Letzte Woche gab der Ölpreis etwas nach. Viele glaubten das läge an vollen Lagern in den USA. In Wirklichkeit haben die Amerikaner beschlossen jetzt die Kriegsbeute einzufahren. Das Öl darf gestohlen werden.

Vielen Leuten war es von Anfang an klar, weshalb die USA den Irak überfallen haben. Es ging um das irakische Öl. Natürlich war Saddam Hussein kein netter Mensch. Er war ein Diktator von Amerikas Gnaden. Das änderte sich erst, als er es nicht schaffte das iranische Öl zu erobern, obwohl er von den USA jede Waffenhilfe bekam, die unterhalb der Atombombe auch nur vorstellbar ist.

Natürlich durfte er mit dem Giftgas auch ein paar Kurden erledigen, die am Rande störten. Aber es half alles nichts. Der Irak war nicht in der Lage den bösen Iran zu besiegen. Also musste Saddam weg. Das erledigte Madeleine K. Albright, als sie ihm vorspielte, dass die USA ein Interesse daran habe, dass der Irak Kuweit angreift und die kuwaitische Führung davonjagt um dann das kuwaitische Öl billig an die USA zu verkaufen.
Dass war für Saddam einsichtig, hatte er doch schon das Öl des Iran für die USA stehlen sollen. Saddam Hussein brauchte Krieg, damit seine eigenen Leute nicht auf die Idee kamen nachzufragen, wo denn all das Geld bleibe und was mit Demokratie sei. Deshalb machen ja alle Politiker die nichts taugen so gerne Krieg. Peter Struck, der Sozialdemokrat der Deutschland wieder in den Krieg brachte, ist ein gutes Beispiel.

Allerdings hatte Saddam nicht damit gerechnet, dass die USA ihre Propagandamaschine längst gegen ihn in Stellung gebracht hatte. Es funktionierte auch Anfangs ganz gut. Babys die aus ihren Betten gerissen wurden, waren zur besten Sendezeit im Fernsehen, aber es reichte nicht. Man konnte zwar große Teile von Saddams militärischer Macht zerschlagen, aber es gab keine Akzeptanz für die Besetzung des Irak.

Dafür sorgte dann der nächste amerikanische Außenminister Colin Powell indem er der Welt vorlog, das der Irak biologische und chemische Waffen besäße. Der Höhepunkt waren Bilder von fahrenden Fabriken. Das gleiche Muster nachdem heute darüber gelogen wird, dass er Iran Atombomben entwickele.

Die Lügen erreichten ihr Ziel in für amerikanische und englische Zwecke ausreichender Qualtiät, so dass der Angrifsskrieg geführt werden konnte, zumal keine UNO-Entscheidung zu befürchten war, weil zwei Vetomächte sich am Überfall beteiligten. Natürlich gab es die ganze Zeit des Krieges über Proteste, die Lügen wurden aufgedeckt, aber es änderte sich nichts.

Eine ganze Zeit über sah es so aus, als würden die USA im Irak ein neues Vietnam erleben, aber dazu ist die Landschaft einfach zu offen. Wer die Luftherrschaft hat, der herrscht über das Land. Anders als in Afghanistan bietet das Gelände nur wenig Möglichkeiten, auch gegen einen überlegenen Gegner zu kämpfen. Trotzdem war der Kampf schwer und ist bis heute noch nicht wirklich beendet.

Allerdings sind sowohl die Iraker als auch die Amerikaner müde geworden. Es ist eine Art Patt-Situation entstanden. Beide Seiten wissen, dass sie nicht wirklich gewinnen können. Vielleicht hat diese Erkenntnis dazu geführt, dass man sich einigen konnte. Die Amerikaner werden das Land offiziell weitgehend verlassen. Damit hat der Irak sein Gesicht gewahrt.

Tatsächlich behalten die Amerikaner die Lufthoheit, eine Reihe von strategisch wichtigen Stützpunkten und natürlich die Kontrolle über das Land. Anstatt amerikanischer Soldaten werden amerikanische und andere Söldner eingesetzt, die zudem den Vorteil haben, an gar keine Gesetze gebunden zu sein. Ziel ist nur das irakische Öl rasch auszubeuten und Kräfte frei zu bekommen für einen Angriff auf den Iran.

Der Hintergedanke ist einfach. Wenn die USA den Iran angreift, glaubt sie, auch die Zustimmung für schiitische Kräfte im Irak zu schwächen. Dies ist aber nur vordergründig so. Das Sterben ihrer Glaubensbrüder im Iran wird nur neue Wut erzeugen und viele neue Partisanen, die dann als Terroristen bekämpft werden müssen.

Natürlich haben die USA verkürzte Pipeline-Strecken im Irak geplant um ihre Beute in Richtung Türkei und auf anderen Wegen schneller aus dem Land zu schaffen. Da sind sie wie jeder Kriminelle der einen Schnapsladen überfällt, auf möglichst gute und schnelle Rückzugsmöglichkeiten erpicht. Dummerweise liegt das Öl nicht in einer Ladenkasse, sondern muss unter der Erde hervor gepumpt und dann durch Pipelines transportiert werden.

Dieser Schönheitsfehler mit den Pipelines brachte die Amerikaner auf eine tolle Idee. Es wird einfach eine alte Firma reaktiviert. Die Iraq Petrol Company und ihre Vorgänger sind der Grund für eine Menge Hass und Verzweiflung in dieser Gegend gewesen:

Zusammen mit den Konzessionen zum Bau der Bagdadbahn hatte die Deutsche Bank im Jahr 1903 das Recht erlangt, entlang der auch durch das Vilayet Mosul führenden Bahntrasse nach Bodenschätzen zu schürfen. 1912 wurde die Türkische Petroleumgesellschaft als ein internationales Kartell zur Ausbeutung der Ölverkommen in den Vilayets Mosul und Bagdad gegründet. Jeweils ein Viertel gehörte der Deutschen Bank und der niederländisch-britischen Royal Dutch-Shell, die anderen 50 Prozent hielt die Türkische Nationalbank. Die Deutsche Bank, die ihr Engagement in der Ölförderung der Realisierung der Bagdadbahnpläne unterordnete, hatte ihre Ölkonzessionen an diese neue Gesellschaft übertragen, um durch Zugeständnisse an England in der Ölfrage den Weg für den Bahnbau bis nach Basra freizumachen. Zudem verfügte das deutsche Kapital nicht über ausreichende Finanzmittel, um die Ölquellen alleine auszubeuten.

Nachdem die Anglo-Persian Oil-Company am 28. Juni 1914, dem Tag der Schüsse von Sarajevo, die Anteile der Türkischen Nationalbank aufkaufen konnte, waren die mesopotamischen Ölquellen mehrheitlich in britischen Händen. Am 20. Mai 1914 übernahm die britische Regierung die Aktienmehrheit der Anglo-Persian und wurde damit entsprechend einer Forderung des Marineministers Winston Churchill am Vorabend des Weltkrieges zur direkten Eigentümerin am kriegswichtigen mesopotamischen Öl.

Der Ausbruch des Krieges verhinderte den Abschluß des Konzessionsvertrages für die Vilayets Mosul und Bagdad zwischen dem osmanischen Finanzministerium und der Turkish-Petroleum Co. Schon bei Kriegsbeginn hatten die britischen Mehrheitseigentümer der Deutschen Bank die Verfügungsgewalt über ihren Anteil an der Ölgesellschaft entzogen und später im Abkommen von San Remo im Jahr 1920 der alliierten Siegermacht Frankreich diesen Anteil übertragen.

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Am 6. Juni 1926 verzichtete die Türkei in einem Abkommen mit Großbritannien schließlich offiziell auf die Provinz Mosul und erkannte die vom Völkerbund vorgeschlagene Grenzlinie an. Dafür wurden der Türkei für 25 Jahre zehn Prozent der Einkünfte aus dem Mosul-Öl zugestanden. (…)

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1927 – nach einem Vierteljahrhundert blutiger Kämpfe – konnte endlich im Brunnen von Baba Gurgur bei Kirkuk das erste Öl gefördert werden. Aus einer einzigen Quelle flossen in drei Tagen 36000 Tonnen des schwarzen Goldes. Der erste Transport von Rohöl setzte 1934 ein und 1935 wurde eine Doppelpipeline von Kirkuk zum Mittelmeerhafen von Haifa in der britischen Mandatszone und in Tripoli in der französischen Zone eröffnet.

Die Machtteilung innerhalb der Iraq Petrol Company mit Sitz in Kirkuk, die als internationales Kartell zur Ausbeutung des mesopotamischen Öls gegründet worden war, hatten US-amerikanische und britische Ölkonzerne bereits im Sommer 1922 geregelt. Jeweils 23,75 Prozent des Mosul-Öls gingen demnach an die britische Anglo-Persian, die amerikanische Standard Oil, die britisch-niederländische Royal Dutch-Shell und die staatliche französische Compagnie Francaise des Pétroles. Fünf Prozent erhielt der armenische Ölmogul Gulbenkian. Unter der Losung »das arabische Öl den Arabern« enteignete und verstaatlichte die Baath-Regierung am 1. Juni 1972 die Iraq Petrol Company entschädigungslos gegen den Widerstand der britisch-amerikanisch-niederländischen Anteilseigner.

Durch eine Neuauflage dieser Firma soll also an der Stelle weitergemacht werden, wo man 1972 aufhören musste. Diese Enteignung war eigentlich eine Entkolonalisierung, aber das sehen die imperialen Mächte natürlich anders.

Einer der Streitpunkte des neuen Ölvertrages wäre ja auf jeden Fall die Verteilung des Reichtums gewesen. Unnötig zu sagen, das zwar nur Briten und Amerikaner offiziell für den Öldiebstahl gekämpft haben, aber selbstverständlich wollen natürlich auch die anderen ehemaligen Besitzer ihren Anteil und selbst Deutschland wird seine nie offiziell zugegebene Beteiligung an diesem Krieg in die Waagschale werfen.

Wenn man also die neuen Teilhaber des Ölgeschäftes sucht, muss man nach den alten Besitzern schauen. Chevron, Exxon Mobil, Shell, BP, Total, und ein paar kleinere Partner stehen schon in den Startlöchern. Selbstverständlich sind auch die Spekulanten schon fleißig am Werk.

Natürlich gehört dieses Angebot in die gleiche Kategorie wie jenes Superangebot und wer darauf eingeht, erhält vermutlich unterhaltsame Post für teures Geld. Aber da wo die kleinen Spekulanten und Verführer in den Startlöchern stehen sind die großen längst am Werke.

Allerdings wird es wie bei jedem anderen Raubüberfall schnell gehen müssen. Schnell rein und schnell wieder raus. Man kann ein Land wie den Irak locker besiegen. Man kann ihn unter der Knute halten und seine Regierung praktisch übernehmen. Darin haben die USA Erfahrung. Das machen sie ja schon seit Jahrzehnten so.

Man kann aber nicht die Bevölkerung eines Flächenstaates kontrollieren und man kann niemals alle Förderstellen und alle Pipelines bewachen. Kurzfristig mag das funktionieren, langfristig wird es nicht gehen. Es kommt also alles darauf an, die irakischen Felder leer zu pumpen bevor man sich zurückziehen muss. Das bedeutet eine US-gestützte Diktatur im Irak und später auch im Iran.

Der Aufwand wird sich auch einige Zeit rechnen, aber auch bei ständig steigendem Ölpreis geht es in beiden Ländern bestenfalls bis zum Peak Oil, der nach Meinung aller Experten als noch nicht erreicht gilt. Das Dumme daran ist jedoch, das niemand weiß, wieviel Öl Saddam und der Iran ohne Meldungen verkauft haben.

Es ist klar, das alle Ölförderstaaten entgegen den Abstimmungen in der OPEC immer mehr Öl exportiert haben, als sie gemeldet hatten. Genau diese Menge Öl ist aber heute das Problem für die Wirtschaftlichkeitsberechnung des irakischen und iranischen Öls.

Einige Fachleute wie die Internationalen Energieagentur (IEA) mit Sitz in Paris glauben das im Irak derzeit 2,5 Millionen Barrel pro Tag gefördert werden, die langfristig auf 3 Millionen Barrel pro Tag ausgebaut werden könnten. Einige glauben an 5 – 7 Millionen Barrel mit viel mehr Förderstellen und Transportkapazität, was aber zu einer Verkürzung oder besser Halbierung des Förderzeitraumes führen würde.

Alles steht und fällt mit der Frage wie schnell das Raubgut in Sicherheit gebracht werden kann, bevor die irakische Bevölkerung nicht mehr mitspielt. Es ist die Frage wie lange ein Volk unterdrückt werden kann, bevor die Kosten für die Unterdrückung höher sind als der Nutzen.

Noch steht eine Antwort aus, aber die Welt wird sie bekommen. Im Iran und im Irak. Unausweichlich. Während Präsident Bush ja noch persönliche Motive zur Beteilgung an dieser Art von Staatskriminalität hat, schließlich war sein Großvater Prescott Bush einer der Strippenzieher, wird sein Nachfolger wohl nur noch von seinen persönlichen finanziellen Motiven geleitet sein.

Es geht wie immer nur ums Geschäft. Menschen sollten sich dem nicht in Weg stellen. Sie werden es kaum überleben. Es ist anzunehmen das der “Friede” im Irak mehr Menschenleben kosten wird, als es der Krieg getan hat und das sich die Gefängnisse füllen werden. Blutiges Öl.

Quelle