Gekuschel unter der Kriegsflagge
Evelyn Hecht-Galinski* redet und schreibt gegen das zionistische Regime in Tel Aviv an. Henryk M. Broder, Jude, hat der Jüdin deshalb Judäophobie vorgeworfen. Hecht-Galinski verklagte Broder, das Verfahren läuft.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich schützend hinter Broder gestellt. Stefan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats schrieb an den Journalisten Benjamin Weinthal:
Ich teile die Auffassung von Henryk M. Broder. Es ist ein seltenes Phänomen, dass sich selbst Juden antisemitisch und antizionistisch äußern und Frau Hecht-Galinski ist eine der führenden Vertreterinnen, die offensichtlich ihren Selbsthass in antisemitischen und antizionistischen Äußerungen zu bewältigen versucht. Der Zentralrat wird Henryk Broder in dem Prozess unterstützen, wenn Frau Hecht-Galinski glaubt, dieses Problem juristisch lösen zu müssen. (1)
Übersetzung aus dem Englischen und Zeichensetzung von Ulrich W. Sahm
Die Mehrheit im Zentralrat der Juden unterstützt seit langem die israelische Staats- und Regierungspolitik. Wo sie nur kann, mischt und implantiert sie das giftige Amalgam aus Jüdischkeit und Zionismus. Daß sie mit dem Judentum als Bekenntnis nichts am Hut hat, beweist der gläubige Jude Rolf Verleger, der im Zentralrat die Minderheit vertritt. In „Israels Irrweg. Eine jüdische Sicht“ stellt er sich scharf gegen die israelische Staats- und Regierungspolitik, gegen die Kriegs-Zionisten im Zentralrat und auch gegen Henryk M. Broder. Verleger begründet seine Position weitgehend theologisch, ergreift aber politisch Partei. Er teilt Grundpositionen mit Evelyn Hecht-Galinski, ebenso wie mit der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost.
Die Zentralratsmehrheit verhält sich dagegen so wie alle Organisationen, denen das Kapital gewogen sein soll; so wie die Katholische Kirche und die evangelischen Deutschen Christen in der Nazi-Zeit; so wie die Grünen 1998/99, als das deutsche Kapital die endgültige Zerschlagung des widerspenstigen Jugoslawien für geboten hielt; und so wie Die Linke in Berlin – opportunistisch.
Die Mehrheit im Zentralrat der Juden ist weder besonders jüdisch, noch besonders verworfen. Sie besteht zum größten Teil aus Mittelstand, der zuverlässigen Säule des großen Kapitals im Volk. Sie verdient ihr Geld mit Pelzhandel oder Makelei, beim judäophilen Presse-Mainstream oder auf höchst ehrenhafte Weise, ganz so wie der Vorstand des Lions Club Ahrensburg oder die Macher bei Scientology. Die Zentralratsmehrheit verdrischt mit dem Vorwurf der Judäophobie, wer immer die Interessen der Rüstungs- und Sicherheitsindustriellen, gleich welcher Nationalität, angreift. Besonders brutal schlägt sie zu, wenn’s eine Schwester ist. Vermag doch die Friedensjüdin Hecht-Galinski den Kriegsjuden hinter Broder die Tarnkappe der Jüdischkeit vom Gesicht zu reißen. Hervor tritt geschäftsfördernder Pro-Imperialismus und das Weltbild aus Bild und Welt: vom guten Israel und vom bösen Islam.
Die jugendlichen Schwärmer übrigens, die sich bei Demonstrationen für den Kriegsstaat in israelische Fahnen hüllen wie, wenn’s kühl wird, ihre Großeltern in Decken am Jungfernstieg, die lassen sich statt Oliver neuerdings Moishe rufen. Sie verstecken ihre meist munteren Gesichter hinter großen Sonnenbrillen vor den überall lauernden Antisemiten und freuen sich auf den Flug nach Israel wie einst die westdeutschen Schulklassen auf die Bahnfahrt ins geteilte Berlin. Daß die Reise billig wird, dafür sorgt die Deutsch-Israelische Gesellschaft.
Ach, wie ist’s schön gruselig, ein Opfer zu sein – und tut auch gar nicht weh.


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