Ifo Chef Hans-Werner Sinn hat wieder zugeschlagen:

Manager sollen ruhig zu viel verdienen dürfen, die neue Transparenz bei Managergehältern fördere den Neidkomplex der Menschen und sei deshalb schädlich für die Wirtschaft, im Extremfall könnten als Folge sogar Arbeitsplätze vernichtet werden. “Mit etwas mehr Ungerechtigkeit lebt es sich besser“

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Es ist schon ein dicker Hund, dass ein mit einem krisensicheren Lehrstuhl ausgestatteter, über öffentliche Mittel finanzierter Wirtschaftsprofessor nichts anderes zu tun hat, als sich um die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen der Menschen Gedanken zu machen, die sein Gehalt über ihre Steuern finanzieren.

Quelle: IG Metall Bayern online

An dieser Stelle sei auf die Worte Sinns hingewiesen, die offenbaren, wes Geistes Kinder sich in den Lehrstühlen dieser Republik breitmachen. Aus einer Stellung der Sicherheit heraus plädieren sie dafür, den sozialen Frieden endgültig als Ziel eines modernen Staatswesens aufzugeben. Bellum omnium contra omnes – dies wäre wohl das Modell, mit dem diese Herrschaften leben könnten.

Die wissenschftliche Ökonomie, die entkleidet jeglicher Ethik daherkommt, ist sich selbst Zweck. In dieser Weise kann sie nicht Mittel sein, ein hehres Bestreben – d.h. soziale Ausgewogenheit, Teilhabe aller Menschen am erwirtschafteten Wohlstand – in die Tat umzusetzen. Betreibt man also Ökonomie um der Ökonomie willen, so ist ein vom Steuerzahler finanzierter Lehrstuhl nur um der Versorgung willen des darauf Sitzenden bezahlt, d.h. nichts als Selbstzweck.

Während die Liberalen einst – als große Gegenspieler der sozialistischen Bewegung – zwar die Freiheit des Marktes und damit die Freiheit des Unternehmers postulierten, kann dasjenige, was wir heute Neoliberalismus nennen, nur bedingt als Nachfolger angesehen werden. Die früheren Liberalen wollten zwar Freiheiten, nahmen dadurch kurzfristige – auch längerfristige – Notlagen der Arbeiterschaft bewußt in Kauf, aber auf lange Sicht gesehen, glaubten sie damit den Arbeitern höhere Löhne zuerkennen zu können. Denn wenn die unsichtbare Hand des freien Marktes unbegrenzten Spielraum habe, so diese utilitaristische These des Laissez-faire, würde sich alles zum Besten wenden – und dies für Unternehmer und Arbeiterschaft gleichermaßen.

Ob nun diese These Wahrheit geworden wäre oder nicht, ist in diesem Zusammenhang nicht von Bedeutung. Anzumerken sei aber, daß die Neoliberalen heute nicht von höheren Löhnen und der Verbesserung der Lebensumstände aller Menschen sprechen. Sie sprechen von Aufschwung und Wertschöpfung, aber meinen damit Akkumulation von Kapital bzw. sie sehen steigende Aktienkurse vor ihrem geistigen Auge. Zwar zeichneten sich die Liberalen des 19. Jahrhunderts durch Menschenverachtung aus, aber dennoch betrachteten sie die Wirtschaft als Instrument der Menschen; der Neoliberalismus teilt diese Verachtung mit den vermeintlichen Ahnen, doch meint er, der Mensch sei das Werkzeug des freien Marktes. Daher gilt Unterordnung als unumgänglich, denn die Gesetze des freien Marktes seien ja quasi Naturgesetze, die man nur erdulden, nicht aber verändern kann.

Speziell die Sinn’sche Auffasung läßt gar keinen Spielraum mehr für eine bessere Zukunft, sie serviert den Menschen trocken und kühl eine Analyse, die von Fleiß und Genügsamkeit (protestantischer Geist) fabuliert, aber keine Erlösung aus ausbeuterischen Verhältnissen kennt. Zudem scheint es im Sinn’schen Weltbild auch keine Sittlichkeit zu geben, denn über allem thront das abstrakte Unternehmen, die Institution, nicht das Individuum. Am Wohl des Unternehmertums meint er den Wohlstand der Werktätigen festmachen zu können. Der Einzelne ist nur ausführendes Organ, hat seine Stelle ohne Murren einzunehmen und nicht die Frechheit zu besitzen, an eine bessere – d.h. besser bezahlte, besser gesicherte, besser versicherte – Zukunft zu glauben.

Hans-Werner Sinn ist so betrachtet kein Neoliberaler, sondern gleicht eher einem autoritären, aller Moral nihilierten Apologeten eines Obrigkeitsstaates, der aber nicht Staatsinstitutionen zur Leitung der Geschicke beauftragt, sondern die Personalbüros hiesiger Großunternehmen. Aber lassen wir ihn nochmals zu Wort kommen:

“Das ist ja alles ziemlich frustrierend, was ich hier so höre. Dann müssen wir halt unser Land aufgeben. Die politischen Mehrheiten sind, wie sie sind. Der Lafontaine baut sich am linken Ufer auf, die SPD rutscht nach links, die CDU rutscht nach links, alles rutscht nach links.”Hans-Werner Sinn bei einer Podiumsdiskussion

Im Weltbild dieses Mannes, der sich gesättigt und im süßen Gefühl der beruflichen Sicherheit sonnt, erscheint die Koalitionspolitik als in Realität gezogener Sozialismus. Dieses Zitat ist bezeichnend für den Rigorismus und den Konservatismus dieses Herrn.