliches Erbe“ nie vergessen werden! Nur diejenigen, die sich für die Unterdrückten der Welt engagieren und nicht für die Unterdrücker, können das Judentum, Christentum oder Islam vertreten. Und die Unterschiede zwischen den Religionen wird man leichter überwinden können, als eine rassistische Ideologie des Herrenmenschengedankenguts.
Entsprechend könnte man die alte Parole “Hip! Hip! Hurrah!“ ersetzten durch neue Parolen:
Juden, Muslime und Christen,
Hand in Hand gegen Zionisten.
Juden, Christen und Muslime Hand in Hand,
Frieden für das Heilige Land.
Oder wie wäre es mit “Schalom, Salam! Hurrah!“
Die von US-Diensten und deutschen Freiheitskämpferinnen wie Claudia Nolte gesponserte »orange Revolution« an der Jahreswende 2004/2005 war kaum vorbei, da ließ sich deren Held Viktor Juschtschenko auf dem Friedhof Montparnasse in Paris am Grab von Symon Petljura (1879–1926) ablichten. Der errang sich dadurch besonderen Ruhm, daß er als Anführer antibolschewistischer Banden in der Ukraine 1918/19 antijüdische Pogrome abhalten ließ, denen bis zu 100000 Menschen zum Opfer gefallen sein sollen. Sein Mörder Scholom Schwartzband wurde von einem französischen Gericht freigesprochen, weil er in Vergeltung für den Tod von 15 Familienangehörigen, darunter seinen Eltern, gehandelt habe.
Einer der Nachfolger Petljuras wurde Stepan Bandera (1909–1959), der beim Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion mit seiner »Ukrainischen Aufstandsarmee« an der Ermordung von 7000 Kommunisten und Juden allein am 30. Juni 1941 beteiligt war. Er wollte das Schlachten im Rahmen eines eigenen Staates fortsetzen, was den Nazis nicht paßte. Sie sperrten ihn von Juli 1941 bis September 1944 im Zellenbau des KZ Sachsenhausen ein. Er tauchte in der Obhut der nunmehr freien westlichen Welt in München wieder auf und setzte seine Tätigkeit im Umkreis von BND und Radio Liberty nahtlos fort. Seine Ermordung geht angeblich auf einen Auftrag des KGB zurück.
All das reicht aus, ihn zum Nationalhelden der Juschtschenko-Ukraine zu machen. Am Dienstag berichtete die Süddeutsche Zeitung, der Präsident wolle in Kiew für Bandera »eine Art Triumphbogen« errichten »mit 30 Meter hohen Säulen«. Am vergangenen Donnerstag hatte die UN-Generalversammlung diese Aktivitäten und Ähnliches in den baltischen Republiken mit 129 zu zwei Stimmen (USA und Marshallinseln) als »unzulässig« verurteilt. Alle EU-Staaten enthielten sich. Die »friedlichen Revolutionen« kommen langsam ans Ziel.
Steht Israel vor dem größten Nazi-Skandal seiner Geschichte? Wie die Zeitung „Haaretz“ jetzt berichtet, soll sich Politiker Moshe Feiglin vor 13 Jahren naziverherrlichend geäußert haben.
Feiglin (gehört der Likud-Partei an, in der auch Ex-Regierungschef Benjamin Netanyahu beheimatet ist) soll am 8. Dezember 1995 gegenüber Haaretz-Journalisten gesagt haben: „Hitler war ein unerreichtes militärisches Genie.“ Weiter soll er gesagt haben: „Hitler schätzte gute Musik. Er malte. Das war keine Schlägerbande. Sie haben Schläger und Homosexuelle lediglich benutzt“.
Wie kann ein Mann, dessen Volk unter dem millionenfachen Mord im Nazi-Holocaust gelitten hat, so etwas sagen?
Hier im Kommentarbereich gab user Willy noch vor, den Zusammenhang zwischen Hass auf Muslime und den Hass auf Juden nicht zu verstehen. Wir geben nicht auf, zumal wir meinen, noch eine Korrelation gefunden zu haben: mit einer Störung, die unter dem Namen Tourette-Syndrom bekannt ist:…..WEITERLESEN.
Der israelisch-palästinensische Konflikt verführt leicht zu religiösen oder zumindest ethnischen Interpretationen. Er spielt sich auf einem Gebiet ab, das die Wiege von Weltreligionen war und das viele ‘Heiliges Land’ nennen; der Zionismus wird oft als ‘Rückkehr’ des jüdischen Volkes ins Gelobte Land dargestellt, und seine Argumente schöpfen viel aus dem Bereich tradierter Rechte, wenn nicht gar göttlicher Verheißung; Jerusalem ist dreifach heilige Stadt und von Wallfahrtszielen übersät.
Die Allgegenwart der islamistischen Kultur im arabischen Bewusstsein und in der arabischen nationalen Kultur geht gleichfalls schwanger mit der Konfessionalisierung eines Konflikts, der oft als Befreiung eines islamischen, von Ungläubigen besetzten Bodens dargestellt wird. Dem muss die zionistische Idee hinzugefügt werden, einen ‘jüdischen Staat’ zu schaffen, und die entsprechende permanente Strategie jüdischer Kolonisierung, die nicht ohne den ethnischen Säuberungskrieg von 1948 auskam.
Es ist ein Verdienst Yasser Arafats, in einem solchen Kontext alles Menschenmögliche getan zu haben, um den israelisch-palästinensischen Konflikt in seiner politischen (und nicht religiösen oder ethnischen) Dimension zu halten: nämlich die eines Kampfes für nationale Befreiung und Unabhängigkeit, eines antikolonialen Kampfes um ein Territorium und um nationale Souveränität.
Umgekehrt ist eines der größten Verbrechen des ehemaligen Premierministers Ehud Barak, das religiöse Element in die Verhandlungen eingeführt zu haben, indem er auf dem zweiten Gipfeltreffen von Camp David die jüdische Souveränität über die Moscheenallee von Jerusalem auf der Grundlage religionsgeschichtlicher Thesen gefordert hat. Diese irre Forderung war ohne Zweifel einer der Hauptgründe für den Zusammenbruch des Oslo- Prozesses. Die Geschichte wird zeigen, ob sie nicht auch zum Auslöser eines Religionskrieges im gesamten Mittleren Osten und eines weltweiten islamisch-jüdischen Konflikts wird.
Der israelisch-palästinensische Konflikt ist ein politischer Konflikt zwischen einer kolonialen Bewegung und einer nationalen Befreiungsbewegung. Der Zionismus ist eine politische und keine religiöse Ideologie, die darauf abzielt, die jüdische Frage in Europa durch die Einwanderung in Palästina, seine Kolonisierung und die Schaffung eines jüdischen Staates zu lösen. So haben seine Sprecher ihn immer definiert, von Herzl bis Ben Gurion, von Pinsker bis Jabotynski, die die Konzepte der Kolonisierung (Hityashvut) oder der Kolonien (Yishuv, Moshav) nie in einem negativ wertenden Sinne benutzt haben. Bis zum Aufstieg des Nazismus hat die überwältigende Mehrheit der Juden weltweit den Zionismus verworfen, sei es als Häresie (das war die Position der großen Mehrheit der Rabbiner und der religiösen Juden), sei es als reaktionär (das war die Position der jüdischen Arbeiterbewegung in Osteuropa), sei es als anachronistisch (so dachten die emanzipierten oder assimilierten Juden in Mittel- und Westeuropa). In diesem Sinne wurde der Antizionismus immer als eine politische Position unter anderen verstanden, die dazu noch ungefähr ein halbes Jahrhundert in der jüdischen Welt hegemonial war. Erst seit etwa dreißig Jahren gibt es eine breite Kampagne, die mit unleugbarem Erfolg versucht, nicht zur Kontroverse über die politische Sinnhaftigkeit des Zionismus beizutragen, zur Analyse seiner Dynamik und seiner politischen und moralischen Implikationen, sondern den Antizionismus zu delegitimieren, indem er ihn mit Antisemitismus gleichsetzt.
Semantische Verschiebungen…
Der Antizionismus hingegen ist eine politische Kritik an einer politischen Ideologie und Bewegung; er greift nicht eine Menschengruppe an, sondern stellt eine bestimmte Politik in Frage. Wie kommt man dann dazu, die politischen Ideen des Antizionismus mit der rassistischen Ideologie des Antisemitismus gleichzusetzen? Eine europäische Gruppe zionistischer Intellektueller hat die Lösung gefunden, indem sie das Unterbewusste ins Spiel bringt und ein Konzept einführt, mit dem man alles beweisen kann: nämlich das der ’semantischen Verschiebung’. Wenn man den Zionismus anklagt oder auch Israel kritisiert, dann geht es einem, manchmal unbewusst, nicht um die Politik einer Regierung (der Regierung Sharon) oder um den kolonialistischen Charakter einer politischen Bewegung (des Zionismus) oder, mehr noch, den institutionalisierten Rassismus eines Staates (Israel), sondern um die Juden. Wenn man sagt: ‘Die Bombardierungen der Zivilbevölkerung sind Kriegsverbrechen’, oder: ‘Die Kolonisierung ist eine flagrante Verletzung der Vierten Genfer Konvention’, meint man in Wirklichkeit: ‘Das jüdische Volk ist verantwortlich für den Tod von Jesus Christus’ und ‘Tod den Juden’!
Natürlich kann man auf ein solches Argument nichts erwidern, denn jede Antwort wird, vielleicht unbewusst, zur Verteidigung des Antisemitismus. Das Argument der Bedeutungsverschiebung und der Rückgriff auf das Unterbewusste in der politischen Polemik beendet jede Möglichkeit der Debatte, egal zu welchem Thema im Übrigen. Die Verurteilung des Kolonialismus wird zu einer Verurteilung des Engländers (oder des Franzosen oder des Deutschen, je nachdem), seiner Kultur und seiner Existenz. Auch den Antikommunismus gibt es nicht, er ist eine Wortbedeutungsverschiebung für den Slawenhass. Wenn ich sage: ‘Ich mag keinen Camembert’, denke ich in Wirklichkeit: ‘Tod den Franzosen!’; wenn ich erkläre, jiddische Musik zu mögen, sage ich mittels semantischer Verschiebung, dass ich die Araber hasse…
Der Antisemitismus existiert und scheint in Europa wieder sein Haupt zu erheben – nach einem halben Jahrhundert der Ächtung in Folge des Grauens des Völkermords an den Juden durch die Nazis und der Verbrechen der Kollaboration. Bei einem wachsenden Anteil der arabisch-moslemischen Gemeinden in Europa nehmen rassistische Verallgemeinerungen zu, werden unterschiedslos die Juden für die Verbrechen verantwortlich gemacht, die der jüdische Staat und seine Armee verüben. Im Übrigen findet sich der Antisemitismus oft im selben Lager wieder, das die israelische Politik bedingungslos unterstützt, so z.B. unter den fundamentalistischen protestantischen Sekten, die in den USA die wirkliche proisraelische Lobby darstellen.
Der antiarabische Rassismus existiert ebenfalls, nur räumen die Medien den drastischen Polemiken des Beitar und der Jüdischen Verteidigungsliga gegen die islamischen Institutionen oder gegen Organisationen, die sich der israelischen Kolonisierungspolitik widersetzen, wenig Platz ein – oder den Parolen, die die Häuserwände gewisser Viertel in Paris verunzieren (‘Tod den Arabern’, ‘Keine Araber, keine Anschläge’) oder den organisierten Ausschreitungen zionistischer Kommandos.
Der antiarabische und der antijüdische Rassismus müssen beide ohne Zugeständnisse verurteilt und bekämpft werden, und das kann man wirksam nur machen, wenn man sie frontal bekämpft, sonst verstärkt man die verbreitete Idee, hinter der Verurteilung des einen Rassismus stecke faktisch ein Angriff auf die andere Menschengruppe.
Diejenigen, die tatsächliche oder durch ‘Wortbedeutungsverschiebung’ unterstellte antisemitische Handlungen verurteilen und zu antiarabischen Exzessen schweigen, machen sich mitverantwortlich für die Kommunitarisierung und Ethnisierung der Köpfe und für die Verstärkung des Antisemitismus, denn sie bekämpfen nicht den Rassismus überhaupt, egal von wem er ausgeht und gegen wen er sich richtet, sondern ausschließlich den Rassismus der anderen. Sicher sind nicht sie es – die Tarnero, Lanzmann und anderen Tagieffs – die das Recht hätten, der radikalen Linken und der Bewegung gegen die marktradikale Globalisierung, die immer an der Spitze antirassistischer Kämpfe standen und keinen dieser Kämpfe im Stich lassen, irgendwelche Lehren zu erteilen.
Doch gehen wir einen Schritt weiter.
Ein wichtiger Teil der Verantwortung für das Übergleiten von der Kritik an der israelischen Politik zu antisemitischen Haltungen ruht auf den Schultern eines Teils der oft selbsternannten Vorstände der jüdischen Gemeinden in Europa und in den USA. Tatsächlich sind sie es, die sehr oft die jüdische Gemeinde als solche mit einer bestimmten Politik gleichsetzen – nämlich der einer bedingungslosen Unterstützung der politischen Führung Israels. Wenn sie, wie in Straßburg, dazu aufrufen, ihre Unterstützung für Sharon auf dem Vorplatz einer Synagoge zu demonstrieren, wen wundert es dann, wenn die Synagoge zur Zielscheibe von Demonstrationen gegen die israelische Politik wird?
Und was soll man von den kommunitaristischen Sprechern der jüdischen Gemeinde in Frankreich sagen, die den Wahlerfolg Le Pens ‘verstehen’ und ‘hoffen, dass er die arabische Gemeinde in Frankreich zum Nachdenken bringt’?
Kann man in dieser Haltung die Komplizenschaft mit dem Mann übersehen, der in Frankreich am meisten die rassistische – und so auch die antisemitische – Ideologie verkörpert? Eine Komplizenschaft, die die Zusammenarbeit extrem rechter Organisationen wie des Beitar mit faschistischen und antisemitischen Gruppen wie Occident aus den 70er Jahren fortsetzt… Hier handelt es sich nicht mehr um semantische Verschiebung, sondern um ein abgekartetes Spiel.
Die israelische Politik wird weltweit von vielen kritisiert, und je mehr der jüdische Staat außerhalb des Rechts handelt, desto mehr wird er als gesetzlos betrachtet werden und den entsprechenden Preis dafür bezahlen. Es ist völlig unakzeptabel und unverantwortlich, dass solche jüdischen Intellektuellen, die wie die Vorstände jüdischer Gemeinden in aller Welt eine absolute Identifikation mit Israel zur Schau tragen, letztere mit in den Abgrund ziehen, auf den Ariel Sharon und seine Regierung zustreben.
Im Gegenteil, wenn sie wirklich von der Sorge um die Gemeinschaft bewegt wären, in deren Interesse sie zu sprechen vorgeben, würden sie ihr Möglichstes tun, um die barbarischen Akte des israelischen Staates zu demaskieren und die dramatischen Konsequenzen aufzuzeigen, die diese Handlungen früher oder später für eine nationale hebräische Existenz überhaupt im Nahen Osten nach sich ziehen werden.
Dadurch würden sie Verantwortungsbewusstsein auch gegenüber der jüdischen Gemeinschaft in Israel an den Tag legen: Wäre es nicht besser, wenn sie, statt dem israelischen Draufgängertum zu schmeicheln und zur wachsenden selbstmörderischen Verblendung der israelischen Führung und Bevölkerung beizutragen, und statt mit Lanzmann zu schreien: ‘Immer bedingungslos mit Israel’, als Schutzwall fungierten und Sharon und seine Regierung vor den dramatischen Konsequenzen seiner Politik warnten?
Sind sie so blind, nicht zu sehen, dass die Straffreiheit, derer sich Israel bei bestimmten politischen und weltanschaulichen Strömungen in Europa und Nordamerika erfreut, nur die andere Seite des Antisemitismus und seines Arsenals ‘jüdischer Besonderheiten’ ist? Sind sie so stumpfsinnig nicht zu begreifen, dass für viele sog. Freunde Israels die Haltung des Gewährenlassens gegenüber dem jüdischen Staat Ausdruck eines Zynismus ist, der die Juden gern frontal gegen die Wand laufen sieht? Und dass im Gegenteil denjenigen, die Israel – und manchmal hart – kritisieren, das Leben und Überleben seiner Bevölkerung wirklich am Herzen liegt?
Ariel Sharon, seine Minister, seine Generäle, seine Richter und ein Teil seiner Soldaten werden sich eines Tages vor dem Internationalen Strafgerichtshof für Kriegsverbrechen oder sogar für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten müssen. Damit dann nicht die gesamte israelische Bevölkerung auf der Anklagebank sitzt, gibt es in Israel Tausende Männer und Frauen, Zivilisten und Soldaten, die ‘Nein’ sagen, die Widerstand leisten und in Opposition gehen.
Um die Juden der Welt vor dem Vorwurf der Mitverantwortlichkeit zu schützen, um der antisemitischen Propaganda den Boden zu entziehen, die die Leiden der Palästinenser instrumentalisiert, um jeden Juden, nur weil er Jude ist, für schuldig zu erklären, um der Kommunitarisierung und Ethnisierung des israelisch-palästinensischen Konflikts einen Riegel vorzuschieben, ist es unbedingt notwendig, dass sich eine mächtige und feste Stimme innerhalb der jüdischen Gemeinden Gehör verschafft, die sagt, was der Name einer US-amerikanischen jüdischen Organisation ausdrückt, die sich diesem Ziel verschrieben hat: ‘Nicht in unserem Namen!’
Es ist natürlich auch die Pflicht der demokratischen und linken Organisationen auf der ganzen Welt, die Verbrechen Israels ohne jede Konzession zu verurteilen, nicht nur weil die Verteidigung der Unterdrückten und Kolonisierten, welcher auch immer, integraler Bestandteil ihres Programms und ihres Denkens ist, sondern auch weil nur eine klare und mit den anderen Kämpfen, die sie führen, kohärente Position es ihnen ermöglicht, den Kommunitarismus und Rassismus in ihrem eigenen Land zu bekämpfen.
Sich von der Erpressung mit dem Antisemitismusverdacht abschrecken zu lassen, zu schweigen, um sich nicht der Anklage auszusetzen, man leiste ‘dem Antisemitismus Vorschub’ oder sei gar ‘unbewusst antisemitisch’, kann letztlich nur den wirklichen Antisemiten zugute kommen oder zumindest die identitäre und kommunitaristische Verwirrung fördern.
Die wirkliche antirassistische und antikolonialistische Linke braucht nicht erst zu beweisen, dass sie im Kampf gegen die antisemitische Pest steht. Sie wird diesen Kampf desto wirksamer fortführen, je klarer und unzweideutiger sie zu den Kriegsverbrechen Israels und zu seiner Kolonisierungspolitik Stellung bezieht.
Abdruck aus der Sozialistischen Zeitung, September 2002
Antisemitismus ist eine spezifische Form des Rassismus, der sich gegen Juden richtet. Selbst wenn der Begriff “Antisemitismus“ missverständlich erscheint, so ist zumindest klar, was damit gemeint ist. Gefährlich aber ist der Begriff heute vor allem deshalb, weil manch schlimme Antisemiten als Judenfreunde auftreten und gleichzeitig viele Antirassisten diffamieren.
Es ist mühselig darauf einzugehen, dass der Begriff “Antisemitismus“ vom Wortlaut her eine Gegnerschaft zu “Semiten“ beinhaltet und daher offenbar auch gegen Araber, die ja bekanntlich auch von Abraham und damit von Sem abstammen und also Semiten sind. Tatsache ist, dass jener Begriff heutzutage im deutschsprachigen Raum für Judenhasser bzw. Judenfeindlichkeit verwendet wird. Gemeint ist damit nicht jemand, der einen speziellen Juden hasst, weil er berechtigte oder unberechtigte Gründe dafür hat, sondern dass man Juden im allgemeinen hast, weil sie Juden sind, undifferenziert, ohne Unterscheidung der Einzelperson, einfach nur, weil sie Juden sind.
Jener Judenhass kann sich in unterschiedlichsten Formen ausdrücken bzw. im Verborgenen gären. So werden “den“ Juden z.B. Eigenschaften zugeschrieben, wie den Wunsch die Welt zu beherrschen, Nichtjuden (die Gojim) als “Untermenschen“ anzusehen usw. usf.. Spätestens hier müssten Muslime aufwachen und merken, dass manche Vorwürfe gegen Juden offenbar eins zu eins auch auf Muslime übertragen werden können und übertragen werden, so dass die Frage im Raum stehen muss, wer sich solche Vorwürfe ausdenkt! So gekürzt und vereinfacht die obige Schilderung auch sein mag, wird sie doch die Zustimmung derjenigen finden, die sich gegen Antisemitismus engagieren.
In dem Moment aber, in dem man versucht die oben erwähnten Aspekte genauer zu betrachten, fällt auf, dass es einige “Ungereimtheiten“ gibt, an denen weder Juden, noch “typische“ Antisemiten allein schuld sind. Denn wenn man “Juden“ etwas vorwirft, wie man es z.B. auch gegenüber Muslimen tut, dann müsste zunächst einmal klar sein, wer “Jude“ ist. Beim Muslim ist das Vorwurfsziel klar definiert: Muslim ist jener, der sich zum Islam bekennt (mehr oder weniger). Jemand, der als Muslim geboren ist, sich dann aber dem Christentum, Buddhismus oder gar Atheismus zugewandt hat, würde nicht in das Schema passen und somit auch nicht Ziel der Anfeindung gegen Muslime sein können. Der “Antimuslim“ richtet sich gegen den, der sich zum Islam bekennt. Das kann ein Deutscher, ein Araber, ein Iraner, ein Türke, ein Inuit oder ein Japaner sein. Die Gegnerschaft richtete sich somit gegen eine Ideologie oder Religion, nicht aber gegen eine Rasse oder Ethnie. Letzte Anmerkung gilt für diejenigen, denen es in ihren Köpfen immer noch gelingt die Menschen in Rassen oder Ethnien aufzuspalten.
Gegen wen richtete sich aber der “Antisemit“? Schaut man in die Zeit der Nazis und die zu jener Zeit verabschiedeten, in Kraft getretenen und praktizierten Gesetze als unbestreitbaren Beweis für Antisemitismus, so richtete sich der Antisemitismus der Nazis gegen die “Rasse“ Juden! Es spielte überhaupt keine Rolle, an wen oder was jener Jude glaubte. Der Antisemitismus richtete sich gegen das jüdische “Blut“ und nicht gegen eine Ideologie! Und das Ergebnis jenes unbestreitbaren Rassismus ist bekannt. Selbst diejenigen, die am Ausmaß des grauenvollen Unheils gegenüber Juden durch das Hitler-Regime Zweifel anmelden wollen, es aber aufgrund der deutschen Gesetzgebung öffentlich nicht tun, werden nicht in der Lage sein, die Existenz der Nürnberger Rassengesetze zu leugnen! Der Antisemitismus der Nazis war ein perfider und brutaler Rassismus gegen Juden! Insofern überrascht es nicht, wenn heutige Nazis zwar “ideologisch“ zuweilen mit antisemitisch scheinenden Muslimen zu paktieren suchen, um ihren antisemitischen Hass auszuleben, aber jene Muslime, die mit Nazis paktieren, merken nicht, wie sich jener Rassismus auch gegen alle anderen “Ausländer“ richtet und somit auch gegen Muslime! Letztendlich sind Nazis aber doch nur eine Randerscheinung der Gesellschaft.
Wer gegen Juden ist, weil sie an das Judentum glauben, ist ein Gegner einer Religion. Wer aber gegen Juden ist, weil sie jüdischer Herkunft sind, der ist ein Rassist! So weit lässt sich sicherlich ein weitgreifender Konsens in der Definitionsfrage finden.
Interessanterweise aber gibt es heutzutage keine einzige ernst zu nehmende Bewegung in der Welt, die gegen Juden ist, weil sie jüdischer Herkunft wären (einmal abgesehen von unverbesserlichen Nazis)! Und noch weniger findet sich irgendeine Bewegung, die gegen die Religion des Judentums ist. Dennoch wird überall das Schreckgespenst des “Antisemiten“ groß geschrieen? Woran liegt das?
Jene angeblichen Antisemiten, die es doch geben soll, zeichnen sich demnach nicht allein dadurch aus, dass sie gegen “Juden“ sind, weil jene der jüdischen Religion angehören. Oder wo gibt es irgendeine Bewegung, die sich gegen z.B. koschere Speisen engagiert? Tierschützer, die gegen das Schächten sind, richten sich gleichermaßen gegen Juden und Muslime und können daher kaum als Antisemiten bezeichnet werden. Wer ist gegen jüdische Feiertage? Wer versucht die jüdischen Moral- und Sittenregeln zu bekämpfen? Wo gibt es jemanden, der gegen das jüdische Eherecht eintritt oder gar zur Änderung der unmenschlich anmutenden Passagen der Thora aufruft? Immerhin gibt es derartige Bestrebungen ja hinreichend gegen den Islam und die Muslime! Wo aber gibt es noch “Judaismus-Experten“, die in ähnlicher Form gegen das Judentum hetzen, wie es heutzutage gegen den Islam durch “Islamexperten“ zur Mode geworden ist?
Aber auch den rassistischen Ansatz der Antisemiten gibt es kaum mehr! Wer fragt denn heute noch danach, welcher Religion oder “Rasse“ die Großeltern angehörten? Und wer richtet sich gegen einen Menschen, weil seine Großeltern Juden waren?
Gott sei Dank, all das gibt es heute nicht mehr! Es gibt den Antisemitismus in seiner klassischen Form faktisch nicht mehr, weder gegen gläubige Juden, noch gegen “ethnische“ Juden! Einzelne versprengte Unbelehrbare können das Gesamtbild nicht trüben!
Ein Antisemitismus ohne Antisemiten ist aber nicht vorstellbar! Und da der Antisemitismus eines der Gründe dafür ist, die auf Gewalt aufgebaute Existenz Israels zu rechtfertigen, muss es per Definition auch Antisemiten geben. Da es die klassische Form nicht mehr gibt, wird eine neue Form festgelegt. Die neue Definition besagt, dass Antizionisten die neuen Antisemiten seien! Diesen Mythos verbreiten Hofjournalisten wie auch Politiker tagtäglich. Selbst im Verfassungsschutzbericht steht diese unwahre Aussage von Jahr zu Jahr immer wieder! Solch eine Behauptung ist aber allein schon deshalb erstaunlich, da sich der Antizionismus gegen eine Ideologie richtet, und die Gegnerschaft zu einer Ideologie ja wohl kaum mit Rassismus verglichen werden kann.
Der Antizionismus richtete sich gegen die Ideologie, die dem Staat Israel zugrunde liegt. Nach jener Ideologie ist es u.a. möglich, dass sich eine Gruppe von Menschen einer bestimmten Ideologie zusammenschließt und auf einem Gebiet, auf dem vormals Hunderttausende anderer Menschen seit Jahrhunderten gelebt haben (die jene Ideologie nicht teilen), mit dem Einsatz von Terrorismus, Gewalt, Vertreibung und Mord einen neuen Staat ausrufen, den es zumindest einige tausend Jahre dort nicht gegeben hat. Die Gründungsgeschichte Israels ist hinreichend bekannt. Selbst wenn man die Darstellung der Israelbefürworter, also der Zionisten selbst, zugrunde legt, eröffnet sich folgende bedeutsame Frage, die kaum ein Zionist bereit ist, in einer sachlichen Diskussion zu beantworten: „Ist die Gründungmethode des Staates Israel eine allgemeingültige Gründungsmethode, die für alle Menschen gilt, oder ist sie Zionisten vorbehalten?“ Haben also Zionisten Sonderrechte in dieser Welt oder gelten ihre Rechte auch für alle anderen Menschen und Völker?
Wenn die Gründungsmethode Israels eine den Zionisten vorbehalten Methode wäre, dann wäre es Unrecht, eine neue Art des ideologischen Wahns und würde die Zionisten in ihrem Unrecht entlarven. Wenn sie hingegen nicht den Zionisten vorbehalten ist, dann muss der Staat Israel ständig mit der Bedrohung leben, dass auf seinem Gebiet eines Tages andere “Zionisten“ auftreten und einen anderen Staat ausrufen, andere Menschen vertreiben usw.. In beiden Fällen wird klar, dass die Gründungsgeschichte Israels auf Unrecht beruht und zukünftiges Unrecht bewirkt. Nicht das Judentum sondern die Gründungsgeschichte Israels ist die Basis für Antizionismus.
Zionisten kommen an dieser Stelle oft mit dem Argument, dass das damalige Unrecht von Nazis ausging und Juden einer Heimat bedurften. Aber das Unrecht, welches Nazis praktiziert haben, kann kaum dafür herhalten, dass 60 Jahre lang Palästinenser in Vertreibung und unter Besatzung leben müssen. Die Tatsache, dass irgend ein Volk dieser Erde von wem auch immer und welchem Ausmaß auch immer (selbst wenn es singulär wäre) unterdrückt wird, die Tatsache, dass ein Völkermord welchen Ausmaßes auch immer ausgeübt wird, gibt niemandem das Recht, irgendwem Unrecht zuzufügen (selbst wenn es nur eine einzige Person wäre). Gestriges Unrecht darf nicht die Rechtfertigung für heutiges und zukünftiges Unrecht sein, selbst wenn das gestrige Unrecht einmalig in seinem Ausmaß wäre und das heutige Unrecht sich nur gegen eine einzige Person richten würde. Das ist ein universelles Gerechtigkeitsverständnis, dem alle friedliebenden Menschen zustimmen würden! So haben z.B. Palästinenser nicht das Recht in irgendeinem Stadtteil Berlins, in dem sie durch Zukäufe und organisierten Umzug in Zukunft die Mehrheit bilden könnten, einen Staat Palästina auszurufen mit welcher Begründung auch immer (und Türken in Kreuzberg haben das Recht auch nicht)!
Heutige Antizionisten richten sich gegen den Zionismus und nicht gegen Juden! Das ist allein schon daran ersichtlich, dass es sehr viele Menschen jüdischen Glaubens gibt, die Antizionisten sind. Außerdem werden auch viele Nichtjuden dem Zionismus zugerechnet. So gilt z.B. US-Präsident Bush als einer der einflussreichsten Zionisten und zuweilen wird sogar Bundeskanzlerin Merkel als Zionistin bezeichnet; beide sind weder ethnisch noch religiös dem Judentum zuzuordnen. Der Antizionismus ist somit eine gegen Rassismus, Vertreibung, Unterdrückung und gegen Besatzung gerichtete Ideologie. Er ist aber nicht gegen Juden gerichtet, sondern wird sogar von zahlreichen Juden mitgetragen! Dieser sehr bedeutsame Unterschied zwischen Zionismus und Judentum wird aber von Zionisten mit allen nur erdenklichen und teilweise unvorstellbaren Mitteln bekämpft!
Wo aber bleiben die echten Antisemiten, wenn sie weder unter Antizionisten noch unter den klassischen Rassisten zu finden sind?
Es gibt heutzutage in Deutschland (aber nicht nur dort) tatsächlich eine sehr einflussreiche und lautstarke jedoch kleine Gruppe von Menschen, die man vom Auftreten, ihren Äußerungen und Veröffentlichungen als Antisemiten bezeichnen könnte. Sie behaupten faktisch, dass jeder Jude immer Jude sei, unabhängig davon, welcher Religion er sich zuwendet. Sie behaupten faktisch, dass jeder Mensch, der das Existenzrecht Israels in seiner heutigen Form ablehnt, ein Antisemit sei. Damit vereinnahmen sie das gesamte Judentum für die Verbrechen Israels! Sie behaupten faktisch, dass Zionismus und Judentum gleich seien und somit jeder Jude der Ideologie des Zionismus angehöre, was eine Verhetzung vieler Juden ist. Sie zeichnen sich dabei insbesondere dadurch aus, dass sie eine rassistische Ideologie verfolgen, denn sie setzen sich in den seltensten Fällen für koscheres Essen noch für irgendein anders Gebot des Judentums ein! Ihr gesamter Einsatz beschränkt sich auf Israel, und sie verdammen jeden, der Israel kritisiert, unabhängig davon, ob es die Gründungsgeschichte ist oder die heutige Besatzung. In ihrer Auseinandersetzung mit Antizionisten lassen sie sich gar nicht erst auf Argumente ein, sondern greifen fast ausschließlich die Person oder Gruppe an, die Israel kritisiert. Ihr gesamtes Verhalten ist nicht auf Sachlichkeit, Gerechtigkeit und Gleichheit der Menschen ausgerichtet sondern ausschließlich auf der Verteidigung jedes Verbrechens Israels! Für sie kommt ein gemeinsamer Staat von Juden, Christen und Muslimen in Jerusalem überhaupt nicht in Frage, und das Rückzugsrecht von vertriebenen Palästinensern lehnen sie ab. Auch verdammen sie jeden Christen, der Juden zum Christentum einlädt (gläubige und praktizierende Juden haben keine solchen Berührungsängste, da sie von ihrer Religion überzeugt sind).
So könnten die Merkmale der wahren Antisemiten unserer Zeit beschrieben werden. Denn sie vereinnahmen jeden Juden der Welt für ihren Zionismus und missbrauchen die Religion des Judentums für ihre Zwecke. Und sie verdammen auch jeden Menschen, selbst wenn er jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft ist, der sich gegen Israel wendet!
Der Zionismus ist eine menschenverachtende Ideologie, die von jedem aufrichtigen Juden, Christen und Muslime gemeinsam abgelehnt werden muss. Und zu behaupten, jeder Antizionist wäre ein Antisemit ist die Methode, mit der man die menschenverachtende Ideologie des Zionismus rechtfertigen möchte. Nein, nicht jeder Antizionist ist ein Antisemit; die allermeisten sind es nicht! Aber fast jeder Zionist, der Israels Besatzung mitträgt und den Besetzten jegliches Recht auf Widerstand abspricht, ist wohl ein Antisemit, denn er missbraucht das Judentum für äußerst unjüdische Zwecke!
Der Friede im Heiligen Land, das für Juden, Christen und Muslime gleichermaßen heilig ist, wird erst dann eine ernsthafte und vorstellbare Option, wenn der Zionismus überwunden ist. Ansätze dafür gibt es immer häufiger und sie machen Mut!
Aufgrund der besonderen Bedeutung und der extremen Verheimlichung durch die Hofberichterstattung der westlichen Medien sei an dieser Stelle wiederholt: Es ist erst wenige Tage her, dass ein von Israelis erschossener Palästinenser durch Organspenden jüdisches Leben gerettet hat. Die Eltern des 18-Jährigen hatten eingewilligt, die Organe ihres Sohnes zur Transplantation freizugeben, und damit wurden gleich sechs Israelis (zumeist Juden) das Leben gerettet! War das nicht eine echte Sensationsmeldung? Hätte nicht jene Meldung über alle Nachrichtensprecher der westlichen Welt verbreitet werden müssen, um darzulegen, wie das Übel der Besatzung durch die Güte und Opferbereitschaft der Eltern eines Ermordeten überwunden werden kann! Hätte es nicht sogar Sondersendungen dafür geben müssen? Aber jene Meldung wurde von den westlichen Medien kollektiv ignoriert, obwohl die israelische Nachrichtenagentur inn sie verbreitet hat!
Der Arzt, der den Eingriff vornahm, sagte: „Ich habe wieder gemerkt, wie Herztransplantationen eine Annäherung zwischen Völkern schaffen können. Es gibt keinen Unterschied zwischen einem jüdischen und einem arabischen Herzen.“
Ja, zwischen einem jüdischen und einem nichtjüdischen Herzen gibt es genau so wenig einen Unterschied, wie zwischen einem christlichen und nichtchristlichen oder muslimischen und nichtmuslimischen Herzen. Es gibt aber einen Unterschied zwischen den Herzen von Antirassisten und Antisemiten, denn letztere Herzen sind verdunkelt. Gott schütze die Menschheit vor jedem Rassisten und Antisemiten.





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