Die Westliche Welt hat die Islamische Republik Iran und dessen Präsidenten Ahmadinejad ganz offensichtlich zur medialen Vergewaltigung frei gegeben. Anders ist es nicht zu erklären, warum durch Verfälschungen der Präsidentenworte ein falscher Eindruck erweckt wird, und das bei fast jeder Rede.Als der iranische Präsident Ahmadinejad vor einigen Jahren an ein Wort Imam Chomeinis erinnerte, das Israel eines Tages von der Landkarte verschwinden werde, wurde in den westlichen Medien daraus die bösartige Legende gestrickt, er wolle alle Juden ausrotten. Jene inzwischen zum Rufmord gegen das ganze iranische Volk aufgestiegene westliche Propaganda wird selbst dann noch von den Main-Stream-Journalisten aufrecht erhalten, wenn mehrfach die Fehlübersetzung nachgewiesen wurde. Dazu sei hier nur kurz daran erinnert, dass Imam Chomeini auch die Auslöschung der Sowjetunion vorausgesagt hatte, und dieses wirklich eingetroffen ist. Russen leben dennoch immer noch dort. Und auch den Untergang des Westlichen Kapitalismus hat er vorausgesagt.

Bei der Rede Ahmadinejads an der Columbia-Universität gab es im Anschluss die Möglichkeit, direkt Fragen an den iranischen Präsidenten zu stellen, übersetzt durch Simultanübersetzer. Eine der Fragen bezog sich auf die Situation von Homosexuellen im Iran. Was daraufhin geschah, dürfte ein weiteres Kapitel westlicher Propaganda gegen den Islam und die Islamischen Republik Iran füllen.

Ahmadinejad begann seine Ausführungen mit den Worten: „Wir hatten im Iran keine Homosexuellen, wie ihr in eurem Land.“ Er wollte sicherlich nach dieser Einleitung das erläutern, was jeder gebildete Muslim diesbezüglich weiß, doch dazu kam es nicht. Die Übersetzung veränderte zunächst nur ein einziges Wort: „Wir haben im Iran keine Homosexuellen“ … legte einen kurze Pause ein, und ergänzte „wie ihr in eurem Land.“ Das Ergebnis war, dass das gesamte Podium in ein unüberhörbares Gelächter ausbrach und den Zusatz schon gar nicht mehr hörte. Hört man sich die Worte des iranischen Präsidenten unvoreingenommen an, so sind seine Intentionen und der einleitende Charakter der Aussage nicht zu überhören. Das einsetzende Gelächter aber zerstörte die Atmosphäre für eine sachliche Erörterung. Keine einzige der späteren Berichterstattungen in der Westlichen Welt ging auf diesen Übersetzungsfehler ein. Stattdessen füllte der erste Teilsatz die Schlagzeilen und versuchte den iranischen Präsidenten als Lügner darzustellen.

Was aber wollte Ahmadinejad wohl eigentlich sagen? Es wird letztendlich das sein, was Konsens unter Muslimen ist. Im Iran gab es jene Situation, wie sie derzeit in der Westlichen Welt existiert, diesbezüglich wirklich nicht. Genau so wenig, wie es in den Fünfziger Jahren in Deutschland Filme über Homosexuelle gab, gibt es sie auch im heutigen Iran nicht. Es gibt keinen Christophers-Street-Day, keine Sexualisierung der Gesellschaft in allen Bereichen, keine Plakate mit nackten Frauen und Männern an Bushaltestellen, keine öffentlich zugänglichen Swinger-Clubs, keine offene Reeperbahn, keine Pornozeitschriften im Supermarkt, keine täglichen Krimis und Familiensoaps im Fernsehen, in dem immer mindestens ein Homosexueller mitspielen muss und Ehebruch zur Normalität gehört, keine Priesterweihen für homosexuelle Eheschließungen, nicht einmal eine Diskussion darüber, und keine Politiker, die sich damit rühmen, homosexuell zu sein. Die Situation im Iran ist anders und daher nicht vergleichbar mit der Einstellung der Fragenden! Genau das wollte Ahmadinejad als Einleitung sagen. Zu mehr kam es aufgrund der falschen Übersetzung und der Reaktion im Publikum nicht.

Tatsächlich ist Homosexualität im Iran heute eine Straftatbestand, verankert im iranischen Strafgesetzbuch. Es sei allerdings daran erinnert, dass es unter dem gleichen heute noch gültigen Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland durchaus auch möglich war, dass Homosexualität einstmals auch in Deutschland eine Straftatbestand war.

Was aber sagt der Islam zu Homosexualität? Warum betrachtet der Islam Homosexualität als Perversion?

Das islamische Konzept von Familie, der Grundlage einer jeden gesunden Gesellschaft, hängt sehr eng mit der Schöpfung, Sexualität und paradiesischen Gefühlen zusammen. Die Ehe ist ein Hort dafür, das Paradies auf Erden für die körperlich reifenden Babys bereit zu stellen. Innerhalb dieses Mini-Paradieses spielt die eheliche Sexualität keine unbedeutende Rolle. Die Sexualität von Ehemann und Ehefrau gilt als Gebet, als demütiger Gottesdienst, als eine gegenseitige Befriedigung der körperlichen Bedürfnisse und als Quelle für paradiesische Freuden höchster Lust, die aber auf Erden nur begrenzt „ausgehalten“ werden kann. Begriffe wie „Befriedigung“ und „Lust“ stehen genau so im Heiligen Qur´an, wie der Hinweis darauf, dass Mann und Frau füreinander ein Gewand sind, dass sie anziehen können und dass sie bedeckt, wärmt, schützt usw. Und Begriffe wie „Orgasmus“ von Mann und Frau stehen in jedem religiösen Regelwerk der großen islamischen Gelehrten (vergleichbar dem Katechismus bei Katholiken).

Diese Form der Liebe als körperlicher Ausdruck eines seelischen Verschmelzens stellt im Islam eine Vorstufe der “Vereinigung“ mit Gott dar. Das andere Geschlecht ist derart anders, derart verschieden, dass man es nicht nachvollziehen kann. Kein Mann kann sich vorstellen, wie jemand fühlt, der ein Embryo im Leib tragen kann oder ein Baby mit dem eigenen Leib nähren kann. Selbst wenn er sich noch so sehr anstrengt, er kann es nicht selbst „fühlen“. Durch die Liebe zu dem anderen Geschlecht aber lernt er in einer Art Vorstufe, die Liebe zu dem wirklich Anderen, dem Schöpfer allen Seins, besser zu verstehen. Der große und auch in Deutschland bekannte islamische Mystiker Dschalaleddin Rumi bezeichnete dementsprechend den Abend des Ablebens als „Hochzeitsnacht“. Und in dieser wunderbaren Gnade der Sexualität gewährt der Schöpfer dem Paar sogar die Beteiligung an der urschöpferischen Eigenschaft, dem Erschaffen des Menschen.

Während die Liebe zum Ehepartner, zu der Person, zu der man sich „bekannt“ hat, der man Treue geschworen hat, eine Annäherung zum Schöpfer dieser Liebe bedeutet, sind gemäß islamischer Vorstellung „Selbstbefriedigung“ oder „Homosexualität“ Abwendungen von Gott und Seiner Schöpfung. Nicht das „Andere“ wird gesucht, wonach die Seele strebt, sondern das „Ich“. Der Islam aber lehrt die Überwindung des „Ich“ zu einem viel größeren schöneren und prächtigeren „Wir“.

Hätte man den Präsidenten der Islamischen Republik Iran nicht vorsätzlich und krampfhaft einer vermeintlichen Lüge überführen wollen, hätte man in aller Sachlichkeit diese Aspekte ausdiskutieren können.

Was aber bedeutet das für die Gesellschaft? In der islamischen Gesellschaft des Iran gibt es keine „öffentliche“ Homosexualität. Es wird im Iran als Straftat betrachtet. Unter Umständen könnte es sogar zur Todesstrafe führen; eine Androhung, welche die Schwere dieses Vergehens gegenüber Gott und den Schaden für die Gesellschaft verdeutlichen soll. Andererseits ist bisher noch niemand im Iran deswegen mit der Todesstrafe verurteilt worden, was auf den nicht erfüllbaren Beweischarakter hinweist, denn im Islam ist jede Straftat – im Gegensatz zur westlichen Welt – an eine spezifische Beweisführung gekoppelt, die in manchen Fällen, wie diesem, kaum zu erfüllen sind. Der Grund für diese Art der Strafandrohung, ohne sie jemals umzusetzen, dient dazu, dem Einzelnen und auch der Gesellschaft zu signalisieren, was der Natur des Menschen derart widerspricht, dass es dem Einzelnen wie auch der Gesellschaft aus islamischer Sicht schweren Schaden zufügen würde, aber andererseits es zu keinem öffentlichen Thema werden soll. Die wenigen Todesstrafen, die diesbezüglich von westlichen Homosexuellenverbänden propagandistisch ausgeschlachtet wurden, waren immer Urteile aufgrund von Vergewaltigung (und betraf daher immer nur einen von beiden), und die führt im Iran fast immer zur Todesstrafe, unabhängig davon, ob homosexuell oder heterosexuell.

Was aber ist mit jenen Menschen, die sich trotz solch schwerer Strafandrohung vom gleichen Geschlecht angezogen fühlen. Hier hat der Islam (und damit auch der Iran) eine aus westlicher Sicht ungewöhnlich pragmatische Lösung parat. Die Geschlechtsumwandlung ist erlaubt! Das geistige Oberhaupt Imam Chamenei hatte einstmals öffentlich eine für ihren gesellschaftlichen Einsatz bekannte Frau (die als Mann geboren war) empfangen und genau so behandelt und gewürdigt, wie jede andere Person auch. Dieses Verhalten islamischer Gelehrter ist selbst für manche Muslime schwer nachvollziehbar und dokumentiert, wie weit Muslime selbst in ihrer Gefühls- und Gedankenwelt vom islamischen Ideal entfernt sind.

Dennoch wird hier das Gegenargument kommen, dass man ja jemanden, bei dem Homosexualität angeboren sei, ja nicht dazu zwingen kann, sein Geschlecht zu ändern. Aber es gibt keine wirklich freie wissenschaftliche Untersuchung zum Thema, sondern sie ist stets ideologisch geprägt. Ein wissenschaftliche Ergebnis, das zu dem Ergebnis käme, dass es in der überwiegenden Zahl der Fälle anerzogen und nicht angeboren ist, würde in der Westlichen Welt gar nicht zugelassen werden. Hierbei driftet die in ihrer ehemaligen Freiheit so starke Westliche Wissenschaft genau in die Richtung ab, die zum Untergang der mittelalterlichen Wissenschaft aber auch der muslimischen Wissenschaft führte; die Aufstellungen von unsachlichen Schranken in der Denkweise und Wissenschaft. Es sei bezüglich der möglichen Anerziehung von Homosexualität hier nur daran erinnert, dass die beiden typisch westlichen (nicht muslimischen) Klischees für Homosexualität, nämlich Seidenhemd und Goldkette, für muslimische Männer verboten sind und das Tragen von rötlichen Farben für Männer verpönt ist.

Aus westlicher Sicht besteht im Iran eine Diskriminierung von Homosexuellen. Selbst wenn nie jemand dafür bestraft wird, liegt doch eine klare und unmissverständliche Verbannung aus der Gesellschaft vor, die nicht zu leugnen ist. Und das wird von der heutigen Westlichen Welt als Diskriminierung gewertet, und die ganze Welt hat sich nach diesem Maßstab der Westlichen Welt zu richten. Und genau an dieser Stelle beginnt der so genannte „Kampf der Kulturen“, der eigentlich nur ein Kampf der westlichen Kultur gegen den Rest der Welt ist.

Schließlich will niemand die Westliche Welt dazu zwingen, Homosexualität als Perversion zu verbieten. Es gibt keinen einzigen Regierungschef der Welt, der von irgendeinem westlichen Staat verlangt, dass Homosexualität verboten wird. Auch Ahmadinejad hat solch eine Äußerung nicht getätigt, auch in den USA nicht. Aber es gibt sehr viele westliche Regierungschefs, die ihre Rechtsvorstellung, ihre Denkweise den Muslimen aufzwingen wollen. Zahlreiche westliche Regierungschefs wollen ihre „Scharia“ zwangsweise in die muslimische Welt exportieren, und wenn sich Muslime dem nicht anpassen, sie dafür ächten.

Das Problem westlichen Denkens besteht darin, dass sie nicht ganzheitlich, nicht nachhaltig und dadurch immer häufiger doppelzüngig ist. Denn an dieser Stelle sei die Frage erlaubt, ob jede Form von Sexualität in der Westlichen Welt frei und erlaubt ist. Das ist sicher nicht der Fall. Es gibt z.B. auch im deutschen Strafgesetzbuch den Straftatbestand des Inzest (§ 173). Jenes Gesetz geht zweifelsohne auf die göttliche Gesetzmäßigkeit zurück, auch wenn das heute ungern zugegeben wird. Derzeit wird aber vor dem Bundesverfassungsgericht ein Fall diskutiert, der letztendlich zur Abschaffung diese Straftatbestandes in Deutschland führen könnte. Und was ist dann? Müssen dann alle anderen Ländern auch sich der deutschen Denkweise anschließen?

Homosexualität ist im Islam auf Basis der Geschichten des Volkes, zu dem der Prophet Lot geschickt wurde, verboten. Daran führt kein Weg vorbei! Aber der Islam ist nicht die einzige Religion der Welt, in der das verboten ist! Daran sollte bei dieser Gelegenheit erinnert werden. Insbesondere diejenigen, die das christlich-jüdische Erbe so lautstark verteidigen wollen, sollten solche Aspekte nicht vergessen.

Frieden auf Erden ist nur dann möglich, wenn es keinen Zwang im Glauben gibt, wie es der Heilige Qur’an beschreibt, auch keinen Zwang in die Details eines Glaubens, selbst wenn sich ein „Glaube“ Ideologie nennt. Jede Gesellschaft kann und muss selbst die eigenen Werte „erarbeiten“ dürfen und keine Gesellschaft hat das Recht, ihre Wertvorstellungen, andern aufzuzwängen. Genau so wenig, wie die Mehrheitsgesellschaft in Deutschland die islamische Scharia wünscht, genau so wenig wünscht die iranische Gesellschaft die westliche „Scharia“. Jede Gesellschaft muss selbst die Konsequenzen ihres Handelns tragen, auch in der Familienpolitik. Ein Westliches Hegemonialstreben, dass der ganzen Welt die eigene Denkweise, teilweise auch mit Kriegen und öffentlich geduldeter Folter aufzwingen will, schadet nicht nur den Opfern sondern letztendlich auch sich selbst. Das zu erkennen obliegt aber jeder Gesellschaft selbst. Muslime als Mitglieder der deutschen Gesellschaft können und müssen darauf hinweisen, dass Homosexualität in ihrer Religion eine Sünde ist. In wie weit die Gesellschaft diesen Hinweis berücksichtigt, ist ihre Sache.

Zurück zur Frage über Homosexuelle im Iran. Ja, es gibt sie, auch dort! Die Tatsache, dass etwas irgendwo verboten ist, führt nicht dazu, dass es das Phänomen nicht mehr gibt. Aber Homosexuelle treten im Iran nicht öffentlich in Erscheinung. Aus Westlicher Sicht könnte man nach den hiesigen Maßstäben auch sagen, dass sie dort ihre Vorstellungen von Sexualität nicht offen ausleben können. Dafür müssten sie in die westlich Welt ausreisen. Allerdings – und das sei auch in diesem Zusammenhang erwähnt – gewährt fast kein einziger westlicher Staat Iranern Asyl, wenn sie angeben, verfolgt zu sein wegen Homosexualität. Warum eigentlich nicht, wenn man doch meint, dass solch ein Verhalten zu den Menschenrechten gehöre, die zu schützen seien?

Ohne definierte und nachvollziehbare Werte wird keine Gesellschaft der Erde sich selbst schützen können. Aber sobald Werte definiert werden, muss jede Gesellschaft für sich selbst klären, wer die Definitionshoheit – zumindest für die eigene Gesellschaft – hat. Im Iran hat das Volk bestimmt, dass es von den Werten des Islam regiert werden will, so unterschiedlich sie auch interpretiert werden. Darunter fallen auch die Minderheitenrechten für u.a. Christen und Juden. Und es sind im Iran alle drei genannten Religionen gemeinsam, die Homosexualität von der Gesellschaft verbannen möchten. In Deutschland – so wurde es jüngst behauptet – hätte die Gesellschaft auch nichts gegen einen homosexuellen Kanzler. Das müssen die deutschen Wähler selbst bestimmen! Aber sie müssen auch lernen, dass die Mehrheitsmeinung der Westlichen Welt nicht der Maßstab für die ganze Welt sein kann. Und es wird auch in Zukunft immer Länder geben, in denen gleichgeschlechtliche Ehen nicht möglich sein werden, da eine Ehe dort als Zusammenschluss zweier unterschiedlicher Geschlechter verstanden wird. Denn auch das Wort Ehe wurde einstmals von Gott definiert, und zwar schon seit Adam und Eva. Wenn Menschen das umdefinieren wollen, müssen sie das vor Gott und dem Menschen verantworten, wie es in der Präambel des deutschen Grundgesetzes steht.

Frieden auf Erden ist möglich, wenn die Westliche Welt aufhört, seine Maßstäbe der ganzen Welt aufzwingen zu wollen, denn das größte Unheil dieser heutigen Welt geht von der Westlichen Welt aus: Das zumindest empfindet der überwiegende Teil der restlichen Welt. Aber nicht einmal das bekommt die Westliche Welt mit, weil sie das Denken der Anderen in jeder Hinsicht missachtet. Im Gegenzug müssen aber auch Muslime lernen, ihre eigenen Maßstäbe bescheiden und vor allem demütig vorzutragen; das genau lehrt Imam Ali, an den dieser Tage in der muslimischen Welt gedacht wird.