Mahmud Ahmadinejad, zu dem der Spiegelfechter vor etwas mehr als einem Jahr geschrieben hat, er sei nicht ultrarechts, sondern “eher ein linker Islamist“, hat die Präsidentschaftswahlen im Iran wie erwartet haushoch gewonnen. An seinem überzeugenden Wahlsieg ändert auch nichts, dass sein aus der Iran-Contra-Affäre bekannter Gegner zetert und die CIA ihren Mighty Wurlitzer mal wieder auf Hochtouren jaulen lässt.

Verstellt wird durch die Propaganda-Orgel der westlichen “Qualitätsmedien” jedoch der Blick darauf, warum Mahmud Ahmadinejad im Iran so beliebt ist, dass die vom aus London gekommenen Wahlkampfmanager Abolfazl Fateh inszenierte grüne Propagandawelle absolut chancenlos ist. Der Blick dahin ist jedoch höchst aufschlussreich.

George Friedman, Chef des konservativen privaten US-Geheimdienstes Stratfor, erklärte den überzeugenden Wahlsieg von Mahmud Ahmadinejad seinen Lesern mit drei Faktoren. Erstens rede Mahmud Ahmadinejad von Frömmigkeit, was unter der traditionsbewussten Landbevölkerung gut ankomme. Das ist nicht ganz falsch, unterschlägt jedoch, dass Mahmud Ahmadinejad die zur Frömmigkeit gehörende Bescheidenheit selbst vorlebt und dadurch Glaubwürdigkeit ausstrahlt.

Zweitens habe Mahmud Ahmadinejad die Korruption auf die Tagesordnung gesetzt, und zwar ausdrücklich auch die Korruption innerhalb der islamischen Geistlichkeit, die seit der islamischen Revolution Milliarden zusammengerafft haben und entsprechend prunkvoll leben. Das kommt natürlich bei geistigen Würdenträgern wie dem korrupten Milliardär Rafsanjani, der als wichtigster Unterstützer von Moussavi gilt, nicht gut an. Bei den vielen einfachen Revolutionären, die als Pasdaran und Basij zu Hunderttausenden im Irakkrieg ihr Leben zur Verteidigung der islamischen Revolution einschließlich der nationalen Ölreserven gegeben haben und denen die reichen Würdenträger mit der Korruption die Früchte ihrer islamischen Revolution regelrecht gestohlen haben, macht sein Kampf gegen die Korruption Mahmud Ahmadinejad hingegen sehr beliebt.

Als dritten Grund für die enorme Beliebtheit von Mahmud Ahmadinejad führt George Friedman seine nationale Sicherheitspolitik an. Eben jene vielen einfachen Leute, die die Revolution im Krieg gegen den Irak verteidigt haben und die zahlreiche Angehörige in diesem Krieg verloren haben, unterstützen George Friedman zufolge die Politik der militärischen Stärke von Mahmud Ahmadinejad, weil sie nicht um das Erbe ihrer Opfer gebracht werden wollen. Was George Friedman nicht sagt, ergänzt Peter Scholl-Latour bei seiner Analyse des Wahlsieges von Mahmud Ahmadinejad: Inmitten von Nachbarn wie Irak, Afghanistan und Pakistan war der Iran in den letzten Jahren auch objektiv betrachtet geradezu eine Insel von Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit und Ordnung. Ein kurzer Blick auf die Operation Ajax, mit der die CIA im Iran zum Zweck des Öldiebstahls die Demokratie abgeschafft und stattdessen einen Diktator als ihren Statthalter eingesetzt hat, erklärt, warum der Blick der Bevölkerung des Iran für die Verbrechen des US-Imperialismus außergewöhnlich scharf ist und der antiamerikanische außenpolitische Kurs von Mahmud Ahmadinejad zu seiner Beliebtheit beiträgt. So werden auch die derzeitigen Destabilisierungsversuche der USA Mahmud Ahmadinejad letztlich stärken, denn sie bezeugen, dass Mahmud Ahmadinejad mit seinen Vorbehalten gegen die USA absolut richtig liegt.

George Friedman unterschlägt allerdings den wohl mit Abstand wichtigsten Grund für die Popularität von Mahmud Ahmadinejad, nämlich seine Wirtschafts- und Sozialpolitik. Einen zarten Hinweis darauf findet man zum Beispiel in einem Interview von Rüdiger Göbel mit Kambiz Behbahani, dass am 09.06.2009 in der jungen Welt unter dem absurden Titel “Ahmadinedschad ist äußerst unpopulär” veröffentlicht wurde. Das Interview ist zwar eine höchstblamable Schande für die junge Welt, aber bemerkenswert ist folgende Aussage von Kambiz Behbahani:

“Mit allen möglichen materiellen Mitteln versucht Ahmadinedschad, das Volk zu bestechen. Einmal ließ er sogar Kartoffeln verteilen.”

Mahmud Ahmadinejad versucht also das Volk zu bestechen? Mahmud Ahmadinejad lässt lieber Kartoffeln verteilen als mit billigen Wahlkampfpamphleten auf Stimmenfang zu gehen, so wie das der aus London eingeflogene Wahlkampfmanager von Moussavi das gemacht hat? Dass ausgerechnet in der jungen Welt das Auszahlen von Sozialleistungen und das Verteilen von Nahrungsmitteln anstelle von Propaganda als Begründung für die aus der Luft gegriffene Behauptung herhalten muss, dass Mahmud Ahmadinejad unpopulär sein soll, hat schon etwas absurdes an sich. Selbst bei der Welt liest sich das anders. Die hat gerade geschrieben: “die Armen in den Dörfern und Kleinstädten, von denen viele neuerdings ein staatliches Grundeinkommen bekommen, stehen fest zu ihm.” Zur Ehrenrettung der jungen Welt sei allerdings gesagt, dass sie inzwischen weitaus vernünftigere Berichte zum Iran druckt – zum Beispiel “Verlierer will siegen” gestern und “Mäßigung und Protest” heute.

Es gibt zahlreiche weitere Gründe, die für die große Popularität des Studenten aus bescheidenen Verhältnissen mit exzellenten Noten, der als Gouverneur von Ardabil dreimal hintereinander als bester Gouverneur des Landes ausgezeichnet wurde, als Bürgermeister von Teheran einer der Favoriten für die Auszeichnung World Mayor war und nun als Präsident des Iran einer korrupten Clique von Milliardären den Kampf angesagt hat, mitverantwortlich sind. Um hier nur einige zu nennen: mit dem Atomprogramm sorgt er dafür, dass Öl zukünftig weniger zur Stromerzeugung verschwendet werden muss und mehr Exporterlöse erzielt werden können. Mit einer gezielten Politik der regionalen dezentralen Wirtschaftsförderung sorgt er dafür, dass sich die Lebensbedingungen in rückständigen Provinzen verbessern und der Run der Bevölkerung auf die Großstädte verringert wird. Leser seien hiermit angeregt, nicht auf die Lügenkampagnen der Massenmedien hereinzufallen und selbst weitere Informationen zu Mahmud Ahmadinejad zu recherchieren, die die von den Geheimdiensten gesteuerte westliche Presse systematisch sinnentstellend verfälscht oder komplett unterschlägt.

Quelle

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