Mariella Ourghi hat in der Süddeutschen Zeitung vom 26. März 2008 auf Katajun Amirpurs Beitrag in der Süddeutschen vom 15./16. März 2008 reagiert: “Es ist also wohl eher Haarspalterei, auf gewisse Übersetzungsungenauigkeiten zu verweisen. An Sinn und Zielsetzung des Satzes” von Mahmud Ahmadinedschad über das Regime, das Al-Quds besetzt hält, ändere es wenig.
Ourghis “Übersetzungsungenauigkeiten” balancieren allerdings auf dem Grat zwischen Krieg und Frieden. Deshalb hier so genau wie möglich; der fragliche Satz im Original als Faksimile lautet:
Transkiption:
in rezhim-e eshghalgar-e Qods bayad az safhe-ye ruzgar mahv shavad.
Leider hat auch Katajun Amirpur in ihrer Übersetzung
a) “(-e) Qods” (Jerusalem) weggelassen,
b) mit der einschränkenden Formulierung “Besatzerregime” übersehen, daß Ahmadinedschad primär auf das zionistische Regime als solches zielt, welches allerdings markanterweise Jerusalem besetzt hält. So lautete der Titel von Ahmadinedschads Rede denn auch “Die Welt ohne Zionismus” und nicht “Die Welt ohne die Besatzung Jerusalems”, c) im Widerspruch zu a) und b) als Gesamtaussage Ahmadinedschads Forderung herausgelesen, lediglich die Besatzung Jerusalems sei zu beenden.
Erörterungen, ob Ahmadinedschad Jerusalem, einen Teil davon, die Levante oder die Welt von Besatzern geräumt sehen wolle, erleichtern deshalb in keiner Weise das Verständnis des Satzes und verfehlen sogar seine Zentralaussage. Mariella Ourghi ergeht sich anschließend in Mythen. Sie tragen ebenfalls nichts zu einer treffenden Übersetzung bei. Hier der Kommentar, den freundlicherweise der Farsi-kundige Schmidt-Polyglott übersandt hat:
Dieses Regime, das Jerusalem besetzt hält, muss von der Seite der Geschichte (wörtlicher: von der Seite der Zeit/des Zeitenlaufs) verschwinden.So hat es Prof. Juan Cole korrekt übersetzt und Jonathan Steele im Guardian exakt wiedergegeben. Alle anderen Wiedergaben haben schwere inhaltliche Schlagseite. Dies ist insofern wichtig, als der von Frau Amirpur gewählte Terminus “Besatzerregime” weder vom persischen Text gedeckt ist, noch vor allem freihändig interpretiert und eventuell nur auf
a) die “Besatzung der besetzten Gebiete = Westbank”
oder
b) auf diejenige Jerusalems bezogen werden darf; das würde zu kurz greifen:Die Erwähnung von Qods=Jerusalem erfolgt hier allein pars pro toto, als Symbol, und meint nicht etwa, dass die Besetzung Jerusalems die einzige verwerfliche sei und mit ihrer Aufhebung schon der Gerechtigkeit Genüge getan wäre.
Oder noch anders: Nicht nur das Regime, das Jerusalem … oder die Westbank … oder sonst etwas, außerhalb des (übrigens noch undefinierten) israelischen Territoriums, besetzt hält, soll verschwinden und etwa einem anderen Regime Platz machen, das sich zionistisch in immer noch zwangsangeeignetem Gebiet austoben kann, zum Beispiel gegen die “israelischen Araber/Palästinenser” in einem “Kern-Israel”.
Es geht vielmehr um eine Gesamtrevision/Neuordnung nach Maßgabe des demokratischen Willens aller Einwohner Israels/Palästinas, siehe die Forderung Ahmadinedschads nach einer Volksabstimmung:
“Ein Staat für alle seine Bewohner”.



7 comments
Comments feed for this article
April 1, 2008 um 4:30
djdeutschland
Wirklich gute Arbeit.
Es gibt ja ne’ ganze Menge von Achmadine, z.B.
einen Brief an die Kanzlerin den man als Deutscher gar nicht erst zu lesen bekommt.
Aber warum unbedingt das Banner der Islamischen
Rebublik in allen Teilen der Welt aufrichten?
Warum immer Weltherrschaft?
Was hat Religion mit Freiheit zu tun?
April 1, 2008 um 4:53
islamicrevolutionservice
Es heisst ja nicht umsonst: “Eine Bewegung, die um des Islam willen erfolgt,ist die Bewegung der Propheten.Auch sie, die Bewegung der Propheten,war nicht auf ein Gebiet begrenzt.Der Prophet des Islam stammte aus Arabien,seine Einladung aber erging nicht nur an die arabische Bevölkerung,war nicht nur auf die arabische Halbinsel beschränkt,sondern meinte alle,die gesamte Welt.”
Es gibt eine Aufforderung Allahs im Heiligen Koran den Glauben des Islam auf der ganzen Welt zu verbreiten!!
April 1, 2008 um 8:11
djdeutschland
Danke für die Einladung!
Die Frage ist ja, muß ich’s glauben
oder darf ich es erfahren.
Also was ist mit Freiheit?
Der Freiheit des Einzelnen?
Zu dem Beeindruckensten was ich auf WordPress gefunden habe,
gehört dieser Film bei ‘Gegen den Strom’ mit dem kleinen Mädchen, dem man auch wenn man es nicht versteht, unbedingt zu Hilfe kommen will.
Ich bin sicher, man kann überall auf der Welt solch’ verzweifelte Kinder finden.
Und das ist keine Propaganda.
April 8, 2008 um 3:18
nexuslex
Gut zu wissen. Damit ist es wohl klar, das der Islam in Europa eindeutig
in seine Schranken verwiesen werden muss. Wird sind und bleiben pluralistisch, tolerant . Man sollte Toleranz und Respekt nicht missinterpretieren.
Hier werden wir das andere Haus sein, unseres.
Heisst es bei Ihnen auch beten und arbeiten ?
Verzeihung ich weiß nicht soviel über ihre Religion, nur was man so mitkriegt, und das ist extrem widersprüchlich.
Eine Frage hätte ich noch. Ihr deutsch ist ja beeindruckend gut. Warum leben sie in Europa? Warum nicht in einer islamischen Republik. Wenn sie unter islamischer Herrschaft leben wollen, warum sind sie dann hierher gekommen? Sie scheinen hier ja eine gute Schulbildung genossen zu haben, warum arbeiten sie nicht an Projekten,um den Lebensstandard der Armen in ihrer Heimat zu verbessern? Das hier ist kein fruchtbares Projekt, auch wenn es die Ölpreise hochhält.
Möge die Vernunft und Gutherzigkeit der Menschen ein für alle gütliches Zusammenleben weiterführen. Das ist meine Hoffnung.
. Man sollte sich um die Zukunft kümmern. Und die liegt nicht in dunklen Zeiten ( mit Intel inside), diese Meinung erlaube ich mir zu haben, schließlich haben wir hier ein sehr modernes Grundgesetz.
April 10, 2008 um 3:31
islamicrevolutionservice
Wie schon zuvor gesagt. Allah hat uns einen Auftrag erteilt. Diesen gilt es zu erfüllen, egal wie lange es auch dauern möge. Könnte man ja auch fragen was machen christliche Missionare in Ländern in denen es nur wenige oder niemals Christen gab. Im Irak benutzten christliche Missionare sogar den Überfall der USA auf den Irak um dort jetzt Missionierung zu betreiben!! Genauso geschieht es in Afghanistan!!
Allahs Gesetzen muß Geltung verschafft werden,weltweit, denn sie sind für alle Ewigkeit und werden immer über weltlichen Gesetzen stehen.
Das langsame zusammenbrechen des Kapitalfaschismus zeigt uns daß wir auf dem richtigen Weg sind. Denn die westlichen Demokratien stehen und fallen mit dem Kapitalismus. Fehlt das Geld gibt es auch keine mächtigen Armeen mehr die jeden Widerstand gegen westliche Habgier,Arroganz und Hochmut niederwalzen und Despoten, wie z.B.: in Saudi-Arabien, unterstützen.
Revolution! Revolution! Nicht vom Osten!! Nicht vom Westen!! ISLAMISCHE REVOLUTION!!!
April 14, 2008 um 6:05
Anonym
Leider missbrauchen sogenannte Gläubige immer wieder Ihre Religion für Expansionsgelüste- nicht zuletzt auch damit die eigene Bedeutung an Gewicht gewinnt.
Solange jeder dem anderen seine Religion aufzwingen will werden sie scheitern
April 14, 2008 um 6:18
islamicrevolutionservice
Sie vergessen das es in jeder Offenbarung Gottes die Aufforderung den Glauben Gottes auf allen Teilen der Welt zu verbreiten,so auch eben in Gottes letztgültiger Offenbarung,dem Heiligen Koran.
Und auch gibt es keinen Zwang in den Glauben des Islam.