Bislang unbestätigten Meldungen zu Folge könnte sich die US-Armee gegenwärtig verstärkt in den somalischen Bürgerkrieg einmischen. So soll die Luftwaffe nach Agentur-Berichten einen Angriff im zentralen Bereich des Landes geflogen haben. Bereits zuvor räumte das US-Militär die möglicherweise gezielte Tötung eines hochrangigen Mitglieds einer Nachfolgeorganisation der „Islamischen Gerichte“ ein. Im Land selbst gab es mittlerweile massive Proteste gegen die Einmischung.
Der Nachrichtenagentur AP zu Folge soll die US-Luftwaffe offenbar am Dienstag einen Angriff auf ein Gebiet im Zentrum des ostafrikanischen Landes geflogen haben. Zehn Explosionen seien zu hören gewesen. Über Tote oder Verwundete lagen keine Angaben vor. Stunden zuvor hätten sich, wie es formuliert wurde, „bewaffnete Zivilisten“ in dem Gebiet aufgehalten. Die Agentur beruft sich dabei auf einen Sprecher der betroffenen Gruppe, dem Anonymität zugesagt worden sei.
Das US-Militär bestritt den Angriff mittlerweile. Ein Sprecher in Tampa (Floria) erklärte, in der fraglichen Zeit habe es keinerlei Aktivitäten gegeben. Bestätigt wurde hingegen ein Angriff in der vergangenen Woche. Dabei kam der hochrangige Führer der islamischen Rebellen, Aden Hashi Ayro, ums Leben. Zudem starben nach unterschiedlichen Angaben zwischen zehn und 24 weitere Personen, deren Identität ungeklärt ist.
Ayro war Offizier der bewaffneten Organe der „Islamischen Gerichte“ und zeitweise offenbar Kommandeur von Mogadischu. Die „Gerichte“ hatte Somalia im Jahre 2006 weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht und dabei erstmals seit dem Zusammenbruch der staatlichen Ordnung ein gewisses Maß an Verwaltung in dem Land geschaffen. Ende 2006 wurden sie von äthiopischen Truppen zunächst gestürzt, die eine weitgehend handlungsunfähige Regierung unter Staatspräsident Abdullahi Yusuf Ahmed einsetzten. Dessen sog. Übergangsregierung, die ihren Sitz in Baidoa hat, war jedoch bislang nicht in der Lage, die Kontrolle über das Land effektiv auszuüben. Ihr Einfluß beschränkt sich auf das Gebit des Regierungssitzes, sowie das inzwischen autonome Puntland – die Machtbasis von Yusuf.
Möglich ist dabei, daß die US-Einmischung die bevorstehenden Friedensverhandlungen mit der „Allianz zur Befreiung Somalias“ unterstützen sollten. Diese sind ab dem 10. Mai in Dschibuti geplant. Die Allianz war im vergangenen Herbst mit Unterstützung des mit Äthiopien verbündeten Eritrea in dessen Hauptstadt Asmara als Gegenbewegung zur „Übergangsregierung“ gebildet worden. Sie dürfte vor allem auch eine Stellvertreterorganisation des mit Äthiopien verfeindeten Eritreas darstellen. Abgelehnt werden die Verhandlungen dabei von der aus den „Gerichten“ hervorgegangenen Organisation al-Shabaab, deren Mitglieder die nun gemeldeten Attacken offenbar galten. Zumindest im Fall des Luftschlages der vergangenen Woche bestätigte ein Vertreter der Organisation diese Vermutung. „Unser Märtyrerbruder Aden Hashi hat erhalten, wonach er gesucht hat – den Tod im Dienste Allahs, aus den Händen der USA“, so Scheich Robow nach Medienangaben. „Dies wird uns nicht abschrecken, unseren Heiligen Krieg gegen die Feinde Allahs fortzusetzen.“
Demnach hatten die USA im vergangenen Jahr bereits mehrfach versucht, gegen Ayro vorzugehen und sein Lager mit Raketen anzugreifen. Der Getötete wird demnach auch mit den Taliban in Afghanistan in Verbindung gebracht und soll sich in den 90er Jahren dort in Ausbildungslagern aufgehalten haben.
Die Haltung der somalischen Bevölkerung, die unter der Yusuf-“Regierung“ nach Angaben der Organisation Transparency International in dem weltweit korruptesten Land, nach Meinung der Mo Ibrahim Foundation in dem am schlechtesten regierten Staat Afrikas lebt, scheint dabei eindeutig. Nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP, auf die sich ein Fernsehsender aus dem benachbarten Somaliland beruft, protestierten am Wochenende rund 100.000 Menschen gegen den Luftangriff der Amerikaner. Die Demonstration fand demnach im Handelsort Dhusamareb, rund 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Mogadischu, statt, in dessen Nähe sich der Angriff abgespielt haben soll.
Die Garantiestaaten der „Übergangsregierung“ scheinen dennoch an dieser festhalten zu wollen. So waren sich die Präsidenten von Uganda und Tansania, Yoweri Museveni und Jakaya Kikwete, bei einer Unterredung in der uganischen Hauptstadt Kampala dieser Tage einig über weitere Truppenentsendungen nach Somalia. Kikwete ist gegenwärtig auch Präsident der Afrikanischen Union, einer dem Brüsseler Gebilde nachgestellten Organisation. Wichtig ist diese Position vor allem, da Uganda mit rund 1600 Mann das größte Kontingent der Besatzungstruppen stellt.
Den Kriegsverlauf kann dies jedoch offenbar kaum beeinflußen. So befinden sich die islamischen Truppen seit ihrem zeitweisen Rückzug vor über einem Jahr fast ungebremst auf dem Vormarsch. Laut Internetangaben soll es in diesem Jahr bereits Kämpfe um Mogadischu gegeben haben. In weiten Teilen des südlichen Landesteils herrschen dabei jedoch offenbar weiterhin vor allem lokale Anführer.
Quelle: http://www.berlinerumschau.com/


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