Unser Volk befreite sich bei seinem revolutionären Entwicklungsprozess vom Laster der Verführung und Abtrünnigkeit, reinigte sich von wesensfremdem Gedankengut und kehrte zur islamischen Weltanschauung und ihren geistigen Positionen zurück. Und nun hat sich das Volk zum Ziel gesetzt, durch islamische Prinzipien eine vorbildliche Gesellschaftswesen aufzubauen. Basierend auf diesen Prinzipien besteht die Aufgabe der Verfassung darin, die aus dem Glauben basierenden Grundlagen der Bewegung zu objektivieren und Voraussetzungen zu bereiten, unter denen sich der Mensch mit den erhabenen und ganzheitlichen islamischen Werten entwickeln und entfalten kann. Da der islamische Gehalt der Revolution des Iran einen Beginn zur Befreiung aller Unterdrückter von ihren Unterdrückern darstellte, bereitet die Verfassung die Grundlage für die Fortsetzung dieser Revolution mit Wirkungen im In- und Ausland.
(Aus der Präambel der Verfassung der Islamischen Republik Iran)
Die Übersetzung erscheint anlässlich des Jahres der nationalen Einheit und islamische Geschlossenheit 1386 persischer Zeitrechnung.
Vgl. Khomeinis platonischer Idealstaat und die traditionalistische Schule
„Irfan gab [Khomeini| das Ideal eines gewöhnlichen Gläubigen, der aufsteigen konnte um ein vollkommener Mensch zu werden, ein Heiliger oder Arif, dessen Wissen des Göttlichen ihn befähigt die rechte Leitung für seine Gemeinschaft zu bewerkstelligen, so daß er als Gottes Statthalter auf Erden fungieren kann. Dieses Wissen um die ewigen Wahrheiten umfaßt spezielle Fähigkeiten des Urteilens wie auch Mut, Selbstdisziplin und Gerechtigkeitssinn. Er ist in der Tat eine religiöse Version von Platons Philosophenherrscher, und der islamische Staat ist in diesem Zusammenhang eine Utopie in der Tradition von Platons Republik.“ Betrachtet man „Wilayat-e faqih“ einmal unter der platonischen Optik so ergeben sich neue Perspektiven für das westliche Verständnis und die orientalische Fremdheit schwindet. Angefangen vom „Wächterrat“, dessen Name nun plötzlich vertrauter klingt, über die herrschenden „Mullahs“, die ja keineswegs Priester sind, sondern Gelehrte. Schließlich ist auch der erzieherische Auftrag des Staates von Platon vehement und rein vernünftig verfochten worden – was immer man davon halten und an liberalen Argumenten dagegen setzen mag, fest steht, daß Platon kein religiöser Eiferer und auch nicht dem Obskurantismus verfallen war, sondern mit Vernunftargumenten für Einschränkungen und Verbote z.B. der ausschweifenden Künste, plädiert hat. In der Scharia sind nach muslimischer Überzeugung auch keine vernunftwidrigen Gebote und Verbote enthalten, die man „glauben muß, weil sie absurd sind“, sondern die dem Menschen mit einer geordneten Seele, die also nicht triebgeborenen Götzen verfallen ist, einsichtig sind. Von noch grundlegender Bedeutung ist das Gesamtziel des Staates: die Gerechtigkeit. Hier sind die Parallelen zur Schia, die als einzige islamische Rechtsschule die göttliche Gerechtigkeit als einen Grundpfeiler des Glaubens bezeichnet, offensichtlich.



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