Mit einem Schreckensszenario hat sich Israel einem Zeitungsbericht zufolge auf einen möglichen opferreichen Krieg gegen die libanesische Hisbollah-Miliz vorbereitet. Das geheime Szenario, dass vom Katastrophenschutz-Büro der Regierung entworfen worden sei, gehe von hunderten Toten und tausenden Verletzten durch Raketen der schiitischen Hisbollah auf israelisches Gebiet aus, berichtete die Zeitung “Jediot Ahronot” am Montag. Der Entwurf gehe von einem einmonatigen Konflikt unter Beteiligung Syriens und des Iran aus. Die Experten halten demnach den Raketenbeschuss der Metropole Tel Aviv, eine vollständige Lahmlegung des dortigen Flughafens Ben Gurion, einen Zusammenbruch der Wasserversorgung sowie lange Stromausfälle für möglich.Das als geheim eingestufte Gedankenspiel sei den betroffenen Ministerien und Kommunen zugeleitet worden, berichtete “Jediot Ahronot” weiter. Es enthalte nach Angaben der Autoren denkbare schwerwiegende Ereignisse, “die zum Teil die Haare zu Berge stehen lassen”. Das Papier ist demnach eine Konsequenz aus dem rund fünfwöchigen Libanon-Krieg im Sommer 2006, den die israelische Armee gegen die Hisbollah führte.

Luftangriffe befürchtet

Dem Szenario zufolge würde Syrien auf den von Israel 1967 besetzten Golan-Höhen angreifen und tausende Raketen auf Ortschaften im angrenzenden Galiläa abschießen. Auch die Hisbollah würde dem Szenario zufolge Raketen auf diese Region sowie auf die nordisraelische Stadt Haifa und auf Tel Aviv abfeuern. Israel würde zudem von Raketen aus dem Iran, dem Gazastreifen und dem Westjordanland sowie Selbstmordanschlägen von Palästinensern erschüttert. Auch Luftangriffe auf militärische und strategische Ziele in Israel sowie Entführungen von Zivilisten und Soldaten werden der Zeitung zufolge befürchtet. Laut Szenario würden bis zu 230 Zivilisten getötet und bis zu 16.000 weitere verletzt, davon 1200 schwer. Bis zu 227.000 Menschen würden obdachlos.

Die Gefahr eines neuen Konflikts mit der pro-iranischen schiitischen Miliz hatte sich in den vergangenen Wochen konkretisiert, nachdem Mitte Februar der Hisbollah-Anführer Imad Mugnieh in der syrischen Hauptstadt Damaskus getötet worden war. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah hatte Israel für den Anschlag verantwortlich gemacht und dem Land den “offenen Krieg” erklärt. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak sagte am Montag im staatlichen Rundfunk, Sicherheitskräfte und Geheimdienste seien gut auf mögliche Gewalt der Hisbollah vorbereitet.

Quelle: http://www.ksta.de